Die Dinger…

…aus einer anderen Welt

Nein, ich muss Sie direkt enttäuschen, hier geht es nicht um außerirdische Pornos… obwohl das sicher interessant wäre. Es geht um Klassiker, Remakes und Prequels, um einen Mann mit den berühmtesten Initialen des Christenrums (J.C.) und um was mir sonst noch so einfällt.

Schwarz/weiß

Wie jeder weiß basiert „Das Ding aus einer anderen Welt“ auf der Geschichte „Who goes there“ eines Autoren namens John W. Campbell jr. und eigentlich ging es ein bisschen darum, dass jeder ein Kommunist, also Feind, also Gegner, also böse sein kann und dass diese Leute oft schwer zu erkennen sind – was eigentlich perfekt in der Serie „The Americans“ aus dem Jahre 2013 umgesetzt wird, aber ich schweife ab. Es ging um Paranoia und darum, jeden zu verdächtigen, also wundert es kaum, dass die erste Verfilmung in eine Zeit fiel, in der man eigentlich genau das machte. Gespielt wurde das erste „Ding“ von Marschall Dillon aus „Rauchende Colts“… aber ich glaube, diese Anspielung ist heutzutage verschenkt, da jüngere Leser wahrscheinlich nie von dieser Serie gehört haben und ältere sich nicht mehr daran erinnern. Gut, soviel zum Hintergrund. Kommen wir zu…

J.C.

Damit ist natürlich nicht Jesus Christus gemeint, auch nicht James Cameron, sondern John Carpenter. (Da Jesus auch Zimmermann war, also „Carpenter“, und sich die Figur des Außerirdischen in „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ ebenso nennt, was als eine Anspielung auf ebendiesen Beruf des ebendiesen Jesusses angesehen wird, war die Überleitung also nicht ganz aus der Luft gegriffen.) John Carpenter ist wahrscheinlich am meisten bekannt für die Filme, die er gemacht hat… und dankenswerterweise nicht für irgendwelche Sex-Skandale. Da den meisten seiner Filme inzwischen ein Remake widerfahren ist, könnte er somit über Bande auch dem jüngere Publikum bekannt sein, oder vielmehr die Kopie seiner Arbeit. Also nicht Rembrandts „Nachtwache“, sondern die Fingerfarbenversion, die Hobbymalerin Nina Ruge davon gemacht hat, so was in der Art.

Während seine letzten Filme in meinen Augen ein wenig schwächeln, hat er gerade zu Beginn seiner Karriere ein paar Meilensteile geschaffen, die, wie gesagt, heute nicht gewürdigt sondern eher kopiert werden. Mit „Halloween“ beweist er, dass ein Film seine Spannung aus langen, ruhigen Szenen ziehen kann, was heutzutage bestimmt kein Regisseur mehr hinbekommen würde, da es dem schnellen Schnitt arg zuwider läuft. Er war vielleicht ein wenig der Sergio Leone des Horror-Films, ein Vergleich, der sich noch schön dadurch verlängern lässt, dass ausgerechnet dessen Hausmusiker Ennio Morricone die Musik zu „Das Ding“ komponierte… aber wir schweifen ab.

„The Fog – Nebel des Grauens“ war einer jener dieser Filme, die in meiner Kindheit spät abends im Fernsehen liefen und total gruselig waren. Leider verliert er, so wie die Morlocks in „Die Zeitmaschine“, inzwischen ein wenig an Gruseligkeit, was schade ist. Wie viele Regisseure hatte auch Carpenter ein paar Schauspieler, mit denen er offensichtlich gerne, weil öfter, zusammengearbeitet hat. Dazu gehört neben Adrienne Barbeau, Tom Atkins und Donald Pleasence natürlich an erster Stelle Kurt Russell, mit dem er u.a. auch den hervorragenden „Die Klapperschlange“ („Escape von New York“) drehte. Was dieser Film mit dem „Ding“ gemein hat, ist, dass Russell hier eine Art Antihelden verkörpert – und dass beide Filme ein extrem offenes Ende haben.

