Kein Ende für dumme Filmklischees

– Denn uns kann man’s ja verkaufen!

Manchmal sogar die größte Scheiße… im wahrsten Sinne des Wortes!

No Klo Area

Leute in Filmen müssen eigentlich fast nie zur Toilette. Rühmliche Ausnahme ist da Paul Verhoeven, aber damit dürfte er wirklich in der Minderheit sein.

Ansonsten gibt es derlei Bedürfnisse in Filmen eher selten. Was ja einerseits ganz okay ist, denn wir müssen ja nicht alles über eine Person wissen, z.B. ob er den Deckel hinterher wieder runterklappt oder ob er sich nach getaner Arbeit die Hände wäscht. All das bekommen wir nicht mit – und wollen wir auch eigentlich gar nicht.

Anders ist es aber in folgenden Situationen: Eine Person ist…

…lange in einer Kiste eingesperrt

…ein blinder Passagier

…tagelang (zwecks Folter) an einen Stuhl gefesselt

All diese Personen verspüren dankbarerweise über die gesamte Zeit weder Harndrang noch Darmdrücken. Denn streng genommen müssten die entsprechenden Orte (Kiste, Rettungsboot, Boden unter dem Stuhl) verdammt zugesaut sei. Es sei denn, man befreit die betreffende Person zwischenzeitlich aus ihrer prekären Situation und lässt sie die Toilette benutzen, aber irgendwie glaube ich das nicht.

Klingende Münze

So, wie ein Schwert immer klingt, wenn man es durch die Luft bewegt, so ergehrt es auch der Münze. Wirft man sie in die Luft, erklingt ein klingender Laut. Streng genommen, also in dem, was wir gemeinhin als „Wirklichkeit“ oder „Realität“ bezeichnen, tut sie das nur, wenn sie auf einen festen Gegenstand trifft, Stein oder Metall, bei Holz dagegen dürfte das Klingen auch eher ausbleiben, ebenso wie bei feinem Tuch oder flüssigem Wasser. Für den Film klingt es uns aber in den Ohren, woher vielleicht der Begriff „klingende Münze“ kommt… wahrscheinlich aber nicht!

Wie geschnitten Brot

Kinder mögen es lieber, wenn man ihnen die Kruste vom Brot abschneidet. Das war bei mir damals auch so. So eine Kruste war ja hart und das wollte man nicht. In amerikanischen Filmen wird das bei Kindern auch immer noch gerne gemacht. Aber das amerikanische Brot ist ja nun in der Regel eigentlich eher weich und pappig. Genau genommen ist das also, als würde man die Kruste von ungetoastetem Toastbrot abschneiden… und wer würde so was machen?

Rassismus erlaubt

Nur im Film, versteht sich! Und nur eine ganz bestimmte Art. Gegen Ausländer. Nein, das sollte man klarer sagen: Gegen Nichtamerikaner. Das gibt es bestimmt in verschiedenen Versionen, da können Sie dann gerne mal selber suchen, wo Sie so was finden können. Schönes Beispiel (das gehört in Anführungsstriche) ist der Bruce Willis Film, der sich als 5. Film der „Stirb langsam“ Reihe ausgibt, diese Ehre aber nicht verdient. Hier ist Willis in Russland, genauso gut gerüstet dafür wie die meisten Amerikaner, nämlich ohne jede Sprachkenntnisse. Er beginnt damit, Autos zu klauen und zu demolieren und als sich ihm jemand in den Weg stellt, haut er ihm eins auf die Nase mit den Worten: „Als würd ich verstehen, was du sagst!“ Möchte fast wetten, dass da in Amerika im Kino gejohlt wurde. Aber ist das nicht, abgesehen davon dass es den beliebten Imperialismus Amerikas, der das Land in der ganzen Welt so beliebt gemacht hat, deutlich zur Schau stellt, auch einfach nur rassistisch? Dass man, obwohl man da nix zu suchen hat und sich gerade so verhält, dass man für ein paar Jahre nach Sibirien verfrachtet werden sollte, dem blöden Russen eins aufs Maul haut? Einfach so, weil man es kann? Ganz ehrlich, würde Willis in einer solchen Szene eine Nazi-Uniform tragen und der Geschlagene die Kleidung eines Rabbiners, der dann etwas auf Hebräisch sagt, ich möchte wetten, die Stelle würde ganz anders aufgenommen werden!

Hackedicht

Mal im Ernst, haben Sie schon mal das Passwort von irgendjemandem geknackt? Freund? Freundin? Ehemann, den man des Betrugs verdächtigt? Haben Sie sich bei einem Ihrer Bekannten in den „Account eingehackt“, sei es E-Mail, Facebook oder Porno? Und wenn, was sind Sie für eine misstrauische Person? Jungejunge! Jedenfalls schafft das im Fernsehen oder Film jeder Depp, der schon mal eine App runtergeladen hat, aber ich würde doch mal unterstellen, dass wir Menschen in der normalen Welt damit erhebliche Schwierigkeiten hätten!

Telefonicken

Im Film kein Problem, in der Wirklichkeit schon eher, zumindest solange, bis sich Bildtelefone wirklich durchsetzen: Nicken! Machen wir uns nichts vor, bei einem Gespräch, bei dem man den Gesprächspartner nicht sieht, bringt Nicken nicht wirklich etwas. Das stört die Produzenten von Filmen aber bislang nicht sonderlich, denn wann auch immer sich eine Gelegenheit bietet, sehen wir jemanden, der nickt – was definitiv nur für uns als Zuschauer gedacht ist, denn sein Gesprächspartner hat leider nichts davon.

