Neu auf DVD: SCHIMANSKI – Die Gesamtkollektion

Nachdem Horst Schimanski von Dienst (und „Tatort“) suspendiert wurde, kehrt er in einer Filmserie seines eigenen Namens wieder, um

Scheiße!“

zu sagen und Verbrecher zu jagen. Das macht er aber nicht so ganz als Polizist, sondern als eine Art Grauzoni, der für die schmutzigen Aufträge zuständig ist.

Mach mir den Götz

Gespielt wird er von einem der Schauspieler, die wir dieses Jahr betrauern müssen, denn Götz George, der „das Wort ‚Scheiße‘ im deutschen Fernsehen salonfähig“ machte, ist dieses Jahr leider verstorben. Insofern ist diese Sammlung eine schöne Verbeugung vor ihm – und vor der Figur, die ihn berühmt gemacht hat, denn auch wenn er in „Winnetou“-Filmen mitgespielt hat, „Der Totmacher“ gewesen ist und in „Schtonk“ Hitlers Tagebücher gekauft hat, so wird es doch wahrscheinlich diese Rolle sein, an die man sich bei seinem Namen immer erinnern wird.

Die Schwadron (1997)

Nach dem Tod von Thanner wird Schimanski wieder in den aktiven Dienst zurückgeholt. Er muss herausfinden, wer hinter dem Mord steckt…

Schimi ist zurück. Und es ist sehr schön gemacht, wie er langsam zu sich und seinem alten Ich zurückfindet, Jacke eingeschlossen. Auch der Umgang mit dem Tod von Georges Schauspielpartner Eberhard Feik, der den Thanner gespielt hatte und nun für weitere Abenteuer nicht mehr zur Verfügung stand, ist sehr nett und respektvoll. Alles in allem eine recht gute Rückkehr mit einer gelungenen Mischung aus Action, Verrat und Krimi.

Blutsbrüder (1997)

Schimanski soll jemanden aus einem Gefängnis nach Düsseldorf bringen, doch wie sich herausstellt, hat nicht nur er mit ihm eine Rechnung offen…

Ocarpreisträger und Bond-Bösewicht Christoph Waltz, noch bevor er zu Weltrum gelangte. Man erkennt schon hier vieles von dem, was er auch später noch machen soll – nur den Ruhrgebietler nimmt man ihm nicht so ganz ab. Trotzdem eine gute Folge mit netten Wendungen und einem Hauch von „Flucht in Ketten“ trifft „Midnight Run“.

Hart am Limit (1997)

Terroristenjagd und Leibwache – doch es steckt noch viel mehr dahinter…

Spannende Geschichte mit netten Wendungen. Steffen Wink, im ersten Film eingeführt, kehrt zurück. Henry Hübchen ist auch dabei – und ein noch junger und noch nicht ganz so ausgereifter Sebastian Koch. Kleiner Schwachpunkt ist Anica Dobra, bei der man immer das Gefühl hat, dass sie irgendwie immer gegen einen Akzent ankämpft, wodurch dann Spiel auf der Strecke bleibt.

Muttertag (1998)

Null Null Schimi fährt nach Ex-Jugoslawien, um den toten Sohn einer reichen Frau zu finden, doch das ganze ist etwas komplizierter…

Auch wenn die Prämisse eigentlich albern klingt, ist daraus ein sehr guter und spannender Film geworden. Schön auch, dass die Jacke erst zum Einsatz kommt, wenn die Untersuchung, also die Arbeit, beginnt.

Rattennest (1998)

Mord auf dem Kinderstrich und ein reicher Unternehmer, der Arbeiter entlässt…

Gute Geschichte, die aber nicht ganz so scharf und pointiert ist, wie sie hätte sein können, auch wenn sie an ein paar Klischees dankenswerterweise vorbeischliddert.

Es gibt einen sehr schönen Audiokommentar mit Regisseur Hajo Gies, in dem man eine Menge über die „Schimanski“-Serie seit dem Tatort, die Kritik, die Zusammenarbeit mit dem Sender und einiges mehr erfährt.