„Das Ding aus einer anderen Welt“

Während, wie gesagt, viele von Carpenters Filmen mit einem Remake gestraft wurden („Halloween“, „Assault on Precinct 13“, „The Fog“, „Escape from New York“ – und das sogar von ihm selbst!), so ist ironischerweise „Das Ding“ selbst ein Remake – aber ein verdammt gutes! Während das Ding im Original eher mal an die Tür klopft und sich dann ein Stelldichein im Gewächshaus gibt, schafft Carpenter eine Welt der Paranoia. Jeder, wirklich fast jeder könnte der Außerirdische sein. Carpenter entwickelt diese Situation so brillant, dass man auch als Zuschauer keine Ahnung mehr hat, wem man da eigentlich trauen kann.

Der Film ist, wie man an den Monstern und dem Blut unschwer erkennen kann, ein Horrorfilm. Ähnlich wie bei „Alien“ schaltet das „Fremde Wesen aus einer anderen Welt“ einen der Menschen nach dem anderen aus, doch nicht immer durch Umbringen, sondern dadurch, dass es seine Gestalt annimmt… und ihn umbringt! Angesiedelt ist die Handlung in der Antarktis und es gibt keine Frauen, nur übellaunige Männer – wahrscheinlich, weil es keine Frauen gibt! Während die Außenaufnahmen im ewigen Eis Kälte und Weite zeigen, erscheinen die innerhalb des Komplexes schon fast klaustrophobisch. Der Tod lauert hinter jeder Ecke oder aber in der Kälte – eine Situation, aus der es kein Entkommen gibt und für das todbringende Wesen auch keins geben sollte.

Am Schluss sind nicht mehr viele übrig, zwei Protagonisten. Haben sie das „Ding“ besiegt? Nun, wenn man dem Audiokommentar von Carpenter und Russell lauscht, dann gibt es da durchaus einen Hinweis darauf, ob einer der beiden vielleicht vom Außerirdischen übernommen wurde. Achten Sie einfach mal auf die Kondensation der Luft beim Ausatmen!

„The Thing“

Und da „Das Ding“ so herrlich offen endet, liegt es natürlich nahe, statt einer Fortsetzung ein Prequel zu machen. Wobei ich den Machern wirklich zugute halten möchte, dass sie Fans des Originals sind und sich wirklich Mühe gegeben haben. Aber, wie das nun mal ist, wenn man sich mit einem Meilenstein anlegt, man hat eigentlich keine Chance. Oder haben wir vergessen, wie gut „Scarlet“ doch im Vergleich zu „Vom Winde verweht“ angekommen ist?

Jedenfalls hat man sich entschlossen, eine Geschichte innerhalb der Geschichte zu erzählen. Bei Carpenter gibt es nämlich eine norwegische Station, die das Ding findet, ausgräbt und dann ungeschickterweise zum Leben erweckt. Diese Geschichte wird nur angedeutet – und, wenn man das nun mit dem Film hier vergleicht – manche Dinge funktionieren einfach besser in der Phantasie. Wenn man sich ausmalt, was vielleicht bei den Norwegern passiert ist, dann ist das wahrscheinlich weit gruseliger, als das, was uns der Film nun bietet. Denn der erzählt diese Geschichte – mit einem aufmerksamen Blick auf die Carpenter-Version, aber dennoch mit einigen Abweichungen.

Zum Beispiel sieht man bei Carpenter in einem Video, wie die Norweger das Eis sprengen, um das UFO freizulegen – hier schmilzt es das Eis weg, weil der Antrieb angeschaltet wird. Gut, man könnte darüber hinwegsehen, aber was hier einfach nicht stimmt – wie so oft in letzter Zeit – ist das Feeling. Carpenters Film fühlt sich an wie in den 80ern, weil er in den 80ern gedreht wurde. Das hier soll ebenfalls in dieser Zeit spielen, wirkt aber einfach nicht so. Hinzu kommt, dass man dann gerne Computereffekte verwendet, während Carpenter mit blutiger Wirklichkeit arbeitete, Prothesen, Puppen, Gedärme. Irgendwie wirkt alles zu gelackt, zu modern, zu sauber – und natürlich sind es nicht nur Norweger, sondern a) auch Amerikaner und b) Frauen. Was irgendwo ein wenig sinnlos ist und unnötig – außer natürlich vom Marketingstandpunkt. Was allerdings am meisten fehlt ist das Gefühl der Eingeschlossenheit, der Enge, der Klaustrophobie. Man versucht zwar, das nachzuempfinden, aber es klappt nicht.

