Heimkino: TAL DER SKORPIONE

Leute mit Waffen und echt schlechter sozialer Ausrichtung (sprich: Mörder) finden sich in einem Wald wieder, wo sie sich und andere gegenseitig umbringen sollen und dürfen und all das im Zwecke von Wissenschaft und Geldverdienen und überhaupt…

Oh Mann, das tut echt weh!

Kein Zitat aus dem Film sondern eins über ihn. Schauspielerisch ist das alles schon höchst fragwürdig, EXTREM höfich formuliert, aber zu schlechtem Spiel kommt dann auch noch Overacting, personifiziert durch Thomas Kercmar, das einem die Schuhe auszieht, anzündet und dann wieder an die Füße tackert.

Die Überlebenden des Dschungelcamps

Von denen finden sich einige in diesem Machwerk, und alle anderen wären dort wohl auch besser aufgehoben. Schade, dass man sie dort wieder rauslässt. Aber auch alte Recken, die es besser können sollten oder mal konnten, oder, im Falle von Claude-Oliver Rudolph, auch nicht, edeln diesen Streifen nicht, sondern wecken bestenfalls Mitleid für sich (armer Martin Semmelrogge, womit hast du das verdient?), aber es gibt keine Nummer, die man anrufen und sie damit aus dem Film rauswählen könnte… aber die gibt es für den Betrachter auch nicht, was letztlich noch mehr schmerzt.

Wenn man unter den Dialogen mehr leidet als unter der Gewalt

Wäre ein schöner und treffender Titel, denn die Texte tun fast genauso weh wie das schlechte „Spiel“, wenn man diese Darbierungen denn mit diesem Begriff adeln wollte… und man will nicht. Anderseits ergibt beides so eine Einheit, eine Einheit des Grauens zwar, aber immerhin. Das Cover ernnert zwar an die Actionkracher der 80er, die Spieler aber eher an Leute, die mangels Talent aus der Laientheatergruppe fliegen und das Aussehen des Ganzen an etwas, das Kinder mit einer Super8-Kamera am Wochenende im nahegelegenen Wald gefilmt haben, nicht an einen Film im cineastischen Sinne.

Aber es gibt auch positives zu berichten

Meinem Magen geht es schon viel besser. Ach, über den Film? Nein, darüber nicht. Der ist mit 2h10min auch mehr als unknackig, was uns zu Micaela Schäfer bringt, die erstmals in ihrer Karriere unnackig ist – insofern haben wir hier also doch eine Art Premiere.

Bonus

Audiokommentar mit Regisseurs Patrick Roy Beckert und Werner von Overacting Thomas Kercmar, der offenbar auch an der Produktion beteiligt war, was wiederum erklären würde, warum man ihn nicht aus dem Film rausgeschnitten hat, aber anderseits, würde man alles rausschneiden, was hier furchtbar ist, bliebe ja nichts… was der ganzen Sache sehr gut täte.

Mit

Claude-Oliver Rudolph, Martin Semmelrogge, Mathieu Carriere, Ralf Richter

Regie: Patrick Roy Beckert

Faz der Skorpione

Yeahhhhhh, wohl lieber nicht! Ab 25. Oktober 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: WENN FLIEGEN TRÄUMEN

Zwei ungleiche Schwestern fahren gemeinsamen nach dem Tod des weitgehend entfremdeten Vaters gen Norwegen, wo es ein Häuslein zu erben und unterwegs das eine oder andere zu offenbaren gibt…

Psychoroadtrip

Denn Probleme haben wir alle und eine der beiden Schwestern besonders und die andere ist Psychologin, -therapeutin oder sonstwas in dieser Preisklasse, so dass wir nicht nur über alles reden können, sondern in dem Fall auch müssen. Wie gesagt, man weiß, wie solche Filme enden, mit viel Selbsterkenntnis und all dem, wobei es hier besonders um ein Thema geht:

Einsamkeit

Und natürlich den Umgang damit. Beim Betrachten dieses Regiedebuts von Katharina Wackernagel stellt sich die Frage, wie bewusst manche Entscheidungen in der Umsetzung waren. Manche Szenen, besonders die der „Verfolger“, um sie mal so zu nennen, lesen sich wie Comedy und man könnte sich gut vorstellen, dass sie, wenn sie komödiantisch inszeniert und gespielt wären, besser funktionieren könnten. Doch das sind sie nicht und so wirken sie ein wenig befremdlich und schaffen, bewusst oder unbewusst, ein Gefühl der Entfremdung. Wären alle Szenen so und das Ziel wäre es, dem Zuschauer Entfremdung zu vermitteln, wäre das eine Sache, so aber fragt man sich eben, warum? Zudem es auch ein schönes Kontrastprogramm hätte sein können, lustiges auf der einen und ernstes auf der anderen Seite, Wechselbad der Gefühle, bis beide sich treffen, aaaaaber das fertige Produkt sieht anders aus und mangels brauchbaren Bonusmaterials werden wir wohl nun wie erfahren, wie genau die Intension nun gewesen sein mag.

Mit

Thelma Buabeng, Nina Weniger, Johannes Klaussner

Regie: Katharina Wackernagel

Wenn Fazits träumen

Selbsterkenntnis für Anfänger, in seiner Gestaltung teils aber irgendwie befremdlich… dennoch mit einer Art nettem Schlussgag? Ab 25. Oktober 2019 auf DVD.

Kino: TERMINATOR: DARK FATE

Eine Tötungsmaschine kommt aus der Zukunft, um einen Menschen umzubringen, doch sie ist nicht das Einzige, was aus der Zukunft kommt…

Der drittbeste der Reihe

Um mal direkt die Karten auf den Tisch zu legen. Zwar gibt es diverse Muster, die man aus anderen Terminators kennt, aber auch die haben das Rad nie neu erfunden, sondern haben lediglich ein leicht verändertes aus der Zukunft mitgebracht. Die hat sich auch mal wieder verändert, ebenso wie die Gegenwart, was auch ein bisschen ein Geben und Nehmen ist, so dass Sarah Connor, nicht die Sängerin, anders als in „Terminator 3“ nicht am Krebs dahingegangen, sondern quicklebendig unterwegs ist. Dass lediglich der erste einen in sich geschlossenen Zeitkreis hatte und danach Tür und Tor für ein Füllhorn an alternativen Zukunften geöffnet wurde, hab ich ja schon in meiner Kritik zu „Genysis“ ausführlich beschrieben. Insofern hat sich mal wieder was verändert, nix is so, wie es war, lediglich die Flut an ständig in die Vergangenheit geschickten Typen, Mensch oder Maschine, reißt trotz neuem Management einfach nicht ab. Das eröffnet hier ein paar Veränderungen, die einerseits mehr Sinn ergeben, andererseits aber auch wieder gar nicht… is ne 50:50-Geschichte. Eine weitere Neuerung ist, in gewisser Weise, dass es der neue Terminator schafft, vielschichtiger zu sein. Arnie war bedrohlich, Robert Patrick bedrohlich und creepy und die Terminatrix war… blond. Dieser nun ist nicht nur eine Bedrohung, die man spürt – was den Film an manchen Stellen ziemlich brutal macht – er ist nebenbei auch charmant, höflich und witzig. Ein echtes Upgrade!

Die alten Reckinnen

Nach einer coolen und ein wenig überraschenden Eröffnung, dauert es ein bisschen, bis Linda Hamilton auf den Plan tritt – und die hat nicht nur tolle Texte, sondern ist auch sonst ziemlich klasse. Das, was in „Terminator 2“ (vor ihrem überraschenden Krebstot in 3) entwickelt wird, kommt hier voll zum Zuge und sie zelebriert es mit Genuss: die harte Kämpferin, die sich von niemandem in die Suppe spucken lässt. Wenn dann, ein wenig zu spät fast, auch endlich Arnold ins Spiel kommt, erreicht der Film echte Höhepunkte. Arnie ist in Bestform, nicht unbedingt körperlich, aber auf jeden Fall schauspielerisch. Er hat nicht nur super Texte, er serviert sie auch perfekt, eine wahre Freude, denn was bei diesem Film neben der Action ebenfalls nicht zu kurz kommt, ist der Humor – und das macht ne Menge aus.

