Die Vorhersage von morgen…

Eigentlich von heute für morgen, aber wer würde so spitzfindig sein? Ich, okay, da haben Sie natürlich recht. Also werfen wir einen kleinen Blick in die Zukunft – im wahrsten Sinne des Wortes. Und sogar im doppelten Sinne. Denn uns stehen mehrere Science Fiction Filme ins Haus und wenn man über etwas hervorragend spekulieren kann, dann doch wohl darüber!

Star Wars 7

Zum derzeitigen Zeitpunkt kann man noch nicht viel über den Film sagen, aber ich wage eine Prognose, wie die Kritiken ausfallen werden. Etwas frühzeitig, finden Sie? Nun, definitiv. Aber ich würde gerne sehen, ob ich recht habe. Abgesehen davon behaupte ich mal – was zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt gegeben wurde – dass Max von Sydow Obi-Wan Kenobi spielen wird, weil seine Besetzung für diese Rolle durchaus einen gewissen Sinn ergeben würde… aber schauen wir mal, ob ich mich da nicht irre.

Kommen wir zu den Kritiken des Films, die da kommen werden. Ich behaupte, sie werden sagen, dass der Film besser ist als Episode I-III. Das ist keine sehr gewagte Behauptung, denn George Lucas hat mit seinen drei Prequels die Latte so dermaßen tief gehängt, dass der Film fast zwangsläufig nur besser sein kann! (Auch da besteht die Möglichkeit, dass ich mich irre… besonders, seitdem wir „Star Trek Into Darkness“ gesehen haben!) Also werden die Kritiken ihn schon (und vielleicht nur) deswegen loben… ob das nun stimmen mag oder nicht.

Da J.J. Abrams Regie führt, wird der Film wahrscheinlich zum Großteil aus Laufen, Springen, Schreien bestehen, aber so sind Filme heute nun mal. Es ist unwahrscheinlich, dass er so schlecht ist wie die Prequels und es ist unwahrscheinlich, dass er so gut ist wie die ersten beiden alten („Jedi“ lassen wir mal außen vor). Das Schlimmeste, was man möglicherweise über ihn wird sagen können, ist, dass er irgendwie… unbedeutend ist. Und die Gefahr ist durchaus da. Zumal sie durch eine andere Gefahr verstärkt wird: Möglicherweise wird man versuchen, es den Fans der alten Filme recht zu machen… und den Fans der neuen Filme… und den Fans der „Clone Wars“. Wir wissen alle, wenn man versucht, es möglichst vielen recht zu machen, kommt meist Murks dabei raus. Also kann es durchaus so kommen, dass man versucht, es allen recht zu machen und macht es dabei niemandem recht. Ein Kompromiss ist eben, wenn anschließend niemand zufrieden ist. Ich bitte das nicht als Vorverurteilung anzusehen, sondern als reine Möglichkeit, was passieren kann. Also, lassen wir uns überraschen… und schauen hinterher, ob ich mit irgendeiner meiner Prognosen richtig lag.

Avatar 2 bis 15

Ganz ehrlich, zu „Avatar“ hab ich eigentlich nicht viel zu sagen. Ich bin kein großer Fan des ersten Teils, aber, obwohl ich die Handlung banal und öde finde, muss ich Cameron hier von einem Standpunkt aus in Schutz nehmen: Er hat eine Menge Geld in etwas gesteckt, dass toll aussehen soll. Und das tut es. Tricktechnisch ist der Film großartig. Wenn man aber eine Menge Geld in etwas investiert, dann will man auch gerne was davon zurückbekommen. Und, seien wir ehrlich, das tut man nicht, wenn man eine originelle Geschichte erzählt! Originelle Geschichten sind Kassengift, wenn man erfolgreich sein will, muss man die Handlung so flach und blöd wie möglich halten. Das hat er hier gemacht und das hat – finanziell – super funktioniert.