Während bei Carpenter das Ding sich eigentlich nur dann zeigt, wenn es damit was aussagen will – also jemanden umbringen oder so – scheint es hier ein wenig wahllos seine Form und damit sich preiszugeben, weil man eben alle paar Minuten einen Horroreffekt braucht, damit einem das Publikum nicht wegpennt.

„Dingenskirchen“

Man kann also sagen, dass Carpenter seine Sache besser macht, vor allem, weil er das Ding besser und sinnvoller einsetzt. Während es in der neuen Version ein wenig zum Angeber-Ding verkommt, das ständig zeigen muss, dass es den längsten hat… Atem, denn es liegt ja schon seit 100 Millionen Jahren im Eis, tritt es bei Carpenter nur dann in Erscheinung, wenn es dramaturgisch wichtig ist.

Obwohl natürlich auch dessen Version nicht ganz ohne Makel ist, wenn man das mal zu genau betrachten will. Da wäre zum Beispiel die Frage, warum das Schiff 20 Meter unter Eis liegt, sein Pilot aber nur 2, obwohl die Theorie besagt, dass der wohl zur gleichen Zeit rausgegangen ist.

Warum untersuchen Kurt Russell und seine Kollegen das Schiff nicht – okay, aus finanziellen Gründen, weil das die Kosten des Films wahrscheinlich in die Höhe getrieben hätte und für die Handlung auch streng genommen keine Rolle spielt.

Was allerdings beide Versionen nicht so ganz hinbekommen… ich meine, das ist doch am Pol, oder? Und sollte da nicht der Tag sechs Monate und die Nacht sechs Monate dauern? Also entweder erstreckt sich die Handlung beider Filme tatsächlich über mehrere Jahre… oder die haben das einfach irgendwie ignoriert!

Halb_Fiction482

von Martin Cordemann

Börk – die Fernsehserie, die es niemals gab

Eine Fernsehserie, die es niemals gab? Und dazu gibt es ein Buch? Und dann ist das auch noch die reinste Schleichwerbung? Geht das denn überhaupt? Ja, ja – und ja!

Aber müsste es streng genommen nicht heissen:

„Börk – die Krimiserie, die es niemals gab“

Ja, das müsste es. Aber es gibt ein bis zwei Gründe dafür, warum das nicht so ist. Oder warum das so ist. Eins von beiden. Oder beides. Der Hauptgrund aber ist: Verkaufen! Aber ist er das in der Kunst nicht immer?! Nuuuuun, sollte eigentlich nicht, ist aber wahrscheinlich schon. Zumindest in vielen Fällen.

Klingt das alles verwirrender als sonst? Ja, das tut es. Also versuchen wir doch einfach mal, zur Sache zur kommen. Bei „Börk“ handelt es sich um eine Serie… um ein Buch… um eine Figur. Es ist das Buch zu einer Serie, die niemals produziert wurde. Gut, dieses Schicksal widerfährt vielen Serien, aber in den seltensten Fällen schreiben die Autoren, die ja sonst nix besseres zu tun haben, dann auch noch eine komplette Serie, weil… das Schwachsinn wäre, weil es ihnen ja niemand bezahlt. Bei „Börk“ war das anders. Nein, es ist auch Schwachsinn und es ist auch nicht bezahlt, aber der Autor hat sich leider nicht davon abhalten lassen und trotzdem eine komplette Serie mit 16 Episoden geschrieben. Und zwar als Drehbücher, da es ab einem gewissen Punkt als Fernsehserie gedacht gewesen war. Da aber keine Sau Drehbücher liest, hat er sie für diese Ausgabe in Geschichten umgeschrieben. Die aber fast alle auch einen kleinen Krimifall enthalten. Und da die Leute bei einem unbekannten Buch mit einem nichtssagenden Titel („Börk“) sich wahrscheinlich kaum für eine obskure „Fernsehserie“ interessieren würden, wurde mit dem Begriff „Krimiserie“ der Versuch unternommen, wenigstens das krimiaffine Publikum anzusprechen – soviel also zum Titel.

