Neu im Kino: Ostfriesisch für Anfänger

Ostfriese gibt Ausländern (die keine Flüchtlinge sind!) Sprachunterricht, aber eben Platt und nicht Hochdeutsch, was natürlich nur gutgehen kann…

Seufz!

Weiß denn wirklich niemand mehr, wie man eine Geschichte richtig erzählt? Ich meine, so schwierig kann das doch nicht sein! Und doch wird man immer wieder eines besseren belehrt, oder schlechteren, leider. Denn auch hier steckt Potential für einen schönen Film drin, aber es fängt schon damit an, dass man nichtmal die Eier hat, die Ausländer zu Flüchtlingen zu machen. Ja, ich weiß. am Ende zaubert das ein Kaninchen aus dem Hut (oder vielmehr aus dem Arsch), aber das Ganze mit in die Flüchtlingsthematik aufzunehmen, wäre doch wohl mehr als naheliegend gewesen. Natürlich muss nicht alles gleich ein Sozialdrama sein, aber diesen Aspekt auszuklammern und dann die „Dorfnazis“ ebenfalls nur halbherzig mitzunehmen, geht völlig an Realität und Dramatik vorbei. Letztlich geht es dadurch um nix. Das sind keine Flüchtlinge, die um ihre Ausweisung fürchten müssen, oder die Gewalt von Arschlöchern, es sind Arbeiter, die bestenfalls keinen Job kriegen. Na und? Ich nehme an, dadurch soll das Ganze etwas leichter wirken, aber unterm Strich schwächt es die Geschichte – und die aktuelle Situation.

Und so wird’s gemacht

Die Gruppe muss aus Flüchtlingen bestehen. Die Nazis dürfen keine Dorfasis sein, sondern gewaltbereite Arschlöcher. Und dann muss der Unterricht besser ziehen. Die Handlung wäre, dass nach kurzem Konflikt der alte Mann den Flüchtlingen Plattdeutsch beibringt, aber RICHTIG! Das ist in Ansätzen zwar da, aber es müsste schneller gehen und dann müssten die Ausländer PERFEKTES PLATT sprechen – was dann wieder zu Konflikten, aber auch zu witzigen Situationen führt. Dass das nur in Ansätzen drin ist, reicht einfach nicht.

Didi

Die Hauptrolle spielt Dieter Hallervorden. Der ist ein guter und leider unterschätzter Schauspieler – aber ob sein Platt überzeugend ist, können nur die Muttersprachler sagen. Für den Außenstehenden wirkt es oft so, als würde Didi seine meiste Kraft dafür aufbringen, die Sprache zu meistern – wodurch dann Schauspiel verloren geht. Vielleicht wäre man in dem Fall besser mit jemandem gefahren, der die Sprache (oder den Dialekt) natürlich beherrscht. Hauptsympathieträger des Films ist der „Bombenleger“, der Araber, der Moslem, wunderbar dargestellt von David A. Hamade. Der andere Lichtblick des Films ist Holger Stockhaus, der den klugen Nazi in „Schottis Kampf“, einer der besten Folge vom „Tatortreiniger“ gespielt hat. Schade, dass man ihn nicht öfter auf der großen Leinwand sieht.

Fazit für Anfänger

Hätt man einen guten Film draus machen können – hat man aber leider nicht! Zu wenig konsequent, zu wenig konzentriert auf den Kern der Handlung, mit einem Dieter Hallervorden, bei dem das Platt zu sehr vom Spiel ablenkt. Ab 27.10.2016 im Kino.

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