Neu auf DVD: Radio Heimat – Damals war auch scheiße!

Junge Liebe im Pott, also Ruhrpott, ne? Vier Jungs und die schwere Zeit in den 80ern. Wie man sich betten tut, so liebt man, wa? Aber wie kricht man die Alte erstma rum? Nu, hier kann man’s sehen. Is aber keine Doku, ey, echt nich.

Nach Frank Goosen seine Bücher

Ich verkneif mir mal den Kommentar, dass mir Bücher, in denen die Figur wie der Autor heißt und die möglicherweise keine Auto(r)biographien sind, immer ein wenig suspekt sind. Isses Wirklichkeit, isses nur erfunden, und wenn es nur erfunden ist, warum is der Autor dann als Person am Geschehen beteiligt? Soll et vielleich einfach nua authentischer wirken tun? Man weiß et nich – und tut auch nix zur Sache.

Jedenfalls haben wir in diesem Film eine Figur, die zufälligerweise auch Frank Goosen heißt (und nicht Grank Foosen, was ja auch ne Möglichkeit gewesen wäre) und wir werden in die 80er ins Ruhrgebiet entführt, von einem Ich-Erzähler, lernen jede Menge schräge Typen kennen, wenn auch teils nur für wenige Minuten, ohne sie jemals wiederzusehen, und dann geht es darum, wie junge Kerls junge Mädels kennenlernen wollen und was sich dabei für Probleme auftun… tun.

Da der Film u.a. von Peter Thorwart („Bang Boom Bang“) produziert wurde, scheint jeder darin aufzutauchen, mit dem er schonmal gearbeitet hat – außer Oliver Korritke (aber der dreht ja inzwischen nur Scheiß, wie wir inzwischen mit „Die Ketzerbraut“ und „Affenkönig“ gesehen haben). Und Dieter Krebs, denn der weilt ja leider nicht mehr unter uns. Aber Ralf Richter ist dabei, es ist schön, aber zu kurz, Martin Semmelrogge zu sehen, Petra Nadolny und Peter Nottmeier (endlich mal nicht nur auf dem roten Teppich), Peter Lohmeyer, Willi Thomczyk, ein sehr unlustiger und überflüssiger Hans-Werner Olm (beide zum Glück nur im Nachspann), eine sich sehr gut gehalten habende Anja Kruse, Ingo Naujoks, Jochen Nickel… und leider auch Uwe Lyko alias Herbert Knebel, der seinen Stiefel durchzieht, koste es, was es wolle. Was die jungen Darsteller angeht, so ist die Riege ganz okay, aber nicht perfekt. „Mücke“ sieht zwar perfekt für die Rolle aus, kann da aber schauspielerisch leider nicht ganz mithalten. Das größte Kompliment (von mir) geht aber an Marie Bloching, die einfach ungekünstelt und echt ist und ihre Texte so spricht, wie es eigentlich jeder, der sich Schauspieler nennt, können sollte. Bitte gerne öfter besetzen!

Heimat Bonus

Making-of, Setrundgang und Featurettes, die Ein-, Aus-, Über- und Umblicke über Vor- und Hintergründe bringen. Ne?

Mit

Martin Semmelrogge, Peter Lohmeyer, Heinz Hoenig, Elke Heidenreich, Sandra Borgmann, Stephan Kampwirth, Anja Kruse, Milena Tscharntke, Maximilian Mundt, Hauke Petersen, Jan Bülow, David Hugo Schmitz, Ralf Richter

Radio Fazit

Ein netter Rückblick auf den Ruhrpott und Probleme, die jeder von uns wahrscheinlich kennt. Warum die Jungs keinen Dialekt (Soziolekt? Slang? Ruhrpöttisch halt!) sprechen, nichtmal ansatzweise, erschließt sich dem Verfasser dieser Zeilen nicht ganz. Hätte eigentlich dazugehört. Am coolsten sogar mit Untertiteln… aber, na ja, wer hat schon die Eier für so was im deutschen Kino? Es gibt ein paar nette Szenen und Momente, aber da wäre noch viel Spiel nach oben gewesen. Ab 26.5.2017 an der Trinkhalle um die Ecke… oder auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Baron Noir – Staffel 1

Bürgermeister von Dunkerque (Dünkirchen) hilft einem Kollegen, Präsident zu werden, doch danach ist das Verhältnis der beiden gespalten und aus Freunden werden Feinde, bis am Schluss Dinge beide wieder zusammenbringen und Ereignisse des Anfangs wieder Bedeutung erhalten…

In der Politik gibt es keine Freunde“

Das ist die Essenz dieser Serie, die auch genau so ausgesprochen wird. Freundschaften und Politik passen nicht zueinander. Was zur Politik gehört, sind Intrigen und Lügen. So ist „Baron Noir“ sehr schmutzig, aber anders, als man sich das vorstellen würde. Es geht nicht um illegale Geschäfte, Verstrickungen mit der Mafia oder korrupte Staatsdiener, das Schmutzige ist die Art und Weise, wie die Leute miteinander umgehen. Und da gibt es kaum einen, der nicht der einen oder dem anderen ein Messer in den Rücken rammt. Schmutzig auf einer moralischen Ebene.