Was die Fortsetzungen angeht, so gäbe es eine Möglichkeit, in der sich James Cameron als großartiger… Künstler erweisen könnte. Für gewöhnlich, wenn der erste Teil erfolgreich war und man dann eine Trilogie ins Auge fasst, kann der zweite Teil nicht für sich allein stehen, sondern endet so, dass er durch den dritten Teil aufgelöst werden muss (war bei „Star Wars“ und „Herr der Ringe“ so, dürfte aber auch bei „Fluch der Karibik“ so gewesen sein). Cameron würde unglaublich in meiner Achtung steigen, wenn er dieses Korsett durchbrechen würde. Die Fans gucken sich das sowieso an, also braucht er auf diesen Zug nicht aufzuspringen. Wenn er es also tatsächlich wagen würde, dass Teil 2 eine in sich geschlossene Handlung hat und Teil 3 eine weitere, in sich geschlossene, so dass die Filme auch einzeln stehen könnten, das wäre… wirklich cool.

Star Trek…

Ach komm, machen wir uns nichts vor, bei „Star Trek“ werden sie, weil ihnen nix neues einfällt, obwohl sie sich die Basis dafür geschaffen hatten, neue Wege zu beschreiten (welche Ironie, welche Verschwendung) wahrscheinlich in einem der nächsten Filme die Borg als Gegner auftauchen lassen… seufzzzzz!

Die nackte Kanone

Und dann scheint es noch Gerüchte zu geben, dass Ed Helms in einem neuen „nackte Kanone“ Film möglicherweise die Rolle des Frank Drebin übernehmen soll? Nicht, dass man da gegen Leslie Nielsen nicht nur verlieren kann (es sei denn, man geht in eine völlig andere Richtung und macht daraus einen ersten Film… hmmm), aber ich hätte da einen Besetzungsvorschlag für Nordberg: Oscar Pistorius! Immerhin war es in den anderen Filmen Sportler und Frauenmörder O.J. Simpson, also wäre der Südafrikaner doch der perfekte Kandidat für die Rolle… obwohls vielleicht n bisschen Typecasting wäre. Aber lustig wärs schon – und das wird der Film ja wohl wahrscheinlich eher nicht werden. Naja, schauen wir mal, was die Zukunft so bringen wird!

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von Martin Cordemann

Auf dem Weg zum Einheitsbrei

Früher, ganz früher, gab es noch klare Trennungen. Also bei Filmen und Genres. Da versuchte man sich voneinander abzuheben, etwas besonderes, Eigenständiges zu sein. Eben um damit zu punkten, dass man Dinge tat, die einen von den anderen abhoben… bevor sie dann von anderen kopiert wurden, um ebenfalls auf der Erfolgswelle mitzuschwimmen. Doch heute scheint es das nicht mehr zu geben, heute klaut nicht nur der eine ungeniert beim anderen (gut, das gab es auch früher schon), aber aus irgendwelchen Gründen versucht man immer mehr, andere zu immitieren – obwohl man selbst eigentlich eine feststehende Marke ist.

Mein Name ist Bond, Jason Batman

Dass es wohl Parallelen zwischen Jason Bourne und James Bond gab, dürfte man an den Initialen der Figuren relativ klar ablesen können. Aber inzwischen verschwimmen auch hier die Grenzen ziemlich stark und ziehen sogar Nolans Batman mit hinein. Das liegt wohl daran, dass die Bond Macher nicht mehr Wegweiser sind, sondern schlicht und einfach kopieren, was erfolgreich ist. Was bei Jason Bourne gut funmktioniert hat, ist für Bond nun auch gut genug. Action, Kämpfe, Epilepsie verursachende Schnitte, alles. Dann kommt Christopher Nolan mit einem Neustart für Batman daher und auch das wird dann bei Bond einfach mal aufgegriffen (oder sollten wir sagen übernommen?).

All das wäre ja vielleicht noch erträglich, wenn Bond dann nicht auch noch auf das einzige verzichten würde, was ihn einzigartig gemacht und über die Jahre begleitet hat: die Musik. Dass man bei einem vom Kanon (sollte da so was überhaupt existieren) losgelösten Batman auf die Titelmusik der 60er Jahre Fernsehserie verzichtet, ist nachvollziehbar – zumal man Nolans Trilogie als in sich abgeschlossene Geschichte betrachten kann, die für sich steht und keinerlei Kontakt zum „eigentlichen“ Batman Universum hat (ähnlich wie „The Dark Knight Returns“).

