Neu im Kino: Ein ganzes halbes Jahr

Junge Frau wird eine Art Pflegerin für gelähmten reichen Schönling. Die beiden kommen sich näher, doch er plant eigentlich sein Ableben…

Ziemlich beste Lover

Ein Liebesfilm, der Frauen zu Tränen rührt – jedenfalls wenn die Geschichten über die Damentoilette nach der Pressevorführung stimmen. Die Handlung ist ganz schön, hat einige nette Momente, einige unschöne Kleiderentscheidungen und ein paar schöne Augenblicke. Natürlich hat man ein ungefähres Gefühl, wohin sich die Handlung wohl entwickeln könnte – er wird geheilt und beide ziehen durch die Grafschaft um Schlösser auszurauben – aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch.

Das einzige, was dazu ein wenig in der Lage ist, der einzige Schwachpunkt des Films also, ist Emilia Clarke. So sehr ich sie als Mutter der Drachen in „Game of Thrones“ auch schätze, hier spielt sie, gelinde gesagt, furchtbar. Vielleicht hätte sie ihre Rolle mit Jenna Coleman von „Doctor Who“ tauschen sollen, das hätte der Sache sicher geholfen. Und nur deshalb, weil hier etwas passiert, das wir bei GoT nie zu sehen bekommen haben, nämlich ihr Aufeinandertreffen mit Charles Dance, ist ihre Besetzung leider noch nicht gerechtfertigt. Es ist also gleichermaßen schade wie traurig – aber wahrscheinlich war das nicht der Grund, warum die Mädels auf der Toilette geheult haben. Ansonsten ist der Film allerdings gut gespielt, auch von dem Mann, der vorher bei den Hunger-Spielen sein Geld verdient hat.

Ein ganzes halbes Fazit

Schöner Liebesfilm, der nur eine kleine Schwachstelle hat… die aber in jeder Szene zu sehen ist. Ansonsten aber durchaus zu (Sc)H(m)erzen gehende Unterhaltung. Ab 23. Juni 2016 im Kino.

Neu im Kino: The Neon Demon

Puh, das ist schwierig!

Die Handlung?

Unschuldiges Mädchen vom Land kommt in die Stadt, wo sie binnen Sekunden zum angesagtesten, begehrtesten, beneidetsten Model aufsteigt, was dann aber auch irgendwie Folgen hat… oder so?

Nicolas Winding Refn

Der Mann hat uns

Bronson“

gebracht, den Film, nicht den Schauspieler, in dem Tom Hardy bravourös einen gewalttätigen Knacki spielt, schön in Szene gesetzt, wenig Handlung, eher eine Ein-Mann-Show von und für Hardy, der den Film locker trägt. Ein kleines Meisterwerk. Das hier dagegen…

Sagen wir so: Es ist toll gefilmt, die Bilder sind toll komponiert, die Musikuntermalung funktioniert, rein

Audiovisuell toll gemacht!

Was denn aber den Rest angeht, Handlung und dergleichen, da… fängt es an, schwierig zu werden. Irgendwie scheint man sich mehr auf die formschöne Umsetzung zu verlassen und das, was da nun passiert, ist irgendwie… Ich kann nur sagen:

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Oder vielmehr:

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Für wen Handlung keine Rolle spielt, der dürfte hier wunderbares erleben, auch sind alle Szenen lang und langsam, was man ja heutzutage auch nicht mehr so oft findet, aber vielleicht ist das ja alles nur eine Art Metapher, die ich nicht verstehe? Es geht um Models und Schönheit und dass sie sich zerfleischen können, aber weniger als Satire als vielmehr als Hochglanzfilm, der dann aber irgendwie die gleiche Tiefe vermissen lässt, die man dieser Branche vorwirft.

Da ist Elle Fanning, von der alle sagen, dass sie die Schönste ist… aber dann sollte der Film sie auch so präsentieren. Und an der einen Stelle, als sie die Möglichkeit hat, zu zeigen, dass sie mehr spielen kann, als die naive Unschuld vom Lande, dass sie von Unschuld zu Unhold werden kann… verfliegt diese Szene sehr schnell und danach ist sie nicht viel anders als vorher. Wäre hier deutliche Entwicklung, Veränderung, eine neue, stärkere Person zu sehen… is aber irgendwie nicht. Also verpatzt der Film seine eine Gelegenheit, eine Art Entwicklung in einer seiner Figuren zu zeigen. Aber dafür haben wir ja bewegte Hochglanzbilder. Schön anzusehen, aber nicht wirklich sättigend. Eine Modelanalogie?

