Star Trek: Discovery – Season 1

10 Jahre vor Captain Kirk… in der alten Zeitlinie… angeblich. Ein weiblicher Offizier namens Michael Burnham ist nicht ganz unbeteiligt am Ausbruch eines Kriegs mit den Klingonen…

Aller Anfang

Ist bei „Star Trek“ für gewöhnlich schwer, da die meisten Pilotfilme nicht viel taugen. Das ist hier anders. Die ersten beiden Folgen, die die Einführung sind, sind ausgesprochen gut. Die Charaktere sind interessant, besonders das Verhältnis zwischen Captain und erstem Offizier ist klasse. Michelle Yeoh, ehemalige Bond-Lady und ein Funkenflug an Charisma, als Captain zu sehen macht einfach Freude. Und Sonequa Martin-Green ist eine echte Entdeckung… was man dann aber leider nicht von allen Beteiligten sagen kann. Jeder Moment mit beiden zusammen ist Gold wert und man sollte jeden davon genießen.

Die Handlung danach entwickelt sich mit Höhen und Tiefen, zum Glück überwiegen aber die Höhen. Irgendwann kommt eine sehr schöne Wendung mit Wendungen innerhalb der Wendung, das Ende ist dann aber… ein wenig schwierig.

Die Effekte sind super, abgesehen davon, dass man in Richtung „Realismus“ geht, was dazu führt, dass man keins der Schiffsdesigns mehr so richtig erkennen kann, weil alles a) zu duster und b) zu feinziseliert ist, zu detailreich.

Where „Star Trek“ has gone before

Dies ist offensichtlich der Versuch, „Star Trek“ in einer Weise von „Game of Thrones“ zu zeigen und das funktioniert, wie wir sehen werden, nur bedingt. Denn das Rad der „Star Trek“-Geschichte wird hier nicht eben neu erfunden. Wir haben einen degradierten Offizier, der auf ein neues Schiff kommt (wie in „Star Trek: Voyager“), wir haben eine Serie, die vor Kirk spielt (wie „Star Trek: Enterprise“), wir haben eine Düsternis, Krieg und staffelübergreifende Handlungsbögen (wie in „Star Trek: Deep Space Nine“ und letzteres auch in „Enterprise“), neu ist allerdings, dass wir mit 15 Episoden weit unter dem lange Jahre gültigen ST-Standard von 26 Folgen liegen, der aber auch schon in der letzten Phase von „Enterprise“ aufgebrochen wurde (und wegen Autorenstreiks auch in anderen Serien). Nur Riker ist noch nicht aufgetaucht, obwohl der doch, abgesehen von der klassischen, bisher in jeder ST-Serie aufgetaucht wird. Vielleicht ja in Staffel 2?! Aber dafür hat Jonathan Frakes mal Regie geführt.

In der letzten Folge gibt sich übrigens Clint Howard die Ehre. Der war nicht nur jüngst in „SOLO – A Star Wars Story“ zu sehen und ist damit einer der wenigen, der in beiden Franchises zu Gast war, er war auch in einer der ersten Folgen von TOS, „Pokerspiele“, zu sehen, sondern auch in einer Doppelfolge von DS9, was dies zu seinem dritten Ausfug ins ST-Universum macht.

Nerd Trek

Okay, dann lassen wir mal den Star Trek Nerd heraushängen. Streng genommen hat ST seine eigene Kontinuität nie so richtig ernst genommen, zumindest zu Tagen der Klassischen Serie nicht, aber wenn man hochtrabend eine neue Serie einführt, die vor Kirk spielt, sollte man verdammtnochmal auch die Details richtig hinbekommen… und davon stimmt schon rein äußerlich kein einziges. Nichts sieht richtig aus, nichts passt sich in die alten Designs, ja, der 60er Jahre, ein. Uniformen, Schiffe, Technik, Aussehen der Klingonen – hat alles nix mit dem zu tun, was nur zehn Jahre später Usus sein soll. Das hat „Enterprise“ besser hinbekommen… womit wir bei einem weiteren Punkt sind.

Hier wird behauptet, das letzte Zusammentreffen mit den Klingonen wäre vor 100 Jahren gewesen. „Enterprise“ spielt 70 Jahre vor Kirk und da trifft man sie. Es wird die Schlacht von Donatu V angesprochen, über die Spock in „Kennen Sie Tribbles?“ spricht und die, wenn das Gedächtnis nicht trügt, „31 Sonnenjahre“ vor jener Episode stattgefunden hat, also etwa 21 vor dieser.