Bei Bond ist das jedoch anders, Bond war immer eine irgendwie fortlaufende Reihe – man hätte eine für sich stehende Trilogie im Stile Nolans machen können, aber das hat man eben nicht. Und so sind wir an einem Punkt angekommen, wo Bond agiert wie Jason Bourne und aussieht wie ein Bauarbeiter – untermalt von einer Musik, die auch von Hans Zimmer stammen und aus einem der Batman Filme sein könnte, aber eben mit Bond nichts zu tun hat. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen den Figuren und den Filmen, aus allem wird ein Einheitsbrei, bei dem es auf Dauer schwierig werden wird, zu erkennen, wessen Abenteuer man eigentlich gerade verfolgt. Leider ist das Agentengenre da keine Ausnahme.

Es war einmal vor langer Zeit in einem Weltraum, unendliche Weiten…

Man kann „Krieg der Sterne“ vorwerfen, dass er sich bei vielem bedient (geklaut) hat, z.B. beim „Herrn der Ringe“, aber „Star Trek“ war damals komischerweise noch nicht dabei. Doch das hat sich inzwischen geändert. Denn man kann nun beim neuen „Star Trek“ von J.J. Abrams starke Anleihen bei „Star Wars“ erkennen – die im Audiokommentar sogar frei zugegeben werden. Das kann man für Figuren genauso sehen wie für das Aussehen mancher Szenen – sogar für die „Handlung“, denn aus der Entdeckungsreise der alten Serie ist inzwischen ein fast reines Geballer geworden.

Da sich Trek Wars nun also stark angenähert hat, was darf man dann von einem „Star Wars“ Film erwarten, der ausgerechnet von diesem Regisseur gemacht wird? Wenn Trek inzwischen also größtenteils wie Wars wirkt, wie wird dann das neue Wars wirken? Wahrscheinlich wie bei Bond und Co.: Die Linien verwischen, alles wird zu einem einfarbigen Matsch… jedenfalls ist mit so was wohl zu rechnen. Aber vielleicht geht das ja noch weiter und wir bekommen irgendwann einen „Captain James T. Bond der USS Millenium Enterprise“… aber wenigstens brauchen wir dann nicht mehr so viele Filme zu sehen!

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von Martin Cordemann

Dumme Filmklischees fürs Poesiealbum

– Denn es hört und hört nicht auf…

…mit den dummen Klischees! Aber vielleicht ist das ja vorerst die letzte Episode.

Kein Vorspann

Beim Fernsehen ist es ja zu verstehen, dass die meisten Serien inzwischen auf einen Vorspann verzichten. Wir erinnern uns noch, dass es bei „Raumschiff Enterprise“ nicht nur einen Vorspann gab, sondern auch noch einen Prolog, der vor dem Vorspann gesprochen wurde. Aber das war auch eine Zeit, in der Fernsehepisoden noch 48 Minuten lang waren. Zu Zeiten von „Star Trek: The Next Generation“ war man dann auf etwa 44 Minuten runter und heute sind viele Episoden nur noch um die 40 Minuten lang. Das schafft… mehr Platz für Werbung, richtig! Auf der anderen Seite kürzt das dann natürlich auch die Länge für Handlung. Was wohl der Grund ist, dass einige Fernsehserien heutzutage auf einen ausgedehnten Vorspann verzichten und nur zu einer kurzen Musik den Namen der Serie einspielen, die Namen der Darsteller etc. dann aber über die danach beginnende Handlung legen (z.B. „Lost“). Bei „Two and a half Man“ konnte man übrigens am Vorspann erkennen, wie viel den Machern für die jeweilige Folge eingefallen ist, denn wenn die Episode alles an verfügbaren Platz für die Handlung brauchte, fiel der Vorspann kurz aus, wenn nicht, dann gab es den langen.

