Neu im Kino: Verräter wie wir

Professor gerät im Urlaub an einen Finanzmanager der russischen Mafia, der ihn um Hilfe bittet. Er versucht es, doch natürlich entwickeln sich die Dinge nicht ganz so einfach wie erhofft…

Nach John le Carré

Leider scheint es so, als wäre „The Night Manager“ nach wie vor der verfilmte Höhepunkt nach Büchern von le Carré – oder die Fernsehserien um George Smiley? Der Punkt scheint zu sein, dass sich der britische Spionageautor offensichtlich besser als Serie umsetzen lässt denn als Film und so weist „Verräter wie wir“ zwar durchaus einige spannende Passagen auf, besonders gegen Ende, aber die rundum glücklich machende Qualität eines „Nachtportiers“ wird leider nicht erreicht – zum Glück aber auch nicht die rundum ermündende Langweiligkeit eines „ewigen Gärtners“. So sind die „Verräter“ irgendwie solides Mittelfeld, gut besetzt, zwischenzeitlich spannend, aber nicht so befriedigend, wie man sich das erhofft hätte. Was schon deshalb schade ist, weil man hier eine sehr gute Besetzung hat – bei der wir den Namen Bond dreimal nennen dürfen.

Bond und Co.

Ewan McGregor spielt die Hauptrolle – und der war wohl mal für den bekanntesten Geheimagenten Ihrer Majestät im Gespräch… doch ein Gerücht besagt, dass er nach seiner Einbindung in drei „Star Wars“-Filme ohne Mitspracherecht und immer möglicherweise vertrauensunwürdigen Drehbuchautoren ausgeliefert, keine Lust auf eine Bindung an ein weiteres großes Franchise hatte. Nachvollziehbar, aber schade für uns, die wir um einen guten 007 gebracht werden. Danke, George Lucas! Seine Frau wird dargestellt von Naomie Harris, der aktuellen Miss Moneypenny. Und dann ist da noch Damian Lewis, der derzeit, wie so viele andere, als neuer Bond im Gespräch zu sein scheint. Spielen kann der Mann – und, machen wir uns nichts vor, nach Daniel Craig kann es eigentlich nur noch besser werden. Also warum nicht? Abgerundet wird das Ensemble durch den Bond-unbeleckten Stellan Skarsgard. Ich wollte eigentlich schon schreiben, dass er sich hier, anders als im Marvel Universum keine Blöße geben – sprich: ausziehen – muss, aaaaber da sagt bzw. zeigt uns der Film was anderes. Nichtsdestotrotz eine schöne Besetzung. Und dann ist da auch noch Mark Gatiss, der seine Rolle aus „Sherlock“… nicht fortführt.

Fazits wie wir

John le Carré ist einer der ganz großen im Spionagegenre, doch bei ihm sind es nicht immer die taffen Agenten, die einen Auftrag zu erfüllen haben, sondern eher normale Menschen, die durch irgendetwas in eine Situation geraten, in der sie die Aufgabe eines Agenten übernehmen müssen. Auch hier ist das so – und obschon ich Ewan McGregor sehr schätze, ist der vielleicht etwas zu „hart“ für die Rolle. Ein weicherer Schauspieler wäre da vielleicht eine bessere Wahl gewesen – oder vielleicht hätten er und Lewis die Rollen tauschen sollen? Jedenfalls ein Film mit ein paar durchaus spannenden Sequenzen, von dem man sich aber irgendwie mehr erhofft hätte. Ab 7. Juli 2016 im Kino.

Neu auf DVD: HAIL, CAESAR!

hail_caesar_fr_xp_dvdEin Problemlöser, der für ein Studio im goldenen Zeitalter Hollywoods arbeitet. Und es gibt viele Probleme zu lösen: Ein Star, der entführt wird, eine schwangere Schauspielerin, ein untalentierter Cowboydarsteller und jede Menge Kommunisten…

Hail, Hollywood!