Mit

Elle Fanning, Jena Malone, Abbey Lee, Bella Heathcote, Christina Hendricks, Keanu Reeves

The Neon Fazit

Ich würde dazu neigen, zu sagen:

Ein schlechter Film, der sehr, sehr gut gemacht ist

Denn hätte man dieses Buch und diese Dialoge anders umgesetzt, wäre das vermutlich eine Katastrophe. Wie dem auch sei:

Bewegte Hochglanzbilder, ein sich bewegender, sprechender Modekatalog, der fein aussieht, eine stimmige Musikuntermalung (oder keine) hat, bei dem das, was man sieht, aber nicht mit dem gefüllt ist, was man sich erhofft hätte – so gesehen also vielleicht eine perfekte Analogie auf Models oder die Modelwelt?! Ab 23. Juni 2016 im Kino.

Neu im Kino: Bastille Day

Attentat in Paris. Ein Amerikaner scheint darin verwickelt zu sein, also beginnt ein ruppiger CIA-Agent zu ermitteln. Mehr und mehr entwirrt sich, was dahinter steckt…

Der Name ist Elba, Idris Elba

Der Mann kann alles. Oder? Nun, er kann Nelson Mandela genauso wie Gangster in „The Wire“ und Actionheld hier. Ob er lustig kann, da bin ich mir nicht so ganz sicher, ist seine Serie „Luther“ doch eher humorbefreit. Spielen kann er aber auf jeden Fall und das, wie wir sehen, genreübergreifend. Man mag meinen, dies hier wäre sein Vorstellungsgespräch für die Rolle des James Bond – und es ist eins, bei dem man ihm den Job eigentlich direkt geben möchte. (Wie gesagt, ich wäre einer nolanartigen dreiteiligen Miniserie mit einem schwarzen James Bond, der von Idris Elba dargestellt wird, nicht abgeneigt!) Er ist ein wenig ruppig und auch wenn Teile des Plots daran erinnern, ist er kein John McClane, denn bluten sieht man ihn nicht. Aber es muss ja auch nicht jeder Actionheld verletzlich sein, ist ja kein Frauenfilm!

Die Handlung entwickelt sich schön von Punkt zu Punkt, wo der Zuschauer meist mehr erfährt als die Figuren, die aber versuchen, mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Das ist ganz schön, denn es gibt die eine oder andere Wendung. Dass der gesuchte Amerikaner kein Terrorist sondern Taschendieb ist, ist (uns) schon von Anfang an klar, Elba braucht aber ein bisschen, um dahinter zu kommen – und hinter das hinter dem Dahinter. Zur Handlung gibt es auch jede Menge Actionszenen und Kämpfe und auch die können sich sehen lassen.

Gute Chemie

Auch wenn Elba hier nicht gerade den Charmeur raushängen lässt, so traut man ihn ihm wenigstens zu – anders als bei gewissen anderen Leuten, die man als Bond verpflichtet hat. Mit seinem Filmpartner Richard Madden hat er eine gute Chemie, beide sind ein schön ungleiches Team, von dem man gerne mehr sehen würde. Ebenfalls mit dabei sind Charlotte Le Bon aus „The Walk“ und Kelly Reilly, die in „Am Sonntag bist du tot“ die Tochter von Brendan Gleeson spielte – also dürften eigentlich so ziemlich alle „Amerikaner“ des Films aus England und Umgebung stammen.

Mit

Idris Elba, Richard Madden, Charlotte Le Bon, Jose Garcia, Kelly Reilly – Regie: James Watkins

Fazit Day

Knackige Action in einer wendungsreichen Handlung, die einem den Hauch davon vermittelt, wie sich Idris Elba so als James Bond machen würde – und es ist ein erfrischender und mehr als angenehmer Hauch! Ab 23. Juni 2016 im Kino.