Sektmaniacs

Das gibt es nur im Film… und dafür gibt es einen Grund! Es ist nämlich gar kein Sekt! Äh, noch mal zurück: Im Film kriegt man Sektflaschen problemlos auf. Ohne Knall und ohne lästiges Umherspritzen. Und warum? Naja, gut, das hab ich ja nu schon gesagt.

Count Doku

Man kann oft erkennen, wenn „Dokumentationen“ die Anführungsstriche verdienen, d.h. wenn sie keine wirklichen Dokumentationen sind. Ein besonderes Beispiel dafür, dass man immer wieder antrifft, ist das Eintreten von Personen. In Räume. Wäre es eine Dokumentation, quasi etwas ungeplantes, mit dem man jemanden, einen Interviewpartner zum Beispiel, überraschen würde, dann würde die Kamera mit den Leuten eintreten, um die es in der Doku geht. Oder sie würde diesen Leuten den Vortritt lassen. Was man aber immer wieder sieht:

  • Wir sind mit den Leuten auf dem Gang, Schnitt:
  • Die Kamera befindet sich im Raum und hält auf die Tür
  • Die Tür geht auf und unsere „Dokumentatoren“ kommen herein

Wenn dies eine wirkliche, nicht abgesprochene Dokumentation wäre, wie zur Hölle kommt die Kamera dann vor den Leuten ins Zimmer?

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von Martin Cordemann

Und noch ein paar dumme Filmklischees

– Denn die gehen einem nie aus!

Also ohne große Vorrede hinein ins Abenteuer…

Von der STASI geschnitten

Interessanterweise ist Filmmaterial in Filmen, das von Überwachungskameras kommt, immer schon geschnitten. Man sieht keine langen Einstellungen, nein, genau genommen sieht man manchmal exakt die Einstellungen, die man im Film selbst von der Szene schon vorher gesehen hat. Das nennt man dann Wiederverwertung, weil man dasselbe Material mehrmals benutzen kann. (Wenn Sie ein Beispiel dafür brauchen, schauen Sie sich „Demolition Man“ an – aber am besten nur, wenn Sie ein Beispiel dafür brauchen!) Aber selbst wenn das Material nur an dieser einen Stelle im Film auftaucht, dann ist es bereits von einem Cutter vorbearbeitet worden – der praktischerweise auch gleich ein paar Nahaufnahmen, alternative Einstellungen und Material von anderen Kameras eingebaut hat. Natürlich hat man, wenn man ihn braucht, auch immer Ton – obwohl es unwahrscheinlich ist, dass diese Kameras mit Ton aufzeichnen.

Scotty, zoom me up

Vielleicht ist das ja nur ein Phänomen, das bei „Star Trek“ auftaucht (obwohl ich das nicht glaube), aber dort gibt es nun mal mehr „Telefongespräche“ per Bildschirm als sonst irgendwo. Falls Sie ein solches Gespräch woanders sehen, achten Sie auf folgendes: Bei Trek beginnt das Gespräch mit einer relativen Totalen, in der man den Torso des Gesprächspartner sieht. Wenn es aber nötig ist, dass man sein Gesicht sehen soll (dramatischer Moment, Lächeln, Popeln), dann sieht man auf einmal eine Nahaufnahme – und später möglicherweise wieder die Totale. Da stellt sich doch die Frage: Wer zoomt da ran? Macht das der Gesprächspartner selbst, um zu zeigen: Jetzt lächele ich. Macht das der auf der anderen Seite, um zu sehen, wie dramatisch sein Gegenüber guckt? Oder macht das der Computer, um zu sehen, wohin er den Popel schnippt? Wer weiß, was es allerdings nicht macht, ist Sinn!

Lampen Fieber

Ganz gleich, wer wo wann einen Raum betritt – außer, es ist ein Horrorfilm – es ist immer schon eine Lampe an. Oder zwei. Jedenfalls ist der Raum von Anfang an gut genug ausgeleuchtet – für die Kamera natürlich. Wäre es nicht zu diesem Zweck, müsste man all die Leute in diesen Filmen ja für absolute Energieverschwender halten, da sie den ganzen Tag über das Licht anlassen, nur um abends nicht in eine dunkle Wohnung zurück zu kommen.

Männerärsche und BHs

Dies war eine Zeitlang mehr ein Phänomen bei Fernsehserien als bei Filmen. Falls Sie sich jemals gefragt haben, warum in Amerika alle immer vollbekleidet miteinander ins Bett zu gehen scheinen, dann ist das nicht nur eine Frage der Prüderie, sondern… eine Frage der Prüderie. Okay, da haben Sie mich erwischt. Aber es ist anders gedacht als gemeint… oder anders gemeint als gedacht? Jedenfalls anders.

