Kino: Ballon

Familie will mit dem Ballon aus der DDR fliehen…

Wahre Geschichte

Trotzdem gut. Um nicht zu sagen hervorragend. Der Film ist

Vom Anfang bis zum Ende spannend

Und das auf beiden Seiten, sowohl bei den Leuten, die ihre Flucht planen wie auch bei denen, die ihnen auf die Schliche kommen wollen, ein spannendes Kopf an Kopf Rennen. Intelligente Menschen, die clevere Dinge tun – immer ein Vergnügen, und leider eins, das immer seltener wird.

Der Film hat gute Figuren, gute Schauspieler und eigentlich nichts, über das man meckern könnte. Selbst die Figur des bösen Flüchtlingsjägers ist nicht eindimensional gezeichnet, denn sie stellt die richtige Frage, ob es nicht besser wäre, diese „Feinde des Staates“ einfach raus zu lassen – eine Frage, die sich die DDR in der Tat hätte stellen und damit einiges an Leid vermeiden können. Doch die Wirklichkeit sah anders aus – und wer nur diesen ganzen Ostalgie-Mist kennt, wird sich sicher fragen, warum aus dem Land, in dem ja gar nicht alles schlecht war, so viele Leute ausreisen wollten, Dieser Film stellt diese Frage nicht, er erzählt eine spannende Geschichte auf eine spannende Art und ist einfach sehenswert.

Mit

Friedrich Mücke, Karoline Schuch, David Kross, Alicia von Rittberg, Thomas Kretschmann, Ronald Kukilies, Emily Kusche

Regie: Michael Bully Herbig

Fazit

Auch wenn ich Bullys Comedy nie witzig fand, als Regisseur ist er hervorragend, was er mit diesem spannenden und extrem sehenswerten Film unter Beweis stellt. Ab 27.9.2018 im Kino.

Kino: THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE

Regisseur will Film über Don Quixote machen, wobei er nicht nur auf seinen alten Studentenfilm stößt, sondern auch die Darsteller von damals aufsucht, was zu einer Menge quixotischer Abenteuer führt…

In der Tat sehr quixotisch!

Um uns um das Wort „chaotisch“ herumzudrücken. Irgendwie ist vieles an und um diesen Film herum traurig, also beginnen wir mit einem der wichtigsten Sätze:

Ein Film von Terry Gilliam

Er war der exotische Teil der Monty Pythons, der Amerikaner unter den fünf Briten, der Mann mit der groben Darstellung und den feinen Cartoons. Nach und schon während der Arbeit mit den Pythons spezialisierte er sich nicht auf Zeichentrickfilme, sondern auf Regie, wobei nicht alle seine Werke Eigenproduktionen sind, es gibt auch ein paar Auftragsarbeiten. Wie dem aber auch sei, einer seiner besten Filme stammt aus der frühen Phase – und mit „Brazil“ hat Gilliam die Latte einfach schon so hoch gelegt, dass er sie selbst eigentlich nie wieder erreicht hat. Auch in jenem Film spielt Jonathan Pryce die Hauptrolle und wenn man ihn mit diesem hier vergleicht, so kann man auch dort eine Art Don Quixote-Geschichte erkennen – nur, dass Gilliam das alles in „Brazil“ so viel besser, phantasievoller und phantastischer gemacht hat.

Traurig, um auf dieses Thema zurückzukommen, ist u.a. die Entstehungsgeschichte des Films. Denn eigentlich sollte der schon vor vielen Jahren entstehen, mit Jean Rochefort in der Hauptrolle. Doch nach einem kurzen Drehanfang ist es nie dazu gekommen. Wer sich dieser traurigen Geschichte stellen möchte, findet sie in „Lost in Lamancha“ dokumentiert. So haben wir hier nun also, „endlich“, einen Film, an dem Gilliam bereits seit 25 Jahren arbeitet… und auch das Ergebnis ist ein wenig traurig.

Quixotisch

Es fängt eigentlich recht gut an, hier und da ein paa schöne Gags und Ideen, aber nach etwa einer Stunde verliert sich das alles sehr in sich selbst, was in einem Ende kulminiert, das irgendwie zu nix führt und das bringt dann eben auch leider nicht viel. So ist es also traurig, was nach 25 Jahren dabei herausgekommen ist, auch wenn die Darsteller, allen voran Pryce und Driver, unheimlich gut sind. Und natürlich ist es traurig, dass Terry Gilliam langsam in ein Alter kommt, in dem nicht mehr unbedingt mit wirklich vielen Filmen von ihm zu rechnen ist. Wer seine Arbeit also nochmal auf der großen Leinwand sehen möchte, der hat hier Gelegenheit dazu – wer seine Arbeit allerdings genießen möchte, der sollte sich lieber nochmal „Brazil“ ansehen.

