Heimkino: DOCTOR WHO – VIERTER DOKTOR – DIE RACHE DER CYBERMEN

Der Doktor stößt mit seinen Begleitern auf ein Geheimnis, doch schon bald stellt sich heraus, dass auch alte Bekannte in die Sache verwickelt sind…

Die Whonaissance geht weiter

Deutschland entdeckt mehr und mehr den Doktor für sich. Und das hat wirklich eine Weile gebraucht, reist dieser doch schon seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts durch Zeit, Raum und Fernsehschirme. Viel von ersterer ist verstrichen, bevor es ihn nach Deutschland verschlug, viel, bevor er dorthin zurückkehrte und dann nochmal ein wenig, bevor er hier wirklich Fuß fassen konnte. Nun aber ist er hier angekommen, werden seine aktuellen Abenteuer den deutschen Zuschauern doch zeitnah zur Verfügung gestellt… und es gibt noch eine ganze Menge älterer nachzuholen. Wenden wir uns also der Zeit zu, bevor der Doktor eine längere Zwangspause einlegte und erst durch Russell T. Davies aus seinem Doktorenschlaf geweckt wurde. Acht Doktoren gab es zwischen 1963 und 1996, wie wir in der sehr schönen Beigabe eines Episodenguides entdecken können. Eine sehr nette Übersicht, die uns zeigt, was es vom Doktor bereits auf deutsch gibt… und, vielmehr, was nicht… denn das ist viel mehr! Mit diesem Abenteuer des vierten Doktors bekommen wir nun die drittälteste Geschichte, das am drittweitesten zurückliegende Serial. Davor gibt es in unserer Sprache nur die drei ersten Stories des ersten und eine Geschichte des zweiten Doktors, während der dritte bislang völlig brach liegt und vom vierten nur dieses erschienen ist, seine Abwesenheit in „Die fünf Doktoren“ mal nicht mitgezählt. Und das, wo Tom Baker für viele Fans der alten Ära der beliebteste Doktor, „ihr“ Doktor zu sein scheint. Doch nun, liebe Wholigans, gibt es die Möglichkeit, zu sehen, ob das auf den einen oder anderen hierzulande vielleicht auch zutrifft…

Die Sprache der Liebe

Ist mitnichten Deutsch, da sind wir uns, glaub ich, alle einig. Allerdings hört man auch immer wieder, dass sich Synchronisationen eigentlich überlebt haben und die ganze Jugend all das Zeugs viel lieber im Original guckt, also bah, Synchro, geh weg. Nun, die Wirklichkeit scheint dann offenbar doch anders auszusehen. Ein Verleih hat vor nicht allzulanger Zeit einen Versuchsballon gestartet, britische Serien ohne deutschen Ton zu veröffentlichen… Ziehen wir doch mal Schlüsse daraus, dass man Geld und Mühe investiert, um „Doktor Who“ aus der guten alten Zeit zu synchronisieren, dann scheint uns das zu sagen, dass sich der gute Doktor ohne eine deutsche Sprachfassung wohl eben nicht verkaufen würde. Soviel also zu der Sache.

Deutschland Who

Sieben Doktoren, eine Stimme. Es nimmt einen immer mal wieder Wunder, was in Sachen Synchron hier und da so geschieht. Bei Monty Pythons „Die Ritter der Kokosnuss“ hat man es nicht geschafft oder sich dagegen entschieden, jeden Schauspieler nur mit einem Sprecher zu besetzen, so dass jede Rolle im Film eine andere deutsche Stimme hat, obwohl sie im Original teils vom selben Schauspieler gespielt wurde, etwas, das man bei den anderen Filmen der Pythons dann zum Glück größtenteils anders gemacht hat. Beim Doktor nun ist das genaue Gegenteil der Fall. Obwohl wir unterschiedliche Schauspieler haben, entschied man sich dafür, jeden davon von nur einem einzigen Sprecher synchronisieren zu lassen: Michael Schwarzmaier, der das erste Mal für Nr. 7 Sylvester McCoy an den Start ging und dann rückwirkend auch jeden anderen Träger des zeitreisenden Doktorentitels vertonte. Das bringt zwar irgendwie wenig Variation in die Sache, aber, machen wir uns nichts vor, die meisten der Leute, die sonst die anderen Doktoren gesprochen hätten, wären inzwischen wahrscheinlich tot und so, da man sich bei den Doktoren der klassischen Ära darum bemüht, ihn zu besetzen und damit bislang erfolgreich war, wird hier eine Kontinuität geschaffen, wie man sie in der deutschen Synchronisation eher selten vorfindet.

