DVD: 1993 – Jede Revolution hat ihren Preis

Italien. Politik, Korruption, Prostitution. Machtkämpfe und politische Ränkespiele. Mit 1993 beginnt ein neues Jahr und für einige gibt es einschneidende Veränderungen in ihrem Leben…

Der aalglatte Pressetyp,

der grobe Politiker,

die karrieregeile Schauspielerin

…und Silvio Berlusconi

Es geht weiter mit dieser erfrischenden Mischung aus Realität und Fiktion. Erfundene Figuren treffen auf Ereignisse und Menschen aus der Wirklichkeit, auf Begebenheiten, die sich so im Italien des Jahres 1993 zugetragen haben, aber in diesem Fall angereichert um oben genannte Charaktere… und noch ein paar andere, z.B. Polizisten, die versuchen, der Korruption und dem organisierten Verbrechen in Italien Herr zu werden – und wir wissen ja, wie diese Sache ausgegangen ist,

Wir kehren zu den Figuren zurück, die wir bereits im Vorjahr kennengelernt haben und verfolgen ihren weiteren Werdegang, der für alle mit argen Problemen gespickt ist. Unterm Strich ist das ein Lehrbuch für Manipulation, denn jeder von ihnen versucht, andere zu beeinflussen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Highlight dabei ist immer der Auftritt von Guido Caprino als Bosco von der Lega Nord, „der grobe Politiker“, der aber das Herz am rechten Fleck hat und angenehm unprätentös und ehrlich ist, sprich: Immer brutal seine Meinung sagt und rumflucht wie ein Rohrspatz, wenn es denn angebracht ist. Über den „aalglatten Pressetyp“ erfahren wir auch ein wenig, ebenso wie über seine Vergangenheit. Bei der „karrieregeilen Schauspielerin“ gilt es ebenfalls, ein paar Entscheidungen zu treffen. Und Berlusconi…

Bunga Bunga Partys

Gibt es hier leider noch nicht. Insofern wäre es fast wünschenswert, dass die Serie bis in die 2000er Jahre laufen würde, doch im Zusatzmaterial, das aus drei Making-ofs besteht, wird gesagt, bei dieser Serie handele es sich um eine Art Trilogie, das heißt, wir dürfen uns dann wohl noch auf „1994“ freuen – und eine Freude wäre es, denn diese Staffel erfüllt alle Wünsche und bleibt auf der gleichen hohen Qualität, die „1992“ vorgelegt hat. Der Reiz steckt in einer guten Geschichte, spannenden Figuren und deren Vermengung mit der Wirklichkeit… und eben Silvio B. Der wurde in Staffel 1 zwar bereits eingeführt, aber das eher im Hintergrund, möglicherweise mit Originalaufnahmen. Hier nun tritt er tatsächlich in Erscheinung und es ist besonders amüsant, wenn man rückblickende Kommentare über ihn machen kann. Neben den Geschichten um unsere Hauptfiguren erleben wir also seine ersten Schritte auf dem Weg in die Politik – und das kann natürlich nur gut ausgehen, wie wir alle wissen!

Mit

Stefano Accorsi (Christian Stark), Guido Caprino (Marios Gavrilis), Miriam Leone (Joey Cordevin), Tea Falco (Anne Helm), Paolo Pierobon (Bernd Vollbrecht)

Silvio Fazitconi

Sehr gute Weiterführung der ersten Staffel, genauso clever, unterhaltsam und sehenswert. Ab 29.6.2018 auf DVD und Blu-ray.

Doctor Who – Der Erste Doktor: Die Daleks (Digipack-Edition)

Zeit für eine neue Sprechstunde beim zeitreisenden Doktor…

Der erste Doktor, der erste Auftritt der Daleks, das erste Mal in deutscher Sprache!

Es ist erst das zweite Abenteuer des ersten Doktors und schon werden sie eingeführt, die Gegner, die Jahrzehnte im Fernsehen und Jahrhunderte im Whoniversum überdauern werden, seine bekanntesten, langlebigsten und resolutesten Gegner: die Daleks! Sie sind das, was für „Star Trek“ irgendwann die Borg wurden, Lebewesen, mit denen man einfach nicht verhandeln kann und die nur eins im Sinn haben, was sie tatkräftig aber einsilbig propagieren:

Exterminate!“

Auslöschen von allem, was nicht Dalek ist. Hier nun erleben wir ihren ersten Auftritt, ihr erstes Erscheinen beim Dokor – und auch darauf musste der deutsche Zuschauer mehr als ein halbes Jahrhundert warten, denn dies ist das erste Mal, dass diese Episoden in deutscher Sprache erscheinen.