Warum es sich inzwischen auch bei Filmen eingebürgert hat, dass man kaum noch einen Vorspann und manchmal nicht mal den Titel des Films erhält, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Könnte aber an der mangelnden Aufmerksamkeitsspanne des Publikums liegen, weil man vielleicht denkt, dass man die verliert, wenn’s nicht andauernd kracht und bumst, also lieber gar nicht erst mit viel Text (Vorspann) ablenken – oder man geht davon aus, dass von der Zielgruppe eh keiner mehr lesen kann und schenkt sich das dann einfach, um sie nicht zu überfordern. Auf der anderen Seite… Nachspänne bei Filmen scheinen inzwischen jeden, wirklich jeden auflisten zu müssen, auch wenn er nur mal Kaffee geholt oder dem Star den Hintern abgewischt hat – was dazu führt, dass 5 bis 10 Minuten Abspann inzwischen keine Seltenheit mehr sind. Unter dem Gesichtspunkt kann ich dann tatsächlich verstehen, dass man auf einen Vorspann verzichtet!

Episodentitellosigkeit

Neben keinem Vorspann gibt’s dann oft auch keinen Episodentitel mehr. Jedenfalls keinen sichtbaren. Bei der Ausstrahlung. Sowohl in der InternetMovieDataBase (imdb.com) als auch im Begleitheft zur DVD kann man zwar oft einen Titel nachlesen, aber die Zeiten, in denen der Titel zu Beginn der Folge eingeblendet wurde, scheint – bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. Serien von Aaron Sorkin – weitgehend vorbei zu sein.

CGI vs. Modelle

Durch Computer Generierte Effekte (CGI) wurde, nachdem die halbwegs ausgereift waren, vieles möglich, sogar Dinge, die in der Wirklichkeit völlig unmöglich sind. Für die Realisierung von Phantasien (eine Nacht mit Angelina Jolie) ist das natürlich phantastisch, aber es hat auch einen Nachteil: Manchmal wirkt es einfach völlig unecht! Und zwar auf eine idiotische Art und Weise. Wenn man in einem Bond-Film ein Auto zum U-Boot machen wollte, aus dem auch noch Raketen abgeschossen werden, dann musste man das bauen. Mit Modellen. Selbst mit verschiedenen Modellen (eins für die Umwandlung zum Boot, eins zum Abschießen der Raketen, eins zum Tauchen…), aber diese mussten gebaut werden und den Zweck erfüllen, für den sie da waren, d.h., wenn eine Schiffsschraube aus dem Heck kommen sollte, dann musste man die da auch irgendwie einbauen. Heute löst man so was per Zauberstab mit einem einfachen Computereffekt. Der angesprochene Nachteil ist: In so ein nichtexistierendes Auto kann man viele nichtexistierende Dinge reinpacken, weil die ja keinen Platz wegnehmen. Deshalb sieht man dann gerne in Science Fiction Filmen Dinge, die einfach physikalisch unmöglich sind, weil das, was sich da aus dem Raumschiff herausblättert, dort nie auch nur ansatzweise hineingepasst hätte. Bei einem echten Modell mussten die Spezialisten alles so bauen, dass das auch irgendwie gepasst hat – und das ist heute einfach nicht mehr nötig. So zeigen uns die Stare Trek und Wars Dinge, bei denen sich computeranimierte Segel entblättern, die so phantastisch aussehen, dass sie schlicht so unrealistisch wirken, wie sie sind. Denn man kann’s ja machen. In solchen Fällen wünsch ich mir echt die alten Modelle wieder!

Computervandalismus

Und wo wir schon mal bei Computern sind, wenn jemand in einem Film aber mal so richtig sauer auf seinen Computer ist, dann haut der dem aber ganz feste eine rein. Auch, um die Daten, die man nicht an die andere Seite kommen lassen will, zu zerstören. Das Problem ist: Die meisten Leute hauen kräftig gegen den Bildschirm. Das… bringt dann nicht so irrsinnig viel. Es sei denn, man will die Bildschirmindustrie vorantreiben. Will man aber die Daten vernichten, täte man eigentlich besser daran, den anderen Teil des Computer zu demolieren, in dem sich Prozessoren, Festplatte und das ganze Zeugs befinden. Aaaaber… das sähe wahrscheinlich weit weniger spektakulär aus!