Das Buch zum Drehbuch zum Hörspiel zum Comic zum Drehbuch zur Kurzgeschichte

Das klingt ebenfalls verwirrend. Und ist es auch. Muss aber nicht. Denn wenn man die Entstehungsgeschichte von „Börk“ verfolgt – und, machen wir uns nichts vor, wir haben hier eh nichts Besseres zu tun – dann muss man feststellen, dass es zunächst eine Kurzgeschichte um zwei Filmdetektive gab (die Filme herausfinden konnten, wenn man sie gefragt hätte), aus der dann ein Drehbuch wurde. Dem Autor gefielen die beiden Figuren „Millhouse und Burns“ ganz gut, doch die englischen Namen (die übrigens von den „Simpsons“ kommen) taugten dann für Deutschland eigentlich eher weniger und so wurden daraus die beiden Polizisten „Börk und Müller“. Sie erlebten ihre erste Geschichte ebenfalls in einem Drehbuch mit dem Titel „Zeugen sind vergänglich“. Doch dann lernte der Autor einen Comiczeichner kennen und so kam die Idee auf, daraus einen Comic zu machen, oder, noch besser, eine Comicserie. Wie man an diesem Blog und seinen Ausmaßen erkennen kann, steigert sich dieser Autor gerne in eine derartige Aufgabe hinein und so entstanden ein paar Manuskripte für Episoden. Zeichner jedoch haben wenig Zeit und so kam es nie zu den Comics. Dieser Autor hatte jedoch genug Zeit (zuviel, um genau zu sein) und wenn man nicht zeichnen kann aber sprechen und einem es der Computer erlaubt, ohne viel Aufwand Hörspiele aufzunehmen, dann entscheidet man sich unter Umständen für diesen Weg. Langer Satz, kurzer Sinn: Die Texte wurden zu Hörspielen umgeschrieben und 8 Episoden in Eigenarbeit in allen Rollen aufgenommen. Aus welchem idiotischen Grund heraus dann irgendwann die Idee entstand, das ganze einmal mehr umzuschreiben und diesmal zu einer Fernsehserie, die es in Manuskriptform dann auf 16 Episoden brachte, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Fakt ist: Es ist passiert! Und da Drehbücher wahrscheinlich weniger Leute lesen als Krimigeschichten oder Kriminalromane, lag es dann nahe, mit der Möglichkeit einer Veröffentlichung des Ganzen als E-Book, alles in eine lesbarere Form umzuschreiben. Das Ergebnis davon liegt nun vor.

Das erste Buch mit Bonusmaterial!!!

Ist es ein Roman, der wie eine Serie aufgebaut ist? Ist es eine Serie, die wie ein Roman geschrieben ist? Ja! Und warum das so ist, habe ich ja schon beschrieben. Wenn man aber schon mal so eine Art Fernsehserie im Buchformat hat, dann darf eines natürlich nicht fehlen: Bonusmaterial!

Gut, nicht jede DVD bietet das, aber da es hier um ein E-Buch geht, bei dem der Umfang ja eigentlich egal ist, weil für den Druck keine unschuldigen Bäume sterben müssen, kann man ja aus einem „gewöhnlichen“ Krimi auch mal etwas mehr machen. Also gibt es in diesem Buch neben dem Romanteil auch eine Menge Zusatzmaterial – und ich hoffe sehr, dass es tatsächlich das erste Buch ist, das so etwas hat! Neben einer Einleitung von Regisseur Frank Fish bietet „Börk“ auch noch ein paar Making-ofs, zum Beispiel über die Entstehungsgeschichte, aber auch Vergleiche verschiedener Fassungen desselben Textes und Teile der „verlorenen Episode“. Es gibt sogar einen Kommentar – keinen Audiokommentar, natürlich, aber einen, der auf eine bestimmte Geschichte eingeht. Angedacht war das als zweispaltige Sache, in der in der einen die Geschichte und in der anderen der Kommentar zu lesen stehen würde, doch das schien sich im E-Book nicht so recht umsetzen zu lassen. So ist es also eher abwechselnd. Natürlich dürfen auch Interviews nicht fehlen, die das Gesamtpakat abrunden.

Ja, das ist schamlose Werbung!

