Heimkino: Der beste Mann beim Militär

1942, England. Junger Mann aus Oxford wird eingezogen, doch er kann mit der Armee genausowenig anfangen wie sie mit ihm…

Köstliche Komödie

In Zeiten, in denen sie mit einer hochkarätigen Idiotie wie dem Brexit die Welt zum schlechten hin zu verändern trachten, drängt es sich ein wenig auf, die Achtung vor den Bewohnern der Insel ein wenig zu verlieren, wirkt es doch so, als habe man nichts, aber auch wirklich so rein gar nichts aus dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit danach gelernt. Doch damals, in den 50ern, haben sie bewiesen, wieviel cooler sie sind als z.B. die Amerikaner. Denn das hier ist eine Komödie, die sich im Zweiten Weltkrieg abspielt, und trotzdem kommt sie locker flockig daher, verteufelt nicht die deutschen pe se als Nazis und macht einfach jede Menge Spaß. Sie nimmt sich und die Armee nicht zu ernst und gibt sich mit einer Leichtigkeit, wie man sie sich öfter wünschen würde. Mit Filmen wie „M.A.S.H.“ hat sowas spätestens dann auch die USA erreicht, aber da ging es um Korea und nicht die Fortsetzung des Großen Kriegs. Insofern ist dieser Film ein kleines und sehr feines Juwel, das uns die Briten aus besseren Zeiten in weit schlechteren Zeiten zeigt und dabei eine wunderbare Komödie schafft, die als Satire auf das Militär beginnt und irgendwann eine Umwandlung zur Gaunerkomödie durchmacht.

Eine wahre Freude

Die Frage ist, wieso es der Film erst so spät nach Deutschland geschafft zu haben scheint. Die Synchro strahlt mit tollen deutschen Sprechern, von Torsten Sense (Val Kilmer), der in den 70ern mit seiner Synchrontätigkeit begann, bis hin zum großartigen Ulrich Gressieker (Christopher Lambert), der leider 1990 verstarb, so dass ich die Fassung grob auf die zweite Hälfte der 80er Jahre, vielleicht aber doch auch früher verorten würde. Aber besser spät als nie und so kann man diesen Militärkomödie auch auf deutsch genießen… viel Spaß dabei!

OT: Private Progress (1956)

Richard Attenborough (Ulrich Gressieker), Dennis Price (Friedhelm Ptok), Terry-Thomas (Jürgen Thormann), Ian Carmichael (Torsten Sense), John le Mesurier (Hans Nitschke), Ian Bannen (Mathias Einert), William Hartnell (Friedrich G. Beckhaus), Christopher Lee (Joachim Kerzel)

Regie: John Boulting

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Fazit

Eine köstliche Komödie, die man sich so im Zweiten Weltkrieg eigentlich kaum vorstellen kann, was sie irgendwie besonders macht. Ab 30.8.2019 auf DVD.

Heimkino: WAKEFIELD

Erfolgreicher Mann kommt abends zu spät nach Hause. Statt ins Haus zu gehen, verbringt er die Nacht in der Garage, aus der er morgens das Treiben in seinem Heim beobachtet. Er bleibt dort und beginnt, seine Frau und Familie weiter aus der Ferne zu betrachten…

Anders

Das ist der Film und das ist gleichermaßen spannend wie interessant. Es ist kein Thriller im Sinne eines „Fenster zum Hof“, es ist auch kein wirklicher Stalkingfilm, vielmehr fühlt man sich anfangs ein wenig an Watzlawick erinnert, falls noch jemand was mit den Behaviouristen der 80er anfangen kann. Das liegt daran, dass man die ganze Zeit – und das ist das schöne, konsequent bis zum Ende durchgezogen – vor allem die Gedanken der Hauptfigur präsentiert bekommt. Als Off-Sprecher gibt er Einblicke in das, was er sieht und vor allem, was er darüber denkt – was uns zu erwähnten Watzlawick führt, bei dem es u.a. darum geht, dass und wie man Vorurteile gegen jemanden aufbaut, weil man glaubt, er würde soundso reagieren, was dazu führt, dass man selbst auf dieses erwartete Verhalten auf eine bestimmte Weise reagieren wird. Hier erleben wir fast nur, was die Figur denkt, nicht aber, was wirklich ist… und da ist es gar ein wenig schade, dass der Film nicht am Ende eine andere Route eingeschlagen und ihn damit konfrontiert hat, dass all das, was er von den Leuten gedacht und ihnen unterstellt hat, weit von der Wirklichkeit entfernt ist. Stattdessen ist das Ende auch eher der Schwachpúnkt des Films, da man zwar meinen würde, diese unbestimmte Zeit, die er sich von seiner Familie und sich selbst getrennt hat, um aus der Ferne zu beobachten, hätte in ihm eine Veränderung bewirkt, doch so richtig will die nicht zu Tage treten, womit viel starkes Potential verschenkt wird.

