Kino: Rewind – Die zweite Chance

Etwa ein Jahr, nachdem die Frau eines Kommissars getötet wird, findet man eine Leiche, in deren Besitz sich viele wissenschaftliche Formeln befanden…

Spoilerfrei

Größtenteils funktioniert das ganz gut, wenn auch letztlich die Motivation des Killers an sich etwas besser herausgearbeitet worden hätte werden sein wollen. Und auch ein paar andere Dinge. Da wird zwar teils mit großen Worten geworfen, Quantenphysik zum Beispiel, aber das Ganze wird nicht so sehr mit Fleisch gefüllt, dass es dem Zuschauer wirklich erklären könnte, was wir da wollen. Man schließt es sich aus dem Zusammenhang, aber als Zuschauer möchte ich das Gefühl haben, dass die Figuren wissen, wovon sie reden und damit die Filmemacher, was sie da tun. Wenn ich das nicht will, kann ich mir auch einen David Lynch Film ansehen, wo ich die Gewissheit habe, dass es niemand weiß. Hier nun sind ein paar schöne Ansätze drin, es gibt auch einen netten Bogen mit Anfang und Ende, aber das Gefühl, dass die Leute hinter dem Film das alles so richtig durchdacht haben, hatte ich nicht. Also unterm Strich durchaus spannend und interessant, aber wenn man zuviel drüber nachdenkt, dann kann es dann doch ein wenig unbefriedigend werden. Dafür ist es schauspielerisch aber durchaus sehenswert. Alex Brendemühl ist als Kommissar durchaus überzeugend und Sylvia Hoeks beweist einmal mehr, dass sie mehr kann als nur die Femme fatale bzw. Replikantin fatale in einer überberteten „Blade Runner“-Fortsetzung. Soviel zur spoilerfreien Analyse.

Volle Spoiler voraus!

Es geht um Zeitreise – und ich habe drei Zeitreisekrimis geschrieben (Polizeit-Detective, Polizeit-Inspektor, Polizeit-Bericht, um mal ein wenig ins eigene Horn zu blasen), also kann man sagen, dass ich mich dann doch ein wenig mit der Thematik auseinandergesetzt habe. Hier wird dann zwar viel geredet und auch der Begriff „Paradox“ wird mal genannt, das bringt dann aber alles nicht viel, wenn man nicht das Gefühl hat, dass der Autor genau wusste, was er da machte. Und das sollte man, wenn man sich auf die dünnen Bretter, die die Zeitreise bedeuten, begibt. Hier ist es dann wohl so, dass man die Zeit verändern kann. Okay, ja, das führt zu einer netten Schlussidee, aber der ganze Plot mit dem Mann aus der Zukunft und wie genau der dann eigentlich dem wahren Killer in die Suppe gespuckt hat, all das hätte man besser und stärker herausarbeiten sollen. Überhaupt hätte das Thema mehr im Vordergrund stehen können, hier braucht es zu lange, bis man überhaupt erst dahin kommt. Dabei wäre das durchaus möglich gewesen:

Zukunftsmann sagt, er wäre 2016 unter dem und dem Namen geboren worden. Aaaalso: DNA von ihm und dem zwei Jahre alten Kind nehmen, vergleichen – oh, er sagt die Wahrheit, Zeitreise existiert, also werde ich versuchen, meine Frau zu retten. Ganz klar und einfach.

So aber gibt es zuviel drumrum, inklusive eines Chips, der eigentlich auch nicht viel bringt, und das hätte man alles viel geradliniger gestalten können. Und dann gibt es den einen Hinweis, dass der Kommissar schon in der Vergangenheit war, aaaaaaber der erfolgt, bevor er die Zeitlinie 3 bis 4mal ändert, womit es als Detail zwar da ist, aber streng genommen wenig bringt. Und auch, dass niemand in der Gruppe Veränderungen wahrnimmt… Ich sags nochmal: Zeitreisen und ihre Mechaniken müssen genau durchdacht werden, sonst hat das alles wenig Sinn.