Es liegt nicht daran, dass in einigen Bundesstaaten nur bekleidete Menschen Sex miteinander haben dürfen (obwohl mich das nicht wundern würde), sondern es hat mit den Regeln des amerikanischen Fernsehens zu tun – und dem, was man dort zeigen darf. Während hierzulande Oswald Kolle und die Schulmädchen-Report-Filme dafür sorgten, dass der Umgang mit nackten Brüsten vielleicht nicht ganz so spießig war wie in den US of A, führte dort vor wenigen Jahren noch eine entblößte weibliche Brustwarze (Nipplegate) zu einem größeren Skandal als die Tatsache, dass die amerikanische Regierung über so etwas unwichtiges wie einen Kriegsgrund von vorne bis hinten gelogen hatte (No Gate at all). Aber ich schweife ab. Jedenfalls konnte man – bevor das Bezahlfernsehen wie HBO Einzug in die Haushalte nahm – dort wohl so gut wie keine nackte Haut zeigen, und Brustwarzen schon überhaupt nicht. Also ging man bekleidet miteinander ins Bett und zugange, doch auch das wurde den Zuschauern natürlich vorenthalten.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts scheint es dann eine leichte Wende gegeben zu haben. Brüste waren nach wie vor ein Tabu, aber einen nackten Männerarsch zu zeigen war wohl offenbar kein Problem. Sehen Sie selbst, wenn Sie möchten, in der Serie „Nip/Tuc“, in der es um Schönheitsoperationen geht. Sie werden keine einzige nackte Brust zu sehen kriegen, aber Episoden, in denen man nicht den nackten Arsch eines der beiden Hauptdarsteller vors Gesicht gehalten bekommt, dürften eher selten sein. Also, liebe Frauenrechtlerinnen, wenn ihr wieder davon anfangt, dass Frauen nur Sexobjekte sind… oder als solche behandelt werden… sollen? Oder wasauchimmer, dann lasst euch gesagt sein, dass es eine Zeit gab, in der man im Fernsehen mehr Männerärsche als Weibertitten zu sehen bekommen hat. Gut, dass sich das wieder geändert hat!

Liederhosen

Der Amerikaner hat ein ganz klares Bild vom Deutschen, jedenfalls der, der die Filme macht. Der Deutsche ist entweder Nazi. Naja, da gibt es wenig „oder“, denn meistens ist er Nazi. Oder Altnazi.

Falls er das aber nicht ist, dann ist er an zwei Dingen zu erkennen: Er trägt – wie alle Deutschen das tun – Lederhosen! Also nicht die coolen aus dem Lederwarenladen, sondern die bayrischen. Und das tut er, ganz egal ob die Szene in Bayern oder in Hamburg spielt. Und er sagt alle drei Wörter „ja“, damit man weiß, dass er deutsch ist, „so you know, ja, that he is german, ja, you understand, ja?“, wobei das eigentlich bestätigende „ja“ fast immer wie eine Frage klingt. Was wohl daran liegt, dass der, der es spricht, kein Deutsch kann!

Aber ist das nicht ein bisschen so, als würde man in allen Filmen alle Amerikaner mit Cowboyhut darstellen? Alle Lesben als kurzhaarige Frauen mit Springerstiefeln? Alle Schwulen als herumschwuchtelnde Tunten? Alle Juden als Rabbis mit Hut und Locken? Und alle Moslems als Turbanträger mit Sprengstoffgürtel? Wobei… na ja, mit Ausnahme des Cowboyhuts ist das in den meisten Filmen eigentlich so!

Deutsche Ansichten sichten

Zu den Lieder, äh, Lederhosen kommt natürlich noch ein dickes Kind, das darin steckt und am besten eine Dorfkirche mit Schnee. Genau so sieht Düsseldorf nämlich in Tim Burtons „Charlie und die Schokoladenfabrik“ aus, quasi genau wie in Wirklichkeit… nur halt vollkommen anders.

Das kann aber auch der an sich gute „Shadow of the Vampire“. Hier gibt es eine Stelle, die auf Helgoland spielt. Dass sie dort spielt wissen wir, weil es eingeblendet wird. Genau genommen wüssten wir es auch sonst nicht und könnten es nichtmal annähernd erraten. Denn was wir sehen ist eine Art bewaldetes Tal. Wer schon mal auf Helgoland war (was man vom Filmemacher wohl nicht behaupten kann), der weiß, dass Wälder und Täler auf Helgoland eher nicht zu finden sind und man kaum weiter von der Realität entfernt sein könnte. Die Insel ist ein großer, roter Felsen, der mitten im Meer liegt.

Da man aber davon ausgehen kann, dass sich das gewöhnliche (amerikanische) Publikum weder unter den Begriffen „Düsseldorf“ oder „Helgoland“ etwas vorstellen kann, noch jemals dahin kommen wird, kann man denen ja alles vorsetzen – was leider auch geschieht!

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von Martin Cordemann

Arrogante Blutsauger!

Nein, gemeint sind nicht die Leute vom Finanzamt oder die Bankerarschlöcher, die den großen Crash verursacht haben, von denen aber kein einziger zur Verantwortung gezogen wird… gemeint sind Vampire. Gut, im Vergleich zu ersteren beiden Gruppen vielleicht die harmloseste Gattung.

Vampire gibt es, seit Bram Stoker seinen „Dracula“ erschuf… und seit jemand, um keine Rechte zahlen zu müssen, „Graf Orlock“ schuf, auch bekannt als „Nosferatu“. Ach, früher war alles besser, auch die Vampirwelt, denn wie wir sehen waren die Vampire damals noch Grafen. Das sind Adelige, blaues Blut, das rotes trinkt. Heute kann jeder Tankstellenpächter zum Vampir werden, der Reiz des Besonderen ist also ein bisschen dahin.

Der will nur spielen!

