Kino: Rewind – Die zweite Chance

Etwa ein Jahr, nachdem die Frau eines Kommissars getötet wird, findet man eine Leiche, in deren Besitz sich viele wissenschaftliche Formeln befanden…

Spoilerfrei

Größtenteils funktioniert das ganz gut, wenn auch letztlich die Motivation des Killers an sich etwas besser herausgearbeitet worden hätte werden sein wollen. Und auch ein paar andere Dinge. Da wird zwar teils mit großen Worten geworfen, Quantenphysik zum Beispiel, aber das Ganze wird nicht so sehr mit Fleisch gefüllt, dass es dem Zuschauer wirklich erklären könnte, was wir da wollen. Man schließt es sich aus dem Zusammenhang, aber als Zuschauer möchte ich das Gefühl haben, dass die Figuren wissen, wovon sie reden und damit die Filmemacher, was sie da tun. Wenn ich das nicht will, kann ich mir auch einen David Lynch Film ansehen, wo ich die Gewissheit habe, dass es niemand weiß. Hier nun sind ein paar schöne Ansätze drin, es gibt auch einen netten Bogen mit Anfang und Ende, aber das Gefühl, dass die Leute hinter dem Film das alles so richtig durchdacht haben, hatte ich nicht. Also unterm Strich durchaus spannend und interessant, aber wenn man zuviel drüber nachdenkt, dann kann es dann doch ein wenig unbefriedigend werden. Dafür ist es schauspielerisch aber durchaus sehenswert. Alex Brendemühl ist als Kommissar durchaus überzeugend und Sylvia Hoeks beweist einmal mehr, dass sie mehr kann als nur die Femme fatale bzw. Replikantin fatale in einer überberteten „Blade Runner“-Fortsetzung. Soviel zur spoilerfreien Analyse.

Volle Spoiler voraus!

Es geht um Zeitreise – und ich habe drei Zeitreisekrimis geschrieben (Polizeit-Detective, Polizeit-Inspektor, Polizeit-Bericht, um mal ein wenig ins eigene Horn zu blasen), also kann man sagen, dass ich mich dann doch ein wenig mit der Thematik auseinandergesetzt habe. Hier wird dann zwar viel geredet und auch der Begriff „Paradox“ wird mal genannt, das bringt dann aber alles nicht viel, wenn man nicht das Gefühl hat, dass der Autor genau wusste, was er da machte. Und das sollte man, wenn man sich auf die dünnen Bretter, die die Zeitreise bedeuten, begibt. Hier ist es dann wohl so, dass man die Zeit verändern kann. Okay, ja, das führt zu einer netten Schlussidee, aber der ganze Plot mit dem Mann aus der Zukunft und wie genau der dann eigentlich dem wahren Killer in die Suppe gespuckt hat, all das hätte man besser und stärker herausarbeiten sollen. Überhaupt hätte das Thema mehr im Vordergrund stehen können, hier braucht es zu lange, bis man überhaupt erst dahin kommt. Dabei wäre das durchaus möglich gewesen:

Zukunftsmann sagt, er wäre 2016 unter dem und dem Namen geboren worden. Aaaalso: DNA von ihm und dem zwei Jahre alten Kind nehmen, vergleichen – oh, er sagt die Wahrheit, Zeitreise existiert, also werde ich versuchen, meine Frau zu retten. Ganz klar und einfach.

So aber gibt es zuviel drumrum, inklusive eines Chips, der eigentlich auch nicht viel bringt, und das hätte man alles viel geradliniger gestalten können. Und dann gibt es den einen Hinweis, dass der Kommissar schon in der Vergangenheit war, aaaaaaber der erfolgt, bevor er die Zeitlinie 3 bis 4mal ändert, womit es als Detail zwar da ist, aber streng genommen wenig bringt. Und auch, dass niemand in der Gruppe Veränderungen wahrnimmt… Ich sags nochmal: Zeitreisen und ihre Mechaniken müssen genau durchdacht werden, sonst hat das alles wenig Sinn.

Mit

Alex Brendemühl, Sylvia Hoeks, Max von Pufendorf, Sascha Alexander Gersak

Regie: Johannes Sievert

Refazit

Wenn ein bestimmtes, im Spoilerteil beschriebenes Element, nicht gerade Ihr Steckenpferd ist, dann finden Sie wahrscheinlich einen spannenden – und möglicherweise sinnvollen – Thriller vor. Ab 3.5.2018 im Kino.

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