Neu im Kino: Ein deutsches Leben

Die 103jährige Brunhilde Pomsel spricht über einen Teil ihres Lebens, nämlich den Teil, in dem sie u.a. für Joseph Goebbels gearbeitet und wie sie Deutschland und ihn in dieser Zeit wahrgenommen hat…

Mein Essen mit Brunhilde

Es ist gleichermaßen faszinierend wie interessant, Frau Pomsel zuzuhören, denn sie spricht sehr offen und ehrlich über die Zeit in Nazideutschland. Dass da das eine oder andere sehr subjektiv ausfallen kann, ist bei Zeugen im Allgemeinen und bei Zeitzeugen im Besonderen durchaus gegeben und wenig überraschend. Trotzdem ist alles, was sie erzählt, spannend – nur wird sie dabei leider ständig unterbrochen. Denn die Filmemacher können es leider nicht unterlassen, irgendwelche Aufnahmen aus der damaligen Zeit in den Film zu schneiden und damit den schönen Redefluss ihrer Erzählerin – und sie ist eine gute Erzählerin – in einer Tour zu unterbrechen. Das ist so, als würde man bei „Mein Essen mit André“ ständig irgendwelche Filmchen reinschneiden, wo noch nichtmal das gezeigt wird, was er gerade erzählt hat. Natürlich verstehe ich den Drang, der Tatsache, dass Film ein visuelles Medium ist, damit gerecht zu werden, dass man zeitgenössisches Material einfließen lässt, aber leider reißt einen das immer wieder aus der Erzählung von Frau Pomsel heraus. Hinzu kommt, dass man sich an manchen Stellen fragt, warum sie hier unterbrochen wird, ob man ihr eine Ruhepause gönnen oder sie vielleicht zensieren wollte, weil das, was sie gesagt hat, nicht ganz der Intention der Filmemacher entsprach?

Ein deutsches Fazit

Natürlich wäre es wenig cineastisch, nur eine Frau zu zeigen, die erzählt – aber Louis Malle hat das erstens auch gemacht und zweitens muss ja nicht jeder Film ins Kino. So ist der Film wegen seiner Erzählerin und dem, was sie zu sagen hat, wegen ihrer Offenheit und Ehrlichkeit, durchaus interessant und vielleicht mehr hörens- als sehenswert – das etwas wahllos wirkende Einflechten von Wochenschauen und amerikanischer Propaganda ist da aber eher kontraproduktiv, zumal man das Gefühl hat, dass manche ihrer Geschichten nicht auserzählt sind. Ab 6. April 2017 im Kino.

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