Schön ist, dass die Ereignisse vom Anfang am Ende wieder zum Tragen kommen. Zwischendurch erlebt man, wie sich neue Konstellationen und Allianzen bilden, während man Messer aus Rücken zieht, um sie sogleich in andere hineinzustechen. Alles nur für einen guten Zweck? Aber welcher Zweck ist das?

Europa

Der schwarze Baron würde sagen, es ist für Europa – und sein Name und damit der der Serie klärt sich am Ende der vierten Folge. Interessant ist, dass die Serie zeigt, wie schnell etwas nur in wenigen Monaten sichtbar veraltet sein kann. Die ersten beiden Folgen wurden im Oktober 2016 im Rahmen des Film Festival Cologne gezeigt, also wurde sie vorher produziert. In der Serie verfolgt Frankreich aber kurzfristig einen Kurs, der so wirkt, als wolle es die EU oder zumindest den Euro verlassen, wobei man bei einem Telefongespräch Großbritannien auf seiner Seite hat… was bedeutet, dass die Serie wahrscheinlich nur eine sehr kurze Zeit vor der Bekanntgabe des Brexit produziert wurde, denn nicht nur ähnelt die Richtung hier ein wenig dieser unangenehmen Realität, auch wird der Brexit selbst mit keinem Wort erwähnt. Spannend also, wie man in kürzester Zeit von der Geschichte überholt werden kann.

Bonus

Ein schönes Making-of, in dem man einiges über die Figuren und die Gedanken hinter der Serie erfahren kann.

Mit

Kad Merad (Michael Roll), Niels Arestrup (Bodo Wolf), Anna Mouglalis (Bettina Weiß), Astrid Whetnall (Anke Reitzenstein), Michel Müller (Lutz Schnell), Hugo Becker (Tim Knauer)

Fazit Noir

Kad Merad, bei uns wahrscheinlich eher durch Komödien wie „Willkommen bei den Scht’is“ bekannt, zeigt hier, dass er auch das ernste Geschäft beherrscht. Spannender als eine Bundestagssitzung, aber dazu gehört auch nicht viel. Schmutzig, aber auf eine ganz eigene Art. Ab 26.5.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Die Geiseln – Hostages – Staffel 2

Eine Gruppe von Leuten, die (in Staffel 1) in eine Geiselnahme verwickelt waren, müssen sich in einem Haus verschanzen, was zu einer neuen Geiselsituation führt…

Spannung aus Israel

Und wohlgemerkt nicht

Spannungen mit Israel

Das ist eine völlig andere Geschichte. Ein bisschen schade ist es, wenn man die erste Staffel nicht gesehen hat, und sich nicht so ganz genau zusammenreimen kann, was genau da passiert ist und wer was gemacht hat, kurz, wer die Guten und wer die Bösen sind. Das kann u.U. zur Folge haben, dass man die Bösen von damals mangels besseren Wissens als die Guten von heute ansieht – aber das kann der Sache ja auch einen gewissen Reiz geben. So war ich mir denn nicht ganz schlüssig, wie sehr man zu den Geiselnehmern halten kann, ist das Ganze doch ein wenig anders, als es sich den „belagernden“ Polizisten draußen vor der Tür darstellt. Das macht die Sache aber nicht weniger spannend.

Tatsächlich funktioniert die Staffel vom Anfang bis zum Ende, denn, wie sich herausstellt, geht es um mehr, um eine ganze Menge mehr, um genau zu sein. So entwickelt sich langsam ein (Kom)plot, der schön verzwickt ist und viele Spieler integriert. Am Ende weiß man dann auch, was gespielt wird, aber wird jemand in der Lage sein, das zu verhindern?

Neben einer schönen Handlung gibt es auch interessante Figuren und Nebenstränge, die am Ende wieder zueinander finden und sehr gut miteinander verflochten werden. Das ist gleichermaßen unterhaltsam wie unheimlich befriedigend.