Der Dannenator

Dies ist der erste „Terminator“-Spielfilm, in dem man Thomas Danneberg nicht hören wird. Er sprach Arnold Schwarzenegger schon im ersten Film der Reihe und man hört ihn sogar im weitgehend Arnoldlosen „Die Erlösung“. Doch leider hat er sich nun, wie bereits erwähnt, aus dem Synchronbereich zurückgezogen, was gerade in diesem Fall sehr schade ist, da man hier Arnold in Bestform sehen kann und man kann nur spekulieren, wie wunderbar Danneberg das übertragen hätte. Schade, denn „ich komme wieder“ scheint bei ihm nun nicht mehr zuzutreffen.

Mit

Linda Hamilton, Arnold Schwarzenegger, Mackenzie Davis, Natalia Reyes, Gabriel Luna, Diego Boneta

Regie: Tim Miller

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazinator

Frauen an die Macht – ein Dreigestirn von Damen trägt Film und Action locker, und doch ist es ein Höhepunkt, Arnold Schwarzenegger, vielleicht sogar zum letzten Mal (?), in einer seiner Glanzrollen zu sehen. Ab 24. Oktober 2019 im Kino.

Heimkino: Nur Vampire küssen blutig / Digital Remastered

Eine alte Familie gibt sich den Eindruck, ausgestorben zu sein, doch in Wirklichkeit, so wissen die Dorfbewohner zu berichten, sind sie eine Brut von Vampiren, die es auf Jungfrauen abgesehen haben…

Hammer geht in dien nächste Runde

Die Hammer Studios sind durch ihre Horrorfilme bekannt, allen voran die um den Pablo Escobar unter den Blutsaugern, Graf Dracula (Vorname unbekannt). Der allerdings hat diesmal frei und so gehen Studio wie Vampir andere Wege, was, wie man aus dem empfehlenswerten

Bonusmaterial

das aus einem Interview und zwei Dokus über Hammer und die Entstehung des Films besteht, erfahren kann, durchaus seine Gründe hat. Zum einen befand sich das Studio in einer finanziell schwierigen Situation – und zum anderen wurde der Film, zumindest in manchen Teilen der Welt, ein wenig offener für Dinge wie Nacktheit und Sex. Da könnten heimische Schulmädchen- und sonstige Reporte durchaus ihren Teil zu beigetragen haben, hier nun sehen wir ein Beispiel davon, wie sich die sexuelle Freizügigkeit auf den britischen Horrorfilm ausgewirkt hat. Der hat auch eine bärtige, grimmig dreinblickende Variante eines Christopher Lee, nicht er selbst, versteht sich, doch das blutige Saugen wird vornehmlich von holder Weiblichkeit vollführt, die ihre selbige auch oft zeigen darf. So wird die Freizügigkeit also freizügig zur Schau gestellt und dem Film eine andere Art von erotischer Komponente verliehen, als es ein eleganter Lee als blutäugiger Verführer getan hätte. Der Film bietet also Schauwerte, indem er das Genre des Horrorfilms mit dem der soften Erotik vereint, doch das, wie wir aus dem Zusatzmaterial erfahren, war wohl nur eine kurze Ehe.

OT: Lust for a Vampire (1971)

Michael Johnson (Klaus Kindler), Barbara Jefford (Elisabet Woska), Ralph Bates (Thomas Reiner), Michael Brennan (Holger Hagen), Mike Raven (Paul Klinger), Suzanna Leigh (Ingrid Capelle)

Regie: Jimmy Sangster

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Nur Fazits küssen blutig

Eine erotischere Herangehensweise an das Genre, eine Art Lady Vampire, bei der nicht nur die Zähne spitz sind… um es mal frivol zu formulieren. Ab 24. Oktober 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: Unter tödlicher Sonne

Ein schwarzer Deserteur trifft einen Indianer. Gemeinsam ziehen sie weiter, doch da ist noch ein Kopfgeldjäger, der nichts Gutes im Schilde führt…

Amerikanischer Italowestern

Die Landschaften sind karg, die Szenen ruhig und auch der starke Gebrauch von Geräuschen an manchen Stellen erinnert ein wenig an Arbeiten von Sergio Leone. Hinzu kommt die Gewalt, die ebenfalls eher dem Spaghettiwestern nahe zu stehen scheint, als dem amerikanischen, denn sie ist härter und blutiger. Zudem passiert nicht viel, außer, wenn gemetzelt wird. Das Thema Rassismus wird zwar angerissen, es wird das Wort „Nigger“ fast so oft benutzt wie in einem Tarantino-Film, aber richtig intensiv angegangen wird es nicht. Was schade ist, denn mit einem Schwarzen und einem Indianer als Hauptfiguren dürfte der Film relativ einsam auf weiter Flur stehen. Insofern ein Alleinstellungsmerkmal, das ihn von vielen anderen Western abhebt, auch, wenn er sein Thema nicht so sehr ausleuchtet, wie es möglich gewesen wäre.