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von Martin Cordemann

Feuerball

Die große James Bond Retrospektive

Größer, lauter, bunter, weiter – das, was heutzutage allen Hollywoodfilmen zugrunde zu liegen scheint, wird schon im vierten Bond Film zelebriert. „Feuerball“ verlässt sich weniger auf seine Figuren als vielmehr auf seine Effekte – Unterwassereffekte, um genau zu sein. Was schade ist, da der Film ansonsten eine durchaus solide Handlung hat. Aber die Filmemacher sind inzwischen aus der Phase des Experimentierens heraus und in der Phase des Angebens angekommen. Sie wollen zeigen, was sie alles können. Und so wird „Feuerball“ streckenweise zu einer selbstverliebten Zurschaustellung dessen, was möglich aber nicht nötig ist. So gesehen ist es teilweise schon fast eine Art Kunstfilm, der uns mit glanzvoll präsentierten Unterwasseraufnahmen von Taucherschlachten… langweilt. Mich zumindest.

Auf der Habenseite

Was der Film hat – und was den Büchern eher fehlt – ist Connery und damit Humor. Connery verleiht der Figur einen Witz und eine gewisse Leichtigkeit, während Bond in den Büchern teilweise eher charakterlos wirkt, besonders bei John Gardner. Doch Connery schafft es, dem Agenten ein wenig Kontur und ein leises Augenzwinkern zu geben. Zwei sehr schöne Details in diesem Film sind das Werfen der Blumen auf den Gegner, den er gerade umgebracht hat und sein kleiner Schlenker hinüber zum Früchtekorb, um sich vor seinem Verschwinden aus dem Zimmer, in das er eingebrochen ist, noch eine kleine Weintraube zu stibitzen. Das ist nett und lockert das ganze ein wenig auf.

John Barry liefert wieder einen hervorragenden Soundtrack ab, der einmal mehr Titel und Bond Thema perfekt miteinander verwebt. In der U-Wasser-Schlacht greift er dann auch noch mal auf sein 007 Thema zurück, aber das kann hier auch weder retten noch helfen. Auch der Titelsong von Tom Jones kann sich hören lassen.

Was die hauseigenen Bond Klischees angeht: die schlechten Rückprojektionen bleiben sich treu, der Hut ist da… aber Bond wirft ihn nicht, obwohl er dazu ansetzt. Doch er überlegt es sich anders und muss dann, statt in Ms Büro, in einen offenbar von Ken Adam gebauten Saal, um sich dort mit allen in Europa befindlichen Doppelnull-Agenten zu treffen. Ich glaube, es gibt dort neun Stühle und er, der er verspätet kommt, nimmt auf dem siebten Stuhl Platz.

Scham statt Charme

Während Bond sonst eigentlich eher seinen Charme einsetzt, um Frauen rum zu bekommen, oder seinen haarigen Oberkörper, ist das hier schon eher sexuelle Nötigung. Erst zwingt er der jungen Dame im Sanatorium einen Kuss auf, dann erpresst er sie zu Sex in der Sauna… schwierig!

Dann trifft Bond auf ein Paralleluniversum, so scheint es jedenfalls. Nachdem er das Sanatorium verlassen hat, folgt ihm Graf Lippe, der wiederum von Fiona Volpe verfolgt wird – die jedoch fährt auf einer anderen Straße. Nun gibt es ein reges hin und her, in der das Paralleluniversum mit Fiona irgendwie in das mit Bond eindringt, die beiden überlappen sich, und sie schafft es von ihrer Straße, auf der sich Trennlinien befinden, Graf Lippe abzuschießen, der sich eindeutig auf einer Straße ohne Markierungsstreifen befindet. Der erste Fall von überdimensionalem Attentat in der Bond Reihe. Nächste Station: Zeitreise!

Bond Bullshit

Wir hatten ja schon die Bond Mythen angesprochen, die irgendwelche Leute in die Welt gesetzt haben, die sich bei näherer Betrachtung dann aber als Bullshit erweisen. Also, was haben wir hier davon?

Der Teaser steht in keiner allzu großen Verbindung zum Film, das ist richtig, aber Bond tötet darin einen Agenten von SPECTRE, auf den später im Film von Blofeld kurz eingegangen wird. Hat keine große Bedeutung für den Film, ist aber auch nicht völlig losgelöst.