Bonus

Wie bei „Doctor Who“ üblich wird man man einer TARDIS voll Zusatzmaterial verwöhnt, vom Audiokommentar mit Elisabeth Sladen über den zweiten Teil von Tom Bakers Rückblick über seine Jahre als Doktor bis hin zu einer interessanten Doku darüber, wie man vor der Zeit von DVDs, als selbst Video noch zu schwierig oder teuer oder beides war, seinem doktorandischen Hobby fröhnen konnte und mit welchen Schwierigkeiten das verbunden war. Um es mit den Worten einer anderen Science-Fiction-Ikone zu sagen: „Faszinierend!“

Die Rache der Cybermen – Revenge of the Cybermen (1975)

Tom Baker (Michael Schwarzmaier), Elisabeth Sladen (Milena Karas), Ian Marter (Markus Haase), Jeremy Wilkin (Renier Baaken), Ronald Leigh-Hunt (Gordon Piedesack), William Marlowe (Tobias Brecklinghaus), Kevin Stoney (Josef Tratnik), David Collings (Volker Niederfahrenhorst), Alec Wallis (Dieter Gring), Michael Wisher (Wolff von Lindenau), Brian Grellis (Oliver Wronka), Christopher Robbie (Dirk Hardegen), Melville Jones (Oliver Kalkofe)

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Whozit

Die erste richtige Geschichte des vielseits ge- und beliebten Doktor Nr. 4, Tom Baker, ein Wiedersehen mit Elisabeth Sladen als Sarah Jane Smith, die wir erst kürzlich in ihrem ersten Soloabenteuer gesehen haben, aber auch so, wie „Doktor Who“ in diesen Jahren war. Und das mag für heutige Augen und Sehgewohnheiten doch bisweilen ein wenig schwierig sein. Wer mit dem klassischen „Raumschiff Enterprise“ seine Probleme hat, der könnte hier auch an seine Grenzen stoßen, wenn er damit nicht aufgewachsen ist. Insofern möglicherweise eher eine Art Liebhaberprodukt für Leute, die einfach auf „Doktor Who“ stehen… und damit meine ich nicht Captain Jack. Ab 26. April 2019 auf DVD und Blu-ray.

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3 Gedanken zu “Heimkino: DOCTOR WHO – VIERTER DOKTOR – DIE RACHE DER CYBERMEN

  1. Über den Doktor lassen sich Dutzende, wenn nicht Hunderte Bände schreiben und selbst dann ist kein Ende in Sicht.
    Mein Favorit unter ihnen ist der 7. mit seiner Begleiterin Ace.
    Das Schöne an ihm ist, dass er so unterschiedliche Inkarnationen hat.

    Ich seh ihn auch lieber im Original – werde dieses Jahr 43. Aber das hat damit zu tun, dass manche Aspekte im Deutschen nicht rüberkommen. Klassiker – „Dr. Who – Doktor Wer?“
    Vielleicht ist es allerdings etwas zu kurz gegriffen zu sagen, dass nur die Synchro der Grund für seine steigende Beliebtheit ist.

    • Oh, das wollte ich gar nicht damit sagen. Grund für die Beliebtheit ist schon, dass der Doktor einfach gut ist. Aber ich schließe daraus, dass man sich die Kosten und Mühen macht, ihn zu synchronisieren, dass er sich weniger gut verkaufen würde, wenn es die DVDs nur mit dem O-Ton und Untertiteln geben würde… denn wenn sich das verkaufen würde, gäbe es garantiert keine Synchro.

      • Da hast du wohl recht 😉
        Wie viele hierzulande Englisch nicht oder nur wenig können, ist das eine probate Option für mehr Verkäufe – gewiss. Und wenn sie schon eine Sprache nehmen, warum dann nicht gleich noch zwei, drei andere auch?

        Eines muss man BBC lassen – sie verstehen es ihr Zugpferd zu setzen. Warum auch nicht? Wäre es doch schade, ihn nicht zu kennen.

        Mein Highlight beim Doktor war beispielsweise das 50er Jahre Special, das sie gleichzeitig in x Ländern rund um den Globus spielten. So etwas vergisst man einfach nicht …

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