Shaft im Wilden Westen

Die Hauptrolle wird gespielt von Richard Roundtree. Der war lange Zeit einer der größten wenn nicht gar der einzige schwarze Superheld: Shaft! Ein Detektiv, ein schwarzer Bond, ein cooler Typ. Dieser Film entstand im selben Jahr wie der dritte Shaft-Spielfilm, also zu einer Zeit, in der Roundtree ein absoluter Star gewesen sein dürfte. Nach Deutschland scheint er allerdings erst später gekommen zu sein. Wäre seine deutsche Bearbeitung in jenem Jahr nach Berlin gegangen, hätte man für ihn wahrscheinlich Michael Chevalier gehört, für den Indianer vermutlich Christian Brückner, der in frühen Jahren in Western oft in ähnlichen Rollen zu hören war, und für den Kopfgeldjäger möglicherweise Heinz Petruo, der auch Lee van Cleef seine Stimme lieh, der aber am bekanntesten sein dürfte als deutscher Darth Vader in der alten „Star Wars“-Trilogie. Anhand der deutschen Besetzung, die der Film aber tatsächlich hat, würde ich darauf tippen, dass er es frühestens in den 80ern, vielleicht aber auch erst in den 90ern nach Deutschland geschafft hat.

OT: Charley-One-Eye (1973)

Richard Roundtree (Karl Schulz), Roy Thinnes (Ronald Nitschke), Nigel Davenport (Wolfgang Völz)

Regie: Don Chaffey

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Unter tödlichem Fazit

Schmutzig, hart, unschön. Ab 25. Oktober 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: LONG SHOT – UNWAHRSCHEINLICH, ABER NICHT UNMÖGLICH

Journalist trifft nach Jobbendigung zufällig jemanden wieder, die er von früher kannte – und die nun Außenministerin auf dem Weg zur Präsidentinnenschaft ist…

RomCom mit politischen Anflügen

Natürlich weiß man bei dem Etikett, wo die Reise hingeht… und dann ist da auch noch Seth Rogen. Wenn man den nicht mag, isses schon schwierig. Und tatsächlich hätte der Film an manchen Stellen ein wenig weniger rogenisch sein können. Davon ab ist er aber durchaus unterhaltsam und stellenweise recht witzig. Großartig ist Charlize Theron, die mit „einfach phantastisch“ fast noch zu zurückhaltend umschrieben ist. Ein Moment der Erkenntnis traf mich nach etwa einer Stunde, als ich erst verstanden habe, dass diese eine Figur da von Andy Serkins gespielt wird… Schlicht nicht wiederzuerkennen, also wo ist seine Oscarnominierung?

HDTGM

Diesmal kommen Freunde des Podcasts „How Did This Get Made“ richtig auf ihre Kosten, Paul Scheers Auftritt ist zwar eher eine Randnotiz, dafür ist die Rolle von June Diane Raphael nicht nur groß, sondern auch wichtig – und sie macht das richtig gut. Das einzige, was ein wenig schwierig ist, ist, dass die Kandidatin für das Jahr 2020 als Präsidentin antritt – und der aktuelle Präsident ist zwar eine witzige Figur und hervorragend dargestellt von Bob Odenkirk, aber es ist eben nicht Witzfigur Donny Trump… was den Film quasi in einer Paralleldimension ansiedelt. Dafür reißt er ein paar interessante politische und private Themen an, was ab und an richtig Spaß macht. Und da ist noch O’Shea Jackson Jr., der nicht nur eine charmante Leichtigkeit in die Sache, sondern auch sehr treffend ein paar Dinge auf den Pnnkt bringt.

Bonus

Ein umfangreiches Making-of sowie Interviews und Featuretten mit Einblicken in die Produktion.

