Neu auf DVD: The Good Wife – Season 6

8242521_st_r1_frightenersEine der besten Serien der letzten Jahre geht in die sechste Runde: Inzwischen hat die Frau, die an der Seite ihres nicht ganz koscheren Mannes gestanden und den Skandal um ihn durchgestanden hat, ihre eigene Anwaltsfirma – doch auch das ist nicht ohne Probleme…

Serien, wie sie sein können

So gut wie kaum eine andere Serie verbindet „The Good Wife“ das klassische Serienprinzip der Einzelfolgen mit einem durchgehenden roten Faden, der sich über eine ganze Staffel erstreckt. Das hält die Serie immer interessant, da man nicht nur spannende Fälle im Gericht erlebt, sondern sich die Handlung auch ständig weiterentwickelt. Beide Seiten der Medaille sind interessant, spannend und gut gemacht… also ist es an mir, auf den einzigen kleinen Kritikpunkt an der Serie hinzuweisen: die Wahl! Sicher, es ist ein cleveres Konzept, Politik und Juristerei miteinander zu verbinden und so direkt zwei Gebiete zu haben, auf denen man gute Geschichten erzählen kann, aaaaaber gibt es wirklich irgendjemanden, der sich für die Wahl des Bezirksstaatsanwalts interessiert? Das war schon in der ersten Staffel der Handlungsbogen, da aber für „Mr. Big“, den ungetreuen Ehemann der „guten Ehefrau“ – und auch da wirkte das prinzipiell ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Ich meine, wir wissen, wie sehr sich die Menschen für Bürgermeisterwahlen interessieren – oder die, die es betrifft, für eine ausnahmsweise mal wichtige Wahl wie den Austritt ihres eigenen Landes aus der EU. Als ob zu so was jemand hingehen geschweige denn ein wirkliches Interesse daran hätte, also am Staatsanwalt, die andere Sache… ja, darüber reden wir lieber nicht. Sieht man also davon ab, dass hier der Grundgedanke ein wenig an der Realität vorbeigehen dürfte, das was passiert, der Wahlkampf, die Intrigen, der Schmutz, all das ist wieder einmal vom Feinsten, so, wie diese ganze Staffel.

Hauptfiguren

Neben den guten Büchern lebt gerade diese Serie vor allem von den guten Figuren und ihren Schauspielern. Julianna Margulies ist hier aufgestiegen, von der Krankenschwester in „ER – emergency room“ zur Ehefrau und, was wichtiger ist, Anwältin, die ihre Frau stehen kann, sowohl im Gerichtssaal als auch ihrem Gatten gegenüber. Der wiederum dürfte dem weiblichen Publikum aus einer der frauenfeindlichsten Serie der letzten Jahre bekannt sein: „Sex and the City“. Ja, es klingt, als wäre das von Frauen für Frauen gemacht, aber das Bild, das hier vom schwachen Geschlecht gezeichnet wird, besonders durch die Hauptfiguren, ist bei Licht betrachtet eigentlich eher weniger schmeichelhaft. Und da war es ausgerechnet Chris Noth alias „Mr. Big“ (wahrscheinlich eine Anspielung auf seinen… Sie wissen schon, Kontostand), der neben der „ich weiß nicht, was ich will, denn ich bin eine Frau“ Carrie eigentlich ganz sympathisch weg kam, da er es wusste und ihr gesagt und dann zu dem was er gesagt auch gestanden hat. Ist vielleicht die Männerperspektive, die ich hier vertrete. Hier ist er irgendwie weniger sympathisch – und auch das kriegt er ganz gut hin. Matt Czurchry war einer der Freunde des jüngeren „Gilmore Girls“ und es ist dem Schauspieler zu verdanken, dass die Figur nicht wie ein unsympathisches Arschloch (also wie ein Anwalt) rüberkommt, sondern man sie tatsächlich mag. Respekt! Dann ist da natürlich noch Christine Baranski aus „Cybil“, die hier eine clevere, starke Frau spielen darf – und dabei volle Punktzahl erzielt. Archie Panjabi, die man an der Seite von Russell Crowe in „Ein gutes Jahr“ noch zu einem indischen Akzent gezwungen hat, kann hier beweisen, wie ein weiblicher James Bond wäre – und tatsächlich könnte sie es mit dem Agenten Ihrer Majestät locker aufnehmen.