Bonus

Interviews mit den Hauptdarstellenden und der Regisseurin, die ein paar Hintergrundgedanken vermitteln.

Mit

Bryan Cranston (Joachim Tennstedt), Jennifer Garner (Dorette Hugo), Pippa Bennett-Warner (Josephine Martz), Jason O’Mara (Peter Flechtner), Beverly D’Angelo

Regie: Robin Swicord

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Das Fazit zum Hof

Anders und konsequent. Ein Film, bei dem man fast nur das über alle anderen Figuren erfährt, was die Hauptfigur über sie denkt, während wir sie aus der Ferne betrachten und ebenfalls keinen direkten Kontakt zu ihnen haben. Es ist interessant und faszinierend, hätte aber ein stärkeres – und konsequenteres – Ende verdient. Ab 29.8.2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: TEA WITH THE DAMES

Ein unvergleichlicher Nachmittag

mit Eileen Atkins, Judi Dench, Joan Plowright und Maggie Smith

Immer wieder treffen sie sich, vier große Damen des britischen Schauspiels, privat, doch diesmal war eine Kamera dabei und es gibt einen Spaziergang durch viele Jahre britisches Theater, Fernsehen und Kino und jede Menge kleine und große Anekdoten…

Damen und Dramen

Weniger auf das persönliche Leben als vielmehr auf ihren Beruf bezogen, denn alle vier bereicherten die Bretter, die die Welt bedeuten, wobei es viele Ausschnitte gibt und man auch den einen oder anderen britischen Kollegen zu sehen bekommt. Das ist unterhaltsam und interessant und gibt schöne Einblicke, sowohl in die Arbeit jeder Dame (womit auch der britische Adelstitel „Dame“, das weibliche Äquivalent zum „Sir“, gemeint ist, den man jeder von ihnen verliehen hat), als auch die britische Kulturlandschaft, in der sie tätig waren.

Vier Damen vom Grill

Von jeder der vier kann man schonmal gehört haben, die, die uns, also quasi international, aber am längsten bekannt sein könnte, ist Maggie Smith. Während z.B. Judi Dench gefühlt erst in den 90ern als M in den James Bond-Filmen so richtig aufs Pakett kam, begleitet uns Dame Maggie bereits seit den 60ern mit „Hotel International“ und „Venedig sehen – und erben“, in den 70ern mit „Eine Leiche zum Dessert“ und zwei Agatha Christie-Verfilmungen an der Seite von Peter Ustinov, an den Seiten von Monty Pythons Michael Palin und Whoopi Goldberg in den 80er und 90ern, bis hin zu „Harry Potter“ und „Downton Abbey“. Während wir also z.B. Lady Judi gefühlt schon alt kennengelernt haben, haben wir bei ihrer Kollegin möglicherweise mehr eine Entwicklung gefühlt… aber das kann ja für jeden unterschiedlich sein. Sehr schön ist es jedenfalls, hier von jeder der Dames und Damen Ausschnitte aus jungen Jahren zu sehen, in Weisen, wie wir sie vielleicht vorher nie erlebt haben.

OT: Nothing like a Dame

Eileen Atkins (Regina Lemnitz), Judi Dench (Kerstin de Ahna), Joan Plowright (Luise Lunow), Maggie Smith (Isabella Grothe)

Regie: Roger Michell

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fa with the Zits

Locker, offen, scherz- und damenhaft. Vier ausgezeichnete Damen, die locker aus dem Nähkästchen plaudern und schöne Einblicke in viele Jahre britisches Entertainment gewähren. Ab 29. August 2019 auf DVD und Blu-ray.

