Das hat nix zu bedeuten!

Wörter verlieren ihre Bedeutung. Gut, nicht alle – und, gut, das war schon immer so. Aber trotzdem wollen wir an dieser Stelle mal den Verlust der Bedeutung einiger Wörter betrauern, die in unserer Jugend (gut, meiner Jugend) noch etwas anderes meinten, als heute. Oftmals liegt es natürlich an dem Zusammenhang, in dem sie gebraucht werden, dass sie einfach nicht das sagen, was sie sagen sollten. Beginnen wir

JETZT

„Jetzt“ hieß einmal so etwas wie „sofort“ oder „in diesem Moment“. Es gab den Zeitpunkt an, zu dem man sich gerade befand und schloss eine Warteperiode aus. Doch es gibt eine deutsche Organisation, die diese Bedeutung Lügen straft, die das gute „jetzt“ verrät, ja geradezu verspottet. Gemeint ist: die Deutsche Bahn! Oh ja, sie machen das Wort zu einem Lügner, einem Scharlatan. Denn wenn sie durch ihre unverständlichen Lautsprecher verkünden „Zug fährt jetzt ein“, kann man in beide Richtungen des Gleises schauen – und vom Zug keine Spur. Das ist kein „jetzt“, das ist ein „in Kürze“, ein „gleich“, schlimmstenfalls ein „in wenigen Minuten“. Aber wenn man die Ankunft des Zuges als „jetzt“ tituliert, dann sollte er verdammtnochmal auch schon da sein! Doch „jetzt“ ist nicht das einzige Wort, dem man nicht mehr vertrauen kann.

FREE

Und damit ist nicht gemeint „frei“, sondern „umsonst“. Und wer belügt uns auf diese schamlose Art und Weise? Richtig, das Internet. Denn wo immer man dort das Wort „free“ lesen kann, kann man sich darauf verlassen, dass es etwas kostet! Und wenn es schlicht ironisch gemeint wäre, dann muss man leider attestieren, dass sich so etwas in einer rein geschriebenen Botschaft nicht überträgt, obwohl, wäre es so gedacht, wäre das natürlich schlicht

GENIAL

Ein Wort, das inzwischen nahezu jeglichen Wert verloren hat. Früher kam das mal von „Genie“, von jemand oder etwas, das einfach mehr als nur „klug“ war, sondern irgendwie „verdammtklug“ (oder neudeutsch: „scheißklug“), so wie mit verbundenen Augen in einen Wassertank eingesperrt ohne Atemmaske einen Schachcomputer in vier Zügen zu schlagen. Oder Einstein, also sich Erklärungen auszudenken, die so schlau sind, dass sie zu Lebzeiten einfach niemand widerlegen kann. Etwas, das den Horizont der meisten Menschen schlicht und locker einfach weit überschreitet, das war genial. Heute dagegen ist deine Frisur genial, das neue Handy ist genial (klar, als Smartphone ist es eh meist schlauer als seine Besitzer), selbst das Badetuch am Strand kann genial sein. Oh du Wort für das Große, das Unerreichbare, das Unfassbare, oh wie tief bist du gesunken! Ganz ehrlich, dich werde ich wohl am meisten vermissen! Und deshalb bekommst du von mir auch keine

EINLADUNG

Dies wiederum ist einer der Begriffe, der von dem bekanntesten aller sozialen Netzwerke gerade systematisch zerstört wird – ohne, dass sich jemand dagegen auflehnt. Denn wie oft wird man zu einer Veranstaltung „eingeladen“? Und was bedeutet das denn bitte? Nun, prinzipiell gibt es dafür zwei Möglichkeiten. Wenn man Künstler ist, kann es bedeuten, dass man eingeladen wird, bei einer Veranstaltung aufzutreten. Das ist durchaus möglich und eine durchaus korrekte Bezeichnung dafür. Dann gäbe es natürlich noch die Alternative, gerade für die (wahrscheinlich wenigen) Nichtkünstler unter uns, dass man eingeladen wird zu einer Veranstaltung… und das heißt, man zahlt keinen Eintritt. Das, meine lieben Freunde, versteht man unter einer „Einladung“. Wenn ich jemanden zum Essen einlade, dann heißt das ja auch nicht, wir kommen beide und jeder zahlt seine eigene Rechnung. Eine, wie es Facebook und die ganzen Leute meinen, die mich ständig einladen, „Einladung, sich gegen Eintrittspreis einer Veranstaltung anzusehen“ ist also keine EINLADUNG, ich hoffe, ihr kapiert das endlich mal! Und wo wir schon mal bei Facebook sind, ganz ehrlich, davon bin ich nicht wirklich ein