Und, wo wir schon mal beim Thema sind, wenn Sie sich jemals gefragt haben: „Was ist eigentlich aus diesem nervigen Typen aus ‚GoldenEye’ geworden?“… und auch, wenn Sie sich das nicht gefragt haben, hier ist die Antwort: Ein hervorragender Schauspieler. Er spielt in der Kategorie: Wenn man ihn in einer Serie sieht, wünscht man sich, die würden mehr für ihn schreiben, damit man ihn öfter sieht. Bei „The Good Wife“ scheint das halbwegs funktioniert zu haben, denn es ist einfach eine Freude, ihn als Wahlkampfmanager Eli Gold agieren zu sehen. Cumming, der Film-Highlights wie „Spice World“ und „Spy Kids“ vorweisen kann, ist hier wunderbar, wortgewandt, souverän, clever. Eine Rolle, wie man sie sich als guter Schauspieler nur wünschen kann – und eine Performance, wie man sie sich als guter Regisseur nur wünschen kann. Und als Zuschauer!

Nebenfiguren

Ebenfalls ein Highlight in dieser Staffel sind die Gastauftritte von Carrie Preston. Sie spielt hier eine hyperaktive, clevere Anwältin, die durch ihre energiegeladene Art und ihre originelle Herangehensweise an Fälle positiv auffällt. Eine gelungene Symbiose aus gut geschrieben und gut gespielt. Ihre Rolle als Kellnerin in „True Blood“ kann gegen ihre Arbeit bei „Good Wife“ leider nicht ganz mithalten.

Vielseitigkeit ist nicht jedermanns Sache, und jederschauspielers Sache leider auch nicht. Zum einen liegt das daran, dass man, hat man mal eine Rolle erfolgreich gespielt, von da an immer auf den selben Rollentyp besetzt wird und gar keine Möglichkeit hat, Vielseitigkeit zu zeigen oder zu entwickeln. Und es gibt auch Schauspieler, die eben nur denselben Rollentypus spielen können und denen dieses System daher durchaus entgegen kommt. Oder glauben Sie, Bill Murray hat einen Oscar dafür verdient, dass er immer wieder Bill Murray spielt, in leichten Variationen? Aber nicht jeder Schauspieler ist so – und manchen gibt man tatsächlich die Gelegenheit, sich von den verschiedensten Seiten zu zeigen. Denis O’Hare gehört zu dieser Sorte. In „True Blood” ist er herrlich abgefeimt und böse als König von Louisiana, ein Vampir und Mörder. In „The Good Wife” verkörpert er das totale Gegenteil: Verwirrt, zurückhaltend, unsicher. Und in beiden Rollen ist er absolut überzeugend… weshalb man ihn hier auch scheinbar gerne wieder für die eine oder andere Folge holt.

Dylan Baker zählt ebenfalls zu den Darstellern, die jede Staffel wiederkehren dürfen, da er einen wunderbar fiesen Typen wunderbar fies spielt – und hier sogar ein ungemischtes Doppel geben darf. David Hyde Pierce war bei „Frasier“ immer der sympathischere Bruder und zeigt hier, dass er auch weniger lustig, aber trotzdem gut kann. Edward Asner, „Lou Grant“, wie sich außer mir wahrscheinlich niemand erinnern wird, lebt auch noch und arbeitet sogar – wie man hier sehen kann. Und beides gilt auch für den weit jüngeren Michael J. Fox. Mit ihm beweist die Serie nicht nur, dass man auch einem Schauspieler, der nicht mehr so gesund ist wie früher, eine gute Rolle und ihm damit Arbeit geben kann – sie bringt es sogar fertig, seine Auftritte zu kleinen Höhepunkten zu machen, da er genau mit dieser seiner Krankheit spielt und sie für seine Zwecke einsetzt. Was man dabei über ihn denkt, ist unbezahlbar, denn so gesehen erlaubt uns die Serie, einen Behinderten für ein Arschloch zu halten – wo darf man das sonst schon tun? Allein dafür verdient „The Good Wife“ eine Menge Preise – und einen Platz in unseren Serienherzen.

The Bonus Wife

Interessante Making ofs, in denen man vor allem erfährt, wie die Autoren mit der Serie umgehen – ein Blick, den man irgendwie selten erhält.

The Good Fazit

Eine großartige Serie, eine großartige, wendungsreiche Staffel, die nicht nur interessante Einzelfälle im Gerichtssaal bringt, sondern den roten Faden aus der ersten Folge sinnvoll bis zum Ende weiterentwickelt. Gute Bücher, hervorragende Darsteller, ein perfekter Einsatz von Musik – eine der wenigen Serien, die es schafft, ihre Qualität auch über die heute nicht mehr üblichen 22 Folgen aufrecht zu erhalten. Und in Deutschland offenbar erstmals als Komplettstaffel in einer Box zu haben – ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, Euer Ehren! Ab 4. August 2016 auf DVD und Blu-ray von Universal Pictures.

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