Ein Rückblick in eine Zeit, in der es noch ein Studiosystem gab, in dem die Stars den Studios quasi gehörten – und in dem man andere Filme gemacht hat als heute. Und von all dem bekommen wir kleine Ausschnitte, kleine Einblicke, herrliche kleine Vignetten aus verschiedenen Genres. Da ist der Western, das Musical, das Drama, der teure Sandalenfilm und vielleicht das erste Esther Williamsianische Wasserballett seit „Austin Powers 2“. Das war die Art Filme, die man in dieser Zeit gemacht hat – und die Coen Brüder scheinen ein immenses Vergnügen daran gehabt zu haben, sie für ihren Film noch einmal wiederauferstehen zu lassen und mit modernen Mitteln altmodisch in Szene zu setzen. Und die Freude überträgt sich auf den Hollywoodaffinen Betrachter!

Hail, Coens!

Offensichtlich scheint das Studio des Films tatsächlich denselben Namen zu tragen wie das, für das „Barton Fink“ einst engagiert wurde – doch dieser Film ist der ungleich unterhaltsamere von beiden. Bei den Coens ist das so eine Sache. Oder, um es so zu formulieren: Es kann einem ja nicht alles gefallen. Während für viele „Millers Crossing“ einer der Höhepunkte ihres Schaffens zu sein scheint, konnte ich damit nie soviel anfangen. Sehr gut sind „No Country For Old Men“ und „Fargo“, sehr stimmig „The Man Who Wasn’t There“, aber mein Lieblingsfilm von ihnen wird wohl immer „The Big Lebowski“ bleiben. Daran reicht „Hail, Caesar!“ nicht heran, aber er ist trotzdem ein herrliches Vergnügen, ein Einblick ins alte Hollywood, der wahrscheinlich näher an der Realität ist, als manche Hollywoodgröße zugeben würde. Er gibt phantastisch das Flair dieser Zeit wieder und ist einfach wunderbare Unterhaltung mit der richtigen Prise Humor – und einer großartigen Besetzung.

Hail, Clooney!

George Clooney gibt den leicht schwer von Begriff-lichen Star sehr überzeugend und mit Vergnügen, Tilda Swinton darf zwei Schwestern spielen, Frances MacDormand hat eine wunderbare Szene als Cutterin und Josh Brolin kann beweisen, dass er seine Klischeebesetzung des harten Kerls auch mit Humor versetzen kann. Die Entdeckung des Films dürfte aber Alden Ehrenreich sein, der hier als Cowboy brillieren und als Dramaschauspieler versagen kann – beides wunderbar gespielt. Er erinnert an den Cowboyschauspieler Audie Murphy, was wohl kaum Zufall sein dürfte. Und, was mir beim ersten Schauen gar nicht so bewusst geworden ist, aber mit Christopher Lambert und Clancy Brown bietet der Film überdies die beiden Endgegner aus „Highlander“… es kann eben wohl doch nicht nur einen geben.

Hail, Bonus!

Nette Interviews, in denen man nicht nur erfährt, wie alle Beteiligten zu den Coens stehen, sondern auch, wie und warum George Clooney dafür verantwortlich ist, dass es diesen Film überhaupt gibt.

Hail, Besetzung!

Josh Brolin (Klaus Dieter Klebsch), Alden Ehrenreich (Ricardo Richter), George Clooney (Detlef Bierstedt), Max Baker (Frank Röth), Ralph Fiennes (Udo Schenk), Heather Goldenhersh (Katrin Zimmermann), Ian Blackman (Erich Räuker), Veronica Osorio (Maja Maneiro), Tom Musgrave (Jaron Löwenberg), David Krumholtz (Tommy Morgenstern), Tilda Swinton (Karin Buchholz), Fisher Stevens (Gerald Schaale), Patrick Fischler (Oliver Siebeck), Fred Melamend (Hans Eckart Eckhardt), Michael Gambon (Christian Rode), Robert Picardo (Stefan Staudinger), Clancy Brown (Jürgen Kluckert), Christopher Lambert (Joachim Tennstedt) – Regie: Joel Coen & Ethan Coen

Hail, Fazit!