Neu auf DVD: Die Ludolfs – Das Schrottimperium ist zurück

Nach der Ermordung von Schrottimperator Günther durch seine drei Brüder hat der Sohn Uwes die Macht an sich gerissen, um nun ein neues Schrottimperium zu gründen…

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Es stimmt zur Hälfte. Meine erste Begegnung mit den Ludolfs war nicht die Serie sondern „Die Ludolfs – der Film“ – und der ist ausgesprochen unterhaltsam und menschlich. Vier Brüder, die alle so wirken, als hätten sie irgendwie einen an der Klatsche und bei denen man sich fragt, wie sie es schaffen, dass der Schrottplatz, den sie betreiben, nicht schon seit Jahren pleite ist, aber auch wenn sie auf den ersten Blick nicht so wirken, scheinen sie doch alle verborgene Talente zu haben, die den Erfolg des Unternehmens sichern. Da war Günther, dessen Hauptaufgabe das Rauchen zu sein schien – das er nur gelegentlich unterbrach, um das Telefon zu beantworten. Was dazu führte, dass er Peter, dessen Hauptaufgabe das Vorsichindösen zu sein schien, nach irgendeinem vom Anrufer verlangten Ersatzteil fragte, von dem Peter nicht nur wusste, ob es auf Lager war, sondern, falls ja, wo es sich in der chaotischen Lagerhalle befand. Doch Günther, der zu Beginn des Films den legendären Text sagt, dass er aufwachte

Schweißüberbaden“

ist leider inzwischen verstorben und Peter ist in dieser Serie nicht mit dabei. Die beiden ruhenden Pole fehlen also und man fragt sich: Kann das funktionieren?

Es kann. Im Mittelpunkt stehen jetzt die Brüder Uwe und Manni, ruhend unterstützt von Uwes Ex-Frau und Mannis Jetzt-Frau, von denen letztere die undankbare Rolle der Antagonistin und Spaßbremse zugeschoben wird. Beide Brüder sollen Uwes Sohn Tommy dabei helfen, sein eigenes Schrottuntenehmen aufzubauen. Und damit haben wir den Handlungsboden dieser Staffel mit 4 Folgen a 87 Minuten umrissen, denn die Ludolfs (oder was davon noch übrig ist) arbeiten gegen eine tickende Uhr. Es gibt einen Termin, zu dem sie fertig sein müssen, an dem die Eröffnung stattfinden wird… werden sie es schaffen? Oder vielmehr: Würden sie es, wenn sie nicht die meiste Zeit damit verbringen würden, alles mögliche andere zu machen, inklusive Urlaub, anstatt sich mal auf die Arbeit zu konzentrieren…?

Originale

Natürlich wär es langweilig, wenn man die Jungs nur dabei zeigen würde, wenn sie tatsächlich was sinnvolles tun und vielleicht wirkt es deshalb umso mehr wie ein Wunder, wenn der Haufen von Chaoten tatsächlich mal irgendwas auf die Reihe kriegt. So sehen wir, neben all den Nebengeschichten, die eigentlich die Hauptgeschichten sind, wie trotzdem Bunker ausgeräumt und Büros gebaut werden, aber irgendwie ist das ja eigentlich nebensächlich, denn worum es geht sind eben „Die Ludolfs“ und die sind das, was man als Originale bezeichnen könnte… obgleich das ein bisschen wie eine höfliche Umschreibung für „Sonderlinge, die man in einer anderen Welt eigentlich wegsperren würde“ klingt, was… irgendwie ganz zutreffend wirkt. Uwe sieht aus wie ein freundlicher Troll aus Norwegen und auch wenn das, was er sagt, in den meisten Fällen als höchst sexistisch aufgefasst werden und man es keinem James Bond durchgehen lassen würde, bleiben die Anzeigen des schönen Geschlechts merkwürdigerweise aus. Vielleicht, weil er so wirkt, als „wolle er nur spielen“? Sein Bruder Manni wirkt… das ist schwierig zu umschreiben. Wie der freundliche Narr, der niemandem was Böses will. Er hat immer ein Lächeln auf den Lippen und würde alle umarmen, wenn man ihn ließe, auch wenn er keinen Satz in korrektem Deutsch hinbekommt. Eine meiner Phantasien war immer, dass die Ludolfs alle in Wirklichkeit gutaussehende Schauspieler sind, die sich für diese Rolle umschminken und dann all das nur spielen, mit einem Outtake, bei dem einer von ihnen mal einen Satz sagt, der dann noch mal wiederholt werden muss, weil er darin keinen Fehler gemacht hat. Als hätte man diesen Wunsch aufgegriffen, sagt Manni in einer Folge so etwas wie: „Und da freu ich mich.“ Kurzes Nachdenken, korrigiert: „Mir.“ Herrlich!