Aber beißen tut er auch. Wo wäre da sonst der Witz? Und das gilt gleichermaßen für zwei Gattungen übernatürlicher (oder unnatürlicher) Wesen, die es einst eher getrennt gab (wahrscheinlich auch wegen der Rechte), die aber heutzutage oft gemeinsam auftreten, meist als bittere Gegner. Gemein (und gemeint) sind natürlich die Werwölfe (nicht zu verwechseln mit Feuerwehrwölfen und Bundeswehrwölfen, die andere Aufgaben erfüllen, in der Fachliteratur aber selten auftauchen). Waren dies einst knuffige Typen, die sich bei Vollmond (!!!) in mordlüsterne Bestien verwandelten, scheint der Werwolf von heute keine Abhängigkeit mehr vom Mondkalender zu haben und verwandelt sich nach Lust und Laune. Darüber hinaus sind sich der Vampir und der Werwolf auch immer Spinnefeind, weil…

…das eben so sein muss?

…Mumien einfach nicht populär genug sind?

…den Autoren nichts anderes einfällt?

…die Rechte an Frankenstein noch nicht ausgelaufen sind?

…Zombies einfach zu lahmarschig sind?

Verrrrrrwannnnndlungennnnn!

Der Werwolf an sich ist eigentlich Pflanzenfresser und lebt in einem Gebiet in Südostasien, wo er sich von Bananenstauden ernährt und bei Vollmond die Zäune von Plantagen streicht. Nein, das stimmt nicht, aber nachdem man inzwischen so ziemlich jede Mythologie in den Arsch gefi… stark verändert hat, können wir doch auch das behaupten, oder? Aber natürlich! Ob Vampire nun allergisch auf Knoblauch reagieren oder in der Sonne blinken wie eine Solaranlage ist doch inzwischen völlig egal. Bram Stoker würde sich im Grab umdrehen, wenn er nicht ebenfalls ein Untoter wäre, der sich nachts in einen Vampir verwandelt und tags in einen Banker, der heimlich Börsencrashs verursacht.

Was sich im Laufe der Jahrzehnte/hunderte nicht verändert hat, ist die Verwandlung. Sei es von Mann zu Maus, Komma Fleder; sei es vom Mensch zum Wolf, die Verwandlung ist noch immer das, was sie immer war – nämlich total bescheuert! Ob das der Hulk oder Mr. Hyde ist, die Grundidee ist genauso faszinierend wie unrealistisch. Wie kriegt man denn die Masse eines Menschen auf die Größe einer Fledermaus geschrumpft, inklusive Muskeln, Knochen und Gefieder? Wenn man da keine Timelord-Technologie verwendet (von innen größer als von außen), dann hat man schlechte Karten.

Ähnliches gilt für Herr Wolf, Komma, Wer. Es wächst einem ein riesiges Maul und ein buschiges Fell… aber woher soll das alles kommen? Und wohin geht das alles wieder zurück? Und wäre das nicht eine tolle Kur gegen Haarausfall? Aber nein, Captain Glatze hat nach seiner Rückverwandlung zum Menschen wieder die gleiche Pläte wie vorher. Werwolfismus ist also nicht nur völlig widersinnig, sondern auch völlig unbrauchbar. Und beim Vampir ist es doch auch nicht besser!

Hoffentlich Arroganzversichert

Und dann ist da noch diese fiese Arroganz, die von diesen Viechern zur Schau gestellt wird. Da hört sich aber wirklich alles auf! Quatschen blasiert einen daher, sie wären was Besseres und Menschen wären nur Abschaum. Was wart ihr denn bitte vorher, ihr dummen Vollidioten? Meint ihr vielleicht, ihr seid als Vampire auf die Welt gekommen? Dass ihr eine andere Rasse seid? Oder dass das ein exklusiver Club wäre, in den ihr nur aufgenommen wurdet, weil ihr so verdammt toll seid? Ihr wurdet gebissen und Punkt. Jeder Depp kann in eurer Welt Vampir finden, wenn er einen anderen Deppen findet, der ihn zu einem macht. Das ist weiß Gott kein Grund, arrogant zu sein, da hatten es die Schwarzen in Amerika lange Zeit weit schwerer, mit dem Bus zu fahren!

Die Arroganz ist also, wie bei den meisten arroganten Arschlöchern, durch nichts gerechtfertigt. Aber da hört die Unlogik bei den Beißern mit den Beißerchen leider noch lange nicht auf. Denn, je nach Serie, haben die auch keinen Herzschlag mehr. Keinen Puls. Keinen Blutdruck. Eigentlich gar keine körperlichen Funktionen. Hmmm, stellt sich da dem Laien die Frage, wozu braucht ihr dann Blut? Und wieso könnt ihr eine Ader/Vene eurer Wahl öffnen, und nach Belieben Blut rausfließen lassen? Wie kommt das dahin? Ihr erinnert euch, kein Herzschlag! Dass in so einem Fall, bei abgeschalteten Organen, Sex eigentlich auch keine Option ist, überlass ich jetzt mal eurer Phantasie.

Alle weg ist das Ziel

Der Vorteil bei Werwölfen ist, die haben eigentlich keine wirklichen Ziele. Bisschen Gassi gehen, unbeobachtet im Stadtpark ein Häufchen hinterlassen und dann vielleicht noch den einen oder anderen Vampir zerfleischen, dann ist so ein Werwolf glücklich und hat sein Tages/Nachtziel erreicht.

Aber wie ist das bei Vampiren? Oder Zombies? Zombies sind eigentlich die Art Virus, die nicht verstanden hat, dass es seinen Wirt nicht umbringen sollte, weil es dann auch stirbt. Diese Art der Untoten arbeitet nach demselben Muster, erstmal alle aufessen und hinterher feststellen, dass nix mehr im Kühlschrank ist, gibt ja so Leute.