Kino: GOLDEN TWENTIES

Nach dem Studium kommt Mädel zurück nach Hause, wo sie aber irgendwie keine Arbeit findet und dann als irgendwas im Theater anfängt…

Der Film hat keine Geschichte und weiß nicht, wie man sie erzählt

Um es in einem Satz zusammenzufassen. Wenn man witzig ist, spannend, erotisch oder gruselig, kann man es sich hin und wieder leisten, auf eine Handlung zu verzichten, weil es, wenn das erwähnte abendfüllend ist, nicht ins Gewicht fällt und man darüber hinwegsehen kann. Hat man aber keine Handlung und auch sonst irgendwie nix zu erzählen, wird das Ganze schnell langweilig und uninteressant. Wie hier! Da isses dann nur eine Aneinanderreihung von Szenen, die einem auch nix bringen, wobei sie noch nichtmal unterhaltsam sind. Hinzu kommt, dass wir auch nicht viel über die Hauptperson erfahren. Bei was für einer Firma stellt sie sich am Anfang vor? Was hat sie studiert? Was will sie machen? Wieso landet sie im Theater? Der Film macht sich nicht die Mühe, es uns nahezubringen und ich mache mir nicht die Mühe, mehr Zeit und Worte darüber zu verlieren, außer, dass das kurze Auftauchen von Michael Maertens, der hier erstmals fast menschlich-natürlich ist, die einzig gute Szene ist, da man das Gefühl hat, er bringt da etwas ein, das dem Buch an sich und dem Film komplett fehlt… aber das währt nicht lange, so wie die Haltbarkeit dieses Teils im Gedächtnis, die hiermit abgelaufen ist.

Mit

Henriette Confurius, Max Krause, Inga Busch, Franziska Machens, Nicolas Wackebarth, Hanna Hilsdorf, Anton von Lucke und als Gäste Blixa Bargeld & Michael Maertens

Regie: Sophie Kluge

TWOT!

Das Leben kann so uninteressant und langweilig sein… da braucht man nicht unbedingt Filme, die genau das wiedergeben! Ab 29. August 2019 im Kino.

Kino: LATE NIGHT – DIE SHOW IHRES LEBENS

Moderatorin, die Probleme mit Frauen hat, stellt nicht nur eine als Autorin ein, sondern muss sich auch im mehrfacher Hinsicht mit ihrer Show auseinandersetzen…

Ein bisschen bissig, ein bisschen spaßig, ein bisschen kritisch

Und eine Menge guter Schauspieler und -innen, wobei, die vor allem. Emma Thompson zelebriert ihre Rolle, dass es eine Freude ist und Mindy Kaling, die auch für das Drehbuch verantwortlich ist, zeigt, dass sie nicht nur in einer Männerwelt ihre Frau stehen kann. Ob da nun eigene Erfahrungen eingeflossen sind, arbeitet sie doch selbst im TV-Bereich, nun, da darf man wahrscheinlich von ausgehen und so werden viele der schönen Spitzen gegen Weiße in Führungs- und anderen Positionen sowie deren Umgang mit „dem Rest“ durchaus aus der Wirklichkeit abgepaust sein.

Frauenpower

Wer also Probleme damit hat, dass Frauen starke Rollen spielen, wichtig sind, und vielleicht sogar noch andersfarbig (bei jemand aus Indien den Begriff „Minderheit“ zu benutzen erscheint mir irgendwie nicht ganz treffend), der dürfte an diesem Film wohl wenig Freude finden. Wer aber gute Dialoge mag, der schon eher. Ein bisschen schade ist es, dass sich das Ganze am Ende nicht wie in der Wirklichkeit entwickelt, sondern so, wie es das in einem Hollywoddfilm tun würde, aber vielleicht ist das dann ja auch ein wenig der Traum der Autorin, die ihn hier auf der Leinwand wahr werden lässt und der Welt ein Beispiel dafür gibt, wie sie besser sein könnte.

