Heimkino: Angel Heart / Digital Remastered

Detektiv aus Brooklyn wird von reichem Mann beauftragt, jemanden zu suchen, mit dem der noch eine Rechnung offen hat. Der Fall ist verzwickt, die Spur verwinkelt und ihm werden nicht Steine in den Weg gelegt, sondern Leichen…

Kultig

Um nicht zu sagen

Okkultig

Irgendwie hatte „Angel Heart“ immer etwas besonderes. Zum Beispiel ist er möglicherweise der erste Film, bei dem, neben dem Roman, auf dem er basierte, auch das Dialogbuch der deutschen Synchronfassung als Taschenbuch veröffentlicht wurde… wahrscheinlich ist er sogar der einzige, bei dem das überhaupt jemals geschah. Er hatte wunderbare Stellen, die man gerne zitierte, wie

Mephistopheles klingt so übertrieben in Manhattan“

was einfach toll war. Das Wortspiel mit dem Namen, das dieser Textstelle vorausging, war clever. Dann war da ein großartig aufgelegter Robert de Niro, der damals noch „hungrig“ war, also Lust hatte, zu spielen, das Gegenteil von heute; ein Genuss, wie er das Pellen eines Eis zelebrtiert. Und natürlich Joachim Kerzel (Christian Brückner weilte zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich in den USA und wurde nicht extra für Synchros eingeflogen), der sich die deutschen Texte genüsslich auf der Zunge zergehen ließ, schlicht genial. Dass man Lisa Bonet, die Tochter aus „Bill Cosbys Gefängnisbande“, äh, „Familienbande“ mal von einer anderen Seite zu sehen bekam, hat auch nicht geschadet. Das sind die Dinge, die einen damals beeindruckten. Heute, mit etwas mehr Erfahrung im Umgang mit Filmen… bleibt all das fraglos bestehen. Aber es kommt noch etwas dazu:

Zwischen den Zeilen

Jedes Mal, wenn ich heute nach einem Film jemanden sagen höre, „diese eine Sache in dem Film eben war eine Metapher für“ kriege ich das kalte Kotzen. Man kann keinen Film machen, und alles ist eine geradeheraus erzählte Geschichte, aber Stelle X ist dann plötzlich eine Metapher, juppdidu? Nein, Leute, so geht das nicht. Wer etwas über

Metaphern, Symbolik und Bilder

wissen möchte und wie man sie

organisch in die Handlung integriert

der findet in „Angel Heart“ ein hervorragendes Beispiel dafür. Da gibt es das Element des Ventilators, das des Aufzugs, beide mit einer Bedeutung für Handlung und Figur behaftet, beides organisch und im Film immer wieder auftauchend verwendet. So macht man das und nicht „hier is meine Metapher, hab ich die nicht toll ausgedacht?“ Nein, haste nicht, schau dir diesen Film an und lern daraus, wie mans richtig macht. Dazu zählt auch, wie hier die Musik eingesetzt wird, das eine Stück, das auf Johnny Favorite, den verschwundenen Schnulzensänger verweist und das immer mal wieder auftaucht, subtil, aber durchgehend. Ein Film, der weiß, was er tut, von einem Regisseur, der weiß, was er tut – und das, wie man weiß, tut gut.

Bonus

Neben anderen Sachen ein Audiokommentar mit Regisseur Alan Parker, der ausgesprochen erhellend ist, aber leider auch einiges an geschwiegenen Leerlauf hat.

Angel Heart (1987)

Mickey Rourke (Joachim Tennstedt), Robert De Niro (Joachim Kerzel), Lisa Bonet (Ulrike Möckel), Charlotte Rampling (Viola Sauer), Stocker Fontelien (Alf Marholm), Elisabeth Whatcroft (Evelyn Maron), Michael Higgins (Peter Fitz), Brownie McGhee (Helmut Krauss), Dann Florek (Peter Matic), George Buck (Holger Kepich), Gerard L. Orange (F.G. Beckhaus), Eliott Keener (Gerd Duwner), Kathleen Wilhoite (Hansi Jochmann)

Regie: Alan Parker

Johnny Fazvorite

Spannend, clever, sexy. Gut gespielt – und ein perfektes Beispiel dafür, wie man Symbolik, Metaphern und Bilder organisch in die Handlung einbaut, so dass daraus ein großes Ganzes entsteht. Auf jeden Fall sehenswert! Ab 19. September 2019 auf DVD und Blu-ray.

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