Vampire, trotz Adelstitel und Schloss in den Kapaten, gebärden sich ähnlich dämlich wie ihre zombiistischen Kollegen. Auch hier scheinen die meisten der Ansicht zu sein, so viele Menschen wie möglich auszusaugen und sich vielleicht noch eine Armee von Kollegen zu basteln… nur um irgendwann festzustellen, dass die Vorräte irgendwann erschöpft sind und wen trinkt der Vampir von Welt dann?

Machen Sie Ihr Kreuz hier!

Aber zum Glück gibt es einen Schutz vor Vampiren, Werwölfen und Finanzbeamten. Silberkugeln, Kopp ab, Knoblauch in den Mund stopfen, Holzpfahl ins Herz – das hält kein Finanzbeamter lange aus. Und Vampire auch nicht. Was man ja alles noch erklären könnte. Eine Sache aber ergibt überhaupt keinen Sinn: das Kreuz!

Da die heutigen Vampire ihre Ursprünge, also Stokers Standartwerk, ignorieren, gab es Vampire schon zu Zeiten der Dinosaurier… hey, gut, dass der Trend vorbei ist, sonst hätten wir heute Sauriervampire, Saurierwerwölfe und Saurierzombies… Schrecklich, aber nicht auf eine gute Weise!

Jedenfalls gibt es die Vampire schon verdammt lange. Gut, es gibt christliche Idioten in Amerika, die glauben, die Welt wäre nur 6.000 Jahre alt, also für die würde das vielleicht funktionieren… aber ob die an Vampire glauben? Nun, wenn man glaubt, dass die Welt nur 6.000 Jahre alt ist, warum nicht? Jedenfalls gab es die Vampire nach dieser neuen Lesart vor dieser einen Geschichte mit diesem einen Mann, der in Jerusalem ein bisschen auf Rebell gemacht und den man dann später dafür ans Kreuz geschlagen hat. Wie kann es dann also sein, dass Kreuze gegen Vampire nützen? Und Weihwasser? Und geweihte Erde? Wo das doch alles erst lange nach dem Auftauchen der Vampire entstanden ist?

Haben sich, nachdem a) die katholische Kirche entstanden ist und man b) auf einem Konzil festgelegt hat, dass c) Jesus jetzt der Sohn Gottes ist und man sich als verwendetes Logo für d) das Kreuz entscheidet, die Vampire in einem eigenen Konzil beschlossen, dass das jetzt für sie gefährlich ist und diese gerade neu entstandene Kirche irgendeine Bedeutung für sie hat?

Muss wohl so gewesen sein, denn anders lässt sich das wohl kaum erklären. Und die armen Juden, Moslems, Buddhisten und Scientologen, die keine Kreuze haben, wie sollen die sich gegen die bösen Vampire zur Wehr setzen? Wobei… eine Möglichkeit gäbe es da schon. Vielleicht sind das ja alles Werwölfe?!

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von Martin Cordemann

Noch mehr dumme Filmklischees

– Denn davon kann man gar nicht genug haben!

Obwohl man davon schnell genug hat. Und voll. Die Nase. Aber das ist nicht mehr als Gewäsch. Geschwätz. Gewäschwtz. Ach, egal, machen wir weiter…

Iss deinen Teller leer!

Hört man immer wieder von seinen Eltern, macht in Filmen aber eigentlich kaum einer. Wann immer wir irgendwohin schneiden, wo gerade gegessen wurde, sei es Frühstück, Mittag- oder Abendessen, die Teller sind nie leer gegessen. Immer findet sich etwas, das sich wie die Hälfte der Mahlzeit anfühlt, noch darauf. Man könnte dies als soziokritischen Kommentar daran verstehen, dass das Problem der Fettleibigkeit in Amerika darauf zurückzuführen ist, dass es einfach immer zu große Portionen gibt… aber das wäre zu subtil. Es ist schlicht für uns als dummen Zuschauer gedacht, um uns zu zeigen, dass die Leute gerade etwas gegessen haben – ein benutzter, leerer Teller in einem Restaurant bietet einfach nicht genügend Informationen, um diese Botschaft zu vermitteln!

Klopfarbeit

Egal, wie groß das Haus ist, es wird fast immer geklopft. An der Haustür. Klingeln, wozu? Wie groß wäre denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Person, die man besuchen will, bei diesem riesigen Anwesen vielleicht im Garten befindet? Oder auf dem Dachboden? Oder im Keller? Oder einfach im ersten Stock? Nein, statt zu klingeln und damit den größtmöglichen Effekt an Aufmerksamkeit zu erzeugen, wird an der Tür geklopft. Und, oh Wunder, fast immer wird auch direkt geöffnet. Da kann man nur sagen: Großartige Architektur, die das Türklopfen so sehr verstärkt, dass man es wahrscheinlich sogar unter der Dusche hört!

Arschteroiden

Die „Flash Gordon“ Parodie (und Soft-Porno) „Flesh Gordon“ bezeichnet die Dinger zu recht so, denn sie verhalten sich wirklich arschig. Jedenfalls im Film. Sei es „Star Wars“ (die guten, alten), sei es „Star Wars“ (die schlechten, neuen), wann immer man in ein Asteroidenfeld (oder den Ring eines Planeten) kommt, rasen die Dinger um einen herum, als gäb’s kein Morgen. Gäb’s für sie auch nicht, wenn sie sich so verhalten würden. Denn obwohl das natürlich total spannend aussieht und für jede Menge Flugaction sorgt, erscheint es doch bei näherem Hinsehen wie absoluter Schwachsinn. Ich meine, ich bin kein Wissenschaftler, aber wenn sich Himmelskörper auf so engem Raum so verhalten würden, dann gäbe es da bald kein Asteroidenfeld mehr, weil sich die Teile alle selbst vernichtet hätten. Wer ähnlich „coole“ (und ähnlich dumme!) Effekte sehen will (plus dummer Handlung), hat bei „Armageddon“ (nicht „Arschmageddon“ – obwohl’s den bestimmt auch gibt) Gelegenheit dazu.

