Neu im Kino: The Purge: Election Year

Amerikas System, um Kriminalität kleinzuhalten, geht in die dritte Runde. Einmal im Jahr hat man für 12 Stunden die Möglichkeit, seine Lieblingsverbrechen zu begehen, völlig straffrei. Dann ist von Steuerhinterziehung (was wir nie sehen) bis hin zu Mord alles drin. Und da Amerikaner blöd sind, funktioniert das auch super und senkt die Kriminalitätsrate. Wir erleben nun eine neue Purge-Nacht, doch diesmal haben die neuen Gründerväter die Regeln geändert und die Politikerin, die die jährliche Säuberung abschaffen will, zum Freiwild erklärt, aber Frank Grillo, der sich im letzten Film in die Herzen der Zuschauer gekämpft hat, will das nicht zulassen…

Haben

Von Anfang bis Ende spannend, ohne jemals langweilig zu sein. Action, Gewalt, alles drin, was Amerika so sehr auszeichnet und zum besten Land der Welt macht. Auch Frank Grillo, der im letzten „Captain America“ dann doch etwas auf der Strecke geblieben ist, kann wieder beweisen, dass er einen Film sehr gut getragen kann – anders als andere Leute, die wir dieses Jahr schon gesehen haben. Als kleiner Tipp sei hier ein kleiner Film mit ihm empfohlen: Unter dem unschönen Titel „Border Psycho“ und mit einer eher dürftigen Synchro spielt er an der Seite von David Rasche, den Älteren unter uns noch bekannt aus der großartigen und sehr witzigen Serie „Sledge Hammer“. Der kann hier in einem verwinkelten aber sehr spannenden Film beweisen, dass er auch anders kann – und Grillo macht dabei ebenfalls eine gute Figur.

Soll

Aber kommen wir mal zum Konzept von Film und Purge. Das ist ein wunderbares Science Fiction Konzept, erscheint dann für die Wirklichkeit aber doch nicht ganz durchdacht. An einem Tag im Jahr ungestraft Verbrechen begehen zu dürfen… Ob das wirklich die Lösung wäre. Was es jedoch tut, ist, jede Menge Möglichkeiten zu schaffen, die im Film bestenfalls angerissen werden, aber wirklich ein weites Feld für Fortsetzungen bieten würden. Man könnte die zeigen, die sich ein Jahr auf die Veranstaltung vorbereiten, weil sie geil drauf sind, echte Purgers, Purgies oder Purgeristen. Man trifft sich auf der Purge-Con, bekommt Autogramme von Purge-Ikonen und macht seine eigenen Purge-Selfies. Man könnte auch das erweitern, was hier nur kurz als schöne Idee auftaucht, nämlich Mordtouristen, die extra in die Staaten fahren, um ungestraft Leute umbringen zu können. Das allein wäre ein schöner Film. Oder sich mal in einem anderen Film komplett mit dem Tag danach beschäftigen. Freunde, die in der Purgenacht versucht haben, sich gegenseitig umzubringen… oder zu vergewaltigen. Was macht man am nächsten Morgen, wenn nicht alle tot sind und man sich wieder in die Augen sehen muss? Da steckt ein fieses kleines Drama drin. Oder die Situation, mit der dieser Film beginnt, weiterspinnen: Ein Purgie hat eine Gruppe Leute bei sich, die er grausam umbringen will, aber dann läutet die Glocke und die Säuberung ist vorbei. Ab jetzt ist es ein Verbrechen… wie geht die Geschichte weiter? Wie verhält sich wer? Spannende Möglichkeiten… die wohl nie genutzt werden, denn auch dieser Film, der sich „Wahljahr“ nennt, hätte die Gelegenheit für eine beißende Satire auf Trump bieten können, doch außer Purgen nichts gewörjen.

Synchro

Da die Pressevorführung in der deutschen Fassung war, ein paar kleinere Anmerkungen. Oliver Siebeck, den ich früher nicht so prickelnd fand, ist inzwischen zu einem guten Sprecher herangereift, der den Film genauso tragen kann wie Frank Grillo, den er hier spricht. Und ich will den Machern mal zugestehen, dass es wahrscheinlich eine Auflage des Verleihs war, das Wort Purge selten zu übersetzen und die ganze Zeit von „der Purge“, „purgen“, „Thr Purge for Spock“ und som Scheiß zu reden, weil der deutsche Zuschauer ja doof ist und sonst nicht verstehen würde, was gemeint ist. So furchtbar und unnatürlich das auch alles klingt, ich mach es nicht dem Dialogautor zum Vorwurf. Aber jemanden, der sich kirchlich betätigt, als Minister zu bezeichnen… Im Deutschen ist das eine Art Abgeordneter, im Englischen bedeutet das Wort Minister aber Priester oder Pfarrer. Und ich bin ziemlich sicher, hier wurde der Minister schlicht mit Minister übertragen – und sowas darf in einer professionellen Synchronisation nicht passieren! Ehrlich, Leute, das war damals nur als Scherz gemeint!

Mit

Frank Grillo (Oliver Siebeck), Elizabeth Mitchell (Christin Marquitan), Raymond J. Barry (Axel Lutter), Edwin Hodge (Martin Kautz), Kyle Secor (Frank Röth), Betty Gabriel (Vera Teltz), Ethan Phillips (Tobias Lelle) Mykeltie Williamson (Tilo Schmitz – obwohl im Presseheft Charles Rettinghaus steht, aber man weiß doch, große, ggf. dicke Schwarze werden von Schmitz gesprochen und die anderen, jüngeren, von Rettinghaus… also außer denen, die von Leon Boden gesprochen werden, aber das sind ja nur etwa ein Dutzend)

Fazit

Spannend, brutal, nicht langweilig, aber mehr Actiongemetzel als subversive Auseinandersetzung mit fragwürdigen Zuständen oder Abrechnungen mit aktueller Politik. Ab 15. September 2016 im Kino.

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