Mit

Jonathan Pryce, Adam Driver, Stellan Skarsgård, Olga Kurylenko

Regie: Terry Gilliam

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

The Fazit that killed Don Quixote

Fängt ganz gut an, bricht in der zweiten Hälfte aber komplett auseinander und führt am Ende zu nichts. Extrem quixotisch, in mehrfacher Hinsicht, aber nicht unbedingt in einer guten. Ab 27.9.2018 im Kino.

DVD: UNDER FIRE – UNTER FEUER

Krisengebiete auf der Südhalbkugel. Revolution, Bürgerkrieg, Tod. Und drei Journalisten mit einer Dreiecksbeziehung, die es nach Nicaragua verschlägt…

Liebe und Krieg

Oder auch die Liebe zum Krieg, zur Revolution, die hier einige der Hauptfiguren empfinden. Bürgerkrieg und Umsturz, geschildert aus der Sicht eines Reporters, eines Photographen, aber nicht als Doku, sondern als fiktiver Spielfilm mit Anleihen bei der Realität. Die Wahl der Hauptperson beschert dem Film ein sehr schönes Stilmittel, nämlich Szenen, Personen, Geschehnisse nicht nur einzufangen, sondern dadurch auch für Sekunden zum Stillstand zu bringen. Diese Anmutung von Fotos, wie man sie aus der Presse kennt, verleiht dem Ganzen einen sehr realistischen Touch; es gibt uns die Distanz, die ein solches Bild hat, zieht uns aber gleichzeitig auch in das Geschehen hinein, was eine interessante Widersprüchlichkeit ist, aber blendend funktioniert.

Lügen und Manipulation

Beides spielt eine starke Rolle, eine, die im Laufe der Handlung immer stärker wird. Es wird gezeigt, wie man Dinge und Menschen manipulieren und welche Folgen das haben kann. Und das auf eine Weise, die nicht oberlehrerhaft sondern sehr schön nachvollziehbar ist. So entwickelt sich eine Handlung, die, von ein paar kürzeren Längen abgesehen, bis zum Ende spannend und wendungsreich ist und uns zeigt, wie Umstürze funktionieren können – und wer unter Umständen seine Finger dabei im Spiel hat.

Im Spiel

Eine frische Brise bringt Ed Harris in den Film. Der ist zwar Söldner und Mörder, aber auch bar jeder Illusion oder Romantisierung. Einige Schauspieler scheinen sich im Laufe der Jahre einen gewissen Spielstil anzueignen, was natürlich auch an ständigen Besetzungen auf denselben Rollentyp liegen kann. Hier nun, relativ zu Beginn seiner Karriere, erleben wir einen jungen Harris, der sich weit lockerer und fast schon fröhlicher gibt, als er es in den letzten Jahren so getan hat – und das ist ausgesprochen erfrischend, auch für den Film.

Bonus

Ein umfangreiches Booklet mit jeder Menge Hintergrundinformationen.

Under Fire (1982)

Nick Nolte (Thomas Danneberg), Gene Hackman (Horst Niendorf), Jean-Louis Trintignant (Peter Fitz), Ed Harris (Frank Glaubrecht), Joanna Cassidy (Hallgard Bruckhaus), Richard Masur (Joachim Kerzel)

Regie: Roger Spottiswoode

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Under Fazit

Ein guter Film über Kriegsreporter, Manipulation und Umstürze, zwar nicht ganz ohne Längen, aber absolut sehenswert. Ab 21. September 2018 als Mediabook mit DVD und Blu-ray.

DVD: The Producers – Frühling für Hitler / 50th Anniversary Edition

Ein Broadwayproduzent und sein Buchhalter finden einen Weg, reich zu werden, indem man einen Flop produziert. Also suchen sie sich den schlechtesten Autor, das schlechteste Stück und den schlechtesten Regisseur…

But where did I go right?“

Eine Frage, die in der deutschen Fassung so leider nicht vorkommt, was ein wenig schade ist, wenn man das Original kennt. Denn ein wenig ist dies auch die Frage für die Karriere von Mel Brooks. Dies hier war sein erster Film als Autor und Regisseur. Man kann darüber diskutieren, ob es sein bester ist, auf jeden Fall ist es sein langlebigster. Denn nicht nur erfuhr er eine Wiedergeburt am Broadway, mit den Schauspielern des Stückes, Nathan Lane und Matthew Broderick, wurde er dann auch ein zweites Mal verfilmt. Und auch in einer der späteren Staffeln von Larry Davids „Curb your Enthusiasm“ taucht all das wieder auf, Brooks eingeschlossen… womit es dann vielleicht auch Mel Brooks erfolgreichste Arbeit wurde.

