Once upon a time in the Text

– Schreib mir das Lied vom Tod

Noch mehr Englisch, noch mehr schlechte Übersetzungen.

Beginnen wir doch mit der Werbung. Die benutzt ja bekanntlich gerne englische Ausdrücke, weil das ja viel moderner und hipper klingt – und hat damit einen großen Anteil daran, dass die deutsche Sprache immer mehr anglifiziert wird.

Denn einfachste deutsche Begriffe werden heute nicht mehr verwandt, ein Schicksal, dem der arme Speck zum Opfer gefallen ist. Gut, Speck klingt nicht sexy, Speck klingt nach dick, nach auf den Hüften, nach dem Gegenteil von einer Bikinifigur. Aber die kriegt man auch nicht, wenn man sich Schaufelweise den „Bacon“ in den Mund stopft. Ja, meine lieben Freunde, der Bacon hat den Speck abgelöst, nicht Francis, nicht Kevin, schlicht Der. Ruhe in Frieden, Freund Speck, denn deine Tage sind gezählt.

SchreibMirD

Aber bleiben wir noch kurz bei der Werbung, denn die beschert uns ja hin und wieder die furchtbarsten Begriffe. Unkaputtbar ist einer davon, aber der war wenigstens erfunden. Aber welches blöde Arschloch hat eigentlich die „Cerealien“ verbrochen, hm? Die hießen bei uns immer schon „Cornflakes“ oder „Frühstücksflocken“ und auch wenn das nicht alles Cornflakes waren, so hatte sich dieses Wort doch als Oberbegriff durchgesetzt – ganz genauso, wie das zum Beispiel auch in Amerika der Fall ist, ihr blöden Flaschen! (Gemeint sind die Cerealien-Arschlöcher, nicht Sie, werter Leser/werte Leserin/liebes Kind, du solltest so was nicht lesen, hier werden unflätige Worte verwendet!) „Xerox“ war, wenn ich recht informiert bin, ein Unternehmen/Kopiergerät und so wurde davon abgeleitet „to xerox“, was sich als Allgemeinbegriff für kopieren durchgesetzt hat – gleiche Schiene wie Cornflakes. Oder „Tesafilm“, das bei uns allgemein für Klebeband steht. Oder „Tempo“, das bei uns zum Begriff für Papiertaschentuch geworden ist. Also warum musste nun irgendein Vollarsch feststellen, dass Frühstücksflocken in Amerika ja „cerials“ heißen und es für eine gute Idee halten, den hier bislang (völlig zu Recht) unbekannten Begriff „Cerealien“ einzuführen??? Wenn es einen Preis für schlechte Werbung gibt, dann gehört er dieser Person anal eingeführt! (Liebe Kinder, fragt eure Eltern, was das heißt!) Ja, das regt mich auf!

SchreibMirBAD

Wo wir aber schon mal beim Englischen sind, eine Binsenweisheit sagt ja, dass das Englische normalerweise kürzer ist als das Deutsche… oder dass das Deutsche länger ist als das Englische. Was stimmt! Und was Synchronisationen schwieriger macht, da man mehr Wörter braucht, um das Gleiche zu sagen, was sich wahrscheinlich auf Satzlänge und Sprechgeschwindigkeit auswirkt. Sie können ja auch mal die Sprechblasen in den Übersetzungen vergleichen, Deutsch braucht für gewöhnlich einfach mehr Worte. Für gewöhnlich, aber nicht immer!

