Dumme Filmklischees aus der Hölle

– Denn der Horrorfilm schreckt vor nichts zurück…

…außer vor Klischees! Oh ja, aber spätestens seit den „Scream“-Filmen wissen wir das ja alle. Aber, wie das so ist, es gibt nicht nur inhaltliche, sondern auch formale Klischees.

Laut huschen

Dass Licht fast immer mit Geräusch ausgeht, hatten wir ja schon früher geklärt. Aber gerade das Horrorgenre scheint sehr stark abhängig von akustischen Effekten zu sein, um den gezeigten Horror zu unterstreichen. So ist es denn auch mit dem Huschen. Wir kennen das, im Hinter- oder Vordergrund huscht schnell eine dunkle Gestalt vorbei, die wahrscheinlich nichts Gutes im Schilde führt. Für den Protagonisten des Films tut sie das natürlich lautlos, denn er bemerkt sie nicht. Damit wir als Zuschauer aber a) wissen, dass die Gestalt wahrscheinlich nicht unser Freund ist und, wahrscheinlich, b) damit wir das schnelle Vorbeihuschen nicht verpassen, ist diese Aktion immer mit einem bedrohlichen Sound unterlegt. (Als Beispiel gäbe es da u.a. die Szene auf dem World Trade Center in „Die Klapperschlange“, aber ich denke, Sie werden noch andere finden.)

Spiegeltüren, Spiegel und Türen

Ich muss gestehen, einer meiner Lieblingshorroreffekte ist der Spiegel, bzw. die Welt, die sich dahinter befindet. Streng genommen schwachsinnig, weil es ja nur die Reflektion der Umwelt ist, aber doch immer wieder schön, wenn sich die Welt im Spiegel von der Außenwelt unterscheidet. Worauf man sich aber fast immer verlassen kann, ist, dass, wenn eine Spiegeltür involviert ist, oder auch nur ein Kameraschwenk, eine Veränderung kommt. Das funktioniert übrigens auch mit Kühlschranktüren. Steht eine Person davor und wir sehen nicht, was dahinter ist, können wir relativ sicher sein, dass, sobald sie die Tür schließt, im nun sichtbaren Raum jemand steht. Das nennt man einen Schockeffekt. Mit einer Spiegeltür verhält es sich ganz ähnlich; steht die Person davor ist alles normal, dann öffnet sie sie, um in den Schrank dahinter zu schauen, doch sobald sie geschlossen ist, sieht man im Spiegel, dass jemand hinter der Person steht – sei es in der Wirklichkeit oder nur im Spiegeluniversum. Diesen Trick kann man natürlich auch mit einem einfachen Schwenk der Kamera erzielen – und, ich muss gestehen, ich halte das noch immer für sehr effektiv!

Vorlage uuuund… Schuss!

Es hat sich inzwischen eingebürgert, und auch das finde ich nicht schlecht, nur eben leider vorhersehbar. Es wird eine unheimliche Situation aufgebaut, es findet eine Hinführung zu einem Schockeffekt statt – doch der wird dann ironisch gebrochen. Das Publikum atmet auf, lacht – und dann kommt der eigentliche Schocker. Wie gesagt, eigentlich sehr schön, aber wenn man damit rechnet, verliert es ein bisschen seine Wirkung.

Monster-Upgrade

Kein Monster tut mehr das, wozu es dereinst konzipiert wurde. Ach, erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Vampire bei Tag Flugverbot hatten, Werwölfe auf den Mondzyklus angewiesen waren und Haie noch aufs Wasser beschränkt waren? All das hat sich inzwischen geändert. Dein Freund der Vampir kann bei wolkigem Himmel auch tagsüber Spaziergänge machen, Werwölfe verwandeln sich, wann immer es ihnen oder den Drehbuchautoren passt und selbst Haie haben inzwischen einen Weg gefunden, die Leute in ihren Wohnzimmern zu behelligen.

Auch Mumien sind nicht mehr kleidsam in Bandagen gewickelt, Frankensteins Monster wird von Oscar-Preisträgern gespielt (Robert de Niro) und selbstverliebten Shakespeare-Mimen inszeniert (Kenneth Brannagh), fehlt nur noch, dass „Godzilla“ nicht mehr ein Typ im Gummianzug ist, der durch eine Miniaturstadt trampelt… Oder, dass Zombies nicht mehr lahmarschig sind… Ach, Mist!