Geschwister (1998)

Ein reicher Kerl will nicht, dass ein junger Typ seiner Freundin zu nahe kommt, doch als Schimanski in die Sache verwickelt wird, stellt sich heraus, dass es da noch mehr gibt…

Ein schöner Fall mit ein paar unschönen Taten, einer haarigen Entscheidung für die Hauptfigur und einem wie stets unsympathischen Hannes Jaennicke. Zudem gibt es eine kleine Überraschung für Schimi-Fans.

Sehnsucht (1999)

Schimanski soll einem alten Freund helfen, der fälschlicherweise eines Mordes bezichtigt wird…

Krimi, der wegen der Figur des tumben, großen Mannes ein wenig an eine Geschichte von Chandler erinnert. Mit dabei ist Renée Soutendijk, die nicht nur hervorragendes Deutsch spricht (anders als viele andere in der Reihe, bei denen man hört, dass sie offensichtlich nachsynchronisiert wurden), sondern früher auch mit Paul Verhoeven gearbeitet hat. Außerdem kehrt eine alte Figur zurück.

Tödliche Liebe (1999)

Tod in einer Drückerkolonne…

Und Schimanski ermittelt undercover – was für ihn bedeutet, in Anzug und Krawatte. Wobei George, wenn er böse spielt, komischerweise irgendwie an William Shatner erinnert. Der in der letzten Folge neu eingeführte Kollege taucht auch wieder auf und scheint Steffen Wink zu ersetzen. Leider schafft es die von Julian Weigend gespielte Figur bis zum Ende der Serie nicht, einem so richtig sympathisch zu werden.

Schimanski muss leiden (2000)

Eine schweigsame Frau, eine Autobahnraststätte, eine Kanone, ein Mord – und jede Menge Verwicklungen…

Verwobene Geschichte mit politischen Anleihen. Und ein Wiedersehen mit Christiane Hörbiger, mit der George schon in „Schtonk“ spielte und die hier zeigt, dass es hin und wieder doch nette Rollen für Frauen gibt.

Kinder der Hölle (2001)

Kindermord, Kindesmissbrauch, Prostitution…

Unschönes Thema, gute Umsetzung – wobei der Titel sich eigentlich eher für so was wie Kindersoldaten einen würde, denn gemeint ist eher „Kinder, die durch die Hölle gehen“.

Asyl (2001)

Nachdem ein Lastwagen mit erstickten Flüchtlingen gefunden wird, beginnt die Jagd auf Schlepper…

Seit der Flüchtlingskrise wieder erschreckend aktuell. Tut vielleicht nicht ganz so weh, wie es könnte, ist aber spannend umgesetzt.

Das Geheimnis des Golem (2004)

Schimanski stolpert in Antwerpen in einen Fall in der jüdischen Gemeinde…

Interessanter Krimi, der ein bisschen in heiklem Territorium wandelt – was ihn aber umso besser macht.

Sünde (2005)

Diesmal stolpert Schimanski nicht in einen neuen Fall, sondern fährt mit seinem Auto rein, was, wie üblich, kriminalistische Folgen hat, bei denen Religionismus und Fremdgehen diverse Rollen spielen…

Wieder ein schöner Krimi, der mit ein paar interessanten Figuren aufwartet.

Tod in der Siedlung (2007)

Eine Leiche wird in einem abgefackelten Auto vor Schimanskis Haustür gefunden und er hängt sich rein, um den Fall zu lösen…

Thema Arbeitslosigkeit, Arbeitsamt, Armut. Einmal mehr scheut sich die Reihe nicht, heikle Themen anzupacken und sie ins Bewusstsein ihrer Zuschauer zu rücken. Die letzte Szene ist eine Anspielung auf die allererste Szene mit Schimi im „Tatort: Duisburg Ruhrort“ und damit wäre es ein schöner Ausklang für die Serie gewesen… aber es kommen noch drei Filme.