Licht erlischt immer laut

Es gibt Schallgeschwindigkeit (die Entfernung, die Schall innerhalb einer bestimmten Zeit zurücklegt) und es gibt Lichtgeschwindigkeit (die Entfernung, die Licht innerhalb einer bestimmten Zeit zurücklegt)  – aber beides hat nichts hiermit zu tun. Hier geht es darum, dass Licht ausgeht. In Korridoren, Tiefgaragen, Tunneln. Meist als Neonröhren. Die Anordnung ist, dass es diverse ähnlich aussehende Lichtquellen gibt, die den Weg zwischen uns und dem Ende des Korridors/Tunnels/Parkhauses erhellen. Doch dann kommt das Böse und das Licht geht aus, von der entferntesten Stelle auf uns zu, Neonröhre um Neonröhre erlischt und es wird dunkel. Aaaaaaber das geschieht natürlich nicht in der Stille, die eine solche Röhre für gewöhnlich braucht, um auszugehen, nnneinnnn, jedes Erlischen wird mit einem lauten, donnerähnlichen Geräusch untermalt. Denn so ist es dramatischer… wenn auch Quatsch!

Fascho Fashion

Man kann ja viel Schlechtes über die Nazis sagen – und sollte das auch! – aber was die Designs und so angeht, hatten die schon echt was drauf. Muss jedenfalls so sein, denn es wird immer wieder kopiert. Wenn es sich um ein faschistoides Regime handelt, dann werden nahezu grundsätzlich die Farben schwarz/weiß/rot verwendet und am besten noch ein Symbol, bei dem nicht viel dazu fehlt, dass es ein Hakenkreuz ist. Beispiele dafür wären „V“ und „V wie Vendetta“ (nicht verwandt, trotz des Vs), aber wenn Sie suchen, finden Sie bestimmt noch andere. Sie können ja mal schauen!

Heinrick

Deutsche in englischsprachigen Filmen werden fast ausschließlich, besonders aber, wenn sie viel deutschen Text haben, von Ausländern (nicht Deutschen, Nicht-Deutschen) gespielt. Das geht dem Amerikaner an sich, der Wolkswagn für ein deutsches Wort hält, natürlich am Arsch vorbei. Ist man aber als Deutscher mehr und mehr mit Originalversionen von Filmen konfrontiert, muss man immer wieder feststellen, dass der ausländische Markt den Machern ebenfalls komplett am Arsch vorbeigeht. Denn es reicht natürlich nicht, dass die Typen, die man da gecastet hat, klingen wie geistig zurückgebliebene kaputte Roboter, wenn sie „deutsch“ sprechen, nein, sie müssen ihnen auch noch ein Wort geben, das wirklich jedem Deutschen zeigt, dass dieser hier keiner ist: „Heinrick!“ Denn das ist ein, ja der deutsche(ste) Name schlechthin.

Warum nicht „Hans“ oder „Klaus“ oder „so“, da würde man es ja vielleicht nicht so merken, aber nein, es muss „Heinrick“ sein, also „Heinrich“, aber das weiche „ch“ ist halt nickt jedermanns Sacke. Wenn Sie Beispiele erleben möchten, empfehle ich Ihnen den Film „Ruins“ und natürlich „Die hard“, wo selbst der großartige Alan Rickman am Namen seines ebenfalls deutschen Bruders scheitert. Auch sein Hinweis „schieß den Fenster“ hilft nicht… vielleicht wiederholt er ihn deshalb auf Englisch? Darüber hinaus bietet der Film auch die von mir viel zitierte Stelle „Wir sind im Heizehaus direkt unterm Dach.“ Da ich Deutscher bin und die deutsch sprechen, habe ich leider nie herausgefunden, was ein „Heizehaus“ ist – aber die werden’s schon richtig machen, ist ja n teurer Hollywoodfilm.

Die Erleuchtung

Was mich zu meiner am zweitliebsten zitierten Stelle bringt, aus einem anderen Hollywoodfilm. Man sollte doch meinen, wenn die da Millionen in son Film buttern und wenn da ein Steven Spielberg Regie führt, dann machen die ihre Arbeit vielleicht auch wirklich gut, weil das Profis sind und so? Ja, falsch gedacht. In Spielbergs „Munich“ (das wäre dann „München“) sagt jemand auf Deutsch etwas wie „Hast du ein Licht für mich?“ und erhält wundersamerweise Feuer für seine Zigarette. Der andere muss wohl das Drehbuch gekannt haben, denn „Do you have a light?“ bedeutet dann ja eher „Hast du mal Feuer?“ und nicht „Leuchte mir den Weg“. Ja, ich weiß, ich bin kleinlich. Und außerdem ist das kein Filmklischee – aber witzig ist es schon!

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von Martin Cordemann

„Fachbegriffe“, damit Sie wissen, was gemein ist

– oder gemeint!

Kritiker benutzen gerne ein besonderes Vokabular. Nehme ich jedenfalls an. Ich lese, ehrlich gesagt, keine Kritiken. Versaut einem nur den Film. Aber wenn Sie Kritiken lesen, dann kann Ihnen das folgende Glossar möglicherweise bei der Rezeption und dem Verständnis davon helfen.