Mit

Emma Thompson, Mindy Kaling, John Lithgow, Reid Scott, Hugh Dancy, Denis O’Hare

Regie: Nisha Ganatra

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Faz Night

Witzig, mit einigen satirischen Spitzen und einer hervorragenden Emma Thompson. Ab 29. August 2019 im Kino.

Kino: PLAYMOBIL: DER FILM

Früher gegangen!!!

Es fängt als Realfilm an, mit Anna Taylor Joy, die die Zielgruppe Kinder sicher ins Kino zieht, weil die sie ja aus Horrorfilmen wie „The VVITCH“, „Split“ und „Glass“ kennt. Dann gibt es Lieder, die ziemlich furchtbar sind und irgendwann, wenn sie dann auf idiotische Weise in der Playmowelt gelandet sind, wird es irgendwie unterträglich…

Spielzeug

Playmobil und Lego waren die Spielzeuge meiner Kindheit. Beides war damals tolles Spielzeug. Mit Lego konnte man sich Welten bauen und mit Playmobil konnte man alles spielen, was man wollte – und das mit allen Figuren. Denn – und das haben beide Spielzeuge heute nicht mehr – alles war miteinander verwendbar. Aus dem Indianer konnte ein Ritter, Bauarbeiter, Feuerwehrmann oder Polizist werden, einfach andere Kappe auf, Sache auf die Brust pinnen, fertig. Beide Systeme haben sich verändert. Lego scheint gefühlt nur noch Lizenzprodukte herzustellen und wenn man „Star Wars“-Fan ist baut man natürlich den Rasenden Falken aus dem Bausatz und nichts anderes. Alles scheint nur noch aus Spezialsteinen zu bestehen, die nur noch einen einzigen Zweck haben, während man früher aus allem, was man hatte gebaut hat, was man wollte. Bei Playmobil ist das leider recht ähnlich. Inzwischen weisen die Figuren zwar mehr Details auf, was sicher nett ist, aber das stempelt sie zu dem ab, was sie sind, zu Polizisten, Feuerwehrmännern, Bauarbeitern, Rittern oder Indianern. Die Vielfältigkeit ist damit vorbei… und das ist extrem schade.

Wenn man nun einen Animationsfilm mit dem Titel „Playmobil“ macht, dann sollte man sich in ein paar Punkten an Lego orientieren. Denn bei denen ist die Welt reines Lego, selbst Rauch und Wasser. Wenn man hier „echtes“ Gras zwischen den Spielfiguren sieht, ist das schon eine Spur daneben. Dann sollten sich die Figuren auch bewegen, wie Playmobils, was bedeutet, dass ihr Spiel ein wenig eingeschränkt ist, weil das mit den echten Figuren eben auch so ist. Und auch ihre Kleidung sollte komplett aus Playmoplastik sein, wenn man da schön animiertes Fell und Nähte an den Sandalen hat, dann sind wir schon auf dem Holzweg. Außerdem hätte man auch Figuren im alten Design auftauchen lassen können (möglich, dass das später noch kommt), so, wie den Astronauten mit dem kaputten Helm beim „Lego Movie“, um damit ein bisschen Entwicklung und Evolution der Spuelfiguren zu zeigen. Und dass man Abenteuer in der Welt von Playmobil erleben kann, ist klar, das hätte man aber auch besser und mit einer in sich stimmigen Welt gestalten können, in der nicht Leute mit Autos in der Westernwelt landen!

Die deutsche Fassung bietet dann noch den Bodensatz aus dem Promischausprecherbereich:

Matthias Schweighöfer, Christian Ulmen, Michael Patrick Kelly, Ralf Schmitz, Beatrice Egli, Felix Neureither, Oliver Kalkofe, Wilson Gonzalez Ochsenknecht und Regina Halmich. Wohl bekomms!

Regie: Lino DiSalvo

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Kein Fazit

Wäre nicht angemessen, da ich ja früher gegangen bin, aber ein Hinweis darauf, dass wir es gemacht haben, bevor es andere gemacht haben: MACBETH GOES PLAYMOBIL! Den enttäuschen Film gibt’s ab 29. August 2019 im Kino.