Mit

Alex Brendemühl, Sylvia Hoeks, Max von Pufendorf, Sascha Alexander Gersak

Regie: Johannes Sievert

Refazit

Wenn ein bestimmtes, im Spoilerteil beschriebenes Element, nicht gerade Ihr Steckenpferd ist, dann finden Sie wahrscheinlich einen spannenden – und möglicherweise sinnvollen – Thriller vor. Ab 3.5.2018 im Kino.

Kino: 7 TAGE IN ENTEBBE

Palästinenser, unterstützt von zwei Deutschen, entführen ein Flugzeug, in dem sich viele Israelis befinden, um auf die Probleme in ihrem Land aufmerksam zu machen, doch die israelische Regierung verhandelt nicht und stellt einen Befreiungstrupp zusammen…

7 Stunden im Kinosaal

So in etwa fühlt sich dieser Film an, der der Beweis dafür ist, dass man auch ein an sich interessantes Thema wie die Befreiung von Geiseln gnadenlos langweilig und uninteressant inszenieren kann. Eigentlich ist es ein Film, über den man anschließend nicht schreiben möchte, weil es da nicht viel gutes gibt, das man darüber berichten könnte, außer, dass Rosamund Pike überraschend überzeugend deutsch spricht. Das aber reicht schwerlich für einen Film.

Es beginnt mit dem Text, dass, seit die Juden Teile des Landes übernommen haben, es für die (ortsansässigen) Palästinenser nicht gut aussieht und es endet mit Yitzak Rabins Aussage, ja, Aufruf, dass es letztlich vielleicht dann doch keine so schlechte Idee wäre, irgendwann mal, statt die Waffen sprechen zu lassen. miteinander zu verhandeln. Da wir wissen, dass das nie geschehen ist, macht das all das noch viel wertloser, denn es ist ja auch kaum anzunehmen, dass nun dieser langweilige Film zu einem spontanen Umdenken führen wird.

Tanztheatertortur

Untermalt werden einige Szenen dann von einem Tanztheater… bei dem man sich, wie beim gesamten Film, fragt, was das denn nun soll? Auf unangenehme Weise fühlt man sich an „Ein Quantum Toast“ erinnert (was nicht schwierig ist, da man sich an diesen Film nur auf unangenehme Weise erinnert fühlt, da er auch nichts besitzt, was für ihn spricht), da man auch dort actionistische Szenen mit Pferderennen und anderem Mist gegeneinandergeschnitten hat – aber, meine Freunde, das bringt alles nichts, wenn man es nicht miteinander vermengt und daraus etwas Gemeinsames und Gesamtes macht, das einander unterstützt. So ist es nur der Ansatz von „Guck mal, is das nicht total künstlerisch, so?“ und macht einen eher sauer als glücklich.

Mit

Daniel Brühl, Rosamund Pike, Eddie Marsan

Regie: José Padilha

Fazit

Wahrscheinlich wird man direkt als Antisemitist gebrandmarkt, wenn man diesen langweiligen Film, bei dem man sich wirklich fragt, was er einem nun sagen will, als genau das bezeichnet, aber das ist mir herzlich egal. Statt mal herauszuarbeiten, dass die Palästinenser vielleicht einen Punkt haben, auf den man hätte aufmerksam machen wollen, womit der Film zumindest eine Kontroverse hätte auslösen können, ist all dies etwas, über das man die Decke des Schweigens, den Mantel des Vergessens und das Handtuch des Nichtansehens decken möchte, was ich hiermit versuche. Ab 3. Mai 2018 im Kino.

Kino: HERRliche Zeiten

Deutsches Paar in nobler Villa gibt Anzeige nach Sklaven auf und tatsächlich findet sich jemand, der dafür bereit ist, nicht im sexuell unterwürfigen Sinne sondern als butlerhaftes Arbeitsverhältnis, doch natürlich ist auch mit bei Sklaverei nicht alles so toll, wie man glaubt…

Deutscher Film

Mehr muss man eigentlich nicht schreiben, oder? Es gibt da ein paar nette Ideen und Ansätze, aber einmal mehr scheint niemand den Verstand oder die Eier zu haben, Dinge bis zu ihrem logischen Ende zu durchdenken und dann konsequent umzusetzen… oder schlicht eine gute Geschichte zu erzählen. Das Presseheft spricht von einer „bissigen Satire“ und „hoch amüsant“ und beides trifft durchaus zu, aber leider nicht auf diesen Film.

