Neu im Kino: Multiple Schicksale – Vom Kampf um den eigenen Körper

Von der Krankheit der eigenen Mutter inspiriert macht sich der 18jährige Jann Kessler auf den Weg, auch mit anderen Menschen zu sprechen, die an Multipler Sklerose leiden…

Leben mit der Krankheit…

Wir sehen die Mutter, wie sie im Bett liegt, wir hören die Aussagen von Menschen, die ebenfalls von der Krankheit betroffen sind, erfahren, was sich dadurch in ihrem Leben geändert hat und wann. Auch, wenn ich der Meinung bin, dass der Film nicht weh genug tut, um einem das wirkliche Leiden mancher Menschen so richtig nahe zu bringen, scheinen das Leute, die persönlichen Kontakt zu Erkrankten haben, anders zu sehen. So ist dies denn doch ein gelungener Versuch, uns die Krankheit näher zu bringen – mit einem Kritikpunkt, den ich hätte. An einem gewissen Punkt im Film, in dem man die Personen kennengelernt hat, hätte ich mir den Auftritt eines Arztes gewünscht, der uns kurz und knackig in 3 bis 5 Minuten (oder Sätzen) die Fragen beantwortet: Was ist MS, wie kommt sie zustande, wer kann sie bekommen, wann kann man sie bekommen, welche Auswirkung kann sie haben? All das hätte man dem unbedarften Zuschauer vermitteln können und eigentlich auch sollen, um den gezeigten Schicksalen einen fachlichen Unterbau zu verleihen, um zu wissen, wie es zu der Veränderung kam oder warum – und was genau die immer wieder erwähnten „Schübe“ sind und wie sie sich auswirken.

oder Sterben?

Der stärkste Moment des Films ist aber der Freitod. Es wird darüber gesprochen, ob Suizid eine Lösung ist und ob man überhaupt mit anderen darüber reden kann – und das, was man diesem Film wirklich zugute halten muss, ist, dass es eine Person gibt, die diese Frage ganz klar für sich beantwortet hat, was wir hier auch sehen können. Ein Mann, sachlich, humorig, geistig voll auf der Höhe, hat beschlossen, diesen Weg zu gehen – und der Film zeigt uns diesen Weg! Sterbehilfe im Film, Respekt! Und das lässt einen nicht los, denn wir wissen, dass die Person, die wir eben noch gesehen, essen, lachen und sprechen gesehen haben, nun wirklich nicht mehr lebt.

Fazit

Wenn man auch auf der medizinischen Ebene noch nachbessern könnte, so ist dieser Film allein schon wegen seines offenen Umgangs mit Sterbehilfe und Suizid sehenswert – und lässt einen dabei nicht kalt. Ab 15. September 2016 im Kino.

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