Neu im Kino: Die irre Heldentour des Billy Lynn

Manchmal fragt man sich bis zum Ende des Films, worum es eigentlich gehen soll – und manchmal bekommt man keine Antwort darauf. Wie bei diesem Film. Das, was am ehesten wahrscheinlich scheint, ist, dass es sich um eine Art

Rekrutierungsvideo für die Army

handelt, denn irgendwie lässt das Ende durchaus auf so was schließen. Ein junger Soldat kommt aus Vietnam, äh, dem Irak zurück und weil er vielleicht was ganz tolles gemacht hat, was auf Video aufgenommen wurde, werden er und seine Einheit herumgereicht, weil sie versuchen, dass jemand einen Film über sie finanziert? Oder so? Die Schwester will dann noch, dass er einen Arzt trifft, der ihn aus der Armee rausholt – und dann gibt es die süße Cheerleaderin, die sich natürlich sofort in ihn verliebt.

Leider gehen einem eigentlich alle Figuren so sehr am Allerwertesten vorbei, dass einem ihr Schicksal oder sonst was ziemlich egal ist. Der komplette Film ist uninteressant, aber mit einer Menge Nahaufnahmen, auch von Steve Martin (ja, er lebt noch, er lebt noch) erzählt, sowohl inhaltlich als auch formal – und das einzige Element, aus dem man etwas hätte machen können, nämlich Billy Lynns Phantasien, wird nicht oft benutzt und kann deshalb aus den Akten gestrichen werden.

Eine interessante Geschichte wäre vielleicht gewesen, wenn jemand PTSD gehabt hätte und das dann an irgendeinem Punkt während einer Werbeveranstaltung richtig zum Tragen gekommen wäre. Oder wenn man die tapferen Krieger einfach nur für Werbezwecke ausgenutzt und von einer Veranstaltung zur nächsten gereicht hätte. Oder wenn die Heldentat sich als erstunken und erlogen herausgestellt hätte. Oder wenn man immerhin das Gefühl gehabt hätte, Jüngelchen würde sich wirklich ernsthaft Gedanken darüber machen, ob er die Army verlassen soll. Doch nichts davon trifft zu, was dazu führt, dass der Film auf der Interessantheitsskala genauso wenig zu bieten hat wie auf der Geschichtenskala – nämlich in beiden Fällen Werte, die gegen Null tendieren.

Die irre Fazittour des Billy Lynn

Wer sich für die amerikanische Armee anwerben lassen will, der kann sich dieses viel zu lang geratene Rekrutierungsvideo ab 2. Februar 2016 im Kino ansehen.

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