So macht man das

Natürlich kommt es als ungeheuer arrogant daher, wenn man anderen sagen will, wie sie es besser gemacht hätten, aber… warum zur Hölle nicht? Denn das Mindeste, was uns ein solcher Film bieten könnte, wäre eine Art Lerneffekt, dass sich bei der Hauptperson im Geiste etwas entwickelt, eine neue Haltung, z.B. der Sklaverei gegenüber. Man könnte erfahren, dass sich ihm der Sklave nur deshalb unterworfen hat, um ihn zur Selbständigkeit zu bringen oder aufzuzeigen, dass Sklaverei auch dann nicht dole ist, wenn die Sklaven selbst das behaupten. Pustekuchen!

Am Ende ist man sich nicht sicher, warum man das alles gesehen hat. Was man also hätte machen können: Die Hauptfigur von der Sklaverei einlullen zu lassen, in Pasteltönen, wunderbar, sanft, so dass sie anfängt, sie zu genießen, in ihr aufzugehen, sich daran zu gewöhnen, doch dann gibt es – Tada – eine Wendung… und am Ende wird die Figur selbst zum Sklaven eines anderen. Oder überhaupt irgendwas. Hier aber lernt niemand was, außer der Zuschauer, dass es um den deutschen Film leider nicht gut bestellt ist, also warum zum Henker bekommt er soviel Filmförderung?

Mit

Katja Riemann, Oliver Masucci, Samuel Finzi, Lize Feryn, Andrea Sawatzki, Yasin El Harrouk, Margarita Broich

Regie: Oskar Roehler

FAzit

Ein Sklave, der sich anbietet und anbiedert, aber leider ohne die selbst angepriesene Bissigkeit, clevere Dialoge oder einen Entwicklungsbogen, was dem Ganzen den wenigen vorhandenen Witz weitestegehend entzieht und es zu dem üblichen Larifari Wischiwaschi Zeugs macht, das alle Filme werden, wenn sie keine klare Linie verfolgen oder ihre Grundidee konsequent ausschöpfen und ausleben. Ab 3.5.2018 im Kino.

DVD: GUN SHY

Abgehalfteter Rockstar macht Urlaub in Chile. Als seine Frau entführt wird, will er das Lösegeld bezahlen, aber der amerikanische Geheimdiensttyp will das lieber verhindern…

80% witzig

Oder sagen wir, der Film funktioniert zu etwa 80%. Es gibt einen netten Humor, der sich selbst nicht zu ernst nimmt und die eine oder andere Brechung bringt und vieles davon klappt wunderbar und macht Spaß, aber eben leider nicht alles. Und doch erscheint mir das ein besserer Schnitt als bei einigem, was derzeit in die Kinos kommt. Insofern ist es, mit ein paar Abstrichen, durchaus amüsante Unterhaltung.

Bei Banderas ist es ganz witzig, wenn man ihn darauf bestehen lässt, Brite zu sein. Nett ist es auch, Mark Valley mal wiederzusehen. Der hatte eine große wenn auch nur mäßig sympathische Rolle in der hervorragenden Serie „Boston Legal“, war dann die tragende Figur in der wunderbaren Serie „Human Target“ (wovon irgendjemand endlich mal die zweite Staffel herausbringen könnte!) und scheint dann mit „Fringe“ ein wenig von der Bildschirmfläche verschwunden zu sein. Im Kino sieht man ihn jetzt auch nicht, da dies eine direct-to-Heimkinoveröffentlichung zu sein scheint, aber immerhin sieht man ihn mal wieder. Und wäre der Film nur 10% besser gewesen, hätte ich mich beschwert, dass man ihn nicht ins Kino gebracht hat, während man dort den weit schwächeren aber eben prominenter besetzen „Gringo“ sehen kann. Tjaaaa…

Mit

Antonio Banderas (Bernd Vollbrecht), Olga Kurylenko, Mark Valley

Regie: Simon West

Faz Shy

Nicht ganz so gut, wie er hätte sein können, aber trotzdem größtenteils sehr unterhaltsam und angenehm witzig. Ab 20. April 2018 auf DVD und Blu-ray.