FREUND

Dies ist dann wohl der Begriff, den Facebook am stärksten verwässert hat. Doch, das muss man denen hoch anrechnen, nein, das sollten die sich eigentlich auf ihre Fahnen schreiben, die sie sich nach ihrem misslungenen Börsengang dann vielleicht doch nicht mehr leisten können, aber nichts wurde von diesem „sozialen Netzwerk“ so sehr pervertiert, so sehr entwertet, wie der Begriff „Freund“. Dereinst war das jemand, den man nicht nur gut kannte, sondern eigentlich auch mochte und dem man vertraute. Aber hey, das war vor Handy und Internet, vielleicht ist das ja jetzt anders. Bei Facebook jedoch wird aus dem Vertrauten eine gesichtslose Zahl Halbunbekannter, die einen schlimmstenfalls täglich mit ihrer unerträglichen Selbstdarstellung nerven, die einem vorführen, dass ein langweiliges Leben auch nicht dadurch spannender wird, dass man darüber schreibt und andere daran teilhaben lässt oder die einen mit ihrer Wichtigtuerei behelligen. Das sind also „Freunde“? Na, dann schreiben Sie denen doch mal: „Bin grad völlig abgebrannt und aus meiner Wohnung geflogen, kannst du mir Kohle leihen und kann ich n paar Wochen bei dir wohnen, ich steh nämlich grad unten vor deiner Tür?“ Mal sehen, wie viele Freunde Sie dann noch haben!

Halb_Fiction504

von Martin Cordemann

Dumme Filmklischees aus dem Weltraum

– Denn in der Zukunft ist alles besser…

…außer den Klischees! Wobei wir den Klassiker, dass es im Weltraum keine Luft und damit auch keine Geräusche gibt, einfach mal ignorieren. Wer sehen möchte, wie der Weltraum ohne Geräusche wirkt, sollte sich Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ ansehen… falls er die Affen aushält.

Seins, Fiction

Wenn wir uns im Weltraum befinden, oder in der Zukunft, oder beides, dann hat das den Vorteil, dass man alles behaupten kann – kann ja kein Mensch nachprüfen! Und überhaupt, wer hat denn schon Ahnung von so was? Nun, leider selbst oft die Autoren von Science Fiction Filmen nicht. Was die Sache nicht unbedingt vereinfacht. Hier also mal ein kleines Glossar, was gerne falsch gemacht wird von Leuten, die einfach keine Ahnung haben:

  • „Lichtjahr“ ist keine Zeiteinheit, sondern eine Entfernungsangabe. Das Licht braucht von unserer Sonne zur Erde etwa 8 Minuten (Lichtgeschwindigkeit), demnach ist unsere Sonne von der Erde 8 Lichtminuten entfernt. Also, war das denn so schwer?
  • „Sterne“ sind Himmelskörper, die selber leuchten (wie die Sonne), wenn Sie also „auf einem Stern landen“ wollen, verbrennen Sie sich die Füße… und einiges andere!
  • „Planeten“ sind Himmelskörper wie die Erde, keine Sonnen. Wie Venus, Mars und Snickers reflektieren sie das Licht, leuchten aber nicht von selbst, wie es Sterne tun (siehe „Sterne“).
  • „Parsec“ ist eine Entfernungseinheit. Auch wenn George Lucas im Audiokommentar sagt, dass bei ihm die Leute dadurch schneller sind, dass sie die kürzesten Wege finden, ist das Schwachsinn! Han Solo sagt, dass sein Schiff den Kesselflug in weniger als soundsoviel Parsec gemacht hat und dass der Falke „anderthalbfache Lichtgeschwindigkeit“ macht. Ganz ehrlich, wie will man im Weltraum irgendwo abkürzen? Und wie klein ist deren Galaxie? Weil, mit anderthalbfacher Lichtgeschwindigkeit ist er da so oder so ganz schön lange unterwegs! (Der nächste Stern von der Erde aus ist um die vier Lichtjahre entfernt, da bräuchte Freund Solo also ne ganze Menge Zeit, bis er dann da ist.)
  • „Giger, H.R.“ ist derjenige, der das „Alien“ geschaffen hat.

Sol 3

Ein weiteres Klischee von schlecht durchdachter Science Fiction: Die Nummerierung von Planeten. Streng genommen ja nicht verkehrt, was aber völlig idiotisch ist, dass die Leute, die dort leben, ihren Planeten genauso nennen, also zum Beispiel „Wir sind von Aldebaran 4“. Völliger Quatsch! Das wäre genauso, als würden wir sagen: „Wir kommen von Sol 3.“

(Für alle, die nicht wissen, was das bedeutet: Der Stern in unserem System, die Sonne, heißt „Sol“ und die Erde ist der dritte Planet von der Sonne aus gerechnet, also Sol 3.)