Gut, daran, dass das Logo, das man auf der Brust der Uniformen sieht, dereinst eigentlich nur das der Enterprise war, während andere Schiffe ihre eigenen Logos hatten, wurde eh schon seit längerem ignoriert.

Eine andere Sache ist Sarek. Der ist bekanntlich Spocks Vater und hatte immer ein gespaltenes Verhältnis zu seinem Sohn, weil dieser der Raumflotte beigetreten ist. Hier nun aber haben wir die Hauptperson, Michael Burnham, die sich während der Serie quasi als Adoptivschwester von Spock entpuppt. Ich meine, wir haben in „Star Trek 5“ so gerade eben und mit viel Kauen geschluckt, dass Spock einen Halbbruder hat, von dem wir vorher nie was gehört haben, nun hatte er dann auch noch eine Adoptivschwester, von der wir noch nie was gehört haben??? Bei der hat Sarek dann aber keine Probleme, dass sie bei Starfleet mitmischt… ja, es passt alles hinten und vorne nicht zusammen.

Auch nicht, dass sich der liebenswerte Gauner Harry Mudd hier als psychopathischer Serienkiller entpuppt; da hilft es auch nicht, dass seine Frau Stella mit von der Partie ist.

Selbst wenn Alex Kurtzman, einer der Serienschöpfer, behauptet „Star Trek“-Fan zu sein, so erweist er sich doch wiederholt als fachunkundig, um mal den Begriff inkompetent zu umgehen. Bereits in (dem lausigen) „Star Trek Into Darkness“ gibt es einen Tribble und auch hier ziert einer Lorcas Schreibtisch – hat denn dieser Kerl keine Ahnung von Tribbles? Also, Kurtzman, nicht Lorca. Und warum zum Tribble setzt man ihn dann nicht gegen die Klingonen ein und startet die „Tribble Wars“, über die es einige klingonische Opern geben soll…

In Episode 5 fragt Saru nach tollen Föderationskapitänen. Als Liste erhält er: Robert April (bekanntermaßen erster Captain der Enterprise, eigentlich nur der Name von Gene Roddenberrys erstem Treatment, taucht dann aber in der Animationsserie auf), Matt Decker (Captain der Constellation, stirbt in „Planeten-Killer“, Vater von Will Decker aus „Star Trek: Der Film“), Jonathan Archer (Captain der Enterprise in „Enterprise“), Philippa Georgiou (die von Michelle Yeoh gespielte Kapitänin aus dieser Serie) und Christopher Pike (Captain der Enterprise nach Robert April und vor James T. Kirk, blinkt gerne einmal für Ja und zweimal für Nein und wird wohl in der nächsten Staffel dieser Serie ebenfalls auftauchen).

Und dann ist da die Defiant, die gleichzeitig eine Verbindung zur klassischen Serie und zu „Enterprise“ ist, wo das Thema wieder aufgegriffen und sinnvoll weitergeführt wurde. Hier nun setzt sich das fort, aber da keins der Designs auch nur annährend dem entspricht, was man kennt, will das hier nicht so ganz passen, ebenso wie das Aussehen der Enterprise höchstpersönlich. Was uns, einmal mehr, zur Krux führt:

Die Frage

ist und bleibt, warum man darauf bestanden hat, die Serie vor Kirk anzusiedeln – und die erste Staffel gibt hier keine brauchbare Antwort darauf. All das hätte auch nach „Nemesis“ spielen können, womit man alle Probleme mit der Kontinuität, Technik, Aussehen, qasi ALLEM gelöst hätte! Also warum bitte bestand man darauf, sie dann anzusiedeln, wann sie spielen soll, womit man so viele Brüche schafft, dass es nachgerade ärgerlich ist, da es ein wenig das Vergnügen an einer ansonsten wirklich guten Serie schmälert?