DVD: Doctor Foster – Staffel 2

Es nicht lange her, da hat sie sich an ihrem Mann für den Betrug an ihr gerächt. Nun zieht er zurück in die Gegend – und scheint gewillt zu sein, sich zu wehren…

Krank

Für gewöhnlich sind ja bei Ärzteserien die Patienten krank (Ausnahme: „House“, da hat er auch immer was beigesteuert), aber hier nun ist es eher die Hauptperson und Titelgeberin, die man als krank bezeichnen könnte, so dass sich die Serie auch den Titel

Doktor Psycho

verdient hätte, wenn es die nicht schon gäbe. Wer in einer glücklichen Beziehung lebt, wer seinen Partner liebt, der erhält hier ein perfektes Beispiel dafür, wie man einander das Leben zur Hölle machen kann – Nachmachen nicht empfohlen. Und natürlich spielt auch der Nachwuchs in einem Drama wie diesem eine goße Rolle, sowohl als Spielball als auch als aktiver Teilnehmer.

Winden mit Wendungen

Der Weg zur Vergebung ist steinig und hart und mit vielen Wendungen gespickt. Und so ist es auch hier. Auch wenn hier und da ein Silberstreif am Horizont aufzutauchen scheint, so spitzen sich die Dinge mehr und mehr zu – und es wird unangenehm. Auch das ist gleichmäßig auf einige der Beteiligten verteilt. Die Frage

Wie tief kann man sinken?

steht mehrmals im Raum, und es ist kein schöner Raum, das kann ich versprechen. Wohlfühlen ist etwas anderes und wer sich mit dem Gedanken trägt seinen oder ihre Partner oder Partnerin zu betrügen, der sollte sich als Anschuungsmaterial vielleicht vorher mal diese Serie zu Gemüte führen – und es sich entweder anders überlegen oder hoffen, dass man mit ihm oder ihr weniger hart ins Gericht gehen wird. Einen Höhepunkt bietet dabei die vierte Episode; clever, böse, fies – und ziemlich zerstörerisch. Ein tragisches Highlight, mit dem man Staffel und Serie hätte beenden sollen, doch dann gibt es noch eine Folge, die leider in keiner Weise damit mithalten kann.

Mit

Suranne Jones (Marion Musiol), Bertie Carvel (Florian Halm), Tom Taylor (Jascha Baensch), Neil Stuke (Uwe Büschken), Sara Stewart (Karin Grüger), Victoria Hamilton (Anna Dramski), Jodie Comer (Amelie Plaas-Link). Adam James (Viktor Neumann)

Doctor Fazit

Bei der ersten Staffel schrieb ich: „Doch auch wenn dies „Staffel 1“ ist, so ist sie eigentlich so rundum gut, dass man keine weiteren Staffeln benötigen würde.“ Und doch hat man es geschafft, etwas zu schaffen, das die Geschichte angemessen fortsetzt, das aber mit „schön“ definitiv falsch umschrieben wäre. Man erhält eine Lektion, wie man sich am besten nicht verhalten sollte – und das ist für den Zuschauer gleichermaßen spannend wie unangenehm. Ab 27.4.2018 auf DVD und Blu-ray.

DVD: Follow The Money – Staffel 1

Ein großer dänischer Konzern macht in Windkraft. Doch, wie wir seit „Hamlet“ wissen, es ist was faul im Staate Dänemark – womit nicht das Verbrechen gemeint sein kann, denn das hat scheinbar Hochkonjunktur, und die zieht sich offenbar rauf bis zur Chefetage, jede Menge Intrigen inklusive…

Wirtschaft, Krimi, Ökothriller

Die erste Folge ist noch etwas unübersichtlich, da eine Menge Figuren eingeführt werden, aber schon ab Nummer 2 hat man raus, wie das alles zusammenpasst und sich ineinanderfügen wird und damit fängt es wirklich an, interessant und spannend zu werden. Denn es gibt einige Handlungsstränge, die aber tatsächlich miteinander zusammenhängen.