„Der Film nimmt sich Zeit“

Heißt im Klartext: langweilig! Der Film kommt einfach nicht in die Gänge. Das muss von einem Kritiker nicht unbedingt abwertend gemeint sein, im Gegenteil, wer so was schreibt, meint es wahrscheinlich ernst. Zutreffender dürfte aber meine Interpretation sein. Das ganze geht meist einher mit einem „unaufgeregten Erzählstil“ (lange Einstellungen, wenig Handlung).

„Der Film ist ambitioniert“

Bedeutet: Er versucht zuviel auf einmal – und scheitert dabei wahrscheinlich. „Cloud Atlas“ wäre ein treffendes Beispiel. Von der Grundstruktur und den Ideen her gar nicht schlecht, aber die Filmemacher haben es vermieden, sich bei dieser Fülle an Schauspielern/Geschichten/Handlungen auf die Wesentlichen zu beschränken. Man will alles und erreicht dabei weniger. Wenn nicht jeder Schauspieler in jeder Episode eine Rolle gespielt, wenn man vielleicht den einen oder anderen Handlungsstrang gestrichen oder gekürzt hätte, dann hätte man daraus einen großartigen Film machen können und keinen… ambitionierten!

„Der Film ist sperrig“

Unverständlich, schwer verdaulich. Wahrscheinlich hat er auch keinen guten Fluss, sehr wahrscheinlich eine Aussage (denn wozu wäre das andere sonst von Nutzen?).

„Um Ausgewogenheit bemüht“

Total einseitige Propaganda. Ach, schön wär’s! Wahrscheinlich bemüht politisch korrekter Mist, der versucht, auch ja niemandem auf die Füße zu treten und damit genau das Gegenteil von dem bewirkt, was er eigentlich aussagen sollte, wenn die Macher verstehen würden, dass nicht politische Korrektheit wichtig ist, sondern, dass man das, was sie vorschützen soll, auch wirklich meint.

„Kunstfilm“

Das steht meist für langweilig oder unverständlich, meist beides zusammen. Wird von einigen Kritikern sehr geschätzt, weil wahrscheinlich die Bilder toll sind, aber die Handlung auf der Strecke bleibt. Gibt einem das Gefühl, man ist was Besonderes, wenn man so was gut findet. Leute, die so was nicht gut finden, tun das, „weil sie das nicht verstehen“, was das Gefühl des Besonderen verstärkt. Wenn Sie eine Handlung oder ein kühles Bier bevorzugen, meiden Sie Kunstfilme lieber.

„Starke Bildsprache“

(siehe „Kunstfilm“)

„Ausdrucksstarke Schauspieler“

Overacting! Hier bekommt man keine subtilen Zwischentöne geboten, sondern nur Augenrolle, Geschreie, Gestampfe – so wie Al Pacino, wenn er einen Film scheinbar nur des Geldes wegen macht.

„Der Film bricht mit gängigen Strukturen“

Das kann gut sein. Liest man leider nie bei romantischen Komödien, die alle nach demselben langweiligen Muster ablaufen. Da wäre das mal sehr erfrischend. Ansonsten ist allerdings wohl eher gemeint: Keine geradlinige Handlung, verwinkelte Struktur, Ralph Fiennes spielt keinen Bösewicht.

„Traditionelles Erzählkino“

Romantische Komödie, bei der man von Anfang an weiß, wie sie ausgehen und wer am Ende mit wem zusammen sein wird.

„Dynamischer Erzählstil“

Möglichst viele möglichst schnelle Schnitte, die eine Geschwindigkeit vortäuschen sollen, die der Film meist nicht hat. Fehlende Handlung wird gerne durch Laufen, Springen, Rennen ersetzt, was kurzweilig wirken kann, aber Tiefe meist vermeidet.

„Charakterstudie“

Mindestens einer der Hauptcharaktere hat Probleme mit Alkohol oder Drogen, am besten beidem. Am Ende bekommt er das Problem in den Griff durch a) Einsicht, b) Tod oder c) nicht.

„Popcornkino“

Billige Entschuldigung für: „Der Film hat weder Tiefe noch Handlung, es ist absolut austauschbare Hollywoodware, aber obwohl ich ein hochintellektueller Kritiker bin, hat mir der Film irgendwie gefallen/ich werde von der Verleihfirma bezahlt.“

„Amerikanischer Film“

Gewalt wird gern gesehen, Sex eher nicht.

„Europäischer Film“

Titten!

„PG-13“

Keine Titten!

„Film Noir“

schwarz/weiß

„3D“

Meist absolut überflüssiges Gimmick, das den Studios aber mehr Geld einbringt, weil die Kinokarten dadurch teurer werden.

Halb_Fiction615

von Martin Cordemann

Dumme Filmklischees

– Was soll man mehr dazu sagen?

Es gibt Klischees, die einem in Filmen immer wieder auffallen – und wenn einem Dinge auffallen, dann passiert das nicht unbedingt, weil sie gut sind. Wenden wir uns heute also einem Klischee bei Leuten, die sich mit Filmen beschäftigen, zu: den Filmklischees!

