Neu im Kino: Der junge Karl Marx

Wir alle kennen ihn, den Schöpfer von Winnetou und Old Shatterhand und hier nun können wir erleben, wie seine berühmten Helden entstanden, während er… oh, sorry, das wäre

Der junge Karl May

gewesen. Karl Marx dagegen war eher bekannt für Kommunismus und Kapital, Komma, das, und wer hofft, dass er in diesem Film dessen Entstehung erlebt… wird ähnlich enttäuscht werden wie die Karl May-Freunde. Denn wir erleben Marx vor dem Kapital, wie er seinen Mitstreiter Friedrich „Freddy“ Engels kennenlernt und der „Liga der Gerechten“ beitritt – kein Scherz! Es ist also so eine Art Superheldengeschichte, nur eben irgendwie nicht.

Good Diehl

Letztlich bin ich eigentlich hauptsächlich wegen August Diehl in den Film gegangen. Denn da ich ihn oft preise als denjenigen, der nach seiner Leistung in „Inglorious Basterds“ eigentlich ebenso Karriere hätte machen müssen wie Christoph Waltz, war es an der Zeit, herauszufinden, ob ich mit meiner Preisung auch richtig liege. Und da kann man ganz beruhigt sein, Diehl macht seine Sache sehr gut, zumal sie eine völlig andere Richtung hat als seine Rolle bei Tarantino. Ein guter Schauspieler, den man öfter besetzen sollte.

Was den Rest des Films angeht, so hat er durchaus ein paar schöne Elemente. Zum Beispiel das, was amerikanische Filme inzwischen nicht mehr machen, nämlich mehrsprachig zu arbeiten, statt einfach alles in englisch drüberzubügeln, wie das früher oft deutsche Synchronisationen gemacht haben. Da bietet sich hier ein farbenfrohes Feld an Sprachen, deutsch, englisch, französisch, was dem Ganzen eine nette Authentizität verleiht. Auch die Ausstattung ist recht ansehnlich. Abstriche muss man allerdings in zwei Punkten machen. Einmal hat man am Ende nicht unbedingt das Gefühl, dass man Herrn Marx nun so irrsinnig gut kennengelernt hätte. Da wäre etwas mehr ins Persönliche gehen vielleicht nicht verkehrt gewesen, zumal man den Film auch

Marx & Engels – Zwei hinreißend verdorbene Kommies“

hätte nennen können, da beide relativ gleichgewichtig im Film sind. Und wo man schon mal dabei ist, die Kommunismusvertreter jener Zeit in ihre Schranken zu verweisen, hätte man wenigstens auch mal die Herkunft des Kommunismus selbst kurz beleuchten können, nimmt man Marx doch heute irgendwie als dessen Vater wahr, was er, wie wir hier sehen, aber nicht ist.

Das andere wäre die Tatsache, dass man bei jeder Szene, in der etwas nachsynchronisiert wurde, sofort den Unterschied zwischen dem, was vor Ort und dem, was später aufgenommen wurde, erkennt. Damit geht die Illusion, die Film sein sollte, leider flöten und man wird ein wenig aus der Handlung herausgerissen.

Mit

August Diehl, Stefan Konarske, Vicky Krieps – Regie: Raoul Peck

Das junge Faz It

Ein wie erhofft guter August Diehl, doch um dem Thema angemessen und damit auch auf informativer Ebene gerecht zu werden, wäre vielleicht eine Dokureihe mit Spielszenen der bessere Weg gewesen. Ab 2.3.2017 im Kino.

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