Neu auf DVD: Gigant des Nordens – Hamburgs Aufstieg zum Welthafen

Eine hübsche Dokumentation, angereichert mit Spielszenen und Interviews mit Fachleuten, die uns in die 800jährige Geschichte des Hamburger Hafens einführt – und die entpuppt sich als ausgesprochen interessante Geschichte. Wir erfahren, wie es zur Gründung gekommen ist, oder möglicherweise gekommen ist, aber auch, welche Rolle Hamburg spielte und wie es sich diese Rolle erkämpft hat. Interessante Einblicke in einen Hafen, der noch heute einen wichtigen Stand in der Welt hat, auch wenn der hart umkämpft ist. Hier können wir quasi seine ganze Lebensgeschichte erleben, von seiner „Geburt“ über die „Pubertät“ bis hin zu seinem „Erwachsendasein“… oder muss er bei all der Konkurrenz vielleicht bald in „Rente“ gehen?

Eigentlich bringt es wenig, über die Dokumentation selbst zu sagen, denn dann bräuchte man sie ja nicht mehr zu schauen – und das wäre eine Schande, denn sie ist ausgesprochen sehenswert. Abgerundet wird das Ganze durch Computeranimationen, die sehr realistisch geworden sind.

Gigant des Fazits

Nicht lang drumrumreden und die Doku für sich selbst sprechen lassen. Eine interessante und sehenswerte Dokumentation über die Entstehung und Entwicklung des Hamburger Hafens, aber auch seiner Herrscher, Reederein und Arbeiter, seinen Einfluss auf die Stadt – und auf die Welt. Wer mehr über das Tor zur Welt erfahren möchte, hat ab 30.9.2016 auf DVD und Blu-ray Gelegenheit dazu.

Neu auf DVD: Verlieb dich nicht in mich

Frau und Mann treffen sich in Café. Keine Namen, keine Vergangenheit – sie machen daraus ein Spiel. Es gibt nur eine Grundregel: kein Verlieben. Doch natürlich kommt es anders…

Und wie!

Denn, wenn man mal darüber nachdenkt, ist das ein schöner Liebesfilm, der eigentlich wie ein Krimi aufgebaut ist. Mehr und mehr erfährt man – und mehr und mehr ergibt sich daraus ein Gesamtbild. Deshalb sollte man an dieser Stelle auch nicht zu viel verraten, man sollte die Art und Weise, wie sich die Handlung entwickelt, einfach selber genießen. Wer am Ende der Mörder ist – oder ob sich wer in wen verliebt – kann man sich ja irgendwie selber denken, denn es ist halt ein Liebesfilm… aber definitiv einer der Besseren.

Und so ist es dann eigentlich ein bisschen traurig, dass dieser schöne spanische Film es scheinbar nicht auf die große Leinwand geschafft hat, obwohl er das weit mehr verdient hätte, als so manch anderer Mist, mit dem man uns in den letzten Monaten behelligt hat. Aber wenigstens im Heimkino kann man ihn nun genießen – nur verlieben darf man sich nicht.

Spiel mit mir

Da es sich bei weiten Teilen des Films eh um eine Art Zwei-Personen-Stück handelt, ist es natürlich wichtig, dass man dafür die beiden richtigen Personen gefunden hat. Und das hat man. Eduardo Noriega und Michelle Jenner tragen den Film problemlos und gerade Jenner trifft nicht nur alle Töne ihrer Rolle perfekt, sondern macht auch eine Menge Freude.

Fazit dich nicht in mich

Schöne Liebeskomödie aus Spanien, die das Thema mal auf eine etwas andere und verrücktere Weise angeht. Es macht Spaß, den beiden Figuren bei ihrem „Spiel“ zuzusehen – ab dem 30.9.2016 kann das jeder auf DVD und Blu-ray auch.

Neu im Kino: The Infiltrator

Drogenfahnder gegen Drogenboss. Ersterer kommt auf die Idee, dass man nicht die Drogen verfolgen sollte, sondern das Geld und so übernimmt er die Bank- und Geldwäschegeschäfte für das Kartell.