Augenaufschlag

Dann gibt es natürlich immer wieder diesen Shot aufs Gesicht. Aufs Gesicht der Leiche, wohlgemerkt. Denn wir wissen, die Person, die wir da sehen, ist tot. Doch wir wissen noch etwas anderes: Wenn die Kamera lange genug auf dem Gesicht verharrt, dann gibt es eine Überraschung für uns! Nein, es ist kein Lottogewinn. Und auch kein kluges Ende für einen dummen Film. Sondern nur, dass – ganz besonders, wenn wir uns am Ende des Films befinden und man mit einem offenen Ende aufhören will – der Tote plötzlich seine Augen öffnet. Auch das prinzipiell eine schöne Idee, auch das aber inzwischen so oft gemacht, das es der Überraschungseffekt einfach schwer hat. Wann fällt euch endlich mal was Neues ein? Wie zum Beispiel… schnelle Zombies?! Ach nee, den Punkt hatten wir ja schon!

Tür zu!

Auch das ist in Horrorfilmen immer sehr beliebt: Die zuschlagende Tür. Obwohl niemand da ist, der sie zuschlägt. Was uns sagt: Da ist was Unheimliches am Werke! Wie und wo uns das passiert, kann variieren. Sei es in einem Zimmer, um einen der Protagonisten von der Außenwelt abzuschneiden – was von beiden Seiten der Tür aus passieren kann. Oder sei es, wie z.B. bei „The Innkeepers“, um dem Zuschauer selbst noch einmal die Tür vor der Nase zuzuschlagen und damit das Übernatürliche herauszuarbeiten. Unterm Strich heißt das aber, dass Geister (oder andere übernatürliche Wesen) schlicht nicht in der Lage sind, eine Tür mal sanft und leise zu schließen – nervtötende Bastarde!

„So schlecht, dass es schon wieder gut ist“

Zu guter Letzt wollen wir mal mit einem Vorurteil aufräumen. So gut wie nichts ist „so schlecht, dass es schon wieder gut ist“. Es gibt wenige Ausnahmen, aber bei denen ist das Schlechte geplant, gewollt, so konzipiert und umgesetzt. Der Film „Ed Wood“ zeigt die Arbeit des Regisseurs als schlecht, aber wenn man es in diesem gut gemachten Film sieht, wird das Schlecht dadurch gut. Gewissermaßen.

Korrekt müsste es eigentlich heißen: „So schlecht, dass es schon wieder unterhaltsam ist“! Das trifft tatsächlich gut, denn haarsträubende Unfähigkeit und Diletantentum wird nun einmal nicht gut. Jüngstes Beispiel der „Film“ „Sharknado“, der die Werke von Ed Wood wie Filmkunst aussehen lässt. Er bietet eine Mischung von miesen Schauspielern, miesen Spezialeffekten (gehört eigentlich auch in Anführungsstriche) und einem Drehbuch, das so mies ist, dass sich selbst die CGI-Haie des Films damit nicht den Arsch abwischen würden, sofern sie einen haben. Das alles ist wirklich, wirklich schlecht, aber bis zu dem Zeitpunkt, wo man anfängt, sich wirklich, wirklich zu langweilen (oder ärgern), ist das ganze unterhaltsam – weil es so unglaublich schlecht ist. Aber, und ich werde nicht müde, das zu sagen, dadurch wird es wirklich, wirklich nicht gut!