Ich gebe es zu. Aber wann war ich je unehrlich zu Ihnen? Das Medium des E-Books hat es ermöglicht, dass dieses Werk, das insgesamt eine Entstehungszeit von rund 15 Jahren haben dürfte, nicht mehr einsam in der Schublade herumliegen muss, sondern einer kleinen Auswahl von Leuten, die sich für so etwas interessieren, gegen Geld zur Verfügung gestellt werden kann. Ja, gegen Geld, denn eine Arbeit von 15 Jahren möchte man ja auch nicht einfach für lau unters Volk schmeißen – wahrscheinlich noch mit dem Ergebnis, dass irgendwelche Leute das als Aufforderung sehen, all das zu klauen und selbst Kohle damit zu machen.

Somit hat „Börk“ nach vielen, vielen Jahren also das Licht einer kleinen Öffentlichkeit erblickt und ich habe vor, noch weitere meiner Werke als E-Book zur Verfügung zu stellen – aber ich werde nicht jedes Mal hier darüber berichten!

Wer sich also einen Eindruck davon verschaffen möchte, ob „Börk“ eine brauchbare oder vielleicht auch nur eine weitere beschissene Serie geworden wäre, der hat die Möglichkeit, einen Blick ins Buch zu werfen und sich eine eigene Meinung zu bilden: http://www.amazon.de/B%C3%B6rk-Die-Krimiserie-die-niemals-ebook/dp/B00H8I2GDG/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1386748320&sr=1-1&keywords=martin+cordemann

Oder direkt bei neobooks: http://www.neobooks.com/werk/28128-boerk.html

Denn eins kann ich nun wirklich nicht tun: eine Bewertung zu „Börk“ schreiben!

Halb_FictionMakingOf

von Martin Cordemann

Dumme Filmklischees aus der Hölle

– Denn der Horrorfilm schreckt vor nichts zurück…

…außer vor Klischees! Oh ja, aber spätestens seit den „Scream“-Filmen wissen wir das ja alle. Aber, wie das so ist, es gibt nicht nur inhaltliche, sondern auch formale Klischees.

Laut huschen

Dass Licht fast immer mit Geräusch ausgeht, hatten wir ja schon früher geklärt. Aber gerade das Horrorgenre scheint sehr stark abhängig von akustischen Effekten zu sein, um den gezeigten Horror zu unterstreichen. So ist es denn auch mit dem Huschen. Wir kennen das, im Hinter- oder Vordergrund huscht schnell eine dunkle Gestalt vorbei, die wahrscheinlich nichts Gutes im Schilde führt. Für den Protagonisten des Films tut sie das natürlich lautlos, denn er bemerkt sie nicht. Damit wir als Zuschauer aber a) wissen, dass die Gestalt wahrscheinlich nicht unser Freund ist und, wahrscheinlich, b) damit wir das schnelle Vorbeihuschen nicht verpassen, ist diese Aktion immer mit einem bedrohlichen Sound unterlegt. (Als Beispiel gäbe es da u.a. die Szene auf dem World Trade Center in „Die Klapperschlange“, aber ich denke, Sie werden noch andere finden.)

Spiegeltüren, Spiegel und Türen

Ich muss gestehen, einer meiner Lieblingshorroreffekte ist der Spiegel, bzw. die Welt, die sich dahinter befindet. Streng genommen schwachsinnig, weil es ja nur die Reflektion der Umwelt ist, aber doch immer wieder schön, wenn sich die Welt im Spiegel von der Außenwelt unterscheidet. Worauf man sich aber fast immer verlassen kann, ist, dass, wenn eine Spiegeltür involviert ist, oder auch nur ein Kameraschwenk, eine Veränderung kommt. Das funktioniert übrigens auch mit Kühlschranktüren. Steht eine Person davor und wir sehen nicht, was dahinter ist, können wir relativ sicher sein, dass, sobald sie die Tür schließt, im nun sichtbaren Raum jemand steht. Das nennt man einen Schockeffekt. Mit einer Spiegeltür verhält es sich ganz ähnlich; steht die Person davor ist alles normal, dann öffnet sie sie, um in den Schrank dahinter zu schauen, doch sobald sie geschlossen ist, sieht man im Spiegel, dass jemand hinter der Person steht – sei es in der Wirklichkeit oder nur im Spiegeluniversum. Diesen Trick kann man natürlich auch mit einem einfachen Schwenk der Kamera erzielen – und, ich muss gestehen, ich halte das noch immer für sehr effektiv!