Zugzwang

Züge halten in Filmen so gut wie nie an. Da kann auf der Schiene alles Mögliche herumstehen, Auto, Kinderwagen oder Panzer – es wird das Zughorn geblasen, aber angehalten wird ums Verrecken nicht. Sehr realistisch. Aber das ist noch nicht alles. Nachdem die Gewalt des Zuges das WasimmeraufdenSchienensteht zerdeppert hat… wird auch nicht angehalten! Man fährt einfach weiter, so, als wär nix passiert. Vielleicht sollte man an so einer Stelle in Zukunft immer zum Lockführer schneiden, der die Hände hinter dem Rücken verschränkt und unschuldig pfeift, während sein Kollege von der Toilette kommt und fragt: „Hast du irgendwas gehört?“ – „Nee, du?“

Er/sie/es Innerungen

Ich weiß nicht, wie Sie sich an etwas erinnern oder wie Sie sich etwas vorstellen, aber ich sehe mich dabei für gewöhnlich nicht aus der Perspektive von anderen. In Filmen ist das aber meistens so: Ob Traum, ob Erinnerung, alles wird quasi aus der dritten Person dargestellt, nie aber aus der Ich-Perspektive. (Eine Ausnahme bietet hier das sonst eher enttäuschende „Total Recall“ Ripoff „Unknown Identity“.) Für einen Film mag das natürlich die interessantere Darstellungsweise sein, ansonsten ergibt’s aber absolut keinen Sinn!

Ausnahme: Sexbomben

Bomben piepen. Immer. Synchron zu einer blinkenden Lampe. Um uns zu zeigen, dass sie es ernst meinen, die Bomben. Denn wenn die Lampe nur stumm vor sich hinblinken würde, liefen wir ja vielleicht Gefahr, sie nicht ernst zu nehmen. Also piepen sie, um uns auf den Ernst der Situation aufmerksam zu machen. Interessanterweise hören aber nur wir als Zuschauer das Piepen, die Person, die direkt neben der Bombe steht, hört es nicht. Denn dann würde die Bombe ja quasi auffliegen, im doppelten Wortsinn. Auch eine Bombe in der Wand würde ihren Überraschungseffekt verlieren, wenn sie vorher stundenlang aufmerksamkeitsheischend vor sich hinpiepen würde. Sie piept nur für uns, für Sie, für mich. Ein schönes Beispiel hierfür wäre „Casino Royale“ (3. Variante), wo der böse Mann die Bombe aktiviert, es beginnt zu blinken zu piepen, dann ein bisschen Handgemenge mit Bond, dann ist Bond gefangen und siegesgewiss lächelt der Bösling, drückt auf den Auslöser, es piept und blinkt lauter und schneller und nun wird er gewahr, dass das Böndle ihm das Bömble ans Hosenbündle gehängt hat… BUMM, zerreißt es den Schurken. Doch, wenn die Bombe nicht nur für uns, sondern auch für ihn gepiept hätte, dann hätte er sie doch bestimmt schon vorher an seinem Gürtel bemerkt und er wäre jetzt noch in einem Stück.

Zieh!

Bei Waffen gibt es Klischees, die man nicht auslassen darf, damit wir als dummer Zuschauer auch verstehen, dass das da in der Hand des Schauspielers eine Waffe ist und dass die gefährlich ist (der pure Anblick eines Schwertes oder einer Pistole vermittelt diesen Eindruck ja nicht). Also braucht es bei beiden Waffenarten eine akustische Untermalung. Achten Sie mal darauf. Immer, wenn ein Schwert gezogen wird, hört man das Aufeinanderreiben von Metall, das uns zeigt, das Schwert ist aus… Metall. Ob das Schwert aus einer Scheide aus Metall (wo dieses Geräusch entsteht) oder Leder oder Pappmaché (wo das Geräusch nicht entsteht!) gezogen wird, ist dabei völlig egal.

Ähnlich verhält es sich bei Pistolen. Wann immer sie bedrohend auf jemanden gerichtet werden, hört man ein Geräusch, als würde die Waffe gerade entweder entsichert oder der Hahn gespannt. Wichtig ist: Es ist ein metallisches Geräusch, das uns die Einsatzbereitschaft von Waffe und Schütze anzeigt. Das Problem ist: Auch das passiert nahezu jedes Mal, egal ob der Schütze die Waffe schon vorher in der Hand hatte, damit geschossen hat oder der Hahn eigentlich schon gespannt ist – immer! Denn wenn wir es nicht hören, ist es nicht gefährlich!

Augen und Fenster leuchten

In Horrorfilmen werden immer wieder gerne als Hinweis darauf, dass die betreffende Person (jetzt) böse ist, die Augen dieser Person zum Leuchten gebracht. Sicher, das sieht gruselig aus… aber ist es nicht völlig sinnlos? Woher soll das Licht kommen? Und was hat die Person davon, wenn ihre Augen leuchten, vom Schockeffekt einmal abgesehen? Wenn Licht aus den Augen kommt, müsste dann nicht der Augapfel dieses Licht ausstrahlen? Und wenn er das tut, werden die Augen dann nicht völlig sinnlos, weil man nichts mehr sieht? Denn sie strahlen ja jetzt nach draußen, am besten noch ins Dunkle hinein, und die stärkste Lichtquelle ist im Auge selbst, also dürfte von außen auf der Hornhaut nichts mehr ankommen. Leuchtende Augen machen also blind, das sollte man allen Horrorwesen als Warnung auf die Verpackung schreiben.

Ähnlich verhält es sich mit erleuchteten Fenstern oder Türen, unter denen helles Licht hervorstrahlt. Wenn man dann einen solchen Raum betritt, dann sollte der auch hell sein, zumindest heller als draußen. Denn das helle Licht kam aus dem Raum heraus, betritt man ihn dann und draußen ist es heller… ist das einfach blöde. Wahrscheinlich war das blinde Monster mit den leuchten Augen daran schuld!

Halb_Fiction543

von Martin Cordemann