Neu auf DVD: The Good, The Bad and The Dead

Gangster wacht mit Gedächtnisverlust dort auf, wo eine Schießerei stattgefunden hat. Der Sheriff taucht auf… und der örtliche Drogenbaron gibt sich ebenfalls die Ehre. Flucht und Jagd beginnen und am Ende entwirrt sich, was hier eigentlich passiert ist…

Spätwestern mit Drogen

Ein bisschen wirkt es wie ein Western, die passende Musik, Cowboyhüte, Sheriffs und Banditen. Nur gibt es keine Postkutschen sondern Autos, keine Telegrafen sondern Handys und statt eines Banküberfalls geht es um einen Drogendeal. Auch wenn das, wonach auf den ersten Blick die fast schon als exotisch zu bezeichnende Besetzung schreit, ein B-Film ist, so hat er doch ein überraschend gutes Buch und sehr schöne Wendungen (von denen man zumindest eine als alter Filmgucker ganz klar kommen sieht). So gesehen ist es irgendwie schade, dass der Film von und mit diesen Leuten gemacht wurde, denn mit einer besseren Regie und guten Schauspielern hätte man daraus einen richtig tollen Film machen können. So ist er denn aber für einen B-Film (falls es so was heutzutage überhaupt noch gibt, wahrscheinlich ist der Begriff inzwischen von „direct to DVD“ abgelöst worden… was dann in Zukunft wohl „direct to Blu-ray“ oder eher noch „straight to Netflix“ heißen wird… aber wir schweifen ab) überraschend ordentliche und handlungsmäßig durchaus befriedigende Unterhaltung.

Der Doktor und der Knacki

Naja, eigentlich müsste es ja heißen „Der Doktor, der Knacki und der, aus dem nie ein richtiger Star geworden ist“, aber erstens ist das weniger knackig und zweitens trifft es nicht ganz zu, weil ja aus keinem der drei ein richtiger Star geworden ist. Fangen wir mit dem Mann aus Skandinavien an, in irgendeinem Fach hat er einen Doktor gemacht und Dank damaliger Ehefrau Grace Jones seinen ersten Auftritt in dem Bond-Film „Im Angesicht des Todes“ gehabt: Dolph Lundgren. Aber trotz Muckis und dem großen Endkampf gegen Rocky ist die ganz große Karriere immer ausgeblieben. Das könnte an einem etwas übersichtlich geratenen schauspielerischen Talent liegen – und gerade hier tritt er nicht den Gegenbeweis an. Entweder war es seine künstlerische Entscheidung, seeeeehr langsam zu spielen, oder aber er war bei den Dreharbeiten einfach sehr, sehr müde, denn genau so wirkt er. Und doch gibt es eine Überraschung, denn gerade zu dem Zeitpunkt, an dem man zu dem Schluss kommt, dass seine Figur für den Film ohne jede Bedeutung ist, wird man eine Besseren belehrt… aber das liegt eher am Buch als an ihm.

Den Drogenbaron spielt jemand, der oft und gerne auf solche und ähnliche Rollen besetzt wird, leider eher auf Kleinstrollen, die schnell aus einem Film rausgetötet werden: Danny Trejo. Der Mann hat seine Zeit abgesessen, nicht in Hollywood, wie die meisten, sondern im Gefängnis und dürfte seine ersten Schritte vor der Kamera für Robert Rodrigues gemacht haben, der ihn auch immer mal wieder gerne in seinen Filmen eingesetzt hat. Anders als die Müdigkeit eines Lundgren strahlt er ein raues Charisma aus – und gerade deshalb würde ich ihn gerne mal gegen den Strich besetzt in einem Film als Universitätsprofessor oder Anwalt sehen.

Dritter im Bunde ist jemand, der in den 80ern irgendwie kurz davor stand, möglicherweise so richtig Karriere zu machen… und der es dann irgendwie nicht gemacht hat. „Das Philadelphia-Experiment“, „Straßen in Flammen“, Michael Paré. Der wirkte damals wie ein cooler Held, gerade auf Deutsch, wo er von dem unnachahmlichen Ulrich Gressieker gesprochen wurde, doch es darf bezweifelt werden, dass das Ausbleiben einer Karriere mit dessen tragischen und viel zu frühem Tod in Verbindung steht. Offensichtlich hat Paré trotzdem seitdem viel gearbeitet – aber an welchen großen Film mit ihm erinnert man sich?

So treffen denn hier drei alte Recken aufeinander, von denen ironischerweise ausgerechnet derjenige, von dem man es am wenigsten erwarten würde, in den hochklassigeren Produktionen zu sehen war: Danny Trejo. Man kann nicht unbedingt sagen, dass er einen Film veredelt – aber für den richtigen Pepp sorgt er oft schon!

Mit

Dolph Lundgren (Manfred Lehmann), Danny Trejo (Gerald Paradies), Michael Paré (Tobias Lelle)

The Good, The Bad and The Fazit

Moderner Drogenwestern, der versucht, visuell stylisch zu sein, aber weder durch seine Regie noch durch seine Darsteller dem überraschend guten Buch gerecht wird. Ab 14. Juli 2016 auf DVD und Blu-ray.

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