Nation der Daleks

Geschaffen wurden die blecheingefassten Monster von Terry Nation – was uns die Möglichkeit gibt, mit einem Mythos aufzuräumen. Es wird gerne behauptet, die Serie „Die 2“ („The Persuaders“) mit Tony Curtis und Roger Moore wäre im Original langweilig und nur in der von Rainer Brandt aufgepeppten deutschen Fassung erträglich. Das stimmt bei näherer Betrachtung nicht. Sicher, die deutsche Fassung hat einige Sprüche, an denen man sich mit steigendem Alter aber eventuell satt hören kann, doch einiges von dem Humor ist auch im Original schon zu finden. Natürlich gibt es auch schwächere Folgen, die von Brandts Bearbeitung möglicherweise profitiert haben, aber es gibt eben auch einige Episoden, die extrem gut sind, auch im Original. Und von denen stammen viele von Terry Nation. Oder, um es umgekehrt zu sagen, wenn man eine Episode vor sich hat, die aus Nations Feder stammt, darf man sich freuen, denn die dürfte garantiert ziemlich gut werden. Er ist also nicht nur der Schöpfer des populärsten Gegners von „Doctor Who“, er ist überdies ein hervorragender Fernsehautor!

The Daleks“ – die Episoden

  • Der tote Planet / The Dead Planet

  • Die Überlebenden / The Survivors

  • Die Flucht / The Escape

  • Der Hinterhalt / The Ambush

  • Die Expedition / The Expedition

  • Die Feuerprobe / The Ordeal

  • Die Rettung / The Rescue

Nicht nur wir begegnen den Daleks zum ersten Mal, auch für den Doktor selbst ist es eine Premiere. Hier also beginnt die gemeinsame Geschichte, auf einem Planeten, der tot erscheint, treffen die Reisenden auf eine merkwürdige Rasse, die wie Roboter wirken, aber in denen mehr steckt. Der Beginn einer Mythologie, die auch nach 50 Jahren “Doctor Who” nichts von ihrer Bedeutung – und ihrer Bedrohung – verloren hat. In sieben Teilen führt uns Terry Nation in die Geschichte dieser Wesen ein, ihren Ursprung, ihre Motivation. Die Erfeinde des Doktors, auch wenn sie am Anfang noch freundlich erscheinen…

Klingonen, Cylonen, selbst Ernst Stavro Blofeld – sie alle haben sich im Laufe der Zeit verändert, haben ein “Facelift” bekommen, sehen nicht mehr so aus wie bei ihrem ersten Auftritt. Nicht so die Daleks. Die sind sich in all den Jahren treu geblieben – ein Beweis dafür, wie zeitlos das ist, was hier geschaffen wurde… auch wenn die Effekte und Kulissen den Möglichkeiten ihrer Zeit und Budgets geschuldet sind.

Bonus

Audiokommentare und ein Film über die Entstehung der Daleks, die einen einmal mehr tieder in die Welt des “Doctor Who” und die Entstehung der Serie eintauchen lassen und somit eine willkommene Zugabe sind.

Mit

William Hartnell (Michael Schwarzmaier), William Russell (Marcus Off), Jacqueline Hill (Gundi Eberhard), Carole Ann Ford (Demet Fey), Philip Bond (Jan Langer), Marcus Hammond (Feli Mayer)

Whozit

Ein historischer Moment in der Fernsehgeschichte und im Whoniversum. Ein wahrer Meilenstein, in dem Terry Nation einen zeitlosen Gegner für den Doktor schuf, was sich schon daran zeigt, dass sich das Design der Daleks seit damals nie wirklich geändert hat. Darf eigentlich in keiner „Doktor Who“-Sammlung fehlen. Ab 29.6.2018 auf DVD.