Nach und nach nehmen Geschichten und Figuren Fahrt auf, nehmen Kurs aufeinander und kollidieren, wobei sie sich mehr und mehr zuspitzen und von Episode zu Episode gefährlicher werden. So ist es sehr schön, dass sich die Dinge weiterentwicken, was mit etwas einfachem beginnt, kann mehr und mehr brisant, gefährlich und tödlich werden. Dabei gibt es keinere und größere Gaunereien, um nicht das harte Wort Verbrechen zu benutzen. Und auch Allianzen werden geschlossen… und möglicherweise hier und da gebrochen. Es ist wie „Hamlet“, nur ohne Puppenspiel und Geister.

Per Sönlich

Es gibt Wirtschaftsbosse, Anwälte, Polizisten, Autodiebe – aber auch Väter, Mütter und Kinder. Interessant ist nämmlich, dass jede der beteiligten Personen nicht nur berufliche, sondern auch privaet Seiten hat, die beleuchtet werden. Dadurch erhält alles einen stärkeren inneren Zusammenhalt. Das gesamte Ensemble ist ausgesprochen gut, bis in die kleinsten Rollen. Eine der Hauptrollen wird gespielt von Nikolaj Lie Kaas aus den Jussy Adler Olsen Filmen… der auch hier nicht wirklich sein Lächeln gefunden hat, offenbar so eine Art skandinavischer Timm Thaler.

OT: Bedrag

Thomas Bo Larsen (Matthias Klie), Natalie Madueno (Laura Maire), Nikolaj Lie Kaas (Frank Schaff)

Follow the Fazit

Wirtschaftskrimi mit jeder Menge erneuerbaren kriminellen Energien. Am Anfang vielleicht ein wenig unübersichtlich, aber dann sind langsam alle Spieler in Position und eine interessante und spannende Partie kann beginnen. So spannend und voller Wendungen kann Wirtschaft sein. Ab 27. April 2018 auf DVD und Blu-ray.

James Bond 007 – Kill Chain

James Bond kehrt zurück… im Comic!

Eine MI6-Agentin verkauft offenbar Geheimnisse. Aber an wen? Bond bleibt ihr auf der Spur, doch dann wird eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, die die Welt verändern könnte – und das nicht zum Positiven…

Mein Name ist Comic, Bond Comic

Es ist ein wenig traurig, aber die einzigen, die sich offenbar derzeit bemühen, gute Bond-Filme zu machen, scheinen die Comicmacher zu sein. Hier haben wir wieder eine Geschichte, die sich sehr schön als Film gemacht hätte, weil sie sich sehr gut und stetig weiterentwickelt, die aber auch perfekt auf die Einzelhefte oder „Kapitel“ zugeschnitten ist, so dass es pro Episode auch Action gibt, die den Leser bei der Stange hält. Sehr angenehm ist, wie sich alles entwickelt, dass Bond selbst aktiv werden und Nachforschungen anstellen muss, dass ihn jedes neue Stückchen Information zum nächsten Punkt der Reise bringt und dass die Actionsequenzen aus der Handlung heraus begründet sind und nicht einfach da, weil man den Leser wach bekommen will. Die Auflösung am Schluss, wer nun hinter allem steckt und warum, ist nicht nur erschreckend aktuell und nicht völlig unrealistisch, sie versöhnt einen auch für die Nazi-Sache am Anfang, die dann doch mal wieder zu klischeehaft ist. Und es gibt ein Ende, das ein Anfang für etwas neues ist, was auch ein schöner Zug ist.

‚Geheim‘ ist nicht so Ihre Stärke, was?“

Da spricht sie einem aus dem Herzen. Wunderbar. Weil wir auf den nächsten Bond-Film wahrscheinlich noch eine Weile warten müssen – und zwar, bis Daniel Craig die Rolle endlich abgibt – sind die Comics nicht nur eine gute sondern derzeit so ziemlich die einzige Alternative für den Bond-Fan (da ich nicht weiß, wie es um die Romane bestellt ist). Sie bieten auch weit mehr von dem, was die Filme vor der Craig-Ära ausgezeichnet hat, z.B. eine Prise Humor. Alte Bekannte gibt es diesmal auch wieder, einschließlich Aston Martin, Major Boothroyd (Q), Tanner und „Universal Exports“, der alte Deckmantel des britischen Geheimdienstes (taucht neben den Fleming-Büchern auch in den Filmen „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“, „In tödlicher Mission“ und „Ein Quantum Toast“ auf). Die Erotik überträgt sich bei den Comics bislang so wie bei den Craigs (also gar nicht), aber dafür ist die Brutalität wieder mal fast so blutig wie in einem Paul Verhoeven-Film.