Zeit ist relativ

Und damit wollen wir jetzt noch nichtmal auf das weite Feld des Zeitreisens eingehen. Damit könnte man ganze Bücher füllen… und hat man, genau genommen, auch. Nein, worum es heute geht ist der Begriff der Zeit.

Ich weiß, das ist etwas spitzfindig und man macht es in den Filmen so, damit der Zuschauer begreift, was gemeint ist, aber es ist genauso ein Quatsch, dass ein Außerirdischer über „Jahre“ spricht, wie dass er seinen Planeten „Quenton 3“ nennt. Denn, meine lieben Freunde (und andere Leser), was ist Zeit?

Oder nein, anders: Was ist eine Stunde? Eine Minute? Eine Sekunde?

Was ist ein Tag? Was ist ein Monat? Was ist ein Jahr?

Zum ersten Fragenblock: Stunden, Minuten und Sekunden sind Zeiteinheiten, die man irgendwann bewusst festgelegt hat. Da gibt es in der Natur keine Grundlage für, man hat einfach bestimmt: Diese Zeitspanne von TICK bis TICK nennen wir „Sekunde“ etc. Jemand, der nicht von der Erde kommt, dürfte da zwangsläufig ein anderes System haben – so, wie die Deutsche Bahn!

Ein Tag ist bei uns die Zeit, die die Erde benötigt, sich einmal um sich selbst zu drehen, ein Jahr die Zeit, die sie braucht, sich einmal um die Sonne zu drehen. Mögen Außerirdische vielleicht auch diese Bezeichnungen benutzen, so wird ihr Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit eine andere Länge haben als unseres, denn selbst bei den Planeten in unserem eigenen Sonnensystem (Mars, Venus, Merkur etc.) sind Jahr und Tag keineswegs deckungsgleich mit denen der Erde. Wenn also ein Außerirdischer von „vor sieben Jahren“ spricht, macht er das für den Zuschauer – oder, er hat im Kopf eben schnell alles umgerechnet.

Keine Fremdsprachenkenntnisse erforderlich

O-Ton-Fanatiker regen sich gerne darüber auf, dass in der Synchronfassung „auf einmal alle Deutsch reden und das ist doch total unrealistisch“. Damit, dass aber so ziemlich jeder Außerirdische, der die Erde vorher noch nichtmal mit einem seiner drei Ärsche angeguckt hätte, plötzlich akzentfreies Englisch (wahlweise britisches oder breitestes amerikanisches) spricht, scheint ihm da weniger Kopfzerbrechen zu bereiten.

Auch in diesem Fall kann man die Spreu vom Weizen trennen, die gute Science Fiction von der schlechten. Die gute gibt sich Mühe, eine Erklärung zu finden (Universalübersetzer), sei sie auch noch so albern (Babelfisch). Die schlechte beschäftigt sich gar nicht erst mit dieser Frage („Stargate“). Oh, hätt ich da in der Klammer… ja, das erste war „Star Trek“ und das zweite „Per Anhalter durch die Galaxis“, aber ich denke, das war allen klar.

Im „Stargate“ Kinofilm von Roland Emmerich ist man das – und es ist traurig, das sagen zu müssen – cleverer angegangen als in der später kommenden Serie, denn hier beschäftigt man sich noch mit der ägyptischen Sprache und hat Verständigungsprobleme mit den Einheimischen auf dem fernen Planeten. In der Serie ist eine solche Problematik weggewischt, denn jeder Arsch vom Ende der Galaxis spricht Englisch – und das ist einfach doof!

Spitz, Namen!

Und auch, wenn der böse Außerirdische von nebenan mal zufällig kein Englisch spricht… irgendwie tut er’s dann doch. Indem er seinen Kameraden oder wem auch immer pfiffige Spitznamen gibt. Die spricht er zwar in seiner Landessprache aus, aber die Übersetzung in den Untertiteln zeigt uns dann, was es übersetzt heißt – und da beginnt dann oft das Problem. Wie bei der höchst enttäuschenden Serie „Defiance“. Hier hat die Außerirdische einen Kosenamen, den uns die Untertitel als „little Wolf“ wiedergeben. Ganz ehrlich, bescheuert! Denn das sind AUSSERIRIDSCHE von einem ANDEREN PLANETEN irgendwo AM ARSCH DER GALAXIS, also warum sollten diese Hinterwäldleraliens jemanden ausgerechnet „Wolf“ nennen, wo dieses Tier auf ihrer eigenen Welt doch bestimmt nicht heimisch und seit ihrer Ankunft auf der Erde doch bestimmt ausgestorben sein dürfte! Wann immer also ein außerirdischer Spitzname ein irdisches Wort/Tier/Wasweißich enthält, dann bedeutet das: schlampige Autoren!!!

Halb_Fiction593

von Martin Cordemann