Verbeugung und Parodie auf Hollywood. Erzählt in vielen schönen Vignetten, die aber alle zusammenfinden und einen Sinn ergeben, wobei die Szene mit den Geistlichen nach wie vor einer der Höhepunkte des Films bleibt. War beim ersten Schauen im Kino für mich einer der besten Filme des Jahres – und ist nach dem zweiten Ansehen immer noch! Ein Film, von Filmfreunden für Filmfreunde. Ein echter Genuss für Filmliebhaber. Einfach ein guter Coen! Ab 30. Juni 2016 auf DVD und Blu-ray von Universal Pictures.

Neu im Kino: Ice Age – Kollision voraus!

Es beginnt mit der Schöpfung des Universums… und dann kehren wir auf die Erde zurück, wo wir auf die Geschöpfe aus den anderen Ice Age Filmen treffen, die versuchen müssen, eine Katastrophe zu verhindern, die zu ihrem Aussterben führen könnte…

Ice and Furious 5

Da haben wir also Teil 5… und ich bin nichtmal sicher, ob ich den zweiten noch ganz gesehen habe. Was zu einem Großteil an der extremen Nervigkeit von Otto in der deutschen Fassung lag. Die ist „zum Glück“ erhalten geblieben. Aber soweit ich mich erinnern kann gab es da nicht viel mehr als Ottos Faultier, Thomas Fritschs… Löwen? (Typecasting!) und Arne Elsholtz’ Manni das Mammut. Und da fragt man sich: Wie kommt ein Sprecher wie Arne Elsholtz in so einen Film? Denn er ist kein Star, den man im Fernsehen herumreichen kann, er ist ein großartiger Synchronsprecher! Es wird wohl immer ein Rätsel bleiben, (wahrscheinlich wollte man Andreas Elsholz, hat dann aber zu spät bemerkt, dass man, statt einen „bekannten“ Soapler einen begabten Schauspieler hatte… oder es hat niemand bemerkt, bis der Film in die Kinos kam und dann war’s zu spät), aber bleiben wir noch kurz beim Film, bevor wir zu dem kommen, was mir in diesem Fall wirklich am Herzen liegt.

Wenn man die anderen 4 Filme gesehen hat – oder wenn man sehr, sehr jung ist, oder beides, dann findet man wahrscheinlich Freude an diesem Film. Wenn man die 70er-Jahre-Synchros von Rainer Brandt mag, die eine verkorkste Sprache in die Münder der Schauspieler legen, dann vielleicht auch. Ansonsten bietet der Film ein paar ganz nette Gags und Ideen, aber eigentlich nicht genug, um damit über die ganze Strecke zu tragen. Die Gruppe, um die es geht, scheint seit dem ersten Film gewachsen zu sein, denn jetzt leben fast alle in Beziehungen, haben Kinder und die sind schon teils erwachsen genug, um heiraten zu wollen und daraus entspringt dann auch der eine oder andere Konflikt für den Film. Aber kommen wir zu den wichtigen Dingen:

Whitey Weissmans Vater ist tot!

Das Jahr ist noch nichtmal halb vorbei und doch haben uns schon viele tolle Schauspieler und Synchronsprecher verlassen, und da auf letztere für gewöhnlich weniger eingegangen wird, mache ich das an dieser Stelle. Uwe Friedrichsen ist gestorben. Was einige wissen mögen, ist, dass er die deutsche Stimme von Danny Glover in den „Lethal Weapon“-Filmen war, aber wer weiß schon, dass er auch als erster in Deutschland „Columbo“ die Stimme lieh, bevor nach zwei Filmen Klaus Schwartzkopf Figur und Rolle hierzulande berühmt machte? Und er war Donald Sutherland in „M.A.S.H.“…

Wolfgang Hess hat uns verlassen. Auch dieser Name wird vielen wahrscheinlich nichts sagen, aber seine Stimme dürften einige dennoch kennen. Er war unschlagbar für Robbie Coltrane in „Für alle Fälle Fitz“ und unerreicht für Bud Spencer… der einen Tag vor der Veröffentlichung dieses Artikels verstorben ist.