Und da ist noch etwas, das den gezeichneten Bond von vielen seiner Gegenparts unterscheidet: Er ist ein kaltblütiger Killer, der nach dem Gespräch, wenn er die Leute nicht mehr braucht, auch gerne mal seiner Walther die Gesprächsführung überlässt. Das ist eine Härte, die sich die Craigs zwar auf die Fahne schreiben, aber dort sind es nur Lippenbekenntnisse, während hier Bond nicht nur eiskalt ist, sondern auch knallhart und tödlich.

Gecomict, nicht gefilmt

James Bond ist wieder da – und er zeigt, zu was er fähig sein kann, wenn sich die richtigen Leute seiner annehmen. Bond kann knallhart sein, eine Spur Humor haben, aber auch eine gute Handlung erzählen, die eventuell sogar aktuellen politischen Bezug hat. Dies ist der Beweis – würden sich die Filme doch ein paar Scheiben von den Comics abschneiden! Ab 23.4.2018 im Handel.

DVD: KICKBOXER – DIE ABRECHNUNG

Mann soll nochmal kämpfen, will aber nicht, kommt in Knast, lässt sich dann doch überreden, quasi, wird ausgebildet – und ab dafür…

Genau das, was draufsteht

Bis auf die Mathematik. Wer also erwartet, nach

Kickboxer: Letzte Bestellungen

und

Kickboxer: Die letzte Runde

ginge die Rechnung auf mit

Kickboxer: Die Abrechnung

der… würde das Ganze wohl nicht ernst nehmen. So ist aber exakt drin, was draufsteht, Männer, die sich auf die Fresse kloppen und eine Handlung, die recht übersichtlich ist. Hier und da gibt es ein bisschen Gespräch, um von einem Fight zum nächsten überzuleiten, aber wer Angst vor ausschweifenden Dialogszenen hat, der braucht sich nicht zu fürchten, denn all das ist recht kurz gehalten und dann geht’s wieder ans Eingemachte.

Kickboxer: Das Eingemachte

Wär auch n schöner Titel gewesen… hätte aber die Assoziation auslösen können, dass sich gestande Männer Einmachgläser um die Ohren hauen – und das ist etwas, das hier tatsächlich nicht passiert. Schade ist nur, dass der Film eine sehr bondige Eröffnung hat, aus der man mehr hätte machen können (einen Film, Bond als Kickboxer quasi), doch dann verlegt man sich auf asiatische Gefängnis- und Wellblechästherik, bei der Fäuste und Beine fliegen und es kräftig auf die Omme gibt.

Kickboxer: Bonusrunde

Als Bonus gibt es ein kleines Special, in dem die Kämpfer vorgestellt werden und dass man endlich mal erfahren kann, wie „der Berg“ aus „Game of Thrones“ ohne seinen Helm aussieht.

OT: Kickboxer: Retaliation

Alain Moussi (Peter Flechtner), Jean-Claude Van Damme (Charles Rettinghaus), Mike Tyson (Johannes Berentz), Christopher Lambert (???)

Regie: Dimitri Logothetis

Fazboxer – Die Abrechnung

Kampfsport, Gewalt uuuuuund… Action. Eine geballte Ladung geballte Ladung. Für Freunde von sowas. Ab 27. April 2018 auf DVD und Blu-ray.

Doctor Who – Aus der Zeit gefallen

Der Doktor will nicht regenerieren und so trifft er jemand anderen, der das ebenfalls nicht tun möchte – den ersten Doktor…

Abschied von Moffat und Capaldi

Mit Staffel 5 hat Steven Moffat den Staffelstab als Serienoberhaupt von Russell T. Davies übernommen und mit Matt Smith, John Hurt und Peter Capaldi drei Doktoren behandelt – zuzüglich kleiner Gastauftritte von Peter Davison und Paul McGann in kleinen „Zwischenspielen“, der Wiederkehr von David Tennant… und William Hartnell, mehr oder weniger.

