Heimkino: Die Regenschirme von Cherbourg & Die Mädchen von Rochefort

Ein schmuckes Jacques Demy Doppelfeature, was fürs Ohr, was fürs Auge… und was fürs Herz!

Die Regenschirme von Cherbourg

Eine junge Frau, die einen jungen Mann liebt. Aber der muss in den Krieg. Die Zukunft ist ungewiss. Doch er lässt ihr etwas zurück. Und dann gibt es noch jemand anderen, der interessiert ist…

Ein bisschen anders

Es ist ein Musical, aber nicht die herkömmliche Art. Was nicht an der farbig schön abgestimmten Ausstattung und den Kostümen liegt, die sind eine besondere Beigabe. Nein, etwas anderes ist anders an diesem Film und ich frage mich seit langem, ob es dafür einen Fachbegriff gibt. In Musicals gibt es meist Dialogszenen, die die Leere zwischen den Liedern überbrücken. Gesprochen, nicht gesungen. Das haben wir hier nicht. Hier ist alles Dialog und es wird alles gesungen. Keine Sprechpausen, immer Musik, immer Gesang. Das macht den Film sehr ungewöhnlich… und auch ein bisschen anstrengend, denn es erklärt, warum es keine deutsche Fassung gibt. Wer also des Französischen mächtig ist, der kann hier eintauchen in die Musik und sich umschmeicheln lassen von den gesungenen Dialogen, wer da auf Untertitel angewiesen ist, muss sich ein wenig mehr anstrengen. Aber das lohnt sich, denn man bekommt eine bittersüße Liebesgeschichte geboten, in der sich ein Lied an das andere reiht, die Musik niemals aufhört und einen die Traurigkeit wie die Schönheit zu Tränen rührt.

OT: Les parapluies de Cherbourg (1962)

Catherine Deneuve, Nino Castelnuovo, Anne Vernon, Marc Michel

Musik: Michel Legrand

Regie: Jacques Demy

Die Mädchen von Rochefort

Zwei Schwestern. Ihre Mutter. Zwei Schausteller. Ein Maler. Der Besitzer eines Musikgeschäfts. Ein amerikanischer Komponist. Und jede Menge Tanz, Gesang und gute Laune…

Beschwingt

Auch hier spielt und singt Catherine Deneuve, die im selben Jahr auch zur „Belle de Jour“ werden sollte, die Hauptrolle und wieder ist sie Hingucker wie Hinhörer. Farblich steht der Film den „Regenschirmen“ in nichts nach, aber es gibt mehr Tanz und es wird nicht durchgehend gesungen. Dafür jongliert er sehr schön mit seinen Figuren und deren Geschichten, die in den beschwingten Liedern voll aufgehen.

Zwei Amerikaner in Rochefort

Für diesen Film holte sich Demy eine unangefochtene Größe und Legende des amerikanischen Tanz- und Musikfilms: Gene Kelly (siehe auch Besprechung zu „Xanadu“). Doch er ist nich der einzige mit Musicalerfahrung, ebenfalls mit von der Partie ist George Chakiris, der ein paar Jahre vorher in der „West Side Story“ mitgespielt hatte.

OT: Les demoiselles de Rochefort (1967)

Catherine Deneuve, George Chakiris, Françoise Dorléac, Jacques Perrin, Danielle Darrieux, Michel Piccoli, Gene Kelly

Musik: Michel Legrand

Regie: Jacques Demy

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung mit Untertiteln]

Die Regenschirme von Fazit

Wer Musicals mag, kommt an diesen beiden französischen nicht vorbei. Bunt, beschwingt, besonders. Ab 22.8.2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: Skybound

Eine Gruppe junger Leute fliegt mit dem hauseigenen Düsenjet von New York gen Kalifornien, doch während des Fluges scheint sich etwas zu ereignen, das die Instrumente stört, und dann ist da auch noch ein blinder Passagier an Bord, der, ironischerweise, eine Art Einäugiger unter den Blinden zu sein scheint…

Beverly Hills 90210 innnn SPAAAAAACE

Das stimmt natürlich so nicht, zumal ich nichtmal die Kompetenz habe, das zu behaupten, weil ich nie eine Folge der Serie gesehen habe. Wie dem auch sei, womit man sich erstmal konfrontiert sieht, sind eine Menge junger Typinnen und Typen, bei denen Schauspielerei eher ein Hobby sein könnte, aber nicht unbedingt der ausgeübte Beruf. Ähnliches gilt für diejenigen welchen, die die Dialoge verbrochen haben. Das ist auf der Haben-Seite schonmal eher betrüblich.