DVD: Dead Girl

Eine Frau findet in der Natur die Leiche eines Mädchens…

Puzzlestücke

Zunächst weiß man nicht so ganz, was man damit anfangen soll, doch dann erschließt sich einem, dass wir nicht dem Weg der Frau, die die Leiche findet, weiter folgen werden. Was wir bekommen, ist keine lineare, durchgehende Handlung, sondern eine Art Episodenfilm, bei dem die Titel gebende Tote immer der Berührungspunkt ist – und das eine oder andere davon ist auch sehr berührend. Es gibt verschiedene Geschichten, über die Frau, die die Leiche findet, die Gerichtsmediznerin, Mutter und Tochter sowie das Opfer selbst, um nur ein paar zu nennen. All dies sind kleine Puzzlestücke, aus denen sich am Ende ein Gesamtbild ergibt. Das ist eine schöne und interessante Art der Erzählung, da sie, wie hier, die Möglichkeit gibt, Dinge vorwegzunehmen, so dass der Zuschauer später weiß, was kommen wird, ohne dass man es ihm an der Tafel vorrechnen muss. Was in diesem Fall zu einem Ende führt, so, wie es sein soll, nämlich genau an dem Punkt, an dem wir wissen, was kommen wird. Experimente, gerade filmischer Natur, können nach hinten losgehen, aber hier funktioniert alles ausgesprochen gut – und das macht es ausgesprochen befriedigend!

Traurige Besetzung

Ein bisschen traurig dagegen kann einen die Besetzung machen. Einige der Darsteller sind gerade in diesen Tagen ungeahnt erfolgreich. Toni Collette, die mit „Muriels Hochzeit“ erstmals auf sich aufmerksam machte, könnte für ihren letzten Film für den Oscar im Gespräch sein. James Franco hätte für seinen letzten Film einen bekommen sollen, auf jeden Fall aber eine Nominierung. Josh Brolin war dieses Jahr bereits dreimal auf der großen Leinwand zu bewundern, davon zweimal in großen Comic-Blockbustern und sein Auftritt in der Fortsetzung des hervorragenden „Sicario“ steht zu diesem Zeitpunkt noch aus. Was einen traurig macht oder machen sollte ist aber nicht der Erfolg dieser Schauspieler, sondern die Tatsache, dass Brittany Murphy, um die es in jeder der Episoden geht, nicht allzulange nach dem Film und damit viel zu früh gestorben ist. So wurde der Titel tragischerweise zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeihung. Sehr schade.

Bonus

Dazu gibt es Interviews mit den Beteiligten und einen Audiokommentar, wobei besonders die Aussagen der Autorin und Regisseurin interessant sind, da sie einem erzählt, wie es zu diesem Film gekommen ist.

OT: The Dead Girl (2006)

Brittany Murphy (Ursula Hugo), Toni Collette (Susanne von Medvey), Piper Laurie (Doris Gallart), Giovanni Ribisi (Björn Schalla), Rose Byrne (Stephanie Kellner), James Franco (Philipp Brammer), Nick Searcy (Erich Ludwig), Mary Steenburgen (Katharina Lopinski), Bruce Davison (Hans-Rainer Müler), Marcia Gay Harden (Madeleine Stolze), Josh Brolin (Tobias Kluckert)

Regie: Karen Moncrieff

Fazit Girl

Episodenhafter Puzzlefilm, der von guten Darstellern getragen wird und dessen Teile hervorragend ineinander passen. Ab 28. Juni 2018 auf DVD und Blu-ray.

DVD: The Banquet

Es ist was faul im Staate China: Wir schreiben das zehnte Jahrhundert, der Kaiser ist tot, der Kronprinz soll ermordet werden, sein Onkel will die Kaiserin zur Frau…

Vorspeise

Zum Auftakt gibt es eine Menge Gemetzeltes, womit der Film klar seine Richtung zeigt: eine wunderbare Kombination aus Bildgewaltigkeit und gewalttätigen Bildern, verfeinert mit zarter Visualität. Dieses Gericht wird nicht gut durch serviert, sondern extrem blutig – und das gilt für jeden Gang. Doch da alles visuell ansprechend angerichtet ist, kann man dieses Festmahl von vorne bis hinten genießen, auch wenn es Kindern zu schwer im Magen liegen dürfte.

Hauptgang

Nachdem wir den blutig-schönen Appetitanreger hinter uns haben, kristallisiert sich schnell heraus, womit wir es hier zu tun haben: Eine bilderreiche asiatische Variante von Willy Shakespeares „Hamlet“, sein vielleicht bestes Stück. Man muss zwar auf seine Dialoge verzichten, aber dafür auch auf die selbstverliebte Selbstinszenierung eines Kenneth Brannagh. Vielmehr schmeckt man „Hamlet“ durch die asiatischen Gewürze hindurch, die der Geschichte eine frische Note, nach Jasmin vielleicht, verleihen. Auch dass man eine Idee hat, wohin sich dieses Mahl rein geschmacklich bewegen wird, wirkt sich nicht negativ auf den Appetit aus, denn es ist eine wunderbare Mischung aus Bekanntem und Exotischem, die hier zusammenkommt. Mord und Tatschlag, kunstvoll dargereicht in exquisiter visueller Aufbereitung und präsentiert in einem Kampfballett, denn das Auge ißt ja bekanntlich mit.