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von Martin Cordemann

50 Shades of Gay

Es gab mal die Zeit, in der Dinge, die in Amerika im Fernsehen liefen, in Europa in die Kinos kamen. Zum Beispiel „Kampfstern Galactica“, eigentlich eine Fernsehserie, lief bei uns in zusammen geschnitten in drei Filmen („Kampfstern Glacatica“, „Mission Galactica: Angriff der Zylonen“, „Galactica III: Das Ende einer Odyssee“) im Kino und schaffte es erst in den 80ern bei uns ins Fernsehen. Sowas wäre heute natürlich unmöglich, dass hier etwas im Kino läuft, das in Amerika ein Fernsehfilm wird…

Es sei denn natürlich, der Film war in seiner Produktion einfach zu billig. Also zu günstig. Es hat zu wenig gekostet, ihn herzustellen. Sowas kann man dann natürlich nicht ins Kino bringen. Weil die Werbekosten für den Film offensichtlich größer wären als seine Herstellungskosten… was in Zukunft wohl dazu führen wird, dass man in Kinos nur noch massentauglichen Mist zu sehen bekommt, der sich aber merchandisingtechnisch (T-Shirts, Actionfiguren, Bettwäsche) ordentlich ausschlachten lässt. Wobei… gerade das hätte doch auch bei „Liberace“ möglich sein müssen! Spielzeugklaviere, CDs mit seinen Aufnahmen, Perücken und Kokainzubehör wäre doch schönes Merchandising für den Film. Unverständlich, warum Hollywood das nicht macht!

„Behind the Candelabra“

So trifft es also Steven Soderberghs Film, der bei uns schlicht (und nicht ganz unzutreffend) „Liberace“ heißt, dass man ihn in Amerika nicht ins Kino gebracht hat, sondern sich der Bezahlsender HBO, der sich durch hervorragende Fernsehproduktionen wie „Rom“ und „Game of Thrones“ ausgezeichnet hat, dazu bereit erklärte, ihn in sein Programm zu nehmen. In Deutschland und wahrscheinlich in ganz Europa wird man um dieses Fernseherlebnis betrogen, denn hier kann man das Werk auf der großen Leinwand sehen… so, wie es eigentlich gedacht war.

Warum ist es wert, darauf einzugehen? Nun, das ist eine hervorragende Frage. Aus einem ganz einfachen Grund: Michael Douglas ist in diesem Film hervorragend! Eine schauspielerische Glanzleistung – behaupte ich. Da ich leider mit Liberace nicht vertraut genug bin, um einen echten Vergleich ziehen zu können, ob er auch wirklich angemessen portraitiert wird, kann ich da nur spekulieren. Ungeachtet dessen spielt Douglas großartig – aber eben nicht in einem Kinofilm. Jedenfalls nicht in Amerika. Und darauf kommt es an. Denn wäre es dort ein Kinofilm gewesen, hätte man Douglas für den Oscar nominieren können, sollen und müssen! Durch die Degradierung zum Fernsehfilm bleibt ihm das jedoch erspart, was man nur mit einem „armes Hollywood“ kommentieren kann.

Schwulverweis

Natürlich hört man auch, dass der eigentliche Grund dafür, dass der Film nicht in die Kinos kam, der ist, dass er einfach zu schwul ist (Liberace war schwul, ja, wer hätte das gedacht?) und man wohl der Meinung war, dass sich dafür wohl kein genügend großes Publikum finden lassen würde – aber „300“ war noch weit schwuler als das hier und der hat sogar ne Fortsetzung bekommen, also ist das doch wohl ein fadenscheiniges Argument!

Neben Douglas spielt Matt Damon, der sich, wie ich zugeben muss, inzwischen sehr gemacht hat. Verdient er noch für den langweiligen Minghella Film „Der untalentierte Mr. Damon“ genau diese Bezeichnung, so ist er hier durchaus gut und scheint in den Jahren etwas dazugelernt zu haben.

Ein kleiner Höhepunkt des Films ist allerdings Rob Lowe als bis zum Gehtnichtmehr gelifteter Schönheitsdoktor, der nicht mal mehr seine Augenlider richtig schließen kann – die Verbindung von seiner Maske und seiner Performance fassen die Schönheitsindustrie eigentlich ganz gut zusammen.

Lieber Ace

Zusammenfassend können wir also sagen, dass es dieser Film durchaus verdient hätte, in die amerikanischen Kinos zu kommen, und wenn es nur zu dem Zwecke wäre, dass Michael Douglas dafür mit einem Oscar ausgezeichnet wird. Beides wird aber nicht passieren… tja, ein schwuler Pianist ist eben kein Roboter, der sich in ein Auto verwandeln kann!

DoubleDOHSexy21Schoenheit

von Martin Cordemann