Mit

Charlize Theron (Bianca Krahl), Seth Rogen (Tobias Kluckert), O’Shea Jackson Jr. (Jan-David Rönfeldt), Andy Serkis (Frank Röth), June Diane Raphael (Vera Teltz), Bob Odenkirk (Gerald Schaale), Paul Sheer (Jaron Löwenberg), Lisa Kudrow (Sabine Jaeger), Alexander Skarsgard (Sascha Rotermund)

Regie: Jonathan Levine

Faz Shot

Sehr unterhaltsam, überraschend witzig, aber vielleicht hier und da ein wenig zu sehr rogenisch, dafür aber mit einer herausragenden Charlize Theron. Ab 30. Oktober 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: Orca, der Killerwal / Digital Remastered

Nachdem ein Fischer die Gefährtin eines Mörderwals getötet hat, sinnt der Meeressäuger auf Rache und jagt den Mann…

Death Fish – Ein Wal sieht rot

Auch wenn man zuerst an den „weißen Hai“ denkt, so trift „Ein Mann sieht rot“ es irgendwie besser, allerdings mit dem Wal in der Rolle, die Rache nimmt, weil man seine Frau und sein ungeborenes Kind ermordet hat. Und anders als beim Hai hat der Wal ein Motiv… womit wir in den Bereich kommen, der… ein wenig fischig ist? Der Film postuliert zwar, dass Mörderhaie (im Film trotz des Titels meist so bezeichnet) verdammt clever sind, sich Gesichter merken können „und wenn sie jetzt auch noch lernen, wie man Türklinken benutzt“, wären sie sogar noch schlauer als die Raptoren im „JurassicPark“. Wenn das so stimmen würde, dann stünde es um die Kollegen Wale wohl nicht so schlecht, wie das in den heutigen Weltmeeren der Fall ist, da hätten japanische Walfänger und eskimoische Fischer schlechte Karten und die Fangzahlen würden sich in ganz anderen Dimensionen bewegen – was für die Wale fraglos die weit bessere Situation wäre. Doch da dem nicht so ist, muss man den Sprung ins kalte Wasser machen und akzeptieren, dass dieser Wal ein fotografisches Gedächtnis hat, rauskriegt, wo sein Erzfeind wohnt und sogar in der Lage ist, zu wissen wie Pipelines, Benzin und Feuer funktionieren. All das führt zu spannenden Szenen, und hätte der Wal einen Schnurrbart, er würde ihn sich bei jeder seiner Taten zwirbeln, doch statt dessen hüpft er stolz aus dem Wasser und zeigt allen, dass er es war. Denn, wie gesagt, anders als der Hai, der einfach nur mal Hunger hat und dann aus Selbstschutz gejagt wird, hat dieser Wal eine persönliche Rechnung mit dem Mann, der brutal seine Familie abgeschlachtet hat, der Wal ist hier, streng genommen, im Recht und so sollte man eigentlich auf seiner Seite sein.

Der Mann, der die Fische jagte

Es gibt noch einen weiteren Grund, sich an den „weißen Hai“ erinnert zu fühlen, zumindest, wenn man die deutsche Fassung schaut. Dort wird Robert Shaw als Fischer Quint von Michael Chevalier gesprochen, der hier nun für Richard Harris antritt, was aber keine Klischeebesetzung wegen des Films ist, sondern, weil er Harris auch vorher schon seine Stimme lieh. Zwar spricht er Gregory Peck nicht in dessen erster „Moby Dick“-Verfilmung, dafür aber in der zweiten, in der Patrick Stewart nun als Ahab den weißen Wal jagt und so ist Chevalier quasi im kompletten Tryptichon der „Mensch jagt Tier im Ozean“-Filme vertreten.

OT: Orca (1977)

Richard Harris (Michael Chevalier), Bo Derek (Marianne Lutz), Charlotte Rampling (Ursula Heyer), Robert Carradine (Claus Jurichs), Will Sampson (Klaus Sonnenschein)

Regie: Michael Anderson

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Orca, das Killerfazit

Man schwankt ein wenig zwischen albern und unglaubwürdig gegen spannend und brutal. Die Grundidee wirkt irgendwie albern, aber wenn im Finale das kleine Schiff dem großen Wal ins Eis der Arktis folgt, ist das schon eine tolle Sache. Sie können ab 24. Oktober 2019 auf DVD und Blu-ray an Bord gehen.