Kino: MEIN LOTTA-LEBEN – Alles Bingo mit Flamingo!

11jährige und ihre Freundin werden von der Megatussi der Klasse nicht zu deren Geburtstag eingeladen, aber obwohl sie die eigentlich verachten, tun sie alles, um doch noch zur Party gehen zu dürfen…

Kinder-Film

Da ist schon viel schönes, wie es so schön heißt. Die Botschaft am Ende ist nett, die Chemie zwischen den beiden Hauptfreundinnen funktioniert ziemlich gut und unterlegt ist das Ganze mit viel Phantasie und schönen Einfällen, die teils schon eines Animations würdig wären. Kinder sollten da also eine Menge Spaß dran haben und für Erwachsene ist es auch nicht so furchtbar wie manch anderer Kinderfilm.

A-Ber

Da Filmkritik aber kein Kindergeburtstag ist, der auf einem Ponyhof stattfindet wie das Leben, ein paar kleinere Anmerkungen. Irgendwie fühlt sich manches ein wenig unstimmig an. Einige Anspielungen scheinen direkt und ohne Zwischenstopp aus den 80ern gekommen zu sein, was merkwürdig und ein wenig neben der Spur wirkt. Es ist zu bezweifeln, dass irgendein Kind sich ausrechnen kann, warum die Schildkröte Heesters heißt. Lottas Freundin benutzt so mega die Jugendsprache, dass es voll auf den Sack geht… und die Szene, wenn sie auf dem Klo sagt, dass sie kacken muss, ja, das wird ein Lacher bei den Kids, aber gut riecht anders. Das Hauptproblem, wenn man den Film als solchen betrachtet, ist, dass Team Lotta die vier Hochnäsigen Mädels direkt und ohne Provokation beleidigt und auf sie herabsieht, ohne provoziert worden zu sein, Sie tun genau das, von dem sie später sagen, dass sie es scheiße finden. Und das ist vom Film scheiße erzählt, da es sie zu den Bösen macht, die andere angreifen und sich dann wundern, warum die sie nicht zum Geburtstag einladen. Das hätte man fraglos besser lösen können… wird aber in unserer heutigen Welt wahrscheinlich eh keinem Aas auffallen.

Mi-T

Meggy Hussong, Yola Streese, Laura Tonke, Oliver Mommsen, Carolin Kebekus, Milan Peschel, Lukas Rieger, Caro Cult

Regie: Neele Leana Vollmar

Fa-Zitt

Netter Kinderfilm mit dem Herz am rechten Fleck, aber nicht ganz so rund, wie man es sich wünschen würde. Ab 29. August 2019 im Kino.

Heimkino: Die Regenschirme von Cherbourg & Die Mädchen von Rochefort

Ein schmuckes Jacques Demy Doppelfeature, was fürs Ohr, was fürs Auge… und was fürs Herz!

Die Regenschirme von Cherbourg

Eine junge Frau, die einen jungen Mann liebt. Aber der muss in den Krieg. Die Zukunft ist ungewiss. Doch er lässt ihr etwas zurück. Und dann gibt es noch jemand anderen, der interessiert ist…

Ein bisschen anders

Es ist ein Musical, aber nicht die herkömmliche Art. Was nicht an der farbig schön abgestimmten Ausstattung und den Kostümen liegt, die sind eine besondere Beigabe. Nein, etwas anderes ist anders an diesem Film und ich frage mich seit langem, ob es dafür einen Fachbegriff gibt. In Musicals gibt es meist Dialogszenen, die die Leere zwischen den Liedern überbrücken. Gesprochen, nicht gesungen. Das haben wir hier nicht. Hier ist alles Dialog und es wird alles gesungen. Keine Sprechpausen, immer Musik, immer Gesang. Das macht den Film sehr ungewöhnlich… und auch ein bisschen anstrengend, denn es erklärt, warum es keine deutsche Fassung gibt. Wer also des Französischen mächtig ist, der kann hier eintauchen in die Musik und sich umschmeicheln lassen von den gesungenen Dialogen, wer da auf Untertitel angewiesen ist, muss sich ein wenig mehr anstrengen. Aber das lohnt sich, denn man bekommt eine bittersüße Liebesgeschichte geboten, in der sich ein Lied an das andere reiht, die Musik niemals aufhört und einen die Traurigkeit wie die Schönheit zu Tränen rührt.

