Mein Abend mit Gérard Depardieu

Vincent, Francois, Paul und die anderen saßen in einer Disco in Marseille. Es war 1900 Uhr und sie wollten eine ganz ruhige Kugel schieben. Die ausgebufften Jungs meinten, sie hätten eine Frau zu verschenken. Es wäre die letzte Frau, die im Angebot wäre, das Schmuckstück hätte den Namen Rosie und sie wäre ein echter Hurricane Rosie, mit dem man gerne Hundert und eine Nacht verbringen würde. In meinen Augen war sie eine Frau zum Verlieben. Aber auch der Graf von Monte Christo, den wir so nannten, weil er gerne Zigarren rauchte, war hinter ihr her. Wie ich erfuhr, hatte er sich gerade von Anna Dominici getrennt, denn er lallte: „Die Affäre Dominici ist vorbei.“

Ich deutete auf Rosie und meinte zu ihm: „Da hast du keine Chance, die ist zu schön für dich!“

Weh mir“, seufzte der Retter mit fürchterlicher Theatralik, „das ist Liebe auf den sexten Blick. Aber ist Liebe nur ein Wort? Sie war ein Licht in meinem Herzen!“

Ich sagte ihm, er solle sich das nicht so schwer nehmen, für sie würde er immer der Mann aus Marseille bleiben. Außerdem wären da auch noch Camille Claudel, Elisa und Bérénice und die wären alle auf ihn scharf.

Wir spielten eine Partie Quartett Bestial, aber die wilden Mahlzeiten zogen sich bis in den späten Abend, aber der Graf ging mir mit seinen Annährungsversuchen bei Rosie ziemlich auf die Nerven. Ich wollte ihn umbringen lassen. Paul meinte, den Mörder trifft man am Buffet, aber der war offenbar schon beim Nachtisch. Ein süßer Wahn hatte sich seiner bemächtigt. Mir war er zwar spontan unsympatisch, aber Danton, der Kellner, meinte, ganz so schlimm ist er auch nicht. Er ließ mir die Wahl der Waffen, doch das war eine reine Formalität.

Während wir darauf warteten, dass die Sonne Satans aufging, feierten wir die Wiederkehr des Martin Guerre und redeten über Politik. Man war sich nicht sicher, ob Asterix & Obelix gegen Caesar wären oder ob Asterix bei den Olympischen Spielen antreten sollte.

Die Hunde machten sich lustig über Hamlet, weil der ständig davon sprach, seinen Vatel zu rächen, oder Vater, wie wir ihn korrigierten, und weil er ein Fan war der Gruppe Police – der Bulle von Paris war da aber anderer Ansicht, hielt sich aber zurück, weil er mit uns einen Pakt des Schweigens schloss, den er erst brechen würde, wenn er ein Mammuth verspeist hatte. Der Mann in der eisernen Maske hatte irgendwann genug und sagte in gebrochenem Englisch: „That’s Bogus! I Want to Go Home!“

Small World. Welcome to New York“, war die Antwort, aber es klang wie ein Choral des Todes.

Später sahen wir uns die Auferstehung des Colonel Chabert an. Er war der Geheimagent, der damals die Flüchtigen aufgespürt hatte. Mein Vater, der Held, kehrte zu jener Zeit unbeschadet aus dem Krieg zurück. Er hatte gegen Napoleon gekämpft und die Schutzengel schienen sich gut um ihn gekümmert zu haben. Daddy Cool meinte, er habe mehr als einen und die beiden wären zwei irre Spaßvögel.

Als der Hornochse und sein Zugpferd die Straße herauftrotteten, nahm ich die letzte Metro nach Hause, zog müde meinen Abendanzug aus und wachte aus meinem Affentraum auf. Die Frau nebenan hatte keine Greed Card, aber sie führte mit Balzac ein Leben voller Leidenschaft. Sie verspürten oft nächtliche Sehnsucht – hemmungslos lebten sie sie aus. Ihr Wunsch war es, noch einmal Ferien zu machen und dann Babylon A.D. zu sagen. Mein Vater, das Kind brauchte seine Flasche und ich fühlte mich Les Misérables!

UND NUN dürfen Sie raten, wie viele Filmtitel von Depardieu in diesem Text versteckt sind!

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