Nachtisch

Als Beilage gibt es dazu eine Featurette, die uns ein wenig über die Zutaten und ihre Zusammenstellung berichtet.

Zutaten

OT: YE YAN (2006)

Ziyi Zhang, Zhou Xu, Daniel Wu

Regie: Feng Xiaogang

Empfehlung des Hauses

Vielleicht eine der besten „Hamlet“-Verfilmungen, wenn auch eine recht freie. Tolle Bider, Kampfszenen, die so kunstvoll sind wie Shakespeares Dialoge, eine anregende Geschichte und jede Menge Blut. Ab 28. Juni 2018 auf DVD und Blu-ray.

DVD: Fesseln der Macht (limitiertes Mediabook, DVD & Blu-ray)

Amerika in den 40er Jahren. Zwei Brüder. Einer ist Priester, der andere ist Polizist. Dann findet man die grausam zerstückelte Leiche einer Frau und die Spuren führen auch zur Kirche…

L.A. Confessional

Teilweise erinnert der Film an den großartigen, wenn auch später entstandenen „L.A. Confidential“, wenn auch hier mehr zeitgemäße Hüte getragen werden. Doch das Thema von Prostitution und Pornographie findet sich auch in diesem Film, so dass man die beiden als entfernte Verwandte ansehen könnte, die vielleicht ein gutes Doppelprogramm abgeben. Bei den „Fessen der Macht“ jedoch geht es stärker um

Kirche, Sex & Korruption

Dass die drei Dinge viel miteinander zu tun haben… wird der Vatikan nicht gerne hören. Doch hier haben wir diese schöne unheilige Dreieinigkeit und sie ergibt durchaus Sinn. Die Kirche ist in dieser Welt ein starker Teil der Gesellschaft, aber anders, als man sich das vorstellen würde oder es sein sollte; keine gütige Organisation, die den Bedürftigen hilft, sondern eine Machtinstitution, die nach Geld strebt, die Strippen zieht und dafür soviel Bestechung wie möglich leistet… was, so gesehen, auch nicht völlig unrealistisch klingt.

So ist es ein sehr guter Kniff, dass man die Welt des Verbrechens und die Welt der Kirche dadurch miteinander in Kontakt bringt, dass die beiden Protagonisten Brüder sind. Dadurch ergibt sich ein stärkeres Verhältnis, als wenn sie einander nur kennen würden, beide sind Familie – und beide haben ihre zweite Familie, der Priester die Kirche und der Ermittler die Polizei. Daraus entsteht ein schönes Zusammenspiel, das von den beiden exzellenten Darstellern hervorragend getragen wird. Robert de Niro hat sich seinerzeit noch angestrengt, anders als heute, und Robert Duvall hat wahrscheinlich immer alles gegeben. Sie passen als Brüder und sie passen als Hauptdarsteller, so dass der Film allein schon durch sie sehenswert wird.

Stimmbruch?

Für die sehr schöne deutsche Fassung, die sich beim schlüpfrigen Vokabular nicht zurückhält, hier noch eine kleine Anmerkung. Es gibt, leider, nur wenige Synchronsprecher, deren Namen bei Menschen bekannt sind, die sich nicht für dieses Thema interessieren und einer davon ist Christian Brückner, denn „der spricht doch Robert de Niro“. Das hat er in vielen Filmen getan, doch dieser hier ist eine der Ausnahmen. Er stammt aus einer Zeit, in der Brückner, so heißt es, gerade in Amerika weilte. In diesen Jahren hört man in deutschen Fassungen dann aus seinem Munde oft eine andere Stimme – und die gehört Joachim Kerzel. Der wurde im Laufe der Zeit u.a. zur deutschen Stimme von Jack Nicholson, Dustin Hoffman (die beide übrigens vorher von Manfred Schott gesprochen wurden, der ersten Stimme von Dr. „Pille“ McCoy bei „Raumschiff Enterprise“) und Anthony Hopkins. In Brückners Abwesenheit lieh er de Niro seine Stimme… in einigen seiner besten Filme. Neben diesem hier waren nämlich u.a. auch „The Untouchables“, „Angel Heart“ und „Es war einmal in Amerika“ dabei, wobei für letzten leider für die DVD eine neue Fassung angefertigt wurde, diesmal mit Brückner. Dass Kerzel trotzdem einen guten de Niro gibt, kann man hier erleben. Sein Gegenpart Robert Duvall wird übrigens von Rolf Jülich synchronisiert, dessen bekannteste Rolle in dieser Form leider nicht mehr verfügbar ist: Er sprach T.C. in der ersten Fassung von „Magnum“, bevor die Serie dann von RTL komplett neu synchronisiert wurde, leider ohne ihn.