Wahre Geschichte, mal wieder

Und vielleicht wäre das alles auch viel interessanter, wenn man nicht gerade „Narcos“ gesehen hätte, denn auch Pablo Escobar schwebt als Engel des Drogens über dem ganzen. Natürlich sehen wir, dass es gefährlich ist, sich mit Leuten aus dem Drogenbusiness einzulassen, da fließt dann schon die eine oder andere Träne, oder vielmehr Blut, aber andererseits würde man dann auch denken, dass jemand, der unter fremden Namen undercover für Drogensyndikate arbeitet, nicht abends nach Hause zu seiner Frau geht und dort blutige Post vom Zustelldienst des Kartells erhält. Aber da es eine wahre Geschichte ist und die Hauptfigur der Autor des Buches, auf dem der Film beruht, schließen wir mal daraus, dass das keine so tödliche Folgen hatte, wie es sie bei einem gut geölten Kartell hätte haben sollen.

Ausgespielt

Bryan Cranston, berühmt für sein Crystal Meth (oder vielmehr das seiner Figur Walter White aus „Breaking Bad“) hat hier die Seiten gewechselt und darf für die Guten arbeiten. John Leguizamo wird entgegen dem Klischee nicht als Dealer, sondern als sein Kollege besetzt und Michael Paré hat auch einen kurzen Auftritt im Film. Bei dem unsäglichen „Ride Along 2“ habe ich geschrieben, dass Benjamin Brett dort wunderbar als stilvoller Schurke funktioniert hat – man scheint auf mich gehört zu haben, denn hier darf er den auch geben und ist damit einer der schauspielerischen Höhepunkte des Films. Was aber definitiv fehlt ist ein kleiner Gastauftritt von Wagner Moura als Pablo Escobar.

The Fazitator

In Zeiten von „Narcos“ fragt man sich: Warum? Und kommt nicht umhin, beides miteinander zu vergleichen. Leider zieht „The Infiltrator“ da den Kürzeren, denn auch wenn er ein paar harte Szenen und Überraschungsmomente hat, bleibt das Mitfühlen mit den Hauptfiguren doch irgendwie aus – und dadurch auch die Spannung, die ein solcher Film haben sollte. Ab 29.9.2016 im Kino.

Neu im Kino: WAR DOGS

Zwei Jungs machen in Waffen und ergattern einen Riesendeal mit der Amerikanischen Regierung, aber da das alles nicht ganz ohne Illegalität auskommt, läuft es nicht ganz so rosig, wie man es sich als Händler des Todes wünschen würde…

Lord of War“

Allein schon wegen des Themas muss sich der Film zwangsläufig einen Vergleich mit quasi dem Standardwerk auf diesem Sektor gefallen lassen. Da schneidet er zwar nicht so schlecht ab, aber so ganz die Güte des Nicolas Cage Films erreicht er dann leider doch nicht. Was fehlt? Nun, die Kurzweiligkeit, denn hier geht es nicht alles so knackig zu wie in dem anderen Film, vor allem aber die Unmoralität (Unmoralischkeit?). Denn das ist das Wunderbare an LoW, die Tatsache, dass unser „Held“ am Schluss nicht geläutert ist und von nun an einen besseren Lebenswandel anstrebt, sondern dass er, obwohl er sich der Unmoralität bewusst ist, weitermacht. Das ist unverlogen und das macht einfach Spaß.

Wolf of Warstreet

Das tun die Kriegshunde an einigen Stellen natürlich auch. Es gibt wunderbare Szenen, nette Ideen und gute Darsteller. Jonah Hill ist sehr überzeugend als alle über den Tisch ziehendes Arschloch – bitte trotzdem nicht wieder zum Oscar nominieren! Miles Teller gibt einen guten Erzähler und ist glaubwürdig in seiner Rolle. Und auch Bradley Cooper gibt sich die Ehre in einem kleinen aber feinen Part, vergliche man den Film mit „Wolf of Wallstreet“, dann wahrscheinlich der Matthew McConaughey Rolle – wenn auch nicht ganz so beeindruckend.

