Neu im Kino: Hannas schlafende Hunde

Ein kleines Dorf in Österreich in den 60er Jahren. Hannas Familie versucht, nicht weiter aufzufallen. Wie sich herausstellt, hat fast jeder in der Familie ein Geheimnis…

Und wäre dieses Geheimnis…

…dass sie Nazis gewesen sind und schlimme Kriegsverbrechen begangen haben, dann wäre das auch vielleicht spannend geworden. Doch eher das Gegenteil ist der Fall und das Geheimnis stellt sich als wenig unspektakulär und nachgerade fade dar. Oder war es so, dass auch Jahre nach dem Krieg – Vorsicht, Spoiler – Jude zu sein immernoch mit einem Dünkel behaftet war? Denn darum geht es – und das zeichnet der Film in sehr eindeutigen, schon arg klischeeigen Farben. So ziemlich jeder, der nicht Jude ist, ist entweder Kinder- und Frauenschläger, Kinderschänder, Säufer (oder beides in Personalunion), Vergewaltiger oder auf jeden Fall Altnazi mit Hang zum Singen des Horst Wessel Lieds. Das ist eine schöne, einfache Welt und fast muss man als Deutscher traurig sein, dass das ja alles Österreicher sind und man in der Anklage übergangen wird – aber vielleicht kommt ja noch eine Fortsetzung, „Hannas wache Katzen“ oder so, in der sie Jagd auf Nazis macht… aber das ist wohl eher unwahrscheinlich. Zum Glück.

Die Handlung zieht sich ein wenig, der MacGuffin, wenns denn einer ist, ist sowohl schnell dem Zuschauer präsentiert als auch irgendwie wenig bedeutungsvoll, sowohl, was die Herkunft als auch was Mutters Geheimnis mit dem Bankdirektor a.D. angeht. Der wird gespielt von Christian Wolff (wie wir uns erinnern, die zweite Stimme von Winnetou, nach Herbert Stass in „Der Schatz im Silbersee“ und bevor Thomas Eckelmann übernommen hat… aber da bin ich auch wieder a) der einzige, der sich daran erinnert und b) der einzige, der es überhaupt erwähnen würde – was wiederum viel über diesen Film sagt!) – und man fragt sich, ob Herr Wolff hier nun unheimlich gut oder unheimlich schlecht spielt. Und irgendwo ist das ja auch eine Kunst. Jedenfalls kommt er gleichermaßen schmierig wie gekünstelt herüber,aber man fragt sich, ob das Absicht oder Unfähigkeit ist – wenn Sie wollen, urteilen Sie selbst, welche der beiden Varianten die zutreffende sein könnte. Das können Sie ab 9. Juni 2016 im Kino tun – müssen Sie aber nicht, wenn Sie mich fragen. Denn wie Sie durch das Feld von Blumen, durch das ich mich ausgedrückt habe, schon selbst geschlossen haben, ist der Film weder besonders spannend noch besonders lehrreich oder ausgewogen. Sollte er allerdings tatsächlich ein realistisches Abbild des österreichischen Dorflebens nach dem zweiten Weltkrieg darstellen, zieh ich das meiste von meiner Kritik zurück!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Filme veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s