Martine Beswick, eine der beiden Zigeunerinnen aus „Liebesgrüße“, kehrt als britische Agentin zurück und ist damit das zweite Bondgirl im weiteren Sinne, das in zwei Filmen – und in unterschiedlichen Rollen – auftaucht. (Moneypenny und die spätere M wollen wir in diesem Spiel einfach mal übergehen.)

Bond wird nie verletzt – ich glaube, auch das wird gerne gesagt. Und dass Daniel Craig in „Casino Royale“ der erste Bond war, dem man auch angesehen hat, dass er auf die Fresse gekriegt hat. Nun, das stimmt nur halb. Natürlich sind die Verletzungen im Gesicht neu, aber die sind in gewisser Weise eigentlich „Stirb langsam“ geschuldet, in dem das Actiongenre sich dazu bekannte, dass Helden auch verletzlich sein und das auch zeigen können. Also ohne „Stirb langsam“ keine zerbeulte Fresse bei Craig. Was Verletzungen angeht, so trägt Bond jedoch schon in „Die Welt ist nicht genug“ einen Verband – und hier in „Feuerball“ hinkt und blutet er stark genug, dass das seine Feinde auf seine Fährte lockt. Dass Bond nie vorher sichtbar verletzt war ist also mal wieder Bullshit!

Zukunftsweisende Ideen und neue Traditionen

In seiner Hochphase war Bond nicht nur für schicke Mädels und exotische Orte bekannt (oder waren es schicke Orte und exotische Mädels?), sondern auch für die Gimmicks, die ihm dabei halfen, seine Fälle zu lösen – also Leute umzubringen. Hier haben wir den Raketenrucksack (den wir alle schon seit dem Jahr 2000 im Haus haben und mit dem wir täglich zur Arbeit fliegen… oder nicht?) und das kleine Atemgerät, mit dem man vier Minuten lang unter Wasser atmen kann. Letzteres definitiv eine Erfindung des Films, wie so viele andere Gimmicks, die noch folgen sollten. Natürlich nahm auch das irgendwann überhand und Bond gebrauchte weniger seinen Verstand als vielmehr die kleinen Spielereien, aber doch waren sie eins: Inspirierend! Denn nun kamen die Gemeindienste… Geheimdienste auf die Idee, dass solche Sachen ja vielleicht ganz toll wären und begannen, selbst so etwas zu entwickeln. Damit haben die Bond Filme also zu neuen Entwicklungen geführt – eine Tatsache, der die neuen Filme nur ins Gesicht furzen mit der Bemerkung: „Explodierende Füllfederhalter machen wir nicht mehr.“ Ja, und das ist ein echtes Armutszeugnis, das eher gegen als für euch spricht, ihr uninspirierten Arschlöcher!

Zudem wird hier eine neue Tradition eingeführt: Endkämpfe, die mich zu Tode langweilen! Hier in Exzession betrieben, später vielfach kopiert. Es gibt einige Filme, die ich recht gut finde – bis wir zur Endausscheidung kommen. Und dann muss wieder auf die Explosionsdrüse gedrückt werden, hier und da fliegt was in die Luft, alles muss überdimensioniert sein, weil dumme Leute denken, dass mehr Explosionen mehr Spannung sind – seufz!

Unterm Wasser… Strich!

Tja, nicht unbedingt mein Lieblingsfilm aus der Reihe. Zu lang, zuviel Wasser, das meiste davon unter. Auf 110 Minuten runterkürzen hätte hier möglicherweise helfen können. Auch Largos englischer Synchronsprecher sagt mir nicht so zu, da würde ich dann doch Martin Hirthe in der deutschen Fassung vorziehen.

Am Schluss gibt es dann noch einen schönen – gut von Barrys Score untermalten – Bond Moment, der wirklich gelungen ist… aber leider auch absolut sinnlos!

— Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —

— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

Der Film ist schmissig, ich mag „Feuerball“! Der komplette Film ist straff, effektiv und clever inszeniert. Ohne Fett anzusetzen verfolgt er eine intelligente Dramaturgie und geht gekonnt mit Pointen um.  Bis zur Filmminute 108. Was der Haken an vielen Bondfilmen ist – das große Finale verkommt zum langweiligen Feuerwerk. Dennoch vielleicht der Bond mit den meisten coolen Sprüchen!