Schicht im Schacht (2008)

Abgesang auf den Ruhrpott, schlechte Jobsituation – und eine Leiche auf der Zeche, die zu einem alten Fall führt…

Komplizierter Fall, der bisweilen ein wenig verwirrend daherkommt. Die Musik erinnert streckenweise sehr an die von „Fargo“.

Schuld und Sühne (2010)

Ein Polizist, der Selbstmord begeht, ein totes Mädchen und ein Wespennest voll korrupter Bullen…

Die Handlung ist wie üblich schön wendungsreich und Hannes Jaennicke wird einmal mehr nicht gegen sein Klischee auf eine wenig sympathische Rolle besetzt. Da hätte man durch eine Besetzung von ihm auf eine andere Figur noch ein wenig herausholen können, indem man beim Zuschauer Unsicherheit aufgebaut hätte. Wäre mal eine schöne Gelegenheit gewesen.

Loverboy (2013)

Schimanski soll ein verschwundenes Mädchen finden, außerdem gibt es noch einen toten Zuhälter…

Spannende Geschichte, aktuelles Thema, würdiger Abschluss. Der letzte Fall von Schimanski erscheint als DVD-Erstveröffentlichung und beendet die Reihe auf angemessene Weise.

Roter Faden, beige Jacke

In gewisser Weise ist die Serie sehr modern. Es gibt zwar keinen übergreifenden Bogen, aber verschiedene rote Fäden und Dinge, die sich weiterentwickeln, z.B. das Verhältnis von Schimi und seiner Freundin sowie die Arbeit mit der Staatsanwaltsschaft. Schön ist auch, wie konsequent die Schimanski-Jacke zum Einsatz kommt, denn wann immer er sie innerhalb einer Geschichte anzieht, heißt das, dass es ernst wird – oder in dem Fall eher Horst. Auch mit dabei ist immer der Wagen, aber der wird nicht nach und nach mehr und mehr zerlegt, sondern offenbar immer wieder instandgesetzt – schade eigentlich.

Schauspielerisch schwankt das Niveau bei den Gästen ein wenig. Zum Glück wird die Staatsanwältin recht bald ausgetauscht, was der Sache sehr gut getan hat. Schön ist auch, dass es noch zwei feste Größen gibt, die fast immer mit dabei sind: Denise Virieux als Schimis Herzdame und Chiem van Houweninge als sein alter Kollege – eine wahrhaft europäisches Ensemble.

Zeit und Raum

Die Serie spielt meist in Duisburg – aber gedreht wird auch in Köln. So kommt es denn also, dass Schimi im „Golem“ in „sein Haus“ geht, das sich aber ganz offensichtlich in Kölle befindet – und man sieht sogar die korrekte Adresse „Venloer Sraße“. In „Siedlung“ verhört man dann eindeutig im Kölner Arbeitsamt, inklusive Haltestelle. Ein nettes Suchspiel für Köln-affine. Vielleicht ist Schimi aber auch einfach nur in der Lage, Zeit und Raum zu verändern… dann wär es aber schade, dass man da nie einen Handlungsstrang draus gemacht hat.

Bonus

Sehr schönes, umfangreiches Interview mit George bei Beckmann, in dem der Schauspieler sehr sympathisch und ehrlich rüberkommt.

Fazanski, nich?

Auch wenn ich früher nie ein so großer Fan des rumfluchenden Ruhrpottlers war, so hat mich diese Box eines Besseren belehrt. Denn der Mann kann nicht nur „Scheiße!“ sagen und zuschlagen, er kann auch ziemlich gut kombinieren, womit er den Fall am Ende knackt. Dazu kommen noch eine Spur Humor und eine Prise Selbstironie und schon wird daraus ein guter Krimi, an dem man seine Freude haben kann. Alle Fälle sind unterschiedlich, was für Abwechslung sorgt, da man sich nicht auf ein bestimmtes und irgendwann ausgetretenes Schema einstellen kann und muss. Schön ist auch, dass man nicht davor zurückschreckt, harte Themen zu behandeln, was der Serie noch einen besonderen Reiz verleiht. Die Komplettedition gibt es ab dem 19. Oktober 2016 auf DVD.

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