Neu im Kino: Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott

Da bei ihm die Geschäfte schlecht laufen, betreibt Gott eine kleine Hütte, in der er sich liebevoll um seine Gäste kümmert, bis einer ihn so sehr reizt, dass er wieder zum rachsüchtigen Gott von früher wird…

Echt?

Natürlich nicht! Denn das wäre jetzt schon der bessere Film. Was wir stattdessen zu sehen gezwungen werden, ist ein Missionarsfilm übelster Sorte – und leider ohne die erwähnte Missionarsstellung. Kurz gesagt, es ist

50 Shades of God

Genauso unerotisch, genauso ärgerlich. Nicht nur von der ganzen Handhabung her, auch die Aussage ist durchaus kritisch zu sehen. Es fängt damit an, dass ein untalentierter Schauspieler beim Camping seine Tochter verliert… oder ein Typ, der Dank Sam Worthlessness durch einen untalentierten Schauspieler gespielt wird. Auch möglich. Denn außer Octavia Spencer und Graham Greene, der wohl dringend Geld brauchte, war niemand erbärmlich genug, um sich an diesem höllischen Projekt zu beteiligen. Jedenfalls wird Töchterlein entführt – und da sehen wir zum Glück keine Überreaktion, wenn man quasi sofort, als sie nicht am Tisch sitzt, davon ausgeht, dass etwas schlimmes passiert ist (etwas so schlimmes wie dieser Film zum Beispiel), anstatt einfach mal zu denken, dass sie in den Wohnwagen gegangen ist, um sich ein paar Stifte zu holen, oder einfach mal für kleine Entführungsopfer ist. Jedenfalls verdächtigt man gleich den örtlichen Kinderschänder, der aber, trotz Finden eines blutigen Kleidchens in der titularen Hütte, nie gefasst wird. Ebensowenig, wie man die Leiche des Mädchens findet. Nun erhält Worthlessness aber eine handgetippte Einladung von Gott selbst (oder wahrscheinlich eher dessen Sekretärin, weil man ja seit der Bibel weiß, dass er den Schreibkram gerne auslagert), ihn dortselbst in der Hütte zu treffen, was Worthy dann macht. Doch statt dort Freund Kinderschänder anzutreffen, lädt Gott ihn in seine eigene Hütte ein und quatscht ihn so lange voll, bis einem als Zuschauer alles zum Halse heraushängt… obwohl das eigentlich schon ab Beginn des Films so ist. Oder, um es mit John Belushi in „Blues Brothers“ zu sagen, der Film hat „eine Art, dass man laufend kotzen könnte!“ Gut gesagt, Jake, denn genau das trifft hier zu.

Vergebung

Darum geht es diesem christlich-fundamentalistischen Propagandavideo denn letztlich, dass er nicht über andere urteilen, dem Mörder seiner Tochter vergeben und einfach mal den Ball flach halten soll, okay? Nicht aufregen, denn – und hier kommt das wirklich widerliche – Gott hat einen Plan, so, Alter, ja, und alles, was geschieht, geschieht, weil es gut so ist. Na, zum Glück ist das nicht unter- oder überschwellig eine komplette Rechtfertigung für Kindesmissbrauch, Vergewaltigung und Massenmord, denn auch wenn ihr jetzt vielleicht glaubt, dass Genozid böse ist, dann ist das aber gar nicht so, weil das ja alles durch Gott gedeckt ist, sein Plan, seine Erde, seine Entscheidung. Hm, vielleicht ist der Film auch nur dazu gedacht, Präsident Trump zu rechtfertigen?

Anfangs hat man übrigens noch ein wenig die Hoffnung, dass das ganze eine Art zweites „Starship Troopers“ ist, ein Film, der eigentlich als Satire geschrieben ist, bei dem die Hauptdarsteller das aber nicht kapiert haben und alles so ernst spielen, dass man die Satire nicht mehr richtig erkennen kann. Doch leider scheint dem nicht so zu sein.

Prädikat: TWoT!

Um unser kürzlich eingeführtes Qualitätslossiegel zu verwenden. Der ganze Film hätte sich mit Intelligenz übrigens vermeiden lassen. Worthy hätte Gott lediglich fragen müssen: a) Ist meine Tochter wirklich tot oder lebt sie vielleicht noch? b) Falls sie tot ist, gibt es ein Leben nach dem Tod? Und c) Wenn es das gibt, wie geht es ihr hier? Gott hätte alle Fragen beantworten können und wir wären alle früher nach Hause gekommen. So gesehen lässt einen der Film möglicherweise eher daran zweifeln, dass es einen Gott gibt! Ab 6. April 2017 im Kino.

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