Ein toller Vorsetzer mit dem Klasse-Detail der hingeworfenen Schnittblumen auf den endlich erledigten Feindagenten (3. Filmminute)! Wundersamerweise ist der in „Goldfinger“ geschrottete Aston Martin als Fluchtwagen zur Stelle. Tom Jones passt als Titelsänger von „Thunderball“ gut zu Bond, wie ich finde.

Schöner Spannungsmoment in der 10. Minute: Bei Blofelds Gangster-Kaffeekränzchen geht ein Stuhl hoch und erledigt einen untreuen Dunkelmann. Und wieder ein freches Detail in der 13. Minute: Der einbrechende Bond schnappt sich eine Traube vom Obstteller. Gleich wird er noch mehr vernaschen! Die Masseurin im Sanatorium nämlich (nachdem er auf einer elektrischen Streckbank beinahe zu Tode gekommen wäre). Dass muss Bond-Humor sein: Nach der Streckbank läuft das Schäferstündchen umso besser. Übrigens die erste Sexszene meines Lebens. Die Fantasie eines Jugendlichen lief so heiß wie das Dampfbad, in welchem der Akt stattfindet (ganze 2 Sekunden).

Der nächste kesse Moment in Minute 17: Bond zahlt es dem Attentäter genüsslich heim, indem er ihn in einem Saunatopf schmoren lässt. Nächster schöner Überraschungsmoment ist der Auftritt des Doppelgängers in Minute 19. Die sich anschließende Infiltration des falschen Majors wirkt noch heute frisch.

Brüllerzitat in Minute 36, Abschied von der Masseurin: „Wir sehen uns wieder“ – „Wann du willst und wo du willst, James“ – „Ich will eigentlich immer, hab nur so wenig Zeit“. Im Anschluss macht Bond große Augen, als ein Blofeld-Bediensteter auf Motorrad Bonds Verfolger aus dem Weg räumt, ehe Bond selber seinen Aston Martin tricksen lassen kann. Man muss auch mal anderen den Vortritt lassen. Und direkt eine Pointe hinterher: Bei Eintritt in Moneypennys Büro kann Bond seinen Hut nicht an den Garderobenständer segeln lassen, weil dieser neben die Tür verschoben wurde. Enttäuscht hängt er ihn einfach auf.

Die Ankunft in Nassau ist business as usual: Frau angraben, Spielcasino, Dinner mit Angeberchampagner. 53. Minute: Hübsch inszeniert das visuelle Rückverfolgen der Tonbandaufnahme durch eine subjektive Kamera (und das Überraschung eines Gangsters in der Dusche). Dann schaut Q vorbei, immer schön, diesmal trägt er sogar ein Hawaii-Hemd!

Felix-Leiter-Darsteller Rik van Nutter wirkt sehr wie das Vorbild der Parodie im zweiten OSS 117-Film („Er selbst ist sich genug“), stimmt mich spontan heiter. 64. Minute: Bond macht Bekanntschaft mit dem „bad girl“ des Films – wie heißt sie eigentlich? Fiona.

70. Minute: Largo stellt seinen Henchman „Mr. Vargas“ vor: „Unser Freund Vargas trinkt nicht, raucht nicht und er liebt nicht. Was tust du nur, Vargas?“ – ich tät spontan auf Systemadministrator tippen… Ist Vargas der erste Nerd der Bondgeschichte?! Jedenfalls tötet er wenig später eine CIA-Mitarbeiterin (wie, bleibt unklar, wahrscheinlich hat er sie zu Tode gelangweilt).

Atemloser, großer Moment in Minute 77: Die Haie werden zu Bond in den nächtlichen Pool gelassen, schwimmen jedoch lautlos an ihm vorbei, weil er ihnen ein anderes Opfer kredenzen kann.

83. Minute: Bond kann seinen Häschern (zu denen sein Bad-Girl-Hascherl zählt) entkommen, wird aber angeschossen und blutet! Man hat Bond selten bluten sehen, oder? Kurz darauf ein Schock im „Kiss Kiss Club“. Bond entledigt sich Fionas: „Darf ich meine Freundin hierher setzen? Sie belästigt sie nicht. Sie ist nämlich tot.“ Wie blöd sind diese Gangster?! Erschießen die falsche Person auf der Tanzfläche. Schade. Das war eine starke Frau. Zu stark???