Denn es gibt Begriffe, die im Deutschen kürzer sind. Das mag überraschen, aber es ist so. Nicht viele, aber sie sind da. Zum Beispiel Puzzle. Mars. Snickers. Barbie. Und Ken. Das sind Begriffe, die bei uns für sich stehen können und jeder weiß sofort, was gemeint ist. Im Amerikanischen ist das jedoch ein wenig anders. Hier sind sie noch um einen Anhang erweitert, es ist der „Mars bar“, also der „Mars Riegel“ und die „Barbie doll“, die „Barbie Puppe“. Außerdem scheint das Puzzle stets ein „Jigsaw Puzzle“ zu sein. Bei uns reicht es, ein „Eis“ zu essen, in Filmen bestellen die Leute aber auch gerne „Eiskreme“, da man mit Eis alleine dort wohl nicht weiter kommt und der Begriff Speiseeis „ice cream“ ist. Selbst unser schlichtes „Comic“ wird durch den amerikanischen Begriff „comic book“ gleich zum „Comic Buch“ aufgeplustert, obwohl ein (nicht lippensynchrones) „Comic Heft“ der Sache doch gleich viel näher käme. Aber wahrscheinlich dürften das tatsächlich eher die Ausnahmen sein.

SchreibMirE

Gute Übersetzungen, von Büchern wie von Filmen, zeichnen sich durch eine stimmige Übersetzung aus. Doch auch hier schleichen sich hin und wieder Worte ein, die da eigentlich nichts zu suchen haben und die dadurch ein wenig herausstechen.

Nehmen wir den Paul Verhoeven Film „Fleisch und Blut“. Der spielt nicht nur im Mittelalter, sondern auch in Spanien (oder Portugal oder Italien). In einem solchen Zusammenhang, also weniger die Zeit als vielmehr der Ort, passt es nicht ganz, wenn einer der Soldaten als „Captain“ bezeichnet wird. „Hauptmann“ wäre hier stimmiger, da er offensichtlich kein Schiff hat, aber eben auch nicht den britischen Streitkräften angehört. Da der Film auf Englisch gedreht ist, hat man hier wohl einfach übernommen statt zu übersetzen.

Fast schon schlimmer macht sich die Anglifizierung aber in dem Film „Pathfinder“ aus. Der spielt Wasweißichwann in der Vergangenheit irgendwo im kühlen Skandinavien und doch ist von dem „Pathfinder“ die Rede. Gut, der „Pfadfinder“ würde wahrscheinlich irgendwie weniger cool klingen, aber was wäre denn bitte gegen den „Fährtensucher“ oder „-leser“ einzuwenden gewesen? Aber nein, es muss amerikanisch sein – und dadurch wird es unstimmig und streng genommen auch schlicht falsch.

Weniger ein Fehler aber irgendwie schade ist dann die Verwendung von Begriffen, die eigentlich nur über eine gewisse Zeitspanne verwendet werden, aber möglicherweise irgendwann wieder aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Schade deshalb, weil sie einem Film das Zeitlose nehmen und ihn durch die Verwendung des Wortes direkt in einer Zeit verankern. Mein Beispiel hierfür wäre der Begriff „Weichei“ im ersten „X-Men“ Film.

DreiStripsSchreib

Ein positives Beispiel für eine stimmige Übersetzung sind zum Beispiel die „Star Wars“ Filme… die alten, natürlich! Die neuen übersetzen den Count ja nicht mal mehr in einen Grafen, was schon recht schwach ist. In den alten dagegen reden sich die altvorderen Kampfgegner in sehr ritterlicher Weise an, oder sagen wir, ritterlich klingender Weise, indem sie statt „Sie“ oder „du“ die altertümliche Form des „Ihr“ benutzen, was der Sache eine gewisse Klasse verleiht.

Zum Abschluss schleppe ich Sie nun vor den Altar. Sagt man bei uns schlicht „ja“ (oder „nein“, je nachdem), so ist es in den Übersetzungen der Filme immer ein enthusiastisches: „Ich will!“ Bei dieser Übersetzung drängt sich irgendwie der Verdacht auf, dass sie in erster Linie auf die Lippensynchronität zurückgeht. Im Englischen lautet die Antwort nämlich „I will“, was aber, wie wir wissen, nicht „Ich will“ heißt, sondern „Ich werde“ bzw. „Das werde ich“… aber ich denke, wenn man mal genauer darüber nachdenkt, dann ist die Bedeutung, die hinter den Worten steht, bei der deutschen Fassung doch eigentlich einen Hauch schöner.