Vorlage uuuund… Schuss!

Es hat sich inzwischen eingebürgert, und auch das finde ich nicht schlecht, nur eben leider vorhersehbar. Es wird eine unheimliche Situation aufgebaut, es findet eine Hinführung zu einem Schockeffekt statt – doch der wird dann ironisch gebrochen. Das Publikum atmet auf, lacht – und dann kommt der eigentliche Schocker. Wie gesagt, eigentlich sehr schön, aber wenn man damit rechnet, verliert es ein bisschen seine Wirkung.

Monster-Upgrade

Kein Monster tut mehr das, wozu es dereinst konzipiert wurde. Ach, erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Vampire bei Tag Flugverbot hatten, Werwölfe auf den Mondzyklus angewiesen waren und Haie noch aufs Wasser beschränkt waren? All das hat sich inzwischen geändert. Dein Freund der Vampir kann bei wolkigem Himmel auch tagsüber Spaziergänge machen, Werwölfe verwandeln sich, wann immer es ihnen oder den Drehbuchautoren passt und selbst Haie haben inzwischen einen Weg gefunden, die Leute in ihren Wohnzimmern zu behelligen.

Auch Mumien sind nicht mehr kleidsam in Bandagen gewickelt, Frankensteins Monster wird von Oscar-Preisträgern gespielt (Robert de Niro) und selbstverliebten Shakespeare-Mimen inszeniert (Kenneth Brannagh), fehlt nur noch, dass „Godzilla“ nicht mehr ein Typ im Gummianzug ist, der durch eine Miniaturstadt trampelt… Oder, dass Zombies nicht mehr lahmarschig sind… Ach, Mist!

Augenaufschlag

Dann gibt es natürlich immer wieder diesen Shot aufs Gesicht. Aufs Gesicht der Leiche, wohlgemerkt. Denn wir wissen, die Person, die wir da sehen, ist tot. Doch wir wissen noch etwas anderes: Wenn die Kamera lange genug auf dem Gesicht verharrt, dann gibt es eine Überraschung für uns! Nein, es ist kein Lottogewinn. Und auch kein kluges Ende für einen dummen Film. Sondern nur, dass – ganz besonders, wenn wir uns am Ende des Films befinden und man mit einem offenen Ende aufhören will – der Tote plötzlich seine Augen öffnet. Auch das prinzipiell eine schöne Idee, auch das aber inzwischen so oft gemacht, das es der Überraschungseffekt einfach schwer hat. Wann fällt euch endlich mal was Neues ein? Wie zum Beispiel… schnelle Zombies?! Ach nee, den Punkt hatten wir ja schon!

Tür zu!

Auch das ist in Horrorfilmen immer sehr beliebt: Die zuschlagende Tür. Obwohl niemand da ist, der sie zuschlägt. Was uns sagt: Da ist was Unheimliches am Werke! Wie und wo uns das passiert, kann variieren. Sei es in einem Zimmer, um einen der Protagonisten von der Außenwelt abzuschneiden – was von beiden Seiten der Tür aus passieren kann. Oder sei es, wie z.B. bei „The Innkeepers“, um dem Zuschauer selbst noch einmal die Tür vor der Nase zuzuschlagen und damit das Übernatürliche herauszuarbeiten. Unterm Strich heißt das aber, dass Geister (oder andere übernatürliche Wesen) schlicht nicht in der Lage sind, eine Tür mal sanft und leise zu schließen – nervtötende Bastarde!

„So schlecht, dass es schon wieder gut ist“

Zu guter Letzt wollen wir mal mit einem Vorurteil aufräumen. So gut wie nichts ist „so schlecht, dass es schon wieder gut ist“. Es gibt wenige Ausnahmen, aber bei denen ist das Schlechte geplant, gewollt, so konzipiert und umgesetzt. Der Film „Ed Wood“ zeigt die Arbeit des Regisseurs als schlecht, aber wenn man es in diesem gut gemachten Film sieht, wird das Schlecht dadurch gut. Gewissermaßen.

