Film Festival Cologne: Eröffnung und „Nocturama“

Die Cologne Conference (liebevoll Coco genannt) begann vor 25 Jahren und wurde nun in das Filmfestival Cologne (hoffentlich bald Fico genannt) umerzogen und eröffnete im Jahre des Herrn 2016 mit einer netten und sympathischen Einführung im Cinenova in Ehrenfeld, begleitet von Stars und Persönlichkeiten wie… von Promis… von… Die Oberbürgermeisterin war da und hat eine Rede gehalten. Und dann kam der Eröffnungsfilm des diesjährigen Festivals:

Nocturama“

in Anwesenheit des französischen Regisseurs Bertrand Bonello, insofern eine französisch-deutsche Koproduktion, weil offenbar der gesamte Sound in Deutschland entstand. Das Programmheft sagt, dass er „angeblich wegen seines brisanten Themas nicht nach Cannes eingeladen wurde“, wenn man ihn gesehen hat, kommt man aber eher zu der Schlussfolgerung, dass es daran liegen könnte, dass er einfach nicht gut ist. Und das ist er, nicht gut!

Die neue Maßlosigkeit“

Einmal mehr erleben wir das, was ich als „die neue Maßlosigkeit“ bezeichnen möchte, die möglicherweise dem Digitalzeitalter geschuldet ist, in dem sich niemand mehr um die Kosten für Filmmaterial sorgen muss und somit soviel drehen – und dann leider auch zeigen – kann, wie er möchte. Wenn man, um ein altes Beispiel zu bemühen, einen Film in der Kamera hat, auf dem 36 Bilder sind, dann überlegt man sich sehr genau, was man im Urlaub fotografiert – und gibt sich Mühe. Mit einer Digitalkamera ist das nicht mehr nötig – und einen guten Bildausschnitt muss man auch nicht mehr suchen, weil man das ja alles in der Nachbearbeitung beheben kann. Was Filme angeht, scheint es darauf hinauszulaufen, dass man ewig viel Material dreht, sich dann aber leider nicht dazu entschließen kann, das in eine angemessene Form – und damit verbunden, Länge – zu bringen. Dass es der Schwätzer Tarantino nicht schafft, einen Film in zwei Stunden zu erzählen, verwundert nicht, aber auch mir unverständlicherweise hochgelobte Filme wie „Toni Erdmann“ und „American Honey“ scheinen es nicht mehr für nötig zu halten, ihre dünne Story auf die angemessene Länge zu stutzen, sondern protzen mit Laufzeit statt mit stringenter und angemessener Erzählweise und -zeit. Womit wir bei „Nocturama“ wären, der zwar keine 2 Stunden 40 lang ist, mit 2 Stunden 10 aber trotzdem mehr Aufmerksamkeit für sich beansprucht, als er verdient. Am Anfang hofft man noch, dass die langen Szenen in der U-Bahn irgendwann eine Rechtfertigung erfahren, dass am Ende alles rehabilitiert ist – doch dem ist leider nicht so.

Terror!

Worum es geht, ist eine Gruppe Jugendlicher, die ein paar Bomben legen – und der eine oder andere erschießt auch Leute. Dann treffen sich alle in einem Kaufhaus, um dort die Nacht zu verbringen.

Ziel? Motivation?? Häh???

Der Film ergeht sich in langen Szenen, die man zum Teil hätte kürzen, zum Teil hätte streichen können. Was er dann bei all der Länge aber nicht tut, ist uns eine Motivation und ein Ziel für die Taten der Jugendlichen zu liefern. Und das macht einen, nach dem man ihn über zwei Stunden lang ertragen hat, wirklich sauer, denn damit erreicht er nichts – außer Hass auf sich selbst zu erzeugen. Man sollte wissen, warum sie das tun, alles andere ist idiotisch. Dann gibt er am Anfang oft die Uhrzeit an, so, als arbeite man sich auf einen bestimmten Zeitpunkt hin. Darin verquickt er dann aber irgendwann Rückblenden, ohne die wirklich deutlich zu kennzeichnen. Das kann man nur höflich mit Inkompetenz umschreiben, denn wer nicht in der Lage ist, eine Rückblende als solche herauszuarbeiten, besonders, wenn er vorher größtmöglichen Wert auf das Zeigen der Uhrzeit legt, sollte postwendend zurück auf die Filmhochschule… oder wo sonst diese Leute herkommen. Den Großteil verbringen wir dann mit der Gruppe im Kaufhaus, wo sie sinnlose Dinge tun, was sowohl zu lang als auch einfach nur dämlich ist, da man die Zeit für ein bisschen Motivationserklärung hätte nutzen können. Und was das nun soll??? Sie haben Leute umgebracht, jetzt sind sie im Kaufhaus…???? Ist das eine Botschaft, die ich gerade mangels Interesse nicht verstehe? Wäre es darum gegangen, dass ihre Anschläge gegen den Konsum gerichtet sind, hätte man das schön herausarbeiten können. Wäre es darum gegangen, dass sie ihre Anschläge wie eine Art Spiel sehen, dann hätte man auch das hier herausarbeiten können. So bleibt das aber irgendwie ein fader, langgezogener Nachgeschmack, den man schon während des Films im Mund hat. Und wenn dann endlich mal die Polizei kommt, um den Film zu beenden, dann verspürt man auch da keine Spannung mehr, sondern will einfach nur hier raus… aber der Film lässt einen nicht, denn auch das zieht und wiederholt und wiederholt sich.

Fazitrama

Der Terrorismus hat neue Opfer gefunden – und zwar die Zuschauer dieses Films! Wenn das der Auftakt des Film Festivals Cologne ist, dann kann man nur hoffen, dass es von hier an nur noch bergauf geht!

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