Aber seine beste?

Wenn wir für die Beantwortung dieser Frage jetzt mal die deutsche Fassung dieses Films zugrunde legen, dann wäre die Antwort eher nein. Die Grundidee ist großartig, manche Teile sind klasse und der Kernsong von Film und Stück im Film,

Springtime for Hitler“

ist schon ein wenig grandios. Es sind also tolle Sachen drin – aber von perfekt ist das alles dann doch noch ein Stückchen entfernt. Die Dialoge könnten geschliffener und witziger sein, stattdessen sind sie oft ein wenig redundant. Da wäre also noch ein wenig Spiel nach oben gewesen – was aber niemanden daran gehindert hat, Brooks mit dem Oscar für das beste Drehbuch auszuzeichnen. Geschmäcker sind halt verschieden – und Hitler geht immer, leider.

Bonus

Ein Q&A mit Mel Brooks und vor allem eine umfangreiche Doku, die keine Wünsche offenlässt und gleichermaßen unterhaltsam wie informativ ist, wobei sie ein ausgesprochen sympathisches Licht auf alle Beteiligten wirft.

The Producers – Frühling für Hitler (1967)

Zero Mostel (Benno Hoffmann), Gene Wilder (Harald Leipnitz), Bernie Allen (Klaus Havenstein), Billy Macy (Tonio von der Meden), Kenneth Mars (Lukas Amman), Dick Shawn (Walter Hoor)

Regie: Mel Brooks

Fazit für Hitler

Nicht ganz perfekt, aber doch ziemlich gut. Ab 20.9.2018 auf DVD und Blu-ray.

DVD: LOVING PABLO

© Universum Film GmbH

Der Liebling unter den Drogenbossen ist zurück. Diesmal nicht als Fernsehserie, sondern als Spielfilm. Ob er diesmal ein besseres Ende finden wird…?

Das Kartell“

Erinnert sich noch jemand an den gleichnamigen Jack Ryan-Film? Dort ging es auch um einen columbianischen Drogenbaron. Der hieß…? Na, wie? Richtig, Escobedo. Japp, klingt irgendwie vertraut aber nicht so richtig. Offensichtlich wollte man vom echen Escobar nicht verklagt werden, aber die Verbeugung vor ihm und seiner ehrenwerten Tätigkeit ist mehr als deutlich. Seitdem hat sich einiges geändert und der Name Escobar ist wieder gesellschaftsfähig geworden, denn er bekam nicht nur sein eigenes Gefängnis, sondern auch seine eigene Fernsehserie. Posthum, muss man wohl zugeben. Trotzdem kann man sagen, er hat es geschafft, zu unbestrittenem Weltruhm zu kommen. Was kann man als massenmordender Drogenhändler mehr verlangen?

Unter Titeln

Die Serie „Narcos“, die vielleicht den Goldstandard in Sachen Pablo Esobar darstellt, wählte einen mutigen Weg: Nicht an den amerikanischen und vor allem amerikanisch sprechenden Markt anbiedern, sondern die Columbianer konsequent spanisch sprechen lassen und untertiteln. Das findet hier leider nicht statt. Alle sprechen Englisch und das auch noch mit Akzent. Das wirkt nicht nur lächerlich sondern ist durch das Genuschele und das Fehlen von Untertiteln nicht nur ein Rückschritt, sondern auch schwer verständlich.

Was man von „Narcos“ dagegen übernommen hat ist der Ich-Erzäher. Diesmal ist es jedoch nicht der DEA-Agent sondern die Fernsehmoderatorin, die zur Gespielin Escobars wurde. Der wiederum wird gespielt von Javier Bardem. Der ist zwar so geschminkt, dass er dem Original recht ähnlich sieht, vor dessen Tod, versteht sich, aber da sind wir dann wieder bei genuscheltem Akzentlisch und das wirkt der Illusion ein wenig entgegen.

Bonus

Interviews, in denen man etwas über die Motivationen der Schauspieler erfährt.

OT: Loving Pablo Hating Escobar

Javier Bardem (Carlos Lobo), Penélope Cruz (Claudia Lössl), Peter Sarsgaard (Johannes Raspe), Ronald Reagan (Erich Ludwig)

Regie: Fernando León de Aranoa

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Loving Fazo

Brutal und absurd, bietet im Vergleich zur erwähnten Fernsehserie aber wenig neues und wirkt durch die gewählte Sprache auch weniger authentisch. Ab 21. September 2018 auf DVD und Blu-ray.