93. Minute: Unterwassersex Bond mit Domino. „Hoffentlich haben wir die Fische nicht erschreckt“. Tja, gutes Argument. Für die Herstellung dieses Films wurden keine Fische erschreckt. Aber wenige Minuten zuvor ein Haifisch erschossen! Und in Minute 96 noch Vargas harpuniert. Bleibt noch Largo übrig. Und 27 Minuten Restfilm. Oja, wir wissen, was gleich kommt. Die große große Unterwasserschlacht. Ab Minute 108 geht es los. Das ist schon ein imposantes Gewimmel und durchaus gut gemacht. Die leicht kirmesartige Musik nervt allerdings, wie ich finde. Filmschluss in der 122. Minute: Bösewicht Largo wird nicht von Bond, sondern von Domino gekillt. Aber sie hatte ja auch noch ein Hühnchen zu rupfen…

Feuerball (1965)

Originaltitel: Thunderball

Regie: Terence Young

Musik: John Barry / Titelsong: Tom Jones

James Bond: Sean Connery / G.G. Hoffmann

Domino: Claudine Auger / Rosemarie Kirstein

Largo: Adolfo Celi / Martin Hirthe

Patricia: Molly Peters / Marianne Mosa

Fiona: Luciana Paluzzi / Margot Leonard

Felix Leiter: Rik Van Nutter / Michael Chevalier

Innenminister: Ronald Culver / Curt Ackermann

Graf Lippe: Guy Doleman / Rainer Brandt

(Blofeld: Joseph Wiseman / Wilhelm Borchert)

und

M: Bernard Lee / Konrad Wagner

Q: Desmond Llewellyn / Harald Wolff

Moneypenny: Lois Maxwell / Lola Luigi

Popkulturelle Differenzen

kehrt zurück

mit

You Only Live Twice

DoubleDSexy22Brustgewinn

Goldfinger

Die große James Bond Retrospektive

Und da haben wir ihn, den ultimativen Bond Film, den Film der Filme, den großen Käse, Numero Uno Oncho… sorry, das war aus „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“. Aber es ist der Film, bei dem einfach alles stimmt: Der Hauptdarsteller, der Gegenspieler, der Titelsong, die Musik und die Gunbarrel-Sequenz. Titelsong und Soundtrack gehören zu meinen Favoriten der Reihe, da sie eingängig und stimmig sind, von schmissig gar nicht zu reden. Perfekt gelingt es Barry, eine Symbiose aus Titellied und Bond Thema zu kreieren, die sich durch den ganzen Film zieht und ihm sowohl Eigenständigkeit als auch Zugehörigkeit zur Reihe verleiht.

Der Anfang vorm Ende

Und da ist er, der Teaser, der eigentlich nix mit dem restlichen Film zu tun hat. Bond ist noch auf einer Mission, legt eine Tänzerin flach (oder eigentlich macht das eher der Killer mit einem gezielten Schlag) und macht sich dann auf den Weg in den Vorspann, welcher in Miami übergeht, wo dann die eigentliche Handlung des Films beginnt. Hier ist es tatsächlich der Fall, dass eigentlich nichts aus dem Teaser für den Hauptfilm relevant ist – aber das ist, wie gesagt, eher die Ausnahme.

Natürlich fliegt auch wieder ein Hut, aber diesmal ist es Moneypenny, die ihn wirft. Interessant, dass eine solche Spielerei mit den eigenen Klischees schon so früh passiert – aber andererseits sind die Tage des Hutes gezählt und vielleicht haben die Produzenten das ja geahnt?

Auch um schlechte Rückprojektionen werden wir nicht betrogen, denn sie gehören einfach dazu.

Doch dann kommt er, der neue Star der Reihe, derjenige, der es geschafft hat, fast jedem neuen Bond Darsteller zur Seite zu stehen, der ein treuer Weggefährte geworden ist – und ein treues Weggefährt: der Aston Martin. Stilvoll, elegant und mit jeder Menge Tricks ausgestattet – eben so, wie James Bond sein sollte. Als kleine Quizfrage für die Hardcorefans werfe ich mal in die Runde