NullNullSexy17Bettgeschichten

von Martin Cordemann

Advertisements

For A Few Commas More

– Der vierte Teil der „Beobachte meinen Rücken“ Trilogie

Oder, genau genommen, der dritte, aber wer zählt da schon mit?

Und jetzt betrachten Sie mal die Überschrift. Finden Sie nicht auch, dass Großschreibung in englischen Titeln irgendwie merkwürdig aussieht? Gut, ich hätte diese Kolumne auch „Für ein paar Kommas mehr“ nennen können und die vorherige „Für eine Handvoll Kommas“, aber erstens geht es ja auch strengsterdings um englische Texte und da kann man einen englischen Titel ja mal rechtfertigen, und b) hieß der Film „The Good, the Bad and the Ugly“ bei uns ja „Zwei glorreiche Halunken“ und da scheint die dritte Person irgendwie der Zensur zum Opfer gefallen zu sein.

ForAFewCommasMore_D

Oh, kleiner Hinweis für alle O-Ton-Fanatiker: In welcher Sprachfassung guckt ihr denn eigentlich die Dollar-Trilogie? Okay, das war eher eine Frage als ein Hinweis. Genau genommen war das eine Frage. Denn wie wir alle wissen, sind die ja nun nicht unbedingt auf Englisch gedreht. Eigentlich eher nicht. Eastwood hat seinen (wenigen) Text auf Englisch abgeliefert und wahrscheinlich jeder andere in seiner jeweiligen Landessprache. Dann wurde im Nachhinein eine englische, eine italienische und zwei deutsche Fassungen erstellt… also welches ist die Originalfassung? Immerhin ist Leone Italiener!

Ganz ehrlich, bei „Für eine Handvoll Dollar“ habe ich es mit der englischen Fassung versucht… und bin daran gescheitert. Es gibt nur wenige wirklich brauchbare englischsprachige Synchronfassungen – wobei ich noch keine gefunden habe. Aber durch Masse und Erfahrung können das die Deutschen einfach besser, machen wir uns nichts vor.

ForAFewCommasMore_BAD

Und man kann einen Film oder einen Schauspieler ja auch durchaus aufwerten. Über die Serie „Die 2“ („The Persuaders“) mit Tony Curtis und Roger Moore wird das immer kolportiert. Die Legende will es, dass die Serie im Original langweilig wäre, aber Rainer Brandt, der hier auch Curtis spricht, durch seine flapsige Synchronfassung einen Erfolg daraus gemacht hat. Letzteres stimmt definitiv, die Serie war hier erfolgreich. Ob ersteres stimmt, nämlich ob sie im Original wirklich so langweilig ist wie behauptet, habe ich bislang noch nicht nachprüfen können – aber ich habe die DVDs und werde das sicher nachholen. Und dann werden wir ja sehen, ob die Legende stimmt.

Brandt und sein Kollege Karlheinz Brunnemann haben damals aber nicht nur „Die 2“ betreut, auch Serien wie „Ihr Auftritt, Al Mundy“ mit Robert Wagner (Rainer Brandt) fielen ihnen zu…m Opfer. Was bei „Die 2“ hervorragend funktioniert, will bei der früher entstandenen Fassung von „Al Mundy“ nicht so recht zünden. Die gleiche flapsige Art – und leider auch die gleichen Sprüche. Ist vielleicht einmal ganz witzig, aber beim zweiten Mal kann es dann schon anstrengend werden. Und eintönig. Und weit weniger originell. Unterboten wird dies aber noch durch die später synchronisierten Folgen (diesmal mit Joachim Kerzel für Robert Wagner), die versuchen, den Brunnemann/Brandt Stil zu kopieren, damit aber gnadenlos scheitern.

ForAFewCommasMore_E

Und doch besteht die Möglichkeit, aus miesen Filme gute zu machen und aus miesen Schauspielern bessere. Oder nicht ganz so schlechte. Machen wir uns nichts vor, würde Arnold Schwarzenegger sich bei uns selbst synchronisieren, wäre der Terminator bestimmt zur Lachnummer verkommen. Thomas Danneberg, der es schafft, hier eiskalt und mechanisch zu klingen, bügelt diesen Fehler des Originals aus.