Und dann ist da noch Arne Elsholtz. Mit ihm verlieren wir einen der vielseitigsten Akteure der Synchronbrache. Manchmal hört man eigentlich lieber die deutsche Fassung, nur weil er spricht, denn er hatte immer den Schalk in der Stimme. Eric Idle hat er in den Monty Python Filmen synchronisiert und scheint auch für die hervorragende deutsche Fassung von „Das Leben des Brian“ verantwortlich zu sein. Einem breiten Publikum dürfte er bekannt sein als deutsche Stimme von Tom Hanks, Bill Murray, Kevin Kline und… O.J. Simpson. Den hat er in den drei „nackte Kanone“-Filme gesprochen, bei denen er, zumindest beim ersten, auch für das deutsche Buch verantwortlich war. Und erst zu Zeiten von DVD und multiplen Tonspuren habe ich erfahren, dass das, was wir damals am meisten aus diesem Film zitiert haben, das, was für uns den Film gewissermaßen ausgemacht und zusammengefasst hat, in der Originalfassung gar nicht vorhanden ist, sondern nur aus der deutschen Fassung stammt – und damit von Arne Elsholtz: Whitey Weissman. Denn im Original sieht man, wie ein Polizist auf einen Zeugen zugeht, um ihn zu befragen und seine Personalien aufzunehmen, aber dort ist die Szene stumm – während der schwarze Mann im Deutschen sagt: „Mein Name ist Whitey Weissman“. Danke, Arne Elsholtz, für diese und viele andere wunderbare Momente, die du uns geschenkt hast! Ich werde dich vermissen!

Ice Faz

Manni wurde in der deutschen Fassung immer von Arne Elsholtz gesprochen, nach dessen Tod wurde diese Rolle jetzt aber von seinem Kollegen Thomas Nero Wolf (Hugh Jackman, Anthony Head) übernommen, der es hin und wieder schafft, nach Elsholtz zu klingen, aber das macht aus einem schwachen noch keinen guten Film. Es gibt nette Szenen, aber so richtig zu überzeugen weiß das Gesamtergebnis leider nicht. Ab 30. Juni 2016 im Kino.

Neu im Kino: Paraiso

Heißt Paradies und… ist vielleicht etwas übertrieben.

Ein molliges Pärchen zieht nach Mexico City. Als sie während einer Party seiner Firma schlechte Erfahrungen macht, entscheidet sie sich für eine Diät – bei der letztendlich er mehr abnimmt als sie. Das führt zu Problemen und Konflikten und überhaupt…

Nichts neues, aber ganz nett

Und das ist es. Die beiden sind ganz sympathisch, obwohl man irgendwie das Gefühl hat, dass bei ihm was nicht stimmt, was aber daran liegt, dass er nicht wirklich dick ist und man sich dann schnell denken kann, dass nur einer von beiden abnehmen wird. Dass sie später behauptet, er hätte sich mit der Abmagerung verändert, trifft eigentlich nicht so ganz zu, aber unterm Strich haben wir ja auch einen Film nach dem Motto: Wir schaffen uns unsere Probleme selbst. Und das ist ja leider auch nicht ganz unrealistisch.

Fazitso

Ganz nette Komödie mit ein bisschen lecker essen. Ab 30.6.2016 im Kino.

Neu im Kino: MA MA – Der Ursprung der Liebe

Frau erfährt, dass sie Brustkrebs hat und lernt Mann kennen, dessen Frau gerade Dank Unfall zu sterben begonnen hat. Die Brust muss ihr entfernt werden, doch dann wird alles gut… oder?