Raumschiff Discovery“

Die deutsche Fassung ist sehr schön gelungen – und es schmerzt auch nicht, dass wir um „Fuck Trek“, das erste Mal in der Geschichte von „Star Trek“, dass jemand das Wort „fuck“ sagt, „betrogen“ werden, denn, machen wir uns nichts vor, mit dem ersten gemischtrassigen Kuß im amerikanischen Fernsehen kann das wohl kaum mithalten. So wird denn aus „fucking cool“ bei uns „geiler Scheiß“ (keine Ahnung, wie da die klingonische Übersetzung lautet) und das ist völlig in Ordnung. Die deutsche Besetzung ist gut, ebenso wie die Dialogbücher, die angemessen „trekig“ sind. Ein kleiner Zwischenhöhepunkt ist der stets großartige Axel Malzacher (auch ein Mann mit SF-Erfahrung, sprach er doch in „Stargate: Atlantis“ David Hewlett alias Dr. McKay), der hier den Harcourt Fenton Mudd gibt, und dabei gleichermaßen Freude hat wie macht.

Bonus

Eine Ladebucht voll Making-ofs, in denen alle gerne sagen, wie sehr sie bei ihren Designs und so sich an „Star Trek“ orientieren, was… irgendwie befremdlich ist, weil tatsächlich nichts davon wirklich zum alten „Trek“ passt und man sich fragt, warum sie so einen Mist erzählen. Leider ist auch niemand dabei, der erklärt, warum die Serie nicht lange nach Picard spielt, sondern in der Zeitperiode, in der sie es tut. Die Aussage, es hätte noch in keiner Serie einen staffelübergreifenden Krieg gegeben, zeugt von Unwissen… oder Ignoranz. Auch vermisst man Serienmitbegründer Bryan Fuller sowie Nicholas Meyer, der an den besten Spielfilmen der „Star Trek“-Geschichte mitgearbeitet hat und hier sicher auch interessante Aspekte hätte beisteuern können.

Episoden

  1. Leuchtfeuer

  2. Das Urteil

  3. Lakaien und Könige

  4. Sprung

  5. Wähle deinen Schmerz

  6. Lethe

  7. T=Mudd2

  8. Si Vis Pacem, Para Bellum

  9. Algorithmus

  10. Nur wegen dir

  11. Der Wolf im Inneren

  12. Blindes Verlangen

  13. Auftakt zur Vergangenheit

  14. Flucht nach vorn

  15. Nimm meine Hand

Mit

Michael Burnham: Sonequa Martin-Green (Julia Kaufmann)

Saru: Doug Jones (Bernd Vollbrech)

Ash Tyler: Shazad Latif (Ozan Ünal)

Stamets: Anthony Rapp (Norman Matt)

Tilly: Mary Wiseman (Friederike Walke)

Cpt. Lorca: Jason Isaaks (Matthias Klie)

Cpt. Georgiou: Michelle Yeoh (Arianne Borbach)

Sarek: James Frain (Peter Flechtner)

Amanda: Mia Kirshner (Natascha Geisler)

Landry: Rekha Sharma (Vera Teltz)

Adm. Cornwell: Jayne Brook (Silke Matthias)

Harry Mudd: Rainn Wilson (Axel Malzacher)

Orioner: Clint Howard (Santiago Ziesmer)

Star Trek: Fazcovery

Das… wird ein eher ausführliches Fazit.

Einerseits

…kann man sie natürlich nicht losgelöst von allem anderen betrachten. Wenn man eine Serie in einem bekannten Franchise, das ein recht ausführlich konstruiertes und dokumentiertes Universum hat, ansiedelt, dann fragt man sich, warum man sich eigentlich an nichts davon orientiert. Fanfilme liegen näher am Original, da man sich dort Mühe gibt, Ton und Optik zu treffen. Hier sind das alles nur Lippenbekenntnisse, denn man hat sich nichtmal ansatztweise darum bemüht, irgendwie in die vorhandene Welt hineinzupassen. Das ist ein wenig schade – und wäre allein schon dadurch vermeidbar gewesen, dass man die Serie nach der Ära von Picard hätte spielen lassen. So aber funktioniert die Eingliederung weder äußerlich noch inhaltlich wirklich, weswegen „Star Trek“-Fans aus genau diesen Gründen in ihrer Freude getrübt sein dürften.

Andererseits

…sieht man aber davon ab und versucht sie, davon losgelöst und nur für sich stehend zu betrachten, dann haben wir hier eine recht gute SF-Serie, spannend, brutal, brauchbare Handlung, modern in ihrer Erzählweise, hier und da auch grausam und blutig. Nur mit „Star Trek“ hat das nicht so irrsinnig viel zu tun.

Ab 22. November 2018 auf DVD und Blu-ray.

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