Neu auf DVD: Der gleiche Himmel

Unerfahrener Romeo-Agent aus der DDR soll 1974 in Berlin reifere Frau verführen, um über sie an geheime Informationen zu kommen…

Und

Nebenhandlungen über einen homosexuellen Lehrer, den Bau eines Tunnels, um in den Westen zu flüchten und ein junges Mädchen, das mit Hormonen ins Olympiateam gebracht werden soll…

Agententhriller und mehr

Die drei Teile a 90 Minuten bieten also mehr als nur eine spannende und vor allem clevere Agentengeschichte, bei der man interessante Einblicke in die damaligen (und bestimmt auch heutigen) Taktiken der Spionagedienste – und in die weibliche Psyche – bekommt. Sie bildet den Hauptteil, den Kern der Serie, doch da sind, wie gesagt, noch ein paar Nebenstränge, die über ein paar Personen lose mit dem Hauptstrang verbunden sind, aber nicht aufeinander einwirken. Doch auch die Hintergrundgeschichte, die sich nach und nach langsam entfaltet, ist wichtig und so wandelt sich das Ganze gegen Ende zu einer griechischen Tragödie. Einzig das Ende selbst kommt vielleicht etwas früher als erwartet, da man das Gefühl hat, die eine oder andere Geschichte hätte man noch ein bisschen weiter verfolgen können.

Gut gespielt

Tom Schilling ist sehr überzeugend als der junge und unerfahrene Agent, besonders dann, wenn er seine Verführungskünste oder die damit verbundene umgekehrte Psychologie spielen lassen kann, was immer zu den kleinen Höhepunkten der Serie zählt. Ihm ebenbürtig ist, besonders im gemeinsamen Spiel, Friederike Becht, die auf wunderbare Weise Intelligenz mit Humor verbindet. Herrlich abgefuckt ist Schillings Führungsoffizier Ben Becker. Wer sich fragt, wie er sich seine Stimme erarbeitet hat, hier zeigt er es, denn es dürfte kaum eine Szene mit ihm ohne Zigarette geben. Er bringt eine Lockerheit in die Sache, die ausgesprochen erfrischend ist.

Für Synchronfreunde gibt es auch noch zwei Gastauftritte in kleinen Rollen. Thorsten Michaelis, die deutsche Stimme von Sean Bean und Wesley Snipes, ist der Vorgesetzte des Vaters der Hauptfigur. Und dann ist da noch Udo Schenk. Der ist in Synchronisationen meist auf die Rolle des Bösewichts abonniert, und das nicht nur bei seinen Stammschauspielern Ralph Fiennes und Gary Oldman. Wenn man seine Stimme hört, weiß man, dass man den Bösen gefunden hat. Seine Klischeebesetzung im Synchron nutzt man nun auch hier, indem man ihn einen Verhörspezialisten spielen lässt – und den spielt er spielend böse.

Bonus

Es gibt noch Hoffnung! Eine deutsche Serie, die gut geschrieben, gut ausgestattet und gut gespielt ist“ habe ich geschrieben, bevor ich das Bonusmaterial gesehen habe. Wie sich herausstellt, handelt es sich um eine internationale Produktion mit einer britischen Autorin, bei der dann Oliver Hirschbiegel die Regie übernommen hat und viele Texte ins Deutsche übertragen wurden. Das nun erklärt, warum Ben Becker an einer Stelle sagt: „Das ist nicht mein erstes Rodeo“, was wie eine 1:1-Übersetzung eines laienhaften Übersetzers klingt, da ich bezweifele, dass jemand in Deutschland diese sehr englische (eigentlich amerikanische) Formulierung verwenden würde, gerade in den 70ern. (Angemessener wäre da ein: „Ich mach das nicht zum ersten Mal!“) Das Zusatzmaterial mit Making-of und Interviews ist also eine schöne Ergänzung zur Serie.

Das gleiche Fazit

Gut geschrieben, gut ausgestattet und gut gespielt, spannend vom Anfang bis zum Ende und vielschichtiger als viele Spionagethriller, da hier auch noch der Aspekt der DDR mit hineinspielt und die Handlung dadurch um Zeitkolorit bereichert. Hinzu kommt das kleine Wunder, dass man die ganze Zeit auf der Seite der Leute ist, auf deren Seite man eigentlich nicht sein sollte – ein Experiment, das wir so mit den Nazis bitte nicht auf die Beine stellen wollen! Kurz gesagt: Eine hervorragende Serie und sehr sehenswert! Ab 31.3.2017 auf DVD und Blu-ray.

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