OT: Les parapluies de Cherbourg (1962)

Catherine Deneuve, Nino Castelnuovo, Anne Vernon, Marc Michel

Musik: Michel Legrand

Regie: Jacques Demy

Die Mädchen von Rochefort

Zwei Schwestern. Ihre Mutter. Zwei Schausteller. Ein Maler. Der Besitzer eines Musikgeschäfts. Ein amerikanischer Komponist. Und jede Menge Tanz, Gesang und gute Laune…

Beschwingt

Auch hier spielt und singt Catherine Deneuve, die im selben Jahr auch zur „Belle de Jour“ werden sollte, die Hauptrolle und wieder ist sie Hingucker wie Hinhörer. Farblich steht der Film den „Regenschirmen“ in nichts nach, aber es gibt mehr Tanz und es wird nicht durchgehend gesungen. Dafür jongliert er sehr schön mit seinen Figuren und deren Geschichten, die in den beschwingten Liedern voll aufgehen.

Zwei Amerikaner in Rochefort

Für diesen Film holte sich Demy eine unangefochtene Größe und Legende des amerikanischen Tanz- und Musikfilms: Gene Kelly (siehe auch Besprechung zu „Xanadu“). Doch er ist nich der einzige mit Musicalerfahrung, ebenfalls mit von der Partie ist George Chakiris, der ein paar Jahre vorher in der „West Side Story“ mitgespielt hatte.

OT: Les demoiselles de Rochefort (1967)

Catherine Deneuve, George Chakiris, Françoise Dorléac, Jacques Perrin, Danielle Darrieux, Michel Piccoli, Gene Kelly

Musik: Michel Legrand

Regie: Jacques Demy

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung mit Untertiteln]

Die Regenschirme von Fazit

Wer Musicals mag, kommt an diesen beiden französischen nicht vorbei. Bunt, beschwingt, besonders. Ab 22.8.2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: Skybound

Eine Gruppe junger Leute fliegt mit dem hauseigenen Düsenjet von New York gen Kalifornien, doch während des Fluges scheint sich etwas zu ereignen, das die Instrumente stört, und dann ist da auch noch ein blinder Passagier an Bord, der, ironischerweise, eine Art Einäugiger unter den Blinden zu sein scheint…

Beverly Hills 90210 innnn SPAAAAAACE

Das stimmt natürlich so nicht, zumal ich nichtmal die Kompetenz habe, das zu behaupten, weil ich nie eine Folge der Serie gesehen habe. Wie dem auch sei, womit man sich erstmal konfrontiert sieht, sind eine Menge junger Typinnen und Typen, bei denen Schauspielerei eher ein Hobby sein könnte, aber nicht unbedingt der ausgeübte Beruf. Ähnliches gilt für diejenigen welchen, die die Dialoge verbrochen haben. Das ist auf der Haben-Seite schonmal eher betrüblich.

Irrlicht am Horizont

Zwischen all dem scheint dann aber hier und da eine Geschichte durch, die durchaus spannend und interessant sein könnte, wäre sie denn von und mit anderen Leuten gemacht worden. Das Mysterium, was denn passiert ist, die lauernde Gefahr, die Ungewissheit, all das hat mehr Reize als die angetretenen Darstellerinnenaspirantinnen. So haben wir ein bisschen Spannung durch das Spiel mit der Ungewissheit, doch das kippt dann leider ins Idiotische, wenn wie a) die Auflösung für all das, was passiert ist, erfahren und b) den Lösungsweg der Schauspielanwärter sehen. Bis zu einem gewissen Punkt hätte man noch sagen können, mit besserem Buch und besseren Darstellern wär da was drin gewesen, auch die eine Idee, dass vielleicht nicht alles sein könnte, wie es erscheint, doch am Ende stürzt der Film so ab, wie es das Flugzeug auch hätte tun sollen.