Kino: DAS HAUS DER GEHEIMNISVOLLEN UHREN

Nach dem Tod der Eltern kommt Junge zu Onkel und dessen Nachbarin, die sich als Zauberer erweisen…

Klingt vertraut

Wenn man im Nachhinein darüber nachdenkt, kommen einem da schon gewisse Parallelen zu Harry Potter in den Sinn… aber der war ja auch, wenn man da mal ehrlich ist, aus verschiedenen anderen Quellen zusammengeklaut, also Schulterzucken und durch.

Auch wenn man bei der Handlung ein wenig das Gefühl hat, dass sie ein bisschen braucht, um in die Gänge zu kommen, so fügt sich am Ende dann doch alles ganz passabel zusammen und das ist ja durchaus befriedigend. Es gibt ein bisschen Comedy, ein bisschen Grusel, aber es ist Black Comedy… denn sie kommt größtenteils von Jack Black.

Ziel? Gruppe?

Was die Zielgruppe angeht, so hat Eli Roth mal wieder eine wahre Schlachtplatte hingelegt, er taucht ein in ein Blutbad… und das stimmt natürlich alles nicht, aber man fragt sich doch, warum man ihm ein solches Projekt anvertraut hat. Wie dem auch sei, das mit der Zielgruppe könnte schwierig sein, weil es für kleine Kinder vielleicht zu hart ist und für Erwachsene nicht hart genug?

Erwähnt sei noch, dass man für den Kinderdarsteller einen Jungen gefunden hat, der verblüffend an Jacob Tremblay erinnert, nicht unbedingt vom Spiel, doch aber vom Aussehen. Ob das Zufall sein kann…

OT: The House with a Clock in Its Walls

Jack Black (Tobias Meister), Cate Blanchett (Elisabeth Günther), Owen Vaccaro (Manik Gaschina), Renée Elise Goldsberry (Maria Koschny), Sunny Suljic (Jaro Haggége), Lorena Izzo (Marie Bierstedt), Colleen Camp (Almut Zydra), Braxton Bjerken (Elias Kunze), Vanessa Williams (Hannah Kunze) and Kyle MacLachlan (Pierre Peters-Arnolds)

Regie: Eli Roth

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Das Haus der geheimnisvollen Fazits

Durchaus machbare Unterhaltung mit einem durchaus runden Ende, aber in Bezug auf eine Zielgruppe vielleicht ein wenig schwierig. Ab 20. September 2018 im Kino.

DVD: Die Nonne / Special Edition / Digital Remastered

Junge Frau, die ins Kloster gesteckt werden soll, weigert sich, die Gelübde abzulegen. Die anderen Nonnen machen ihr das Leben zur Hölle…

Mobbing im Kloster

So würde man das heute nennen. Einmal mehr zeigt sich, wie offen und tolerant die Kirche ist und wie gut sie mit Menschen umgeht… oder vielleicht auch das Gegenteil davon. Fast wirkt es an manchen Stellen wie eine Parodie, wenn die Nonnen pieksen und bösen Schabernack treiben, aber meist ist das eine ernste und unangenehme Angelegenheit. Irgendwann wendet sich dann das Blatt und es wird eine andere Art von absurd, wenn um Liebe und Zuneigung gebuhlt wird, was man in einem Kloster eher nicht erwarten würde.

Warnung!

Dies ist kein Prequel zum „Conjuring“-Prequel „The Nun“! Es ist auf eine andere Weise gruselig, aber nicht im Sinne eines Horrorfilms. Da ist eher unschön oder das bereits genannte unangenehm das Wort der Wahl, denn die Glaubensschwestern werden hier nicht gerade als eine Zierde ihres Standes portraitiert. Das ganze spielt 1750, wo der Glauben noch eine andere Bedeutung und Macht hatte als heute, weswegen die Auswirkungen auf die junge Frau auch stärker sind, als das wohl heutzutage der Fall wäre. Insofern ist das Ganze ein interessantes Zeitgemälde…

Bonus

…und ein skandalträchtiges dazu, wie uns die beiliegende Doku zeigt. Denn ein Film mit Kirche und Kloster und so wurde natürlich, wie könnt es anders sein, wenn es eine Trennung von Kirche und Staat gibt, verboten. Hier erfahren wir mehr darüber.

OT: La Religieuse (1966)

Anna Karina (Karin Reif), Francisco Rabal (Karl Sturm), Liselotte Pulver (Barbara Dittus), Micheline Presle (Marga Legal), Francine Bergé (Barbara Adolph)

Regie: Jacques Rivette

Fazit

Fängt ein bisschen langsam an, wird dann aber auf eine merkwürdige Art interessant und… merkwürdig. Ab 20.9.2018 auf DVD und Blu-ray.