Buchbesprechung: Das Erwachen

Von Andreas Brandhorst

Hacker setzt Virus frei, aus dem künstliche Intelligenz entsteht und die Welt bedroht, aber er wird bedroht von den Leuten, die hinter ihm her sind…

Hacker-Thriller

So ließe sich das ganz treffend zusammenfassen, denn, seien wir ehrlich, das hier ist nicht Michael Crichton. Crichton hätte sich mit der Hackergeschichte nur am Anfang befasst, als Auslöser des Ganzen, und hätte dann haarfein durchgespielt, was passieren würde, wenn eine künstliche Intelligenz entsteht und sie die Welt übernimmt, bis hin zu dem auch hier mehrmals angesprochenen „Terminator“-Szenario, wo genau das passiert ist und Skynet seine Killermaschinen gegen die Menschheit hetzt. Das spielt hier keine so große Rolle, wie man es sich vielleicht wünschen würde, es geht eher um das Vorher – und um den Hacker und die Leute, die ihn jagen. Wer also eine Crichtoneske Zukunftsvision erwartet, wird hier weniger auf seine Kosten kommen, auch wenn das Thema angerissen wird.

Pro

Auf der Habenseite kann man sagen, dass das Buch durchaus spannend ist und interessante Ansätze beinhaltet. Die Geschichte an sich ist gut und hat auch einige gute Szenen und Ideen sowie die eine oder andere philosophische Debatte zum Thema.

Kontra

Leider ist der Schreibstil oft sehr redundant. Es gibt viele Wiederholungen und sich wiederholende Erklärungen. Man muss den Namen eines Instituts nur zweimal in unterschiedlichen Sprachen nennen, danach reicht eine oder eventuell auch gerne die Abkürzung, aber gerade im Gespräch auch später nochmal den Namen durchzudeklinieren ist gleichermaßen ungelenk wie nervig. Leider betrifft diese Umschreibung einiges vom Stil, wenn dann auch der Name – im Gespräch!!! – mehrmals als „Axel beziehungsweise Aram“ genannt wird, ist das eher ein wenig gräulich. Bei Dialogen kann man, auch in einem Roman, die wörtliche Rede so gestalten, dass sie echt wirkt und nicht wie auf dem Papier. So kommen Gespräche oft hölzern daher. Zudem scheint der Autor Aufzählungen zu mögen, denn – und auch wieder im Gespräch – reicht es ihm nicht, nur ein, zwei Beispiele für etwas zu nennen, sondern „man hat das Gefühl, er hat recherchiert“ und statt des Name-droppings von z.B. Google listet er dann noch alle anderen Namen auf, die ihm wohl bei seinen Recherchen untergekommen sind. Sowas kann man eleganter lösen – und wenn es dann auch nochmal wiederholt wird, nervt es umso mehr. Ja, wir haben es verstanden, du hast es uns schon dreimal erzählt, wenn es uns interessiert, können wir zurück blättern! Und dann ist da noch die Sequenz mit der Mars-Mission, die zwar ganz interessant ist, aber zur Handlung nix beiträgt. Da hätte man, wenn die Maschinenintelligenz besiegt ist, mit einem auf dem Mars stattfindenden „Ich bin hier“ enden können… doch das findet nicht statt.

Das Fazwachen

Interessante Geschichte, aber leider nicht auf dem Niveau eines Michael Crichton… obwohl das wohl auch viel verlangt wäre. Bisweilen spannend, aber hier und dort hätte man bei diesem 730-Seiten starken Buch durchaus kürzen und vor allem ein wenig am Stil feilen können. Ab 2. Oktober 2017 im Handel.

Dieser Beitrag wurde unter Bücher veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.