Neu im Kino: Rogue One – A Star Wars Story

Nach „X-Men: Zukunft ist Verganenheit – Rogue Cut“ und „Mission: Impossible – Rogue Nation“ (und wahrscheinlich vor „Star Trek Rogue Away“) nun endlich auch „Rogue One – A Star Wars Story“… womit wir leider mit einem kleinen Knackpunkt beginnen. Auch wenn die Zeiten vorbei sind, in denen man Titel eingedeutscht hat, so ist die Kompletterhaltung eines englischen „Star Wars“-Titels einschließlich Untertitel eher kritisch zu betrachten – auch wenn schon die „Clone Wars“ nie in „Klonkriege“ umbenannt wurden. Scheiß Globalisierung! Nieder schlägt sich das dann auch in der deutschen Fassung des Trailers, in der man sich tatsächlich als „Rogue One“ ausgibt – und das gehört nicht in eine gute Synchronisation! (Und ja, ich weiß, dass es die „Rogue“-Staffeln im SW-Universum auch schon gab, nämlich in „Das Imperium schlägt zurück“ auf Hoth, wo man sie bei uns in ein ähnlich unbekanntes „Renegat“ übertrug – und nein, ich hätte „Renegat Eins – Eine Star Wars Geschichte“ auch nicht für wirklich gut gehalten!)

I’m a rogue demon hunter.“ – “What’s a rogue demon?” (“Angel”)

Aber kommen wir zum Film. Über ihn geisterte lange vorher das Gerücht durch den Weltraum, dass er die Geschichte erzählt, wie die Rebellen die Pläne vom Todesstern stehlen… und da muss man sich dann ja fragen, ob die die wohl wirklich bekommen. Sagen wir also, dieser Ausgang ist nicht unbedingt die Überraschung des Films – was sie daraus gemacht haben ist eine. Denn aus einer Geschichte, deren Ende man kennt, haben sie eine Menge herausgeholt und sie zu einem größtenteils spannenden Kriegsfilm mit spektakulärem Finale gemacht, der nur im Mittelteil zwischenzeitlich ein wenig schwächelt (was wir gerne als Kurzkritik nehmen können).

Ja, es ist ein Kriegsfilm – und der Humor ist auf einen netten Droiden (Star Warsisch für Roboter) beschränkt, was nett ist, aber mehr hätte sein können, denn guter Humor kann vieles verbessern, sogar die eine oder andere „Komödie“. Ansonsten ist es oft recht düster und ein paar Handlungsstränge, besonders zu Beginn und eigentlich alle mit Forest Whitaker, ergeben teils wenig Sinn und hätten mitunter komplett entfernt werden können. Wenn man nichts damit macht, muss man auch niemandem das Gehirn waschen lassen… und fönen und legen, aber das wäre ein komplett anderer Film.

Die Handlung

Die Rebellen erfahren, dass das Imperium an irgendeiner Waffe herumbastelt und die Tochter des Mannes, der dafür verantwortlich sein soll, macht sich auf die Suche nach ihm und einer Antwort…

Das Ende

Wie gesagt, wir wissen ungefähr, wie die Geschichte wohl enden könnte, denn der Film spielt vor „Krieg der Sterne“ und da haben sie diese Pläne ja nun – Spoiler für einen fast 40 Jahre alten Film! Ganz ehrlich, wenn ihr das nicht gewusst habt, dann kann ich euch auch nicht helfen.

Die Details

Wo der Film enorm punktet sind die Details. Anders als die verschissenen Prequels (obwohl es mit einem Darsteller und seiner Figur einen direkten Anschluss daran gibt) hat man sich bei „Rogue One“ Mühe gegeben. Die Designs, das gelebt aussehende Universum, die benutzten Maschinen, die Sternenzerstörer, alles sieht so aus, wie es sich gehört und wie man es gewöhnt ist. Auch Yarvin ist sehr schön dem alten Stützpunkt nachempfunden. Es gibt eine Menge Schlachten und am Ende sogar eine gigantische… was einerseits großartig ist, weil man ein wenig feuchte Augen bekommt, aber andererseits zu einem Punkt führt, den man schon nach dem Trailer hat kommen sehen:

Man wird die Filme nie chronologisch sehen können!