Krebs

Immer ein gutes Thema. Und eigentlich wäre das eine Paraderolle für Julianne Moore gewesen, die ja immer auf so was besetzt wird und dabei dann auch immer großartig ist. Doch da es sich um einen spanischen Film handelt, fiel die Hauptrolle an Penelope Cruz, und die ist… nicht so gut. Vielleicht liegt es an ihr, dass man irgendwie nicht so richtig mit der Figur mitfühlen will? Vielleicht liegt’s aber auch daran, dass der Film verschiedene (zu viele) Dinge aufweist, von denen man sich im Vorfeld hätte verabschieden können. Manche davon machen die Sache einfach, nun, nicht zu kompliziert, aber sie wären für den Handlungsverlauf nicht nötig gewesen. Zum Beispiel das kleine Mädchen aus Sibirien, das nun leider niemals adoptiert werden wird (was der Film aber ignoriert). Die, um es mal offen zu sagen, nervt. Und da ich inzwischen mein Vertrauen in Filme verloren habe, bin ich auch nicht davon ausgegangen, dass diese Sache, die schon im Vorspann angerissen wird, irgendwann zufrieden stellend aufgelöst werden oder schlicht zu etwas führen würde. Und so war es dann auch.

Die andere Sache ist, wie sie letztendlich zum Ersatzmädchen kommt. War da wirklich ein Besuch im Swingerclub samt Gangbang notwendig? Hätte man das nicht auch anders lösen können? Nun, die einfache Antwort ist: man hätte! So ist einfach zu viel in den Film gestopft, das man für die Handlung schlicht nicht braucht und das sie auch nicht besser macht. Als Spekulation sei noch gesagt, dass in der Pressevorführung die „ungekürzte Fassung“ lief, was wahrscheinlich bedeutet, dass all die Brust- und Nippelbilder für den amerikanischen Markt noch geschnitten werden werden.

FA ZIT

Irgendwie nicht so berührend, wie er sein sollte, was möglicherweise an der Überfrachtung, vielleicht aber auch an der Hauptdarstellerin liegt. Ganz nett ist, wie viele der Szenen sich mit anderen überschneiden. Ab 30.6.2016 im Kino.

Neu im Kino: High-Rise

Als ein neuer Mieter in ein High-Tech-Gebäude einzieht, verändern sich die gesellschaftlichen Strukturen des Hauses hin zu dem Chaos, mit dem der Film eröffnet…

Snowpiercer“ in einem Hochhaus

Mehr oder weniger. Und ich mochte „Snowpiercer“ nicht. Und ich werfe diesem Film das gleiche vor, was ich auch ersterem vorwerfe: Wenn ihr eure Gesellschaftsstrukturen nicht richtig durchdenkt, dann lasst es doch einfach! So ist auch hier die Grundidee irgendwie nett und…

Nein, fangen wir beim Anfang an. Der Film startet ausgesprochen interessant und begibt sich dann zeitlich zurück, um uns zu veranschaulichen, wie es dazu gekommen ist. Das Problem ist: Man erwartet/erhofft sich nun eine interessante Geschichte… doch die bleibt aus. Alles, was so verheißungsvoll begonnen hat, wird irgendwann irgendwie banal. Und nich so dolle. Eine Enttäuschung, um es mal so zu nennen.

Hauptproblem? Warum zum Henker verlassen die Personen das Gebäude? Warum gibt es eine Außenwelt, einen Arbeitsplatz, den wir auch zu sehen bekommen? Wenn so etwas funktionieren soll, dann muss das Haus die einzige (sichtbare) Welt sein. Man kann vielleicht Gerüchte über die Außenwelt hören, aber sie muss immer außen vor bleiben. Denn sonst stellt man sich die Fragen, die sich die Filmemacher hier nicht gestellt haben und die der Film auch nicht beantwortet. Wäre alles auf das Haus selbst beschränkt… würde daraus noch kein guter Film, aber alles würde weit mehr Sinn ergeben – und etwas weniger enttäuschend sein.

Oh, und wenn man schon Lieder von ABBA zweimal sehr schön und effektiv einsetzt, dann sollte doch bitte ALLE Musik im Film von ABBA sein! Dafür ist alles irgendwie in sehr beeindruckenden Bilder erzählt – und die „Autopsie“ eines Kopfes hat schon einen ausgiebigen Schockeffekt.