Irrlicht am Horizont

Zwischen all dem scheint dann aber hier und da eine Geschichte durch, die durchaus spannend und interessant sein könnte, wäre sie denn von und mit anderen Leuten gemacht worden. Das Mysterium, was denn passiert ist, die lauernde Gefahr, die Ungewissheit, all das hat mehr Reize als die angetretenen Darstellerinnenaspirantinnen. So haben wir ein bisschen Spannung durch das Spiel mit der Ungewissheit, doch das kippt dann leider ins Idiotische, wenn wie a) die Auflösung für all das, was passiert ist, erfahren und b) den Lösungsweg der Schauspielanwärter sehen. Bis zu einem gewissen Punkt hätte man noch sagen können, mit besserem Buch und besseren Darstellern wär da was drin gewesen, auch die eine Idee, dass vielleicht nicht alles sein könnte, wie es erscheint, doch am Ende stürzt der Film so ab, wie es das Flugzeug auch hätte tun sollen.

Mit

Scarlett Byrne, Rick Cosnett

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazbound

Nichtmal ein Flug zweiter Klasse, leider. Also lieber umbuchen, denn traurigerweise hat man die Möglichkeit, das Ganze wie eine „Twilight Zone“-Episode mit irgendeiner hübschen oder eher bösen Überraschung zu beenden und ihm damit ein wenig der fehlenden Klasse zurückzugeben, vertan und macht den Flug zu einem, dem man besser komplett verpennt hätte, denn die Turbolenzen halten einen eher vom Flugvergnügen als vom Schlafen ab. Ab 23.8.2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: DRAGGED ACROSS CONCRETE

© Universum Fim GmbH

Zwei Polizisten, die wegen exzessiver Gewalt suspendiert werden, entwickeln eine andere Idee, um über die Runden zu kommen…

Kein Kindergeburstag

Nach „Bone Tomahawk“ und „Brawl in Cell Block 99“ die dritte Arbeit von Autor und Regisseur S. Craig Zahler, und alle seine Filme haben etwas miteinander gemein. Sie sind ein wenig lang, sie lassen sich Zeit, aber ab einem gewissen Punkt geht es so hart zur Sache, dass man die Kinder ins Bett schicken muss, denn die sollten sowas defintiv nicht zu sehen bekommen. Der Vorteil ist, dass die Filme dabei, auch wenn das mancher anders sieht, durchgehend unterhaltsam sind. Und schweinemäßig brutal. Das ist auch hier der Fall und es ist, einmal mehr, kein Film für seichte Gemüter, kein Wohlfühlthriller, kein Gute-Laune-Massaker, sondern hartes und teils richtig fieses Kino. Während ein Herr Tarantino immer von dem Spaß der Leinwandgewalt schwätzt, tut die Gewalt, die man hier sieht, weh. Und das soll sie auch.

Wiederholungstäter

Unter anderem wieder mit dabei ist Vince Vaughn, der in letzter Zeit immer wieder zeigt, dass er ein richtig guter Schauspieler ist, angefangen unter der Regie von Mel Gibson, der hier mit ihm vor der Kamera steht. Zu dem gibt es in der Szene mit Don Johnson auch eine kleine Andeutung auf sein wirkliches Leben bzw. den Niedergang seiner Karriere. Irgendwie scheint Zahler auch ein Herz für deutsche Schauspieler zu haben, denn neben Udo Kier, der auch schon in „Brawl“ mitspielte, gibt sich nun Thomas Kretschmann die Ehre.

Leider

gibt sich jemand anders nicht die Ehre: Elmar Wepper, seit „Mad Max“, also dem Beginn seiner Karriere, immer wieder als deutsche Stimme von Mel Gibson besetzt, scheint etwas kürzer treten zu wollen, wie in letzter Zeit auch einige anderer seiner Kollegen. Scheinbar ist er nur noch für Kinosynchronisationen zu haben, was ausgesprochen schade ist, denn er ist auf Gibson stets ein wahrer Genuss und eigentlich unersetzlich. Hier hört man nun Jürgen Heinrich, der dem deutschen Zuschauer durch „Wolfs Revier“ und dem deutschen Zuhörer u.a. für Fred Dryer als „Hunter“ bekannt sein dürfte, ebenso wie für seine vielen Einsätze für Tchéky Karyo.

