„SOLO: A STAR WARS STORY“ – jetzt im Heimkino

Es war einmal…

vor langer, langer Zeit

in einem Heimkino,

weit, weit entfernt

Ein Schmuggler, den ein alter Mann und ein unbedarfter Bauernjunge in einer schäbbigen Bar aufgelesen haben, damit er sie unbemerkt von einem Planeten am Arsch der Galaxie bringt, ohne, dass das mächtige und böse Imperium etwas davon mitbekommt und der einen „wandelnden Bettvorleger“ als Kopiloten hat… So haben wir Han Solo kennengelernt. Doch aus dem „Schurken“ (wie Leia sie mag) wurde der coolste Charakter, den das „Star Wars“-Universum je gesehen hat und der Vorbild für viele andere Filmfiguren war. Hier nun bekommt Solo seinen ersten Solofilm, in dem wir ihn in jungen Jahren erleben.

Solovorstellungen

Der Film fühlt sich wie ein Abenteuer im STAR WARS-Universum an und macht Lust auf mehr. Zum Beispiel eine Trilogie mit wechselnden Hauptfiguren, in denen die anderen aber auch drin vorkommen und so die Handlung, die hier begonnen wird, trotzdem fortgeführt wird. Nach SOLO hätte man CALRISSIAN und BOBA FETT machen können… doch derzeit sieht es nicht danach aus. Denn leider war SOLO wohl nicht so erfolgreich, wie es sich die Macher erhofft haben. Was schade ist, da er gar nicht schlecht ist, auch wenn er ein paar Macken hat, auf die wir im Folgenden eingehen werden. Für den mangelnden Erfolg könnte eine unglückliche Aneinanderreihung von Umständen verantwortlich sein.

a) der Film kommt 30 Jahre zu spät und ist

b) ohne Harrison Ford

c) niemand interessiert sich zu diesem Zeitpunkt aus beiden Gründen wirklich dafür

d) der Film kommt 7 Monate zu früh, da gerade mal 5 Monate zuvor THE LAST JEDI lief, und das war vielleicht etwas zuviel STAR WARS in zu kurzer Zeit, also warum hat man bitte nicht bis Weihnachten gewartet, wo STAR WARS-Filme heutzutage „hingehören“, und außerdem

e) war der erwähnte LAST JEDI kurz zuvor eher zwiespältig aufgenommen worden, was, zusammen mit den anderen Aspekten, vielleicht ein wenig zu einer STAR WARS-Müdigkeit beigetragen hat.

Aber kommen wir zum Inhalt…

Spoiler Wars

Han ist ein junger Rumtreiber auf Corellia, wo die riesigen Sternenzerstörer des Imperiums gebaut werden, doch er und seine Freundin wollen den Verbrechersyndikten entsagen und ein neues Leben beginnen, aber so einfach geht das natürlich nicht und ob sie sich jemals wiedersehen werden, nachdem sie getrennt wurden, ist fragwürdig, auch wenn Han sich beim Imperium einschreibt, um nach seiner Pilotenausbildung zurück zu kommen und sein Mädel zu befreien…

Das Ex-Expandet Universe

Nutzen wir die Gelegenheit, mal ein bisschen in die Tiefe gehen, in das „STAR WARS“-Universum einzutauchen, den Film einzuordnen… und ein bisschen den Nerd raushängen zu lassen. Was wir in diesem Film u.a. sehen, ist, wie und wo Han als junger Mann gelebt hat, leider auch, dass sein Nachname Solo ihm vom Imperium verliehen wurde, „weil er niemanden hat“ (schön, dass etwas ähnliches nicht die Erklärung dafür war, wie Boba Fett zu seinem Namen gekommen ist), wie er Chewie kennengelernt, seine Waffe bekommen, Lando getroffen, den Falken gewonnen hat… Dinge, die, wenn wir es mal streng betrachten, nicht alle komplett wichtig sind. Von einigen haben wir gehört, andere, z.B. woher er seinen Blaster hat, sind eher unwesentlich.

Wenn man nun das Expandet Universe heranzieht, das ja inzwischen leider Ex-Expandet (oder ist es Extendet?) ist, weil es seit FORCE AWAKENS nicht mehr gilt und keinen Kanon mehr darstellt, dann stell(t)en sich einige Dinge etwas anders dar, als wir sie hier im Film zu sehen bekommen. Nehmen wir einfach mal die „Thrawn-Trilogie“, drei Bücher, die von Timothy Zahn geschrieben wurden und die Geschichte nach der Zerstörung des zweiten Todessterns weitersponnen, als Grundlage – oder vielmehr das hervorragende deutsche Hörspiel dazu, in dem fast alle Figuren ihre richtige deutsche Stimme haben und das wunderbares STAR WARS-Feeling verbreitet. Da trifft Han auf einen Senator von Corellia, dem der junge Solo damals schon in der Schule aufgefallen war – also nix mit Nachnamen und Verbrechersyndikten. Und auch die Geschichte um den Falken stellt sich ein bisschen anders – und vor allem weit sinnvoller – dar. Während Han hier mit der Absicht, den Falken zu gewinnen, zu Lando geht, wird dort davon berichtet, dass beide miteinander gespielt haben und Lando dann irgendwann ein Raumschiff aus seinem Fuhrpark gesetzt hat, weil er dachte, Solo würde irgendeine schmucke Jacht nehmen, doch stattdessen entschied er sich für den Falken. Diese hervorragenden Hörspiele seien an dieser Stelle empfohlen, auch, wenn sie, wie gesagt, leider kein Kanon mehr sind.