Nun also geht eine Ära zuende, und damit bereits die zweite nach dem von Davies initiierten Neustart Anfang des neuen Jahrtausends. Capaldi, der mit einer „Beförderung“ zum Doktor seinen dritten Auftritt im Whoniversum hat (zuvor war er in der Pompeii-Episode an der Seite von Tennant und Catherine Tate zu sehen, ebenso wie in dem Fünfteiler „Kinder der Erde“ des Spin-off „Torchwood“), hat ein wenig gebraucht, um quasi „ein guter Doktor“ zu werden, aber spätestens seit dem Weihnachtsspecial mit River Song hat er es geschafft. Und dass ich Moffat zwar für einen großartigen Autor, aber keinen ganz so großartigen Showrunner halte, habe ich ja bereits mehrmals zum Ausdruck gebracht. So hoffe ich denn nun, dass er der Serie als Schreiber erhalten bleibt und den Doktor bzw. die Doktorin und uns weiterhin mit großartigen Büchern verwöhnt. Hier hat er, wie auch bei den Weihnachtsspecials zuvor, gezeigt, dass er es trotz allem immernoch schafft, manchmal großartige Bücher mit wunderbaren Dialogen abzuliefern, und die hier aus dem Munde Capaldis zu hören ist eine wahre Freude.

Spielgefährten

Eine kleine aber wesentliche Gastrolle in dieser Episode hat übrigens Mark Gatiss. Der ist seit längerem Wegbegleiter von Moffat, nicht nur als Schauspieler (in der dritten Staffel) und Autor beim Doktor, sondern auch als Robert Lewis Stephenson in Moffats „Jekyll“ sowie als dessen Ko-Erfinder/Autor bei „Sherlock“, worin er auch Holmes Bruder Mycroft verkörperte. Insofern wird es kaum ein Zufall sein, dass er auch bei Moffats Abschied vom Doktor dabei ist.

Ebenfalls mit von der Partie ist David Bradley. Der dürfte einigen bekannt sein als Hausmeister in den „Harry Potter“-Filmen, als Michael Caines Freund in „Harry Brown“, vor allem aber als die „rote Hochzeit“ ausrichtender Gastgeber in „Game of Thrones“. Hier nun tritt er in Fußspuren, die schon jemand anders vor ihm betreten hatte, denn er verkörpert anstelle des lange verstorbenen William Hartnell den ersten Doktor… was bereits in „Die fünf Doktoren“ gemacht wurde, dort aber nicht mit dem damals wohl noch zu jungen Bradley sondern mit Richard Hurndall.

Deutschland Who

Und wo wir schonmal dabei sind, Zeit für ein wenig Trivia. Der deutsche Schauspieler, der am meisten Doktoren synchronisiert hat, ist…? Richtig, Michael Schwarzmeier. Der sprach bis zum Auftreten von Paul McGann alles, was sich Doktor nannte, Sie können ja mal ausrechnen, wieviele das waren. Hier ist er auch kurz für Hartnell zu hören – Bradley aber wird von jemand anderem vertont. Und zwar von Fred Maire, der seinerzeit bei „Raumschiff Enterprise“ jeden dritten Bösewicht sprach, in „Abyss“ für Ed Harris zu hören ist – und nunmehr seinen zweiten Doktor spricht. Denn? Wer weiß es? Richtig, er sprach auch den „Kriegsdoktor“ John Hurt. Wäre das ein Kreis, würde man sagen, so schließt er sich, aber da das ganze mit Zeitreise zu tun hat, wird nie ein Schuh draus… oder so.

Einblick ins gesamte Whoniverse

Als Bonus gibt es ein paar schöne Specials, die den Abschluss mit einem Blick auf die Entstehung von Serie, Folge, und einfach allem abrundet und auch die Anspielungen und Hinweise auf die Serie anspricht, die man vielleicht übersehen hat.

OT: Doctor Who – Twice Upon a Time

Peter Capaldi (Bernd Vollbrecht), Matt Lucas (Oliver Kalkofe), Pearl Macki (Anja Stadlober), David Bradley (Fred Maire), William Hartnell (Michael Schwarzmeier), Jenna Coleman (Luisa Wietzorek), Mark Gatiss (Florian Halm), Toby Whithouse (Roland Wolf), Jodie Whittaker (Melanie Hinze)

Regie: Rachel Talalay

Fazit Who

Ein gelungener und angemessener Abschied sowohl für Capaldi als auch für Moffat, eine gute Geschichte, herrliche Dialoge, der doktorantische Witz, ein nostalgischer Rückblick auf das Wirken und Werken des bekanntesten Doktors der Zeit und einfach rundum ein Vegnügen. Und, falls Sie es noch nicht wissen sollten, der neue Doktor ist eine Doktorin! Freuen wir uns auf neue Abenteuer – vorher gibt es aber erstmal diesen wunderbaren Abschluss ab 27.4.2018 auf DVD und Blu-ray.

Kino: AVENGERS: INFINITY WAR

Thanos, seit Jahren angekündigt, ist endlich da, um die Infinity-Steine an sich zu bringen und seinen Plan umzusetzen…

400 Superhelden gegen Thanos

Filme mit einer riesigen Anzahl von Superhelden, die alle ihre Zeit im Rampenlicht haben wollen, können einem ein wenig Angst machen, da man damit rechnen muss, dass das Ganze schnell unübersichtlich, überbordend und langweilig wird. Die „Avengers“-Filme haben es bisher geschafft, all das zu vermeiden – und dieser hier macht da keine Ausnahme. Auch wenn nicht nur die Avengers selbst dabei sind, sondern auch die Guardians und die Wakanderaner, so weiß man immer, wo man ist und wen man gerade sieht. Die Handlung ist in ein paar schöne Stränge (nicht Strange) aufgeteilt, die sich alle weiterentwickeln und am Ende zu einer gewaltigen Schlacht führen, war ja zu erwarten. Und auch hier hat man das Prinzip Whedon beibehalten, der es bei seinen beiden „Avengers“-Einsätzen als Autor und Regisseur geschafft hat, die in manch anderem Film oft zu langen und sterbenslangweiligen Kampfszenen dadurch nicht langweilig werden zu lassen, dass sie immer mal wieder unterbrochen und mit ein wenig Humor gewürzt werden. Der kommt hier auch nicht zu kurz und zieht sich angenehm durch den ganzen Film. Es gibt sogar ein Wiedersehen mit einem alten Widersacher, den man bereits vergessen glaubte… es gibt aber auch Tote bei den be- und geliebten Figuren, der Krieg fordert also seine Opfer. Und am Ende… gibt es ein sehr gewagtes Ende.

Mo Ti Wa Tion

Wir erfahren auch, was Thanos Motivation ist… und die ist keine Rache, wie in so vielen anderen Filmen der letzten Zeit. Eigentlich will er das, was wir in Filmen wie „Kingsman“ und Serien wie „Utopia“ bereits gesehen haben, nämlich die Gesamtbevölkerung des Universums halbieren, damit genug Platz und Nahrung für alle da ist – doch ob sich dieses Prinzip auf ein riesiges Universum, in dem es eigentlich genügend Welten zum Ausgleich und Auswandern geben würde und man nicht an die Begrenztheit einer Erde gebunden ist, die man nicht verlassen kann, wirklich übertragen läßt, ist fragwürdig… aber immerhin besser als Rache!

Mit

Robert Downey Jr., Josh Brolin, Chris Evans, Scarlett Johansson, Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Jeremy Renner, Benedict Cumberbatch, Chadwick Boseman, Chris Pratt, Tom Hiddleston, Gwyneth Paltrow, Benicio del Torro

Regie: Anthony und Joe Russo

Infinity Fazit

Unterhaltsam, witzig, trotz vieler Figuren niemals unübersichtlich oder langweilig – eine gute Comicverfilmung, die jede Menge Spaß und Action bringt… und Lust auf mehr macht. Zwangsläufig! Ab 26. April 2018 im Kino.