Fazit

Spannend vom Anfang bis zum Ende. Kann man auch gucken, wenn man die erste Staffel nicht gesehen hat – schaden würd es aber vielleicht doch nicht. Ab 26.5.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Pirates of the Carribean – Salazars Rache

Captain Jack Sparrow ist zurück und muss zusammen mit Will Turners Sohn und einem cleveren Mädchen nach etwas suchen, das alle Flüche der See auflösen können soll, damit Turner junior dadurch seinen Vater befreien kann…

Fluch der Titulierung

Der erste Teil hieß bei uns noch „Fluch der Karibik“, was besonders für diesen Film ein weit angemessenerer Titel gewesen wäre, aber da heute alles globalisiert statt individualisiert wird, haben wir auch hierzulande die „Pirates of the Carribean“, was es dann beim Besuch einer Disneylandfiliale Ihrer Wahl weit einfacher macht, das Fahrgeschäft zu finden, auf dem dieser Film basiert.

Womit wir halb bei der Crux dieses Films sind. Da steckt eine gute Geschichte drin und es hätte ein phantastischer Piratenfilm daraus werden können. Düster mit ein wenig Humor – und vor allem ohne Jack Sparrow. Das hätte toll sein können. Doch leider ist die Serie ihrer Serie verhaftet und das bringt, wie wir spätestens seit „Star Trek“ wissen, immer gewisse Probleme mit sich, da man sich treu bleiben muss, was prinzipiell nicht verkehrt ist, dann meist aber in ausgetretenen Pfaden endet, statt etwas zu machen, das dem Thema angemessener gewesen wäre, als das entstandene Endergebnis. So haben wir hier dann ein paar Dinge drin, die nicht ganz zur Geschichte passen. Jack Sparrow zum Beispiel, der „Dank“ Johnny Depp alles ins Klamaukige zieht – was beim ersten Film noch neu und erfrischend war, ist inzwischen anstrengend und nervig geworden. Außerdem muss man alles überdimensionieren, d.h. man wird zugepflastert mit Zeugs, statt sich in einer Szene auf das Wesentliche und vielleicht noch ein Zückerchen als Extra zu konzentrieren. Und dann ist da die mangelnde Homogenität, bei der man sich fragt, wer die Zielgruppe für diesen Film ist. Denn zur einen Hälfte ist er düster, beginnt damit, dass eine Meute Zombies eine komplette Schiffsbesatzung abschlachtet – zur anderen haben wir dann Klamauk aus Sparrowhausen. Beides will nicht ganz zusammenpassen, da es extrem voneinander entfernte Stimmungen und Tonalitäten sind. Dass kein Blut zu sehen ist, ändert nichts an dem gezeigten Massenmord. Deshalb bleibe ich dabei…

Fazit of the Carribean

eine starke und interessante Geschichte, die, als düsterer Film mit ein wenig Humor, einen grandiosen Piratenfilm abgegeben hätte, denn die Figuren, die die Reise antreten (müssen), haben alle sinnvolle Motivationen dafür, aber da man seinem eigenen Franchise und damit seinen eigenen Klischees unterworfen ist, wird man als Zuschauer mit mehr zugeschüttet, als der Handlung gut getan hätte. Kein schlechter Film, aber unter anderen Umständen hätte er soviel besser sein können. Ab 25. Mai 2017 im Kino.

Neu im Kino: Churchill

Dicker Mann mit Zigarre versucht Zweiten Weltkrieg zu gewinnen…

Wahre Geschichte

Es geht eigentlich um den D-Day und die Normandie – und Winston Churchill ist irgendwie dagegen. Hätte auch vielleicht interessant sein können, wenn man den Grund dafür, nämlich Gallipoli, besser herausgearbeitet hätte. Und zwar am Anfang des Films. Da hätte eine gigantische Schlachtszene, Massaker, Blut, stattfinden müssen und dann hätte man verstanden, dass Churchill, der dafür verantwortlich war, Einwände gegen die Normandie hat. Motivation und so, weiß ich, wird heute nicht mehr gemacht.

So nun aber haben wir einen Zigarre rauchenden Churchill, der lamentiert und gegen eine Aktion ist – von der wir als Zuschauer alle wissen, dass sie erfolgreich war. Das nimmt nicht nur eine wenig Spannung aus dem Film, sondern eigentlich alle. Was das Ganze zu einer, zwar teils in netten Bildern eingefangenen, eher wenig begeisternden Diskussionsrunde macht. Toll gespielt ist das zwar, sowohl von Brian Cox in der Titelrolle als auch von Miranda Richardson als seine Frau, aber für einen Film reicht das einfach nicht. Ab 25. Mai 2017 gibt’s das dann aber trotzdem im Kino.