Bonus

Eine Featurette, in der eine Lanze dafür gebrochen wird, Filme zu machen, die gut sind, und nicht welche, die sich dem allgemeinen Publikum anbiedern… vereinfacht ausgedrückt.

Mit

Mel Gibson (Jürgen Heinrich), Vince Vaughn (Stefan Fredrich), Tory Kittles (Jan-David Rönfeldt), Michael Jai White (Ingo Albrecht), Jennifer Carpenter (Ilona Otto), Laurie Holden (Melanie Pukaß), Justine Warrington (Katja Schmitz), Fred Melamed (Hans-Eckart Eckhardt), Udo Kier (dto.), Thomas Kretschmann (dto.), Don Johnson (Reent Reins)

Regie: S. Craig Zahler

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Dragged Across Fazit

Hart, brutal, kompromisslos, gut. Ab 23. August 2019 auf DVD und Blu-ray.

Kino: CRAWL

Florida. Hurricane. Hochwasser. Junge Frau sucht ihren Vater, doch als sie ihn im Keller ihres Hauses findet, ist er dort nicht allein – und der Überlebenskampf eröffnet eine neue Front…

Ali Gator

Der Film hält sich nicht lange mit viel Drumrumgelaber auf, zeigt ein bisschen was zur Hauptfigur und dann geht er auch schon in medias res, oder den Schlund des Aligators. Obwohl die Gefahren vielfältig sind, denn da ist auch noch das schlechte Wetter, das wie ein Damoklessturm über allem wütet. Das führt zu

Spannung mit Aussicht auf Atemlosigkeit

Denn zum Durchatmen kommt man, ebenso wie die Leute im Film, der eigentlich nur ein Zweipersonenstück plus zukünftige Krokodillederstiefel ist, als Zuschauer kaum. Und das gehört sich auch so. Also kommt man wenig zur Ruhe, während man das Geschehen auf der Leinwand verfolgt, das von Kaya Scodelario und Barry Pepper, dem wir seine Performance in „Battlefield Earth“ dann vielleicht doch nicht mehr nachtragen wollen, super getragen wird. Wer Probleme mit Wasser, dem Eingelossensein, ausweglosen Situationen, Krokodilen oder Aligatoren hat, für den könnte das alles zuviel sein – für alle anderen ist das ein aufregender Ritt, der nicht an Spannung geizt.

Mit

Kaya Scodelario, Barry Pepper, Ross Anderson, Anson Boon

Regie: Alexandre Aja

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit

Spannend und aufregend, mit wenig Gelegenheit zum Durchatmen oder Ausruhen. Ab 22.8.2019 im Kino.

Heimkino: BUY ME – KÄUFLICHE LIEBE

Junge Studentin aus Russland will eigentlich zu einer Modelgeschichte nach Paris, doch das Ganze stellt sich als Prostitutionsring heraus…

Frauenpower?

Die Richtungen, die man erwarten würde, schlägt der Film nicht ein. Da hätte eine starke Anklage von Prostitution, der Ausnutzung von jungen Frauen und deren Degradierung zu Lustobjekten stattfinden können, die man unter falschen Vorspiegelungen in einer anderen Weise missbraucht, als es jede Top-Model-Sendung tut, doch das passiert nicht. Stattdessen machen sich die Frauen selbstständig und nutzen nun ihrerseits Männer aus. Das könnte man als Selbstbestimmung von Frauen ansehen, irgendwie hat es aber eher einen Beigeschmack davon, dass Prostitution und die Vermarktung des eigenen Körpers dann vielleicht doch nicht soooo schlecht ist und Mädchen das vielleicht alles machen sollten…? Irgendwie schwierig. Da wäre ein härterer, schmerzhafterer, weniger weiblich-kameradschaftlicher Umgang mit dem Thema möglicherweise sinnvoller gewesen. Das Ganze entwickelt sich dann also mehr zu einer Mädelskameradschaft mit herkömmlichen und klischierten Liebesgeschichten mit allem, was da so dazugehört. Auf der Ziegeraden wird es zwar ein bisschen fies, aber nach dem Titel des Films ist das dann doch ein bisschen zu wenig zu spät. Auch die Struktur, die etwas in der Zeit umher springt, ist eher verwirrend als zielführend.

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Faz Me

Das mögliche Potential wird leider nicht ausgeschöpft, denn statt eine harte Abrechnung mit institutionalisierter Prostitution und dem Ausnutzen junger und eventuell etwas naiver Mädchen, die etwas anderes erwarten, schippert der Film in eher seichtere Gewässer, was ein bisschen schade ist. Ab 23. August 2019 auf DVD und Blu-ray.

