Neu auf DVD: Die Ludolfs – Das Schrottimperium ist zurück

Nach der Ermordung von Schrottimperator Günther durch seine drei Brüder hat der Sohn Uwes die Macht an sich gerissen, um nun ein neues Schrottimperium zu gründen…

?

Es stimmt zur Hälfte. Meine erste Begegnung mit den Ludolfs war nicht die Serie sondern „Die Ludolfs – der Film“ – und der ist ausgesprochen unterhaltsam und menschlich. Vier Brüder, die alle so wirken, als hätten sie irgendwie einen an der Klatsche und bei denen man sich fragt, wie sie es schaffen, dass der Schrottplatz, den sie betreiben, nicht schon seit Jahren pleite ist, aber auch wenn sie auf den ersten Blick nicht so wirken, scheinen sie doch alle verborgene Talente zu haben, die den Erfolg des Unternehmens sichern. Da war Günther, dessen Hauptaufgabe das Rauchen zu sein schien – das er nur gelegentlich unterbrach, um das Telefon zu beantworten. Was dazu führte, dass er Peter, dessen Hauptaufgabe das Vorsichindösen zu sein schien, nach irgendeinem vom Anrufer verlangten Ersatzteil fragte, von dem Peter nicht nur wusste, ob es auf Lager war, sondern, falls ja, wo es sich in der chaotischen Lagerhalle befand. Doch Günther, der zu Beginn des Films den legendären Text sagt, dass er aufwachte

Schweißüberbaden“

ist leider inzwischen verstorben und Peter ist in dieser Serie nicht mit dabei. Die beiden ruhenden Pole fehlen also und man fragt sich: Kann das funktionieren?

Es kann. Im Mittelpunkt stehen jetzt die Brüder Uwe und Manni, ruhend unterstützt von Uwes Ex-Frau und Mannis Jetzt-Frau, von denen letztere die undankbare Rolle der Antagonistin und Spaßbremse zugeschoben wird. Beide Brüder sollen Uwes Sohn Tommy dabei helfen, sein eigenes Schrottuntenehmen aufzubauen. Und damit haben wir den Handlungsboden dieser Staffel mit 4 Folgen a 87 Minuten umrissen, denn die Ludolfs (oder was davon noch übrig ist) arbeiten gegen eine tickende Uhr. Es gibt einen Termin, zu dem sie fertig sein müssen, an dem die Eröffnung stattfinden wird… werden sie es schaffen? Oder vielmehr: Würden sie es, wenn sie nicht die meiste Zeit damit verbringen würden, alles mögliche andere zu machen, inklusive Urlaub, anstatt sich mal auf die Arbeit zu konzentrieren…?

Originale

Natürlich wär es langweilig, wenn man die Jungs nur dabei zeigen würde, wenn sie tatsächlich was sinnvolles tun und vielleicht wirkt es deshalb umso mehr wie ein Wunder, wenn der Haufen von Chaoten tatsächlich mal irgendwas auf die Reihe kriegt. So sehen wir, neben all den Nebengeschichten, die eigentlich die Hauptgeschichten sind, wie trotzdem Bunker ausgeräumt und Büros gebaut werden, aber irgendwie ist das ja eigentlich nebensächlich, denn worum es geht sind eben „Die Ludolfs“ und die sind das, was man als Originale bezeichnen könnte… obgleich das ein bisschen wie eine höfliche Umschreibung für „Sonderlinge, die man in einer anderen Welt eigentlich wegsperren würde“ klingt, was… irgendwie ganz zutreffend wirkt. Uwe sieht aus wie ein freundlicher Troll aus Norwegen und auch wenn das, was er sagt, in den meisten Fällen als höchst sexistisch aufgefasst werden und man es keinem James Bond durchgehen lassen würde, bleiben die Anzeigen des schönen Geschlechts merkwürdigerweise aus. Vielleicht, weil er so wirkt, als „wolle er nur spielen“? Sein Bruder Manni wirkt… das ist schwierig zu umschreiben. Wie der freundliche Narr, der niemandem was Böses will. Er hat immer ein Lächeln auf den Lippen und würde alle umarmen, wenn man ihn ließe, auch wenn er keinen Satz in korrektem Deutsch hinbekommt. Eine meiner Phantasien war immer, dass die Ludolfs alle in Wirklichkeit gutaussehende Schauspieler sind, die sich für diese Rolle umschminken und dann all das nur spielen, mit einem Outtake, bei dem einer von ihnen mal einen Satz sagt, der dann noch mal wiederholt werden muss, weil er darin keinen Fehler gemacht hat. Als hätte man diesen Wunsch aufgegriffen, sagt Manni in einer Folge so etwas wie: „Und da freu ich mich.“ Kurzes Nachdenken, korrigiert: „Mir.“ Herrlich!

Die Fazits

Ungeheuer unterhaltsam! Eine Gruppe von liebenswerten Chaoten – bei denen die Frage aufkommt, ob Uwes Sohn Tommy nicht vielleicht adoptiert ist, da er a) gut aussieht und b) korrektes Deutsch spricht. Es macht Spaß, diesen Leuten zuzusehen, weil man sie einfach mögen muss, denn im Gegensatz zu den fiesen Selbstdarstellern, die man in Formaten wie „Big Brother“ und irgendwelchem Casting-Mist vorgesetzt bekommt, haben die Jungs hier vielleicht nicht alle Tassen im Schrank, aber dafür das Herz am rechten Fleck. Sie sind einfach sympathisch – wenn auch leider kein gutes Beispiel, da besonders Manni schlechter deutsch spricht als viele Migranten, und das, obwohl er hier geboren ist! Leid kann einem nur die Person tun, die für die Einholung der Musikrechte verantwortlich ist, da gefühlt alle 16 Sekunden ein neues Stück aus dem Bereich Popkultur und Fernsehserie ein- und angespielt wird, was auf Dauer ein wenig anstrengend wirken kann, aber so gesehen eigentlich der einzige Schwachpunkt dieser Serie ist. Hauptsache, man nimmt sie nicht zu ernst – so, wie sich die Ludolfs selbst nicht zu ernst nehmen. Ach ja, ein kleiner Gastauftritt von Peter, zumindest während der Eröffnung, hätte eigentlich drin sein müssen… oder ist er wieder neben dem Telefon eingepennt? Ab 24.6.2016 auf DVD.

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