Neu im Kino: Die Ökonomie der Liebe

Getrenntes Paar. Sie will, dass er geht. Er kommt, wann es ihm passt. Die Kinder freuen sich darüber. Doch die Trennung lässt sich nicht umgehen…

Die Ökonomie des Films

Und wieder einmal ist dies eine Gelegenheit für einen Schlenker gegen „Toni Erdmann“, den deutschen Sensationserfolg des Jahres, dem ich in meinem Jahresrückblick eine eigene Rubrik zu widmen gedenke, aber dazu zu gegebener Zeit mehr. Was heute niemand mehr so wirklich zu verstehen scheint, ist: Film ist Ökonomie. Oder sollte es zumindest sein. In einer Zeit, in der jeder Meter Film teuer war, hat man sich vielleicht auf das Wesentliche beschränkt, aber das digitale Zeitalter ermöglicht es uns, ausschweifend und maßlos zu werden, was Daten angeht – und die Lauflängen von Filmen. Damit geht die Ökonomie flöten, die darin besteht, dem Zuschauer das zu zeigen, was notwendig für das Erzählen der Geschichte ist – aber nicht noch zwei Stunden mehr, die auf dem Boden des Schneideraums weit besser aufgehoben wären. So krankt denn auch dieser Film daran, dass man das, was man schon in der ersten Szene verstanden hat, wieder und wieder vorgesetzt bekommt. Und das ist schlicht und ergreifend nicht nötig! Man führt Figuren und Situation ein, zeigt das Problem – und dann macht man weiter. Doch auch hier zieht und zieht es sich in redundanten Szenen, die die Geschichte nicht weiterbringen und mich fast dazu gebracht haben, aufzustehen und zu gehen, bis dann endlich beim abendlichen Freundesbesuch endlich mal ein bisschen passierte. Und so sollte es bei einem Film eigentlich nie sein!

Quälend!

Wir könnten uns jetzt damit herausreden, dass wir sagen: Der Film will uns spüren lassen, wie quälend es ist, dass der Mann nicht geht, sich nicht beteiligt, wir erleben das gleiche, fühlen das gleiche wie die Hauptperson, wieder und immer wieder. Und wie immer würde ich sagen: Bullshit! Denn auch wenn man diese Gefühle empfindet, so richtet man sie nicht unbedingt gegen ihren Mann, sondern eher gegen den Film – was zum erwähnten Gehenwollen führt. Auch kann man sagen, dass der Film eine recht getreue Abbildung der Wirklichkeit ist, von etwas, das man genau so erleben kann. Und auch da halte ich gegen: Genau das ist das Problem. Schon in der freien Kölner Literaturszene sind mir all diese Leute auf den Sack gegangen, die Geschichten geschrieben haben wie: „Ich kam an die Haltestelle, aber die Bahn war grad weg und die nächste hatte Verspätung. Dann war der Automat kaputt und es fing an zu regnen.“ Für so was brauch ich keine Literatur, wenn ich das erleben will, geh ich einfach raus zur Haltestelle und sehe, was passiert. Fiktionaler Film kann, und sollte, mehr sein als eine genaugetreue Abbildung der Wirklichkeit – jedenfalls, wenn er nicht will, dass ich vorzeitig gehe!

Die Ökonomie des Fazit

Von starken Schauspielern wie Bérénice Bejo (aus „OSS 117“ und „The Artist“) und Cédric Kahn sehr gut gespielt, aber zu dünn in der Geschichte und zu anstrengend und quälend in der Umsetzung. Wer auf den Stress steht, der kommt, wenn die Beziehung zuende ist oder sich schon mal drauf einstellen möchte, kann das ab 3. November 2016 im Kino machen.

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