Korrekt müsste es eigentlich heißen: „So schlecht, dass es schon wieder unterhaltsam ist“! Das trifft tatsächlich gut, denn haarsträubende Unfähigkeit und Diletantentum wird nun einmal nicht gut. Jüngstes Beispiel der „Film“ „Sharknado“, der die Werke von Ed Wood wie Filmkunst aussehen lässt. Er bietet eine Mischung von miesen Schauspielern, miesen Spezialeffekten (gehört eigentlich auch in Anführungsstriche) und einem Drehbuch, das so mies ist, dass sich selbst die CGI-Haie des Films damit nicht den Arsch abwischen würden, sofern sie einen haben. Das alles ist wirklich, wirklich schlecht, aber bis zu dem Zeitpunkt, wo man anfängt, sich wirklich, wirklich zu langweilen (oder ärgern), ist das ganze unterhaltsam – weil es so unglaublich schlecht ist. Aber, und ich werde nicht müde, das zu sagen, dadurch wird es wirklich, wirklich nicht gut!

Halb_Fiction331

von Martin Cordemann

Hilfe, die Aliens kommen!

– aus unserer Reihe: „Filmverriss“

Der gemeine Außerirdische ist… naja, ein gemeiner Außerirdischer halt. Wobei mit „gemein“ „fies“ und „böse“ gemeint ist. Der kommt hierher, um uns die Jobs wegzunehmen… nee, um unsere Frauen flachzulegen… nee, um… ach, um alles kaputt zu machen, genau! Streng genommen ist das eigentlich sein einziges Anliegen, wenn man die diesbezüglichen Filme zu Rate zieht. Denn die Außerirdischen kommen hierher, um, wie Will Smith es in „Independence Day“ sehr treffend sagt, „hier herumzupöbeln“. Leider ist das das einzige treffende, was Will Smith in dem ganzen Film von sich gibt. Oder sonst jemand.

„Unabhängigkeitstag – der Film“

Es ist so schade, dass so wenig Filme von Roland Emmerich einen korrekt übersetzten Titel bekommen, denn dann würde der zu Unrecht erfolgende Erfolg an der Kinokasse wahrscheinlich ausbleiben. Werke wie „Unabhängigkeitstag“ oder „Übermorgen“ würden wohl direkt ihren Reiz verlieren – und nicht erst, wenn man sie sieht.

Aber kommen wir zurück zum „Independence Day“, ein wahrhaft symbolisches Datum (für den Amerikaner), um die Aliens in die Flucht zu schlagen. Hier muss man unterscheiden zwischen „bösen Aliens“ (Außerirdische) und „illegal Aliens“ (Mexikaner), wobei es dem Amerikaner bisher nur gelungen ist, sich eine der beiden Kategorien erfolgreich vom Hals zu halten.

Machen wir uns nichts vor, wenn die Außerirdischen aus den Tiefen des Weltraums hierher kommen, um uns eins aufs Dach zu geben, dann sollten sie einen von zwei Gründen haben:

a) sie finden die Menschheit blöd und wollen verhindern, dass die irgendwann ihren Planeten besucht, um sie zu vernichten (was passieren würde, wenn es die Menschheit irgendwann schaffen würde, ihren Planeten zu verlassen)

b) sie benötigen Wasser und Brot… nee, Sauerstoff, Wasser und Sauerstoff und die Temperaturen hier, also quasi die Lebensbedingungen auf der Erde, denn für alles andere wie Naturschätze und so bieten sich andere Himmelskörper garantiert mehr an

Was, Sie meinen, es gäbe noch

c) um die Menschheit als billige Arbeitskräfte zu versklaven?

Ganz ehrlich, wer so weit reisen kann, sollte genug Ahnung von Technik haben, um sich ganze Armeen von Robotersklaven zu bauen, also ich glaube, das können wir ausklammern.

Good Look… äh, Luck!

Man kann ja viel Schlechtes über die Filme von Roland Emmerich sagen – und wenn ich mich dazu aufraffen würde, würde ich das auch – aber die Effekte sehen meistens einfach ziemlich klasse aus. Die Bücher sind beschissen, die Handlung ist doof, aber die Effekte sind großartig. Ob nun die Welt untergeht („Independence Day“), die Welt untergeht („The Day After Tomorrow“) oder die Welt untergeht („2012“) – es sieht immer gut aus. Nicht so gut, dass man sich wünschen würde, dass bald die Welt untergeht, damit man das im Vergleich sehen könnte, aber schon recht gut. Wie gesagt, das Problem liegt in den Büchern…