Mit

Scarlett Byrne, Rick Cosnett

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazbound

Nichtmal ein Flug zweiter Klasse, leider. Also lieber umbuchen, denn traurigerweise hat man die Möglichkeit, das Ganze wie eine „Twilight Zone“-Episode mit irgendeiner hübschen oder eher bösen Überraschung zu beenden und ihm damit ein wenig der fehlenden Klasse zurückzugeben, vertan und macht den Flug zu einem, dem man besser komplett verpennt hätte, denn die Turbolenzen halten einen eher vom Flugvergnügen als vom Schlafen ab. Ab 23.8.2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: DRAGGED ACROSS CONCRETE

© Universum Fim GmbH

Zwei Polizisten, die wegen exzessiver Gewalt suspendiert werden, entwickeln eine andere Idee, um über die Runden zu kommen…

Kein Kindergeburstag

Nach „Bone Tomahawk“ und „Brawl in Cell Block 99“ die dritte Arbeit von Autor und Regisseur S. Craig Zahler, und alle seine Filme haben etwas miteinander gemein. Sie sind ein wenig lang, sie lassen sich Zeit, aber ab einem gewissen Punkt geht es so hart zur Sache, dass man die Kinder ins Bett schicken muss, denn die sollten sowas defintiv nicht zu sehen bekommen. Der Vorteil ist, dass die Filme dabei, auch wenn das mancher anders sieht, durchgehend unterhaltsam sind. Und schweinemäßig brutal. Das ist auch hier der Fall und es ist, einmal mehr, kein Film für seichte Gemüter, kein Wohlfühlthriller, kein Gute-Laune-Massaker, sondern hartes und teils richtig fieses Kino. Während ein Herr Tarantino immer von dem Spaß der Leinwandgewalt schwätzt, tut die Gewalt, die man hier sieht, weh. Und das soll sie auch.

Wiederholungstäter

Unter anderem wieder mit dabei ist Vince Vaughn, der in letzter Zeit immer wieder zeigt, dass er ein richtig guter Schauspieler ist, angefangen unter der Regie von Mel Gibson, der hier mit ihm vor der Kamera steht. Zu dem gibt es in der Szene mit Don Johnson auch eine kleine Andeutung auf sein wirkliches Leben bzw. den Niedergang seiner Karriere. Irgendwie scheint Zahler auch ein Herz für deutsche Schauspieler zu haben, denn neben Udo Kier, der auch schon in „Brawl“ mitspielte, gibt sich nun Thomas Kretschmann die Ehre.

Leider

gibt sich jemand anders nicht die Ehre: Elmar Wepper, seit „Mad Max“, also dem Beginn seiner Karriere, immer wieder als deutsche Stimme von Mel Gibson besetzt, scheint etwas kürzer treten zu wollen, wie in letzter Zeit auch einige anderer seiner Kollegen. Scheinbar ist er nur noch für Kinosynchronisationen zu haben, was ausgesprochen schade ist, denn er ist auf Gibson stets ein wahrer Genuss und eigentlich unersetzlich. Hier hört man nun Jürgen Heinrich, der dem deutschen Zuschauer durch „Wolfs Revier“ und dem deutschen Zuhörer u.a. für Fred Dryer als „Hunter“ bekannt sein dürfte, ebenso wie für seine vielen Einsätze für Tchéky Karyo.

Bonus

Eine Featurette, in der eine Lanze dafür gebrochen wird, Filme zu machen, die gut sind, und nicht welche, die sich dem allgemeinen Publikum anbiedern… vereinfacht ausgedrückt.

Mit

Mel Gibson (Jürgen Heinrich), Vince Vaughn (Stefan Fredrich), Tory Kittles (Jan-David Rönfeldt), Michael Jai White (Ingo Albrecht), Jennifer Carpenter (Ilona Otto), Laurie Holden (Melanie Pukaß), Justine Warrington (Katja Schmitz), Fred Melamed (Hans-Eckart Eckhardt), Udo Kier (dto.), Thomas Kretschmann (dto.), Don Johnson (Reent Reins)

Regie: S. Craig Zahler

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Dragged Across Fazit

Hart, brutal, kompromisslos, gut. Ab 23. August 2019 auf DVD und Blu-ray.