Kino: ENDZEIT

Nach der Z-Apokalypse sind fast alle Menschen hinne, nur in den Städten Weimar und Jena hat man überlebt. Eine junge Frau macht sich auf den Weg von der einen in die andere Stadt…

Ein Zombie kommt selten allein

Und Zombiefilme gibt es inzwischen soviele wie Zombies selbst, so dass die eigentlich nur noch die einzige Zielgruppe sind, der man sowas empfehlen könnte, was dann leider auch für diesen hier zutrifft. Da mag es ein paar schöne Ansätze geben, aber die hat man dann auch schon anderswo und dorten besser gesehen, z.B. in dem sehr zu empfehlenden „The Girl with all the Gifts“. Dieser hier hat zwar auch einen rein femininen Cast, das macht aber bekanntlich noch keinen Sommer und eben auch keinen guten Film.

Motivation, Leute!

An der hapert es einmal mehr. Wir haben zwei Frauen, die sich durch die Wildnis Ostdeutschlands schlagen. Man hätte vorher so kleine Details einfügen können wie:

– Ich will nach Jena, weil es dort ein Heilmittel gibt.

– Ich fühle mich für den Tod meiner Schwester verantwortlich, aber wir hatten einen geheimen Ort, an dem wir uns immer getroffen haben und vielleicht ist sie ja nicht tot sondern dort.

Damit hätten beide eine Motivation gehabt, sich auf die Reise zu begeben und ein gewisser Teil des Ende hätte weit mehr Sinn ergeben, als er das so tut. Da all das aber fehlt und die ganze Welt nicht wirklich durchdacht erscheint…

Ja, die Idee mit zwei Städten, die überlebt haben, klingt auf dem Papier super, aber Städte haben von Natur aus wenig Zäune drumrum und wären genau die Orte, die in Sachen Zombies als erste fallen und als schlechteste zu verteidigen wären. Clevere Leute hätten dies in eine Altstadt mit Stadtmauer verlegt, in der man wie in früheren Zeiten gelebt hätte. Oder warum nicht das Ganze zu Zeiten der DDR spielen lassen und die damaligen Gegebenheiten sinnvoll und effektiv nutzen? Und, Leute, wenn man schonmal n Zaun um ne Stadt baut, um sich vor Z-Kranken (politisch korrekter Begriff!) zu schützen, dann lässt man vor dem Zaun weder Gestrüpp noch Bäume, sondern eine flache, am besten betonnierte Fläche, so dass man die Kerle schon von weitem kommen sieht. Wer das nicht tut, hat sein Schicksal redlich verdient.

Mit

Gro Swantje Kohlhof, Maja Lehrer, Trine Dyrholm

Regie: Carolina Hellsgård

Fazeit

Weder spannend noch wirklich neu. Bestenfalls für Zombies zu empfehlen? Ab 22. August 2019 im Kino.

Kino: Paranza – Der Clan der Kinder

Italien. Gangs von 15jährigen sind nicht zufrieden damit, wie die Dinge laufen und so versuchen sie, sie, unter der Benutzung von Waffen, zu verändern…

Kinder an die Macht?

Vielleicht doch lieber nicht, denn hier können wir sehen, dass es dadurch auch nicht immer besser wird. Und was könnte schon schief gehen, wenn man Waffen ins Spiel bringt?

Der Film wirkt sehr authentisch, was traurig ist, weil es kein gutes Licht auf unsere Welt wirft, aber prinzipiell kann man sich schon denken, was passieren wird. Das ist allerdings nicht so drastisch präsentiert, wie es durchaus möglich gewesen wäre, was ein bisschen den Abschreckungsfaktor vermissen lässt. Schade ist ein bisschen, dass man in Bezug auf die Figuren an der Oberfläche bleibt und auch manche Mechaniken innerhalb des Viertels, das die Jugendlichen beherrschen wollen, nicht wirklich herausarbeitet. Unterm Strich heißt das, dass man weder weiß, was die Hauptfigur denkt, noch, woher der auch nach gewissen Schachzügen noch immer fließende Geldstrom eigentlich her kommt.

Mit

Francesco Di Napoli, Ar Tem, Viviana Aprea

Regie: Claudio Giovannesi

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Der Clan der Fazits

Interessant, niemals langweilig, aber auch nicht wirklich neu und in manchen Aspekten leider nicht genug in die Tiefe gehend. Ab 22.8.2019 im Kino.