Und – auch – William – Shatner – wirkt – auf – Deutsch – nicht – so – abgehackt – wie – im – Original… denn mit Gerd Günther Hoffmann führte er einen wunderbaren deutschen Schauspieler im Munde, der ihn zu einem charmanten und humorigen Helden machte.

Action-Superheld Bruce Willis klingt im Original auch eher blass und dünn – Manfred Lehmann macht ihn aber auch stimmlich zur coolsten Sau im Hochhaus/Flughafen/Stadt/Russland/Weltraum/Woauchimmer. Dass das seinem Jedermann-Image, das er noch in „Stirb langsam“ hatte und das diesen Film so ausgezeichnet hat, ziemlich entgegenläuft… macht nichts, denn seine Rollen tun dies ja auch.

DreiStripsFewCommas

Es ist oft eine Frage des Erstkontakts und in meiner Jugend, als die Gebrüder Wright ihre ersten Flugversuche unternommen haben… als man den Grundstein für den Kölner Dom gelegt hat… als es nur Videos gab und Originalfassungen teuer und schwer zu bekommen und schwer zu verstehen waren, da hat man solche Filme eben auf deutsch gesehen. Und das ist wohl einer der Gründe, warum ich bei Woody Allen seine deutsche Stimme Wolfgang Draeger seiner eigenen einfach vorziehe. Draeger ist zwar mehr nervös als weinerlich, aber so habe ich Allen eben kennen und schätzen gelernt. Aber es ist und bleibt eben eine Geschmacksfrage. Guten Appetit!

NullNullSexy15Nebenjob

von Martin Cordemann

A Fistful of Commas

– Beobachte meinen Rücken 2

Es gibt gute und schlechte

a) Menschen

b) Schauspieler

c) Synchronfassungen

d) Übersetzungen

e) Genau!

Also was sollen wir lange um den heißen Brei herumreden, wie es so schön heißt. Oder sollten wir nichts anbrennen lassen? Uns nicht die Finger verbrennen? Uns warme Gedanken machen? Oder einfach heiß auf Sie sein? Ich weiß es nicht, ich hab den Faden, den die Maus nicht mehr abbeißt, verloren, ob er nun rot war oder nicht.

AFistfulofCommas_D

Sie kennen das Prinzip… obwohl ich es beim letzten Mal gar nicht erklärt habe. Aaaaber da dies hier ein Blog ist, haben Sie das letzte Mal vielleicht noch gar nicht gelesen und so wird das letzte Mal zum nächsten Mal und dieses nächste Mal dann zum letzten Mal… aber nicht zum letzten Mahl, Komma Abend, denn das bleibt glaube ich dem Heiland seinem Sohn vorbehalten. Ja, ich weiß selbst, dass das schlechtes Deutsch ist, das macht aber nichts, wir sind ja alle erwachsen. Hoffe ich zumindest. Wenn nicht, auch egal.

„Jesus“ kommt in englischsprachigen Filmen auch öfter vor. Auf Deutsch klingt das immer ein bisschen falsch, finde ich. Denn eine Synchronisation oder eine Übersetzung sollte ja so klingen, als wäre alles normal und in der eigenen Sprache. Und welcher Ihrer Bekannten würde „Jesus!“ ausrufen, wenn er, sagen wir mal, mit einer gezogenen Waffe in eine verlassene Tankstelle stürmt und dort die zerstückelte Leiche des Tankwarts auf dem Boden vorfindet? Und wenn, was haben Sie für Freunde? Wie kommen die in solche Situationen? Was machen die beruflich?

Wie dem auch sei, wenn dieser Freund nicht gerade zu sehr von amerikanischen Originalfassungen geplagt und zu faul für seine eigene Landessprache ist, dann würde her wahrscheinlich eher so etwas wie „Heiliger!“ ausrufen, oder „Himmel!“ oder gar „Um Himmels Willen!“… was dann bei Lippensynchronität wieder schwieriger wird.