Die Fazits

Ungeheuer unterhaltsam! Eine Gruppe von liebenswerten Chaoten – bei denen die Frage aufkommt, ob Uwes Sohn Tommy nicht vielleicht adoptiert ist, da er a) gut aussieht und b) korrektes Deutsch spricht. Es macht Spaß, diesen Leuten zuzusehen, weil man sie einfach mögen muss, denn im Gegensatz zu den fiesen Selbstdarstellern, die man in Formaten wie „Big Brother“ und irgendwelchem Casting-Mist vorgesetzt bekommt, haben die Jungs hier vielleicht nicht alle Tassen im Schrank, aber dafür das Herz am rechten Fleck. Sie sind einfach sympathisch – wenn auch leider kein gutes Beispiel, da besonders Manni schlechter deutsch spricht als viele Migranten, und das, obwohl er hier geboren ist! Leid kann einem nur die Person tun, die für die Einholung der Musikrechte verantwortlich ist, da gefühlt alle 16 Sekunden ein neues Stück aus dem Bereich Popkultur und Fernsehserie ein- und angespielt wird, was auf Dauer ein wenig anstrengend wirken kann, aber so gesehen eigentlich der einzige Schwachpunkt dieser Serie ist. Hauptsache, man nimmt sie nicht zu ernst – so, wie sich die Ludolfs selbst nicht zu ernst nehmen. Ach ja, ein kleiner Gastauftritt von Peter, zumindest während der Eröffnung, hätte eigentlich drin sein müssen… oder ist er wieder neben dem Telefon eingepennt? Ab 24.6.2016 auf DVD.

Neu im Kino: Café Belgica

Zwei Brüder machen aus einem Café eine Art Club, doch es gibt viele Dinge, die ihnen das Leben erschweren…

Club, Musik, aber wenig Handlung

Ein Film, bei dem man viel hätte straffen können, denn seine übersichtliche Handlung wird seiner Lauflänge nicht ganz gerecht. Teils ergeht er sich sehr in der Darbietung von Clubmusik, teils in der von Kokskonsum, und dazwischen sieht man dann ein bisschen die zwischenmenschlichen und professionellen Dinge, die bei der Eröffnung und Betreibung eines solchen Etablissements passieren können. Leider kommt dabei aber eher eine Art Eintopf heraus, dem der Pfeffer fehlt und der auf Dauer ein wenig fade wirkt.

Knackiger wäre hier der richtige Weg gewesen. Mehr zeigen, wie ein solches Lokal entsteht und was damit verbunden ist, dann besser auf den Konflikt zwischen den Brüdern konzentrieren und die Clubmusik bestenfalls als Unterlegung für das Abdriften in den Drogenkonsum verwenden. Oder das zwischenmenschliche Element streichen und sich auf a) so betreibt man einen Club und b) das ist die belgische Musikszene, die wir euch gerne mal vorstellen wollen, viel Spaß damit beschränken. Denn wie letzteres wirkt der Film an manchen Stellen, was ihn aber ein wenig verwässert, wie es die Bar am Ende mit ihren Getränken macht.

Café Fazit

Zuviel und zuwenig treffen im falschen Verhältnis aufeinander und bringen ein Ergebnis zustande, das nicht so recht befriedigend ist. Ab 23.6.2016 im Kino.

Auf DVD: Ein Richter sieht rot

Nachdem mehrere Schwerverbrecher auf freien Fuß gekommen sind, weil die Grundlage für eine Durchsuchung, bei der eindeutige Beweise gegen sie entdeckt wurden, angeblich nicht legal war, findet der dafür zuständige Richter einen etwas anderen Weg, sich und anderen Gerechtigkeit zu verschaffen…

Ein Witz!

Das ist, wie wir hier einmal mehr sehen, das amerikanische Rechtssystem. Und es ist kein guter Witz. Nicht nur der Anwalt, der die beste Show macht gewinnt, hin und wieder scheinen auch verschiedene Grundlagen so absurd zu sein, dass einem die Haare zu Berge stehen. Mit diesen Problemen beginnt dieser Film, der auf dem Weg zu seinem Ende die eine oder andere Wendung nimmt. Er zeigt uns Dinge, die einem Menschen mit Rechtsempfinden eigentlich übel aufstoßen müssen. Denn, seien wir ehrlich, wenn man bei jemandem die Beweise findet, die einwandfrei bestätigen, dass er mehrere Morde begangen hat, wenn aber die Durchsuchung, durch die diese Beweise gefunden wurden, aus einem an den Haaren herbeigezogenen, völlig idiotischen Grund „illegal“ war und diese Beweise dadurch nicht zulässig sind und die betreffende Person frei kommt, dann ist das mit Schwachsinn noch recht harmlos umschrieben. Das ist eine Prämisse dieses Films – und wie ich fürchte ist sie in den USA Wirklichkeit. Drängt sich da einem nicht der Begriff idiotisch auf? Sicher, man darf nicht einfach Türen eintreten oder Leuten Beweismittel unterschieben, aber wenn man die Beweise für einen bis mehrere Morde findet… Ja, es kann einen schon sauer machen, nur darüber nachzudenken. Schutz der Persönlichkeit hin oder her, aber beim Schutz von Tätern sollte so was doch eigentlich aufhören…