Marvel vs. DC

Alle, die lange auf einen Kampf Marvel gegen DC gewartet haben, bekommen ihn hier endlich geboten. Wenn auch nur auf dem Squashplatz. Da treten Marvels Loki Tom Hiddleston und DCs Butler Alfred Jeremy Irons nämlich gegeneinander an. Aaaaaber das war’s dann auch schon irgendwie, denn auch wenn man sich freut, beide Schauspielrecken zu sehen, so ist die Handlung dann doch leider weder spannend noch mysteriös genug, um die Freude bis zum Ende aufrecht zu erhalten. Wenn es wenigstens ein Geheimnis gegeben hätte, eine fremde Macht, die für alles verantwortlich gewesen wäre… Naja, kann man dann wohl nix machen.

Mit

Tom Hiddleston (Peter Lontzek), Jeremy Irons (Thomas Fritsch), Luke Evans (Dennis Schmidt-Foß), James Purefoy (Markus Off), Reece Shearsmith (Gerritt Schmidt-Foß)

High-Fazit

Fängt super an, driftet dann aber in sehr unbefriedigend ab, was angesichts von Ausgangsposition und Besetzung mehr als enttäuschend ist. Ab 30.6.2016 im Kino.

Neu im Kino: Lou Andreas-Salomé

Lou will mit Männern eigentlich nix zu tun haben, außer quatschen, auch wenn sie von Nietzsche bis Rilke jeder flachlegen will. Einer davon schaffts, wir verraten aber nicht, wer, damit noch ein bisschen Spannung bleibt. Ach, schön wärs, von Spannung keine Spur. Die Geschichte einer Frau, die zahlreiche bekannte Persönlichkeiten der Geschichte kannte und immer frei leben wollte, die laut Presseheft „als Philosophin, Schriftstellerin und Psychoanalytikerin eine der gelehrtesten und produktivsten Frauen ihrer Generation“ war, was sie 1933 jemandem erzählt, der es zu Papier bringt, so dass wir heute diesen überaus langweiligen Film sehen dürfen…

Oh

Da hab ich mit dem Fazit wohl etwas vorweggegriffen. Oder vielmehr das Fazit vorweggenommen. Wie dem auch sei, arbeiten wir das Positive heraus:

Die Postkarten!

Der Film hat eine schöne Idee: Er verwendet alte Postkarten, die er belebt und in die er seine Figuren bewegt hineinbaut. Das ist sehr schön… aber das reicht leider nicht für einen fast zweistündigen Film!

Der Fall Nietzsche

Wenn man schon den guten alten Fritz im Film hat, dann erwartet man natürlich, dass er irgendwann Gott umbringt und jemand gegen ihn ermittelt, möglicherweise Lou selbst, die ihren alten Kameraden, der behauptet „Gott ist tot“ sofort in Verdacht hat. Natürlich kommt es nicht so und natürlich hätte es dieses lahme Machwerk mehr als aufgewertet.

Zu der eher desinteressierend anmutend aufbereiteten Handlung kommen noch fast durch die Bank weg fürchterliche darstellerische „Leistungen“, von gekünstelt bis overacting, da bleibt nicht viel Gutes zu berichten. Am schlimmsten ist allerdings „Rilke“, vielleicht dicht gefolgt von „Ernst Pfeiffer“. Die Namen ihrer Schauspieler sollte man sich merken – um ihre Filme in Zukunft meiden zu können. Schlechtes Spiel und deutscher Film scheinen also weiterhin zwei Dinge zu sein, die sich ungern voneinander trennen wollen. Schade, sehr, sehr schade!

Lou Andreas-Fazit

Die schöne Postkartenidee siehe oben – ansonsten siehe Rest der Kritik. Ab 30. Juni 2016 im Kino. Ach, hätte sich Sigmund Freud (auch im Film) mit Schlaflosigkeit beschäftigt, dieser Film wäre ihm möglicherweise als die Heilung erschienen…