AFistfulofCommas_BAD

In der deutschen Fassung von „Fargo“ wird dies glaube ich durch ein „Jesses“ übertragen, was im Zusammenhang dieser eher schrägen Leute in einem eher schrägen Ambiente in einem eher schrägen Film ganz gut passt, aber eigentlich schlecht zu verallgemeinern ist. Aber warum erzähle ich Ihnen das eigentlich?

Ich weiß es auch nicht. Ich wollte ja erklären, wie das rückwirkend vorgreifend funktioniert… obwohl ich glaube, dass Sie das schon selbst herausgefunden haben. Ja, egal, jedenfalls zeigt Ihnen der erste Strip (Comicstrip, nur, dass da keine Missverständnisse aufkommen) eine ganz normale deutsche Fassung. Der zweite zeigt Ihnen dann, wie so was aussieht, wenn es von Banausen schlecht (1:1) übersetzt wird. Im dritten sehen wir dann die Originalfassung und zum Schluss gibt es eine Datei, in der sie alle drei Versionen direkt miteinander vergleichen können.

AFistfulofCommas_E

Nein, das hier war sie noch nicht. Das sieht man doch, oder?

Während in der letzten (nächsten, kommenden, zukünftigen) Kolumne „The Good, the Bad and the Original“ manche der schlechten Übersetzungen durchaus Fundstücke sind, die sich hier und da so aufspüren lassen, will ich doch schwer hoffen, dass die hier zusammengestückelte Version allein auf meiner schäbigen Phantasie beruht. Falls Sie aber jemals in einem Buch, Film oder pornographischen Text eine dieser Formulierungen finden, schreien Sie bitte laut auf! Sie werden sich danach besser fühlen. Vielleicht auch nicht. Aber, je nach Örtlichkeit, haben Sie die volle Aufmerksamkeit – es sei denn, Sie sind auf der Örtlichkeit und dort besser allein, dann nicht.

Hier, vergleichen Sie:

DreiStripsFistfull

So, ich denke, das reicht dann mal für heute. Fahren Sie vorsichtig und denken Sie immer daran…

…alles wird gut.

…das ist alles nur ein Traum.

…Sie sind bereits wach.

…heute ist nicht alle Tage – oder Nächte.

…bei Atembombenexplosion Decke über den Kopf.

…dieser Text ist jetzt zu ende!

NullNullSexy10Inselreich

von Martin Cordemann

The Good, the Bad and the Original

– schlecht übersetzen oder schlecht über setzen?

Macht das Sinn für Sie? Ich hoffe doch. Sonst wäre dieser Text ja gar nicht konsistent. Nicht wirklich…

Bitte, schieben Sie es nicht auf Synchronisationen, wenn Sie schlechtes Deutsch zu hören bekommen – oder wenn sich das Deutsch immer mehr dem Amerikanisch anpasst. Wie das kommt? Faule (oder schlechte) Übersetzungen. Wenn irgendjemand glaubt, man könne alles einfach 1:1 übernehmen, dann kommt eben so was dabei heraus.

Das heißt nicht, dass allgemein die Synchronisation schlechter geworden ist – die Übersetzung allgemein ist schlechter geworden. Nicht immer, aber manchmal. Vielleicht ist es aber auch so, dass wir a) inzwischen besser englisch verstehen und es b) leichter geworden ist, die Fehler zu überprüfen.