In diesem Fall, ebenfalls anders als bei Prequels, aber nicht wegen der Handlung, denn die fügt sich sehr schön in die bestehende Geschichte ein, sondern wegen der Effekte. Ridley Scott hat es vorgemacht: Wenn man sich „Alien“ ansieht, sehen die Effekte gut aus – sieht man vorher aber den vorher spielenden „Proletheus“ mit seinen sauberen, gelackten Effekten, dann lassen die die von „Alien“ schlecht aussehen. Und hier ist es genauso. Alles sieht super aus – aber mit einer Reinheit, einer Perfektion und einem Detailreichtum, bei denen die alten Filme einfach nicht mithalten können. Damals hat man das tricktechnisch mögliche gemacht, aber da da heute soviel mehr drin ist, sieht man auch einfach mehr. Wenn man also einfach nur den Todesstern am Himmel aufgehen sieht, weiß man, dass man diesen Film hier nie vor dem klassischen „Krieg der Sterne“ wird sehen können, auch wenn er am Ende einen schönen Anschluss an ihn hat, der auch noch recht überraschend daherkommt. Wobei die Endschlacht auch wieder so gut aussieht, dass, würde man alle Schlachten aus den drei alten Filmen zusammenschmeißen, sie da nicht mithalten könnten. Einen Fehler machen sie aber, denn in einem Film, der vor den alten spielt, sollte man nicht in der Lage sein, einen AT-AT zu besiegen, denn dann hätte man für die Schlacht auf Hoth ja schon eine schnelle Lösung gefunden.

Wunderbar sind das Auftreten von Gouverneur Tarkin und in der Schlacht dem ziemlich original wirkenden „Gold Eins“… was uns zu einem weiteren, wahrscheinlichen Problem führt, aber diesmal die deutsche Fassung betreffend.

Diese Filme kommen 30 Jahre zu spät!

Das wird sich in zwei Jahren beim Han Solo Solofilm zeigen, wo man sich so oder so wünschen würde, dass der Schauspieler Harrison Ford wäre, das kommt hier aber auch schon in der deutschen Fassung zum Tragen. Ob irgendjemand merkt, dass es wirklich die originalen „Gold Eins“ und „Rot Eins“ sind und vielleicht die Originalbänder für die Synchro hervorkramt, ist eine Sache. Traurig wird es aber besonders in Bezug auf Darth Vader und Tarkin. Hatte letzterer noch in einem der Hörspiele einen gealterten Friedrich Schoenfelder, so ist der inzwischen leider verstorben und auch wenn er sehr aussieht wie der gute Peter Cushing, so wird er auf deutsch dann doch nicht so klingen. Und dass für den verstorbenen Heinz Petruo nun seit Jahren Reiner Schöne für Vader an den Start geht, ist zwar Kontinuität, aber Petruo ersetzen kann er leider nicht, was dazu führt, dass Darth Vader bei uns nie wieder so klingen wird, wie wir (ich) ihn (ihn) in (in) unserer (meiner) Jugend kennengelernt habe(n). So wird in der deutschen Fassung dann vielleicht ein klein wenig vom Genuss verloren gehen.

Darsteller

Noch einen kurzen Schlenker zu den Darstellern. Dass mit Felicity Jones wieder eine Frau eine tragende Rolle spielt, scheint gerne erwähnt zu werden, aber da Carrie Fishers Leia in der alten Trilogie immer schon eine Frau war, die die eigentliche Führung übernommen hat, ist das eigentlich keine wirkliche Neuerung und kein Grund zum rümmäkeln… oder rummärkeln. Forest Whitaker (dessen deutsche Stimme Tobias Meister auch schon Darth Maul und ab Episode II Yoda sprach und somit eine dritte Rolle im SW-Universum erhält) ist irgendwie ein wenig verschenkt, Diego Lunas Akzent macht ihn manchmal ein wenig schwer verständlich und bei Mads Mikkelsen wünscht man sich einfach immer, dass er mehr zu tun hätte. Großartig ist allerdings erwartungsgemäß Ben Mendelsohn, dem man eigentlich ein eigenes Spin-off wünschen würde, da Schauspieler und Rolle ziemlich interessant sind.

Rogue Fazit

Für mich der Film, auf den ich mich dieses Jahr am meisten gefreut habe – und die Filme, auf die ich mich gefreut habe („Jach Reacher 2“, „Mechanic 2“) waren absolute Enttäuschungen. Das ist hier zum Glück nicht der Fall… aber da ich Genialität erhofft hatte, war es natürlich schwer, dem gerecht zu werden. Mit Blick und Liebe fürs Detail und das „Star Wars“ Universum gemacht, mit netten Anspielungen für Kenner, aber auch leichten Durchhängern im Mittelteil, bis man zu einer atemberaubenden Schlacht kommt. Nicht großartig, aber ziemlich gut – und das ist ja auch schon mal was. Ab 15.12.2016 im Kino.

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2 Gedanken zu “Neu im Kino: Rogue One – A Star Wars Story

  1. Pingback: Kritik: Rogue One – filmexe

  2. Pingback: Tillmann schaut: ROGUE ONE - Tillmann Courth

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