Auf DVD: Der Gefangene von Alcatraz

Ein Mann, der eine lebenslange Haftstrafe in Einzelhaft vor sich hat, findet auf dem Gefängnishof während eines Sturmes ein Nest mit einem kleinen Vogel. Er kümmert sich um den Vogel… und wird eine Autorität auf diesem Gebiet!

The Birdman of Alcatraz“

Bevor Clint Eastwood von dort ausbrach („Flucht von Alcatraz“) und lange bevor Sean Connery dort einbrach („The Rock“), lebte Burt Lancaster dort für eine kurze Zeit und war „der Gefangene von Alcatraz“. Auf den ersten Blick erscheint der Originaltitel, „der Vogelmann von Alcatraz“, genauer, tatsächlich erweist er sich aber als gar nicht mal so zutreffend, wie man denken würde. Denn letztlich ist die Zeit, die er auf „dem Felsen“ verbringt verschwindend gering und außerdem macht er dies ohne seine Vögel… aber das tut dem Film eigentlich keinen Abbruch.

Der ist angenehm anders als das, was man im Gefängnis-Genre so erwarten würde und später fast nur noch vorgesetzt bekommt. Denn es geht hier nicht um einen Mann, der Vögel dazu abrichten will, ihn aus seiner Zelle in die Freiheit hinauszufliegen, denn das Thema Ausbruch spielt eigentlich so gut wie keine Rolle. Eher geht es um einen Mann, der es schafft, trotz geringer Möglichkeiten, seinem Leben eine neue Richtung zu geben, eine Aufgabe, einen Sinn. Er schafft es, obwohl eigentlich alles gegen ihn spricht, zu einem Fachmann auf einem bestimmten Gebiet zu werden… und auch ein bisschen, seine menschlichere Seite zu finden.

Echt oder nicht echt?

Wäre der Film heute gedreht worden, hätte einen ein aufdringliches „Nach einer wahren Begebenheit“ keine Sekunde im Ungewissen gelassen, ob dies nun eine komplett oder nur zu 90% erfundene Geschichte ist, in diesem Fall können wir aber nur spekulieren, auch wenn alles so wirkt, als könne der Film tatsächlich auf echten Begebenheiten beruhen.

Womit er aber vollständig überzeugt, sind seine Aufnahmen der Vögel. Gerade zu Beginn beschäftigt sich der Gefangene viel mit den kleinen Tieren, wir sehen ihn sie füttern, ihnen Tricks beibringen, sie in der Zelle herumfliegen, wir werden sogar Zeuge einer Geburt. Wäre dies heute vermutlich eine furchtbare Computeranimation, kann man wohl davon ausgehen, dass wir hier echte Tiere zu sehen bekommen – und allein diese Szenen machen den Film schon sehenswert. Hinzu kommt, dass die Handlung durchaus vielschichtig ist. Es geht um einen Mann, der gegen sich selbst kämpft, aber auch gegen das System. Die Vögel helfen ihm dabei, eine Aufgabe zu finden, und eine Passion, doch als man ihn von ihnen trennen will, muss er andere Wege gehen… und die schließen auch eine Anklage gegen das Gefängnissystem nicht aus.

Stare & Staraufgebot

Neben verschiedenen Vogelarten spielen aber auch die Hauptdarsteller eine große Rolle, durch die Bank weg Schauspieler, die diese Bezeichnung auch verdienen. Burt Lancaster war bereits seit den 40ern als Schauspieler in Filmen zu sehen, u.a. in „Der rote Korsar“, „Verdammt in alle Ewigkeit“, „Zwei rechnen ab“ und „Urteil von Nürnberg“ und blieb seinem Beruf bis 1990 treu. Dieser Film dürfte zu einen seiner bekanntesten zählen. Zwei seiner Co-Stars wurden später eher durchs Fernsehen bekannt und beliebt – wobei sie einen ähnlichen Beruf ausübten, der eine an der West-, der andere an der Ostküste. Karl Malden ermittelte in „Die Straßen von San Franzisko“, während Telly Savalas als Kojak zum „Einsatz in Manhattan“ antrat. Vorher war er aber noch der beste Blofeld, dem Bond je gegenübergestanden hat, in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“.

Mit

Burt Lancaster (Carl Raddatz), Karl Malden (Hans Hessling), Edmond O’Brien (Arnold Marquis), Telly Savalas (Alexander Welbat) – Regie: John Frankenheimer

Das Fazit von Alcatraz

Gefängnisdrama, bei dem es nicht um den Ausbruch aus den Mauern, sondern um das Finden einer sinnvollen Aufgabe – und einen vernünftigen Umgang mit den Gefangenen – geht. Ein Klassiker aus dem Jahre 1961, den man als Filmfan eigentlich gesehen haben sollte. Ab 24.5.2016 auf DVD und Blu-ray.

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