Und nein, man kann sich mit einer Invasion durch Außerirdische intelligent auseinandersetzen. Kenneth C. Johnson hat das mit seiner Serie „V“ in den 80ern bewiesen. Das ist also kein Argument. Dass diese Serie bzw. deren Anfangssequenz durchaus als Blaupause für den Beginn dieses Films herhalten kann, sei einmal dahingestellt. Also was passiert…

Nur Schwachsinn! Vermengt mit zu vielen Figuren, die Tiefe vorgaukeln sollen, was aber nicht funktioniert. Der alkoholkranke Pilot und Vater von drei Kindern, der von Außerirdischen entführt wurde und es ihnen nun heimzahlen kann. Der Pilot und die Stripperin. Der Präsident und seine sterbende Frau. Der Mann. Die da. Und Animal Mother aus „Full Metal Jacket“. Das fand ich schön, dass man hier erfährt, was später aus dem Vietnam-Veteranen geworden ist und dass er jetzt in „Area 51“ arbeitet… nehm ich jedenfalls an, dass das dieselbe Figur ist. Und dann ist da noch Jeff Goldblum, der dem Film krampfhaft eine Aussage aufzwingen soll, indem er Recycling betreibt, aber nicht verhindert, dass jemand einer Atombombe über eine Stadt abwirft – GEEEnau!

Außerirdische Intelligenz…

…sucht man hier vergebens, denn wenn sich die Außerirdischen von den blöden, kriegsgeilen Amerikanern übertölpeln lassen, dann kann man sie wohl kaum als intelligent bezeichnen. Ihr ganzer Angriffsplan stinkt nach Idiotie. „Sie benutzen die Satelliten der Erde, um ihren Angriff zu koordinieren.“ Völlig idiotisch. Hinkommen, alles zerbomben und gut. Da ist es doch scheißegal, ob man das gleichzeitig macht oder nicht, wenn man eine überlegene Waffentechnik hat, kann es einem völlig egal sein. Und dann bombardieren sie unwichtige Wohnwagensiedlungen, lassen aber ganze Flugplätze mit Düsenjägern intakt? Was n das für’n Plan? Wie doof sind denn diese Außerirdischen? Ganz ehrlich, die verdienen es, zu verlieren!

Aber natürlich nicht ohne ein Maximum an Unglaubwürdigkeit. Das Raumschiff, das seit den 50ern in einer Garage des Militärs vor sich hingammelt, wird nun von einem inkompetenten Piloten geflogen, obwohl es sonst nie einer in Bewegung bekommen hat. Unter der Tragfläche eine gigantische Bombe, die die Außerirdischen natürlich nicht bemerken, als man damit bei ihnen ins Mutterschiff hinein fliegt. Und die überaus glückliche Annahme, dass alle Tochterschiffe an der gleichen Strom/Energie/Virusquelle hängen und man mit einem Virus direkt die Schutzschilde der ganzen Flotte lahm legt, hey, das hätte auch derbe daneben gehen können. Und sollen, wenn die Außerirdischen nicht solche Deppen wären!

Pat Riotitmus

Mit das Schlimmste an diesem Film ist aber der zum Kotzen ausgebreitete Patriotismus. Und das von einem deutschen Regisseur, was das ganze noch peinlicher macht. Aber dass am Ende das gute Militär siegt, das baut auf. Hurra! Und dann noch die Brechreiz erregende Episode, wenn Animal Mother den Kindern des versoffenen Piloten dazu gratuliert, dass ihr Papa jetzt tot ist. Äh, dass er ein Held war – und deswegen jetzt tot ist. Irgendwas in der Art. Zum Kotzen!

Relativ zeitgleich kam ein anderer Film heraus, der sich mit einer ähnlichen Thematik beschäftigte, wenn auch auf eine weit realistischere Art und Weise. Gemeint ist natürlich Tim Burtons „Mars Attacks!“, der zwar auf den ersten Blick wie eine Parodie auf „Independence Day“ wirkt, auf den zweiten Blick aber durchaus eine sein könnte. Und wenn man die beiden Arten vergleicht, wie man über die Außerirdischen siegt, dann finde ich die bei „Mars Attacks!“ wirklich weit glaubwürdiger!

Halb_Fiction532

von Martin Cordemann