Neu auf DVD: Stavisky

Die 30er Jahre, Frankreich. Ein Lebemann und Betrüger. Doch irgendwann scheint seine Glückssträhne zu einem Ende zu kommen…

Auf langsame Art zerstückelt

Manchmal merkt man einem Film an, dass er kein reiner Spielfilm ist, sondern dass er auf realen Ereignissen beruht. Es gibt Hinweise darauf. Zu viele Personen zum Beispiel, die nicht alle eine Funktion zu erfüllen scheinen, oder zumindest keine, die nicht auch eine andere hätte übernehmen können. Die Tatsache, dass sie nur kurz auftauchen und dann wieder verschwinden. Manchmal kommt auch die Struktur des Films dazu. Keine durchgehende Handlung, was noch kein eindeutiges Merkmal sein muss. Aber wenn man viele kurze Szenen mit zweifelhaften Übergängen hat, die nicht immer etwas zur Handlung beitragen, teils abgeschnitten oder abgehackt wirken, dann wirkt das so, als wären das alles Teile einer Biographie, die man irgendwie in den Film einbauen musste oder wollte, ohne aber eine stringente Handlung dafür zu finden. Bei einem rein fiktionalen Film wäre all dies auf schlechte Autoren zurückzuführen, oder vielleicht auf einen vierstündigen Film, aus dem man dann einen zweistündigen zusammenschneiden musste. Addiert man aber die trotz langsamer Erzählweise abgehackte Struktur des Films mit dem Überangebot an Figuren, so drängt sich einem der Rückschluss, dass dies nach realen Ereignissen und Personen entstanden ist, auf – was denn auch den Tatsachen entspricht. Hinzu kommt noch, dass oft auf ein Ereignis am 6. Februar hingewiesen wird, von dem der Film ausgeht, dass wir es kennen, denn zeigen tut er es uns nicht. In einem normalen Spielfilm ebenfalls eine schwierige Entscheidung, hier… auch nicht eben hilfreich. So hat der Film denn, trotz seiner schönen Besatzung und guter Bilder, durchaus einige Schwächen.

Ein Fest für die Ohren

Das schönste an ihm ist irgendwie seine deutsche Fassung. Allein deswegen ist es oft eine Freude, ältere Filme zu sehen, weil man sich dort an einer wunderbaren Synchronisation erfreuen kann. Peer Schmidt kommt hier einmal mehr zum Einsatz für Jean-Paul Belmondo, zum vorerst vorletzten Mal, bevor ihn Rainer Brandt ablöste, bis er dann 1988 mit „Der Löwe“ zu „seinem“ Belmondo zurückkehrte. Schmidt war einer der Sprecher, den man gerne aber nicht zu oft hörte. Belmondo dürfte der Schauspieler sein, den er am öftesten synchronisiert hat, aber er sprach auch für Michael Caine in „Ipcress – streng geheim“ und wird immer unvergessen bleiben als Rod Taylor in „Die Zeitmaschine“. Neben ihm ist eine weitere Größe des deutschen Synchron zu hören, Siegfried Schürenberg, der Charles Boyer die Stimme leiht. Neben Friedrich Schoenfelder war er die deutsche Stimme für besonders britische Gentlemen, herrlich adelig und sanft. Oft sprach er für George Sanders, John Williams und Clark Gable, aber auch James Bond durfte er in ein paar Bonds als Stimme von Bernard Lees M Befehle erteilen. Hier spricht er… einen Adeligen.

Stavisky (1974)

Jean-Paul Belmondo (Peer Schmidt), Charles Boyer (Siegfried Schürenberg), Michel Lonsdale (Wolfgang Hess) – Regie: Alain Resnair

Fazitsky

Nach wahren Ereignissen, ein wenig zerrissen, trotzdem langsam, wirkt leider sehr abgehackt und leidet darunter, dass er nicht stringent eine Geschichte erzählt, sondern in Vignetten versucht, eine Art Gesamtbild zu zeichnen. Ab 18.9.2016 auf DVD.

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