BeobachteMeinenRuecken1D

Ein Beispiel dafür, dass es auch früher schon Fehler gab, dürfte wohl die Übersetzung des Stückes „Zehn kleine Negerlein“ von Agatha Christi sein, das jetzt… irgendwie anders heißt. Sie wissen ja, political correctness und so was. „Zehn Chinesen mit dem Kontrabass“? Nein. „Und dann war da noch“ oder so ähnlich? Egal, schlagen Sie’s selber nach, wenn es Sie interessiert. In dem Stück, bei dem ich davon ausgehe, dass es keine aktuelle Übersetzung ist, sagt der Butler etwas in der Art, dass man niemanden auf dem Festland erreichen könne, weil das „Radio“ kaputt sei. Nu ist das Radio aber wenig hilfreich, wenn man jemanden erreichen will, nur, wenn man von jemand anderem erreicht werden will, meist einem Sender. Deshalb ist meine Unterstellung, dass da im Original wahrscheinlich „radio“ steht, aber „Funkgerät“ gemeint ist, weil das im Zusammenhang mehr Sinn macht… ergibt, mehr Sinn ergibt. Ja, da wär’s doch fast passiert. Im Englischunterricht nannte man das damals „false friends“, Worte, die so wirken als wären sie das, was man glaubt, das sie wären, was sie aber nicht waren.

BeobachteMeinenRuecken1BAD

In dem Film „Narrow Margin – 12 Stunden Angst“ mit Gene Hackman findet sich in der deutschen Fassung die Formulierung „Ich bin …, mit mir ist…“. „Mit mir“ meint in dem Fall wohl eher „bei mir“. Würde auf Deutsch wahrscheinlich keiner so sagen, es sei denn, er ist Amerikaner.

„Aliens – die Rückkehr“ bietet in einer ansonsten hervorragenden Synchro (Ulrich Gressieker ist eine wahre Ohrenfreude, wenn er das Spiel von Bill Paxton noch übertrifft) ein paar Stellen, bei denen ich immer aufhorche. Als Ripley den Gabelstaplerroboter benuten will, um zu helfen, sagt der Sergeant „Seien Sie mein Gast“, was okay geht und durch die Zigarre in seinem Mund einen gewissen Kultcharakter zu haben scheint, ein schlichtes „Bedienen Sie sich“ hätte es aber auch getan. Selbiger Sergeant antwortet an anderer Stelle auf die Frage, wo seine Leute seien: „Die sind alle im Einsatz.“ Nu, das ist nicht wirklich überraschend, da sie ja irgendwie ALLE dort im Einsatz sind. Ich glaube allerdings, im Original heißt es, „they are all in operations“, was man natürlich als Einsatz missverstehen kann. Wenn aber meine sieben Jahre „Star Trek: Deep Space Nine“ nicht umsonst gewesen sein sollen, dann ist mit „operations“ wahrscheinlich die „ops“ gemeint, also nicht der Einsatz sondern die „Einsatzzentrale“ – was dann im Zusammenhang tatsächlich erklären würde, wo sie sich befinden. Leider wurde das „Bitch“, mit dem Ripley die Alien-Königin bezeichnet, zu einem zwar treffenden „Mistvieh“, ein ebenfalls treffendes „Miststück“ hätte ihr aber die quasi-Vermenschlichung gegeben, die im Original irgendwie mitschwingt.

Eine schöne Stelle, die im Trailer noch besser übersetzt war, wird in dem Bond Film „Stirb an einem anderen Tag“ leider verwässert.

Der eine Bösewicht fragt den anderen: „What happened to you?“ – „Bond.“

Im Trailer heißt es, glaube ich, noch: „Was ist dir denn passiert?“ – „Bond.“

Der Film macht dann daraus ein: „Wer hat dir das angetan?“ – „Bond.“

Da hat man schon mal die Möglichkeit, Bond als eine Naturgewalt zu charakterisieren und dann macht man es nicht – schade!

BeobachteMeinenRuecken1E

Aber das sind Kleinigkeiten. Heutzutage, so scheint es, wird vieles oft nicht mit dem Sinn für die deutsche Sprache übersetzt, sprich: 1:1. Und das hält – leider – auch Einzug in unseren Sprachgebrauch. „Das macht Sinn“ und „nicht wirklich“ sind da nur zwei Beispiele. Bei anderen Dingen ist Ihnen das vielleicht noch nicht so sehr aufgefallen. Denn heute ist Beethoven ein „großer Komponist“. Früher war er ein „großartiger“. Aber weil es ja im englischen auch so heißt und wahrscheinlich irgendjemand mal zu faul war, um nachzuschlagen, ist das Wetter jetzt „groß“, das Essen schmeckt „groß“, die Brüste sind „groß“… okay, das könnte sogar stimmen.

