Neu auf DVD: Narcos – Staffel 1

Leben und Aufstieg des Drogenbarons Pablo Escobar, erzählt von einem DEA-Agent…

Das Leben schreibt die besten Geschichten

In diesem Fall ist da sogar was dran. Denn die Serie basiert auf wahren Begebenheiten, die in diesem Fall über ein „es gibt ein Land namens Kolumbien, aber der Rest ist erfunden“ hinausgehen. Es geht um einen Drogenbaron – und manche Ereignisse in dieser Serie sind so abstrus, dass sie absolut unglaubwürdig wären, wäre dies eine erfundene Geschichte. Natürlich ist dies keine 1:1-Abbildung der Wirklichkeit, da Personen zusammengefügt oder hinzuerfunden wurden, aber es sollte trotzdem relativ dicht an der Realität sein.

Wie wir aus dem Zusatzmaterial erfahren, wollte der Schöpfer der Serie eigentlich etwas über das Cali-Kartell machen, aber bei seinen umfangreichen Recherchen fand er dann heraus, dass die Wurzeln des aktuellen Drogenhandels eigentlich viel tiefer liegen und so wandte man sich der schillernden Figur des Drogenmonopols zu, Pablo Escobar. Und, wie wir hier sehen, ist das eine sauspannende Geschichte!

Vorspiel zu „Sicario“

Die Serie funktioniert hervorragend in Zusammenhang mit dem großartigen Film „Sicario“, in dem auch das Wort „Medellin“ eine Rolle spielt. Wir bekommen dort eine Erklärung – und hier bekommen wir die kompletten Grundlagen. Und das auf eine Vielzahl von interessanten Weisen. Die Geschichte wird mit einem Off-Kommentar erzählt, von einem Polizisten der amerikanischen Drogenfahndung (kurz: DEA), eine Person, die es tatsächlich gibt und deren Erfahrungen wohl auch in die Serie eingeflossen sein dürften. Der Kommentar hat herrlich beißende Stellen, aber die Hauptfigur der Serie ist nicht er, sondern Pablo Escobar – und das ist wunderbar, denn man muss sich nicht damit herumschlagen, wie ein Ami einen Latino verfolgt, alles schön amerikanisch, sondern wir erleben die Geschichte des Drogenimperialisten, und die ist weit spannender als die Suche nach ihm. Die spielt zwar auch mit rein, aber in erster Linie ist dies eine Art Serienportrait des bekanntesten Drogendealers der Welt.

Dieses Portrait nun erhält Authentizität durch zwei weitere ungewohnte Faktoren: Die Serie ist zur Hälfte auf Spanisch gedreht, was bedeutet, dass wir jede Menge Untertitel bekommen. Und es werden auch Originalaufnahmen aus den Nachrichten etc. verwendet. Was bedeutet, dass man nicht nur die jeweiligen Schauspieler sieht, sondern auch teilweise deren Originale, parallel, kurz hintereinander. Das ist eine Technik, die sonst eher nicht angewendet wird – und die hier trotzdem super funktioniert. Denn tatsächlich ist das weniger ablenkend, sondern verleiht dem Ganzen noch einen besonderen Hauch von Wirklichkeit und Echtheit.

Akteure

Da man für die Serie sinnvollerweise viele Schauspieler aus lateinamerikanischen Ländern besetzt hat, dürften dem normalen Zuschauer nur wenige davon bekannt sein. Luis Guzman sollte aber einigen ein Begriff sein, und der erfährt hier ein Upgrade, denn statt wie sonst üblich den Kleinkriminellen darf er hier einen großen Drogenboss geben – und macht das hervorragend. Einer der Fahnder wird dargestellt von Pedro Pascal, der vor nicht allzu langer Zeit einen bleibenden Eindruck bei „Game of Thrones“ hinterlassen hat – in mehrfacher Hinsicht. Auch hier kann er wieder zeigen, was er für ein guter Schauspieler ist. Besonderes Lob gilt aber Wagner Moura, der hier einen Pablo Escobar gibt, der vollkommen menschlich wirkt. Er ist keine Karikatur, kein Monster, er ist ein hochintelligenter Mann, der eine Marktlücke findet und sie für sich ausnutzt… bis er irgendwann anfängt, über Leichen zu gehen. Man kann ihn nichtmal hassen, man muss Respekt für ihn haben und dank dem Schauspieler mag man ihn sogar irgendwie. Und das verdient Respekt!

Bonus

Making-ofs und Audiokommentare, in denen man nicht nur erfährt, dass Hauptdarsteller Wagner Moura für die Rolle erst noch Spanisch lernen musste, sondern auch, wie die Serie entstanden ist, was ihr zugrunde liegt und warum Netflix eigentlich der beste Ort für eine solche Serie ist.

Fazit

Spannend, clever, hart, großartig! Eine der besten Serien dieses Jahr, die gleichermaßen interessant wie spannend ist und dabei keine Kompromisse eingeht – also genau wie die Person, um die es in ihr geht. Höchst sehenswert! Ab 1.9.2016 auf DVD und Blu-ray.

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