Neu auf DVD: Shine – Der Weg ins Licht / Digital Remastered

Die Geschichte eines Klavierspielers, der ein Genie ist, nach dem aber auch der Wahnsinn greift…

Nach einer wahren Geschichte

Die traurigsten Geschichten schreibt mitunter das Leben und dies hier ist eine davon. Da ist ein junger Mann, der viel Talent hat, im fernen Australien, da ist aber auch ein strenger Vater, der viel zu weit geht, bis zur Kindesmisshandlung – und natürlich kann so etwas nicht gut ausgehen. „Genie und Wahnsinn“ ist ein fester Begriff geworden, hier manifestieren sich beide einmal mehr nebeneinander, nehmen Einfluss aufeinander – und auf die Person, die sie beherrschen. Wir erleben im Film beides, den Aufstieg, aber auch den Fall und was er mit einer Person machen kann.

Und der Oscar geht an…

Geoffrey Rush! Auf den wurde man durch diesen Film erstmals aufmerksam, denn er spielt die ältere Version des Pianisten. Womit er sich den Oscar redlich verdient hat. Ob das sein wiederholtes Auftreten in der „Pirates of the Carribean“-Reihe rechtfertigt, nun, darüber ließe sich trefflich streiten, dass er aber auch in „God of Egypt“ mitspielt, nun, man kann wohl nicht immer Qualität machen und manchmal will man sich vielleicht auch einfach nur mal was kaufen, n schönes Haus oder so. Wer ihn also in Höchstform und einem guten Film erleben möchte, der sollte hier mit „Shine“ in die Anfänge seiner Karriere zurückblicken.

Die jüngere Version wird von Noah Taylor gespielt. Der schlägt sich seitdem wacker in Nebenrollen, von Filmen wie „Vanilla Sky“ über den hervorragenden „Edge of Tomorrow – Live, Die, Repeat“ bis zur grandiosen Fernsehserie „Gamt of Thrones“.

Wenn man den Film sieht, fragt man sich, was eigentlich Armin Mueller-Stahl in letzter Zeit so gemacht hat, der hier erfrischend unangenehm rüberkommt. Er bringt jedenfalls den Beweis, dass er auch auf internationalem Packet sehr gut sein konnte, auch, wenn er nicht klischeemäßig einen Nazi spielen muss.

Shine – Der Weg ins Licht (1996)

Geoffrey Rush (Martin Umbach), Noah Taylor (Florian Halm), Armin Mueller-Stahl (Dto.), Sir John Gielgud (G.G. Hoffmann) – Regie: Scott Hicks

Shinezit

Traurig, aber gut. Ein Film, der uns zeigt, dass auch Talent einen nicht rettet, wenn der Wahnsinn stärker ist. Ab 24.5.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Berlin Syndrom

Australierin wird in Berlin von einem netten jungen Mann in seine Wohnung gesperrt und nicht mehr herausgelassen…

Romantische Liebeskomödie?

Klingt eigentlich wie ne normale Beziehung, nur überspitzt ausgedrückt, ist dann aber eher Entführungs- und Einsperrfilm, der dann unterm Strich aber leider nicht mit artverwandten Werken wie „Raum“ und „Thirteen“ mithalten kann. Anfangs ist es noch ganz interessant, es gibt ein paar spannende Momente, aber ab einem gewissen Punkt, fängt man an, sich Fragen zu stellen – und deren Antworten sind eher unbefriedigend. Wie das Ende, denn in den letzten zehn Minuten wird alles komplett idiotisch, auch wenn man anfangs denkt, da geht man jetzt einen cleveren Weg, doch der war dann wohl zu clever für die Beteiligten, so dass sie ihn nicht erklärt oder gezeigt haben, was das ganze nebulös und idiotisch macht, weil nichtmal die Polizei vorbeischaut.

Dafür bekommen wir wenigstens gute schauspielerische Leistungen zu sehen, von Teresa Palmer, Max Riemelt und dem leider zu früh ausscheidenden Matthias Habich. Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, daraus einen wirklich guten Film zu machen. Zum Beispiel, indem man ihn tatsächlich wie eine romantische Liebeskomödie anfangen und dann unvermutet kippen lässt. Oder wenn man sich ab einem gewissen Punkt auf einen mentalen Zweikampf zwischen Gefangener und Wächter beschränkt hätte. Doch irgendwie verliert sich das alles ab einem gewissen Punkt und das macht es, wie bereits gesagt, wenig befriedigend, bis das Ende es komplett runterreißt.

Berlin Fazit

Hätte eine der schönsten Beziehungskomödien des Jahres werden können, oder ein knallharter Thriller, der noch nachhaltig weh tut, aber das einzige, was hier nachhaltig weh tut, ist da unausgegorene Ende. Oder schauen Sie sich den Film so oft an, bis Sie ihn dank Stockholm Syndrom mögen! Ab 25.5.2017 ist das im Kino möglich.