Nun, wie man sehen kann, lässt der Film jemanden mit Rechtsempfinden nicht unbedingt unnbeteiligt zurück. Es gibt genügend Dinge, über die man sich aufregen kann und der Film zeigt uns ein paar schöne Beispiele dafür. Aber er ist eigentlich keine Anklage des amerikanischen Rechtssystems, er ist ein Thriller, bei dem die Frage in den Raum gestellt wird, ob man der schwachbrüstigen Justiz vielleicht mit Selbstjustiz ein wenig unter die Arme greifen könnte. Die Antwort auf die Frage ist nur halb klar formuliert, aber theoretisch wäre sie da…

Cagney & Lacey“ in den „Straßen von San Franzisko“

Erst vor kurzem hatten wir Karl Malden in „Der Gefangene von Alcatraz“, hier nun haben wir seinen langjährigen Kollegen, Michael Douglas. Zu einer Zeit, in der man in Amerika streng zwischen Fernseh- und Filmschauspielern trennte, war der Sohn von Kirk Douglas einer der wenigen, die den Sprung auf die große Leinwand schafften. Er war „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“, entdeckte bei einer „Enthüllung“ an der „Wall Street“ seinen „Basic Instinct“ bevor er mit „Falling Down“ ein wenig herunterkam und als „Liberace“ leider keinen Oscar bekam, weil der Film in Amerika nicht im Kino lief. Schade drum, er hätte ihn verdient.

Seine Filmehefrau wird gespielt von Sharon Gless, die später an der Ostküste eine Hälfte von „Cagney & Lacey“ werden sollte (nachdem die Figur schon zwei andere Schauspielerinnen verschlissen hatte). Yaphet Kotto wurde von James Bond in „Leben und sterben lassen“ als „aufgeblasener Typ“ bezeichnet und in „Alien“ von ebendemselben umgebracht. Und dann ist da noch James B. Sikking. Der scheint ein Lieblingsschauspieler von Regisseur Peter Hyams zu sein, denn er spielt ebenfalls in dessen Filmen „Outland“ und „Narrow Margin“ mit – und wie üblich macht er das ausgezeichnet.

Mit

Michael Douglas (Volker Brandt), Hal Holbrook (Klaus Miedel), Yaphet Kotto (Helmut Krauss), James B. Sikking (Norbert Langer) – Regie: Peter Hyams

Ein Fazit sieht rot

Spannend, interessant, teils für den Zuschauer genauso frustrierend wie für den Richter selbst. Eine Frage der Gerechtigkeit – oder eine Frage, wie man Gerechtigkeit erlangen kann? Krimi und Betrachtung des Rechtssystems in einem. Übrigens wurde wohl bei einer Fernsehausstrahlung kurz vor dem Ende des Films ausgeblendet, so dass dem Zuschauer das eigentliche Ende vorenthalten wurde… aber das kann einem ab 8.6.2016 bei der DVD und Blu-ray ja nicht passieren!

Auf DVD: Brannigan – Ein Mann aus Stahl

Amerikanischer Polizist kommt nach London, um einen Verbrecher in die Staaten zu überführen, doch statt über- wird der entführt und so muss Brannigan herausfinden, wer dahinter steckt und den entführten Kriminellen finden…