Und ich hege den Verdacht, auch die folgende Bezeichnung hat ihren Ursprung in einer schlechten Übersetzung, denn ich bin ziemlich sicher, dass man einst die Bühne „betreten“ hat, während man heute immer wieder hört, dass jemand die Bühne „entert“. Ganz ehrlich, Piraten entern Schiffe, aber gleich eine ganze Bühne? Nur weil es „to enter the stage“ heißt, wird eine Bühne heutzutage im Sturme genommen – ganz schön brutal!

Darüber hinaus glaube ich, dass man früher „zu Gott“ gefunden hat. Heutzutage aber, da es so ja auch einfacher ist, hat man „Gott gefunden“ – wo denn, auffem Klo?

Ich glaube, es war in dem Comic „Crimson“, in dem ich die Stelle „erst machst du … und jetzt nennst du auch noch Namen“ gefunden habe. Damit ist natürlich gemeint: „…und jetzt wirst du auch noch beleidigend.“ Aber so was kann einem leicht entgehen… wenn man nicht gerade ein Übersetzer ist. Also wer zum Teufel hat an diesem Heft gearbeitet, der Praktikant?

DreiStripsRuecken

Leider macht man sich heutzutage gar nicht mehr die Mühe, alles zu übersetzen. Manche Begriffe, ja, ganze Floskeln, werden 1:1 übernommen, ganz egal ob es ein deutsches Wort dafür gibt oder ob der Begriff im Deutschen nicht sogar eine durchaus andere Bedeutung hat. Leute, der korrekte deutsche Begriff für eine „Season“ lautet „Staffel“, ganz einfach! Und das Wort „Show“ wird bei uns verwendet für etwas, das im Studio mit Publikum stattfindet und wo wahrscheinlich auch noch gesungen wird, das, was ihr als „Show“ teilweise übernehmt heißt hier schlicht „Serie“. Kapiert? Strengt euch mal ein bisschen an! Und wenn ich noch einmal in einer Filmsendung die Bezeichnung „Coming of age story“ höre, weil da wieder jemand zu faul war, nachzuschlagen, was das heißt, dann werd ich aber sauer!

Und wann ist aus „Bulle“ eigentlich „Cop“ geworden? Gut, beim „Beverly Hills Cop“ haben wir den im Titel, aber erstens gehe ich davon aus, dass „Beverly Hills Bulle“ missverständlich klingt, ebenso wie „Der Bulle von Beverly Hills“, und zweitens möchte ich mal unterstellen, dass in der deutschen Fassung wahrscheinlich eher das Wort „Bulle“ als das Wort „Cop“ fällt, immerhin ist das n Eddie Murphy Film! Also ab wann waren die Übersetzer zu faul, „Cop“ nachzuschlagen? Ach ja, es ist lippensynchroner als das deutsche Wort… was wahrscheinlich auch zur Verspeisung von „Eiscreme“ statt dem hier üblichen „Eis“ geführt hat.

Den größten Höhepunkt in Sachen mies übersetzt, um noch einmal darauf zurück zu kommen, hatte ich mal bei den RTL2 „Nachrichten“. Dort wurde gerade darüber „berichtet“, dass in Großbritannien erstmals der Vertreter einer dritten Partei ins Parlament gewählt worden sei und man hörte im O-Ton ein „That is alien to us“, während der Kommentator dies in etwas wie  „das wäre für uns so, als würde ein Außerirdischer am Tisch sitzen“ ummünzte – Leuten, die „das ist uns fremd“ nicht übersetzen können, sollte man wirklich die Lizenz zur Nachrichtenberichterstattung entziehen!

Tja, in dem Sinne wünsche ich Ihnen eine große Woche, denn das macht Sinn, und wenn Sie Gott finden, grüßen Sie ihn von mir!

Halb_Fiction622

von Martin Cordemann