SOLO – EINE KRIEG DER STERNE GESCHICHTE

Um noch bei den Hörspielen zu bleiben: die Rolle des Thrawn wird dort ganz ausgezeichnet von Thomas Nero Wolf (hier einmal mehr für Woody Harrelson zu hören) gesprochen, der sie auch ganz phantastisch und trefflich intonierend für die Fernsehserie „STAR WARS: REBELS“ wieder aufnahm… die dann auch ein wenig das Schicksal der erwähnten Thrawn-Trilogie besiegelt, denn auch wenn man dort netterweise die Figur des Großadmirals ins SW-Universum holte, so verabschiedete man sich dann in der vierten Staffel auch wieder von ihr, was dann erwähnte Trilogie unmöglich machen dürfte.

Und von noch jemand anderem verabschiedet man sich dort ebenfalls, der hier allerdings einen kleinen Gastauftritt hat – und bei einigen für Verwirrung gesorgt hat. Spielt der Film etwa vor Episode I??? Nein, das tut er nicht. Darth Maul, der Bösewicht aus dem ersten Prequel, wird dorten von Obi-Wan in zwei Teile geschnitten und segelt zwiegespalten einen tiefen Schacht hinunter. Doch bereits die Serie „STAR WARS: CLONE WARS“ nahm das wieder zurück und hauchte Maul neues Leben und ein paar Roboterbeine ein. Er taucht dann auch in REBELS wieder auf, wo er in Staffel 3 Obi-Wan (oder Ben) Kenobi auf Tatooine besucht und dann ein zweites Mal von ihm umgebracht wird, diesmal aber richtig. Dieser Film spielt also nach den Prequels, aber vor oder während REBELS.

Ganz großes Lob bekommt SOLO an dieser Stelle für seine deutsche Fassung. Synchronregisseur Björn Schalla (auch die deutsche Stimme für Casey Affleck, Seann William Scott und Jay Mohr) hat es geschafft, mit Florian Clyde jemanden zu finden, der es tatsächlich schafft, ein bisschen wie Wolfgang Pampel, die deutsche Stimme von Harrison Ford und damit wie der deutsche Han Solo, zu klingen, Zudem hat er ein Händchen dafür, dem deutschen Original treu zu bleiben und die Details richtig hin zu bekommen. Wurde bei „Krieg der Sterne“ in den 70ern aus dem mit wenig bis keinem Inhalt gefüllten „Kessel run“ der „Kossalflug“, bleibt dieser Begriff auch weiterhin in den deutschen Fassungen bestehen, sowohl bei „Das Erwachen der Macht“ als auch hier. Unterstützt durch ein sehr schönes, lockeres und witziges Dialogbuch, gelingt es der deutschen Fassung weit mehr als dem Original und Alden Ehrenreich, das Gefühl zu vermitteln, dass man es mit einem jungen Han Solo zu tun hat – und das macht einfach Spaß! Insofern einer der wenigen Filme der letzten Zeit, die auf deutsch vielleicht eine Spur besser sind als im Original.

STAR WARS Chronologie

Wer alles mal in chronologischer Reihenfolge ansehen möchte – wovon ich abrate, da einem die Prequels die klassische Trilogie kaputt machen können… doch da ist ja inzwischen ein besserer Übergang geschaffen worden. Nun, wie dem auch sei, die zeitliche Abfolge dürfte in etwa die folgende sein:

  • Die dunkle Bedrohung

  • Angriff der Klonkrieger

  • Clone Wars

  • Die Rache der Sith

  • Solo

  • Rebels

  • Rogue One

  • Krieg der Sterne

  • Das Imperium schlägt zurück

  • Die Rückkehr der Jedi-Ritter

  • Das Erwachen der Macht

  • Die letzten Jedi

Bonus

Die Blu-ray enthält umfangreiches Bonusmaterial, bei dem die Darsteller sehr sympathisch wirken, man einiges schöne von den Dreharbeiten sieht, die Kasdans kennenlernt, die den Film geschrieben haben – sehr schöne und informative Einblicke, wenn auch leider ausgespart wird, was die beiden ersten Regisseure des Film gemacht haben und wie es zu ihrer „Umbesetzung“ kam.

Mit

Alden Ehrenreich (Florian Clyde), Woody Harrelson (Thomas Nero Wolf), Emilia Clarke (Gabrielle Petermann), Donald Glover (René Dawn-Claude), Thandie Newton (Nana Spier), Phoebe Waller-Bridge (Bianca Krahl)), Paul Bettany (Timmo Niesner), Erin Kellyman (Giovanna Winderfeldt), Clint Howard (Santiago Ziesmer), Ray Park / Sam Witwer (Tobias Meister)

Regie: Ron Howard

Solo: A Fazit Story

Ein guter Film, ein schönes Abenteuer, eine rasante Geschichte. „Star Wars“ wie es sein kann und sollte – und eine deutsche Fassung, die sich wirklich hören lassen kann! Seit 27. September 2018 auf DVD und Blu-ray.

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