Dirty Johnny

Viele Filme sind Kinder ihrer Zeit und so hat man bei diesem harten Krimi mit John Wayne in der Hauptrolle das Gefühl, er verdankt seine Existenz einem anderen Westernhelden, der nur wenige Jahre früher im Polizeidienst oder vielmehr -film zu neuen Ruhm und Ehren gelangt ist: Clint Eastwood. War John Wayne vor ihm eine Westernlegende, so dürfte Eastwood in diesem Bereich sein legitimer Nachfolger geworden sein. Doch dann wechselte der spätere Bürgermeister das Metier und landete mit dem wortkargen Polizisten „Dirty Harry“ Calahan einen Hit, auf den noch vier Fortsetzungen folgen sollten. „Brannigan“ wirkt so, als hätte er durchaus eine davon sein können, als würde hier nicht Eastwood in die Fußstapfen Waynes treten sondern umgekehrt Wayne in die Eastwoods. Die Figur ist der des schmutzigen Harald nicht unähnlich, aber eine Spur weniger wortkarg. Hinzu kommt, dass man die Handlung an einen „exotischen“ Ort verlegt hat, nämlich ins britische London. All das könnte man sich auch mit Eastwood in der Hauptrolle vorstellen, auch wenn der etwas mieser gelaunt gewesen wäre. Alles passt sehr gut ins Genre… bis auf eine Szene. Fast so, als wäre sie aus einem anderen John Wayne Western übrig geblieben – oder als wolle man eine Hommage an die anderen Filme des Hauptdarstellers einbauen – gibt es irgendwann eine Schlägerei in einem Saloon. Oder Pub, aber es läuft auf dasselbe hinaus – und scheint nicht so ganz zum Rest des Films zu passen, und zu den unterkühlten Briten noch weniger.

Ansonsten aber ist „Brannigan“ ein solider Polizei-Action-Film mit einer guten Handlung, ein paar spannenden Szenen und der einen oder anderen Überraschung. Eine weitere Parallele zu „Dirty Harry“ wollen wir aber nicht unter den Tisch fallen lassen…

Spielen und sprechen

Neben John Wayne ist noch ein weiterer John in diesem Film zu sehen, nämlich John Vernon. Der war immer ein großartiger Schauspieler und so finde ich es eigentlich sehr schade, dass er nie die wirklichen Hauptrollen spielen durfte. Oft ist er als zwielichtige Figur zu sehen, wie z.B. in dem großartigen „Der große Coup“ mit Walther Matthau – oder aber als Bürgermeister, wie im erwähnten „Dirty Harry“. Die gleiche Rolle spielte er gleichermaßen als Hommage wie als Parodie auf sich selbst in der ersten Folge der Serie „Sledge Hammer“, der wiederum ein bisschen eine Parodie von Dirty Harry ist. Und es ist immer eine Freude, ihn zu sehen, auch wenn er hier für den Großteil des Films leider abtaucht.

Neben dem Sehen gibt es aber auch was zu hören – und zwar eine wunderbare 70er-Jahre-Synchro. Man muss es einfach genießen, eine Synchronisation aus einer Zeit zu hören, wo noch nicht alles so steril klang wie die Filme heutzutage aussehen, wo die Synchronisation der Qualität des Films in nichts nachstand und ihn manchmal sogar haushoch überragte. Und so, wie sich dieser Film weit substanzreicher anfühlt als es heutzutage jeder Actionfilm tut, so hat man auch das Gefühl, dass die Synchros mit mehr Herz gemacht wurden. Arnold Marquis ist eigentlich immer wunderbar für John Wayne, so kann man auch hier sein sonores Organ genießen. Martin Hirthe, der oft Walter Matthau gesprochen hat, sonst aber gerne auf den Bösewicht besetzt wird, darf hier statt dem Bösen den Briten geben – eigentlich eine ungewöhnliche Wahl, da man für derlei Rollen sonst gerne Friedrich Schoenfelder (David Niven) besetzte, oder in den letzten Jahren Lothar Blumhagen (Roger Moore in „Die 2“, Christopher Plummer etc.), aber der spricht in diesem Film einen anderen Engländer. Und dann ist da noch in einer Nebenrolle Wolfgang Draeger (Woody Allen) zu hören, der einen nervösen Autobesitzer sprechen darf… ein Fest für die Ohren!

Mit

John Wayne (Arnold Marquis), Richard Attenborough (Martin Hirthe), Mel Ferrer (Christian Rode), Ralph Meeker (Harald Juhnke), Daniel Pilon (Joachim Pukaß), John Vernon (H.T. Branding) – Regie: Douglas Hickox

Fazittan

Solider Polizei-Action-Film von 1974, der aber soviel mehr Substanz hat als ähnliche Ware von heute, mit einem kernigen John Wayne und einer schönen Synchronisation, die einen von einer Rückkehr in eine Zeit träumen lässt, als man das Gefühl hatte, Filme wären würden aus mehr bestehen als nur aus ihren Einspielergebnissen. Ab 8.6.2016 auf DVD und Blu-ray.