Heimkino: Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn

Tom Sawyer ist ein Lausbube. Er lebt bei seiner Tante in Mississippi und macht ihr das Leben schwer, denn niemals tut er das, was sie ihm sagt, was zu vielen Problemen, aber auch Abenteuern führt…

Hörspiele

Ich weiß nicht, ob Tom Sawyer der heutigen Jugend überhaupt noch ein Begriff ist. Mein Zugang zu ihm verlief wie zu anderen Klassikern, der „Meuterei auf der Bounty“, den Geschichten von Winnetou und Old Shatterhand, durch Hörspiele. Das war eine schöne Sache, bei der man, noch bevor mal überhaupt lesen konnte, eintauchen konnte in diese fremden Welten und all das, was man nicht sah, wurde von der Phantasie aufgefüllt. In Zeiten, in denen fast jedes Werk der Film- und Fernsehgeschichte problemlos abrufbar ist, kann es sein, dass dieser spezielle, dieser rein akustische Zugang langsam verloren geht. Hoffen wir, dass es nicht so ist… denn das würde auch den Genuss dieses Film etwas erleichtern.

Huckleberry Who?

Tom Sawyer ist aus einer anderen Zeit – und das ist dieser Film auch. Beides ist alt, und beidem merkt man an, dass es alt ist. Die Geschichte, die eigentlich Legende ist, besonders die Sache mit dem Zaun, all das hat eine herrliche Einfachheit und fast schon Naivität. Nicht, dass die Zeiten, in denen Mark Twain lebte, viel rosiger wären als unsere, aber man war noch nicht so abgebrüht und -fuckt und Kindheit hatte noch was mit Unschuld zu tun. Tom Sawyer war ein Lausebängel, lange bevor Astrid Lindgren ihren „Michel aus Lönneberga“ auf die Welt losließ. Er trieb Schabernack und machte Streiche, aber ohne dabei böswilig oder gemein zu sein… außer zu seinem Halbbruder, der es aber, wie man hier sieht, mehr als verdient. Wenn man den Namen Sawyer sagt, denkt man automatisch auch an dessen mystischen Begleiter: Huckleberry Finn. In der (vagen) Erinnerung wirkte der immer wie der große Unabhängige, der, dem keiner was kann, die frühe Fassung von „cool“. Das mag entweder in den Hörspielen anders gewesen sein, oder aber die Erinnerung trügt, denn in diesem Film glänzt Tom über alles hinweg und Huckleberry ist nichtmal wirklich schmückendes Beiwerk. Bemerkenswert ist dabei nur, dass er in der deutschen Fassung von Hans Clarin gesprochen wurde, der widerum selbst später in den Olymp der Hörspiele aufgenommen wurde, war er doch niemand geringerer als Pumuckl persönlich!

OT: The Adventures of Tom Sawyer (1938) – deutsche Kino-Synchro

Tommy Kelly (Bert Brandt), Jackie Moran (Hans Clarin), Ann Gillis (Judith Orban), Charles Richman (Wolfgang Eichberger), Donald Meek (Anton Reimer), Robert McKenzie (Werner Lieven), Arthur Aylesworth (Harald Wolff), May Robson (Lina Carstens)

Regie: Norman Taurog

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Tom Sawyer und Hucklefazit Finn

Offensichtlich war der Film seinerzeit in Deutschland stark gekürzt, denn man hat sich die Mühe gemacht, die alte deutsche Synchro zu benutzen, bei der dann aber leider eine Menge Lücken auftreten. Trotzdem weit besser, als eine sterile Neufassung zu erstellen, denn wie gesagt, ein Film aus einer anderen Zeit mit einer Geschichte aus einer anderen Zeit verdient auch eine deutsche Fassung aus einer anderen Zeit, denn nur so wirkt das Ganze stimmig. Ein Klassiker der Literatur und wenn man bislang keinen Zugang zu Tom Sawyer und seinen Abenteuern hatte, dann ist dies auf jeden Fall ein guter Einstieg. Ab 31. Mai 2019 auf DVD.

Dieser Beitrag wurde unter Filme veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.