Wahre Geschichte

Das ganze beruht, wie alles heutzutage, inklusive „Ben-Hur“, „Elliott, der Drache“ und „Star Wars“, auf wahren Begebenheiten. Schade ist dabei, dass man etwas, das ganz zu Beginn angerissen wird, leider nicht weiter ausführt, nämlich die Ausstattung amerikanischer Soldaten im Golfkrieg. Das hätte in sich ein spannendes Thema sein können, ein Film darüber, was die Regierung ein Soldat so kostet und was andere daran verdienen. Leider geht dieser Film nicht in diese Richtung… aber vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung?

War Fazit

Interessant und unterhaltsam, aber leider ohne die Schärfe und Unmoral eines „Lord of War“. Für Leute, die in den Waffenhandel einsteigen wollen, aber wahrscheinlich unverzichtbar. Ab 29. September 2016 im Kino.

Neu im Kino: Mali Blues

MALI BLUES erzählt von vier Musikerinnen und Musikern aus dem westafrikanischen Mali, die sich mit ihrer Musik für einen toleranten Islam und ein Land in Frieden einsetzen.“ so sagt uns das Presseheft. Aha, darum ging’s also. Gut, zu wissen. Ich hatte angenommen, es ginge irgendwie auch so um die Frau, die nach Jahren in ihre Heimat Mali zurückkommt und dann da auch am Ende des Films – Vorsicht: Spoiler! – ihr erstes Konzert gibt…

Struktur, Fokus, Los!

Weiß heute wirklich niemand mehr, wie man einem Film eine Struktur verleiht. Und dass, gerade eine Art Doku, einen Fokus braucht. Dass man wissen möchte, worum es eigentlich geht. All das funktioniert für mich bei diesem Film so gar nicht. Er ist nicht Fisch, nicht Fleisch, nichts Halbes, nichts Ganzes. Dabei hätte es ein paar Möglichkeiten für eine Fokussierung gegeben. Für das oben beschriebene „Musiker für toleranten Islam“ ist er schlicht zu Larifari, das kommt zwar irgendwo drin vor, es als das Hauptsthema zu bezeichnen, erscheint mir aber ein wenig gewagt. Man hätte einen Konzertfilm draus machen können, bei dem die Musiker zwischenzeitlich zu Wort kommen, aber mit dem Fokus auf Musik und Konzert. Was aber vielleicht am besten gewesen wäre, ein Film, der uns Mali und die Islamprobleme vorstellt – in Ton und Bild. Gleichzeitig. Die Musik liegt über den Bildern, wir hören die Liedtexte und sehen das Land und was dort passiert. Besonders bei dem Song „Erklär mir deinen Islam“ hätte sich das mehr als angeboten, zu zeigen, was im Norden des Landes passiert und es mit einer Musik zu unterlegen, die diese Taten anprangert. So jetzt haben wir dann aber irgendwie Musik und ein paar Leute, die was drüber sagen, sogar ein religiöser Vertreter kommt zu Wort, aber so richtig befriedigend war das alles – für mich – nicht! Ab 29.9.2016 im Kino.

Neu im Kino: Mit dem Herz durch die Wand

Klavierspielerin zieht in hellhörige Wohnung neben verschrobenen Erfinder, was zunächst zu Streitigkeiten führt, später aber zu einer sehr merkwürdigen Beziehung…

Frankreich, Liebe, Einfallsreichtum

Es ist eine interessante Grundidee, eine Beziehung, bei der man nicht weiß, wie der andere aussieht – und der Film spielt mit viel Phantasie verschiedene Möglichkeiten, die eine solche Situation bietet, durch. Das führt nicht nur zu schönen Szenen, wie einem gemeinsamen Abendessen mit Freunden, sondern vorher zu dem Höhe- und Wendepunkt, einem musikalischen Orgasmus, der beide Figuren einander näher bringt und selbstverständlich für das Ende des Films wichtig sein wird.

Natürlich sehen beide Schauspieler, Mélanie Bernier und Clovis Cornillac, eigentlich zu gut aus für eine solche Beziehung – und erstere ist mit Brille eigentlich noch hübscher als ohne – aber das sind eben die üblichen Filmklischees. Schön ist, dass man irgendwann eine Erklärung für seine Zurückgezogenheit bekommt, aber das, ohne dass man lange darauf herumreitet. Bereichert wird die Besetzung noch durch seinen Freund, Philippe Duquesne, und ihre mehr als lebensfreudige Schwester, Lilou Fogli, die eine perfekte Mischung von Schalk im Nacken und Sex im Blick darstellt.

Mit dem Fazit durch die Wand

Vielleicht einer der schönsten Liebesfilme des Jahres. Mit viel Phantasie, schönen Details, konsequent durchdacht und wunderbar gespielt. Einzig… beim erwähnten „musikalischen Höhepunkt“ des Films, man geht einfach nicht von Chopin zu etwas anderem über, das ist ein kleiner Abzug in der B-Note! Ansonsten im wahrsten Sinne des Wortes ein schöner Spaß. Ab 29. September 2016 im Kino.

Neu auf DVD: Die Chroniken des Geistertempels

Expedition in die Berge Chinas läuft irgendwie schief, doch Jahre später fügt sich für den Helden und Erzähler der Geschichte alles zusammen, während er ein neues Abenteuer bestreitet…

Struktur

Die Struktur des Films ist etwas merkwürdig, aber, und das ist das, was ich allen mit auf den Weg geben kann, das Wissen, das ich nie vor einem Film habe – und bei dem ich so oft enttäuscht wurde – am Ende fügt sich in der Tat einiges zusammen und vieles, was vorher irgendwie merkwürdig und durcheinander und konfus gewirkt hat, gewinnt plötzlich Struktur und nachvollziehbaren Sinn. Nicht unbedingt alles, aber doch so manches – und das ist der Grund, warum einen der Film nicht völlig ratlos und vor allem frustriert zurücklässt, denn das Warten hat sich doch ein bisschen gelohnt… auch wenn er dann irgendwie mit einem unausgesprochenen „Fortsetzung folgt“ endet, aber das Ding heißt ja auch „Chroniken“, also hätte man eigentlich damit rechnen können, dass es erst der Anfang einer Geschichte ist. Aber das bietet er immerhin, eine Geschichte, etwas, das heutzutage aus der Mode gekommen zu sein scheint; etwas erzählen zu wollen, eine Handlung zu haben, ja, hier kann man sehen, es geht doch. Auch wenn diese, wie gesagt, ein wenig konfus daherkommt. Es beginnt mit einem Zwischenfall, dann wird eine Expedition losgeschickt, die für einen ab 12 Jahren freigegebenen Film überraschend brutal dahingerafft wird, und danach fängt der konfuse Teil an… doch am Ende… immerhin!

Ein kleiner Zwischenhöhepunkt ist übrigens, wenn ein chinesischer Elvis „Dschingis Khan“ singt, nette Sache.

Das Fazit des Geistertempels

Nuuun, ob der Begriff „Geistertempel“ und „Geister“ bei dem, als was sich das eigentlich entpuppt, gut gewählt ist, sei einmal dahingestellt (oder vielmehr in Frage). Es beginnt als Abenteuer, driftet dann in merkwürdige Gefilde ab, bis am Ende doch das eine und oder andere einen Sinn ergibt… und den Weg frei macht für eine bis 18 Fortsetzungen, je nachdem, wie erfolgreich das Ganze wird. Insofern eine recht eigenwillige aber keine schlechte Unterhaltung. Ab 22. September 2016 auf DVD und Blu-ray.