True Confessions – Fesseln der Macht (1981)

Robert de Niro (Joachim Kerzel), Robert Duvall (Rolf Jülich), Charles Durning (Harald Halgardt), Kenneth McMillan (Gerd Duwner), Cyril Cusack (Günther Jerschke), Burgess Meredith (Manfred Steffen), James Hong (Helmut Ahner)

Regie: Ulu Grosbard

Fazits der Macht

Spannend, großartig gespielt, aber auch hart und schmutzig. Es geht um Recht und Gerechtigkeit, aber auch um Schuld und Schuldige. Und es ist nicht unbedingt die Kirche, die diese Ziele anstrebt. Für strenggläubige Christen vielleicht eher nicht geeignet. Ab 15. Juni 2018 als limitiertes Mediabook mit umfangreichem und informativem Booklet sowie DVD und Blu-ray.

DVD: 18 Stunden bis zur Ewigkeit

Ein Epresser versteckt auf einem Schiff, das von England nach New York fährt, sieben Bomben. Ein Spezialkommando soll die Bomben entschärfen, während man unter Hochdruck nach ihrem Schöpfer sucht…

Hochspannung

Selten war das Entschärfen von Bomben so spannend wie in diesem Film. Zunächst wird noch, bei den ersten Versuchen, der Bomben Herr zu werden, mit der Party ein paar Decks höher gegengeschnitten, doch gerade wenn es in die letzte Runde geht, vergeht einem vor Spannung manchmal das Atmen. Denn hier haben wir nicht nur eine höchst komplexe Bombe, sondern auch die Elemente sind gegen die Entschärfer. Kaum etwas ist störender, wenn man eine ruhige Hand braucht, als ein schlingerndes Schiff. Insofern ein perfektes Szenario für einen Film dieser Art, der es blendend versteht, es zu nutzen. Da rückte die Suche nach dem Täter ein wenig in den Hintergrund, denn was hier wirklich an den Nerven rüttelt, ist die Arbeit der Spezialisten, gegen Zeit, gegen Cleverness, gegen Seegang. Sehr schön ist auch das Zusammenspiel zwischen Harris und Hemmings, die eine tolle Chemie miteinander haben und eine Note trockenen Humors in die angespannte Situation bringen.

Hannibal Lecter, Dr. Schiwago, Bilbo Beutlin und Dumbledor stechen in See

Die Stardichte bei diesem Film ist enorm – auch wenn einige davon ihren großen Karriereschub erst etwas später erfuhren. Richard Harris war damals schon Charakterdarsteller, doch mit der Rolle des Dumbledor in den „Harry Potter“-Filmen erlebte er bis zu seinem Tod während der Reihe einen späten cineastischen Frühling. Omar Sharif war zum Zeitpunkt des Films ebenfalls ein großer Star, spielte er doch u.a. in zwei großartigen Filmen von Meisterregisseur David Lean mit, „Lawrence von Arabien“ und „Doktor Schiwago“ als ebendieser… und auch in der damals sehr beliebten „Inspektor Clouseau“-Reihe war er zu sehen, als „der Ägypter“. Auch die Karriere von Ian Holm war und ist langanhaltend und man könnte eigene Artikel damit füllen, in welchen Werken von welchen Regisseuren er alles zu sehen ist, doch hier sei nur sein Auftritt als Bilbo Beutlin in Peter Jacksons phantastischen „Herr der Ringe“ und seinen furchtbaren „Der Hobbit“-Filmen erwähnt. Auch Anthony Hopkins hat eine noch immer nicht enden wollen und sollende Karriere, die jüngst in der Serie „Westworld“ ein neues Hoch erfuhr (nach dem absoluten Tief, als das wir „Collide“ bezeichnen wollen), doch der Film, der ihn an die Spitze katapultierte und weltweit bekannt machte, war „Das Schweigen der Lämmer“, in dem er den kannibalistischen Psychiater und Serienkiller Hannibal Lecter spielte – seitdem wirkte er nie wieder so bedrohlich.

Und dann wären da noch… David Hemmings, der leider nie das Franchise bekommen hat, das ich mir gewünscht hätte, nämlich die Verfilmung weiterer „Charlie Muffin“-Bücher nach Brian Freemantle, nachdem er im gleichnamigen Film den heruntergekommenen Agenten perfekt verkörpert hatte. Ein anderes Agentenfranchise dreht sich um einen Kerl namens James Bond, und da haben wir hier gleich mehrere, die dort vertreten waren. Clifton James spielte zweimal an der Seite von Roger Moore in dessen ersten und zweiten Einsatz als Geheimagent Ihrer Majestät, Julian Glover war dann „In tödlicher Mission“ dabei, wurde aber auch zum Gegenspieler von „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ und leitete in „Das Imperium schlägt zurück“ den Angriff auf den Rebellenstützpunkt, in dem auch Kenneth Colley mit dabei ist. Ließe sich noch erwähnen, dass Roy Kinnear auch in Richard Lesters beiden „Die drei Musketiere“-Filme mit von der Partie war… aber wir wollen es ja nicht übertreiben.

Juggernaut 18 Stunden bis zur Ewigkeit (1974)

Richard Harris (Klaus Kindler), Omar Sharif (Michael Chevalier), David Hemmings (Rainer Basedow), Anthony Hopkins (Niels Clausnitzer), Ian Holm (Manfred Schott), Julian Glover (Alexander Allerson), Freddie Jones (K.E. Ludwig), Cyril Cusack (Leo Bardischewski), Clifton James (Benno Hoffmann), Roy Kinnear (Klaus Havenstein). Kenneth Colley (Norbert Gastell), Shirley Knight (Helga Trümper), Jack Watson (Wolf Ackva), Michael Hordern (Gunnar Möller), Roshan Seth (Tonio von der Meden)

Regie: Richard Lester

18 Fazits bis zur Ewigkeit

Hochspannungskino vom Feinsten. Eine spannende Grundsituation, aus der der Film alles herausholt – und eine explosive Stimmung erzeugt! Ab 15. Juni 2018 als hochwertiges Mediabook mit umfangreichem und informativem Booklet sowie DVD und Blu-ray.

Kino: LOVE, SIMON

Durch einen Post im Internet entdeckt junger Schüler, dass er vielleicht eher dem männlichen Geschlecht zugeneigt ist und so nimmt er Kontakt mit dem unbekannten Poster auf und verliebt sich in ihn, was zu diversen Verwicklungen, auch mit seinen langjährigen Freunden, führt…

Ein schöner Film

Für etwas ältere Zuschauer, die schon den einen oder anderen Film gesehen haben, wird zwar letztlich keine der Wendungen wirklich überraschend kommen, das ändert aber nichts daran, dass dies ein sehr schöner Film geworden ist, der sich mit dem Älterwerden, dem Herausfinden, was man will, sowie dem Umgang damit auf eine sehr angenehme Art und Weise umgeht. Auch das Outing kann sich rekativ einfach gestalten, oder könnte es, auch wenn der Vater nun kein Schwule und Neger hassender Rassist ist, denn streng genommen sind die Eltern hier beinahe so verständnisvoll und offen wie Michael Stuhlbarg als Vater in „Call me by your Name“.

Dies ist einfach sehr nett, mit sympathischen Figuren, die Handlungen und Motivationen sind nachvollziehbar. Abgesehen davon, dass alle zu schön für die Wirklichkeit sind, ist das alles durchaus realistisch. Was uns zu dem einen Punkt bringt, aus dem man noch etwas hätte machen können: Hätte unsere Hauptfigur am Ende festgestellt, dass seine große Liebe kein Schönling wie er ist, sondern ein dicker, kleiner Junge, hätte das dem Ganzen noch eine interessantere Note verleihen können. So bleibt es irgendwie nett und schön – und wird von überraschend guten Jungdarstellern getragen.

Mit

Nick Robinson, Katherine Langford, Alexandra Shipp, Jorge Lendeborg, Miles Heizer, Keiynan Lonsdale, Logan Miller, Jennifer Garner, Josh Duhamel, Tony Hale

Regie: Greg Berlanti

Love, Fazit

Selbst im gesetzteren Alter fühlt man sich an das eine oder andere – unangenehme, schwierige – aus der eigenen Schulzeit erinnert. Insofern also ein durchaus gelungener Film über eine schwierige Zeit im Leben, aber auch den Umgang mit erwachender Homosexualität, Und wenn man sich selbst im Alter der Figuren befindet, sollte man diesen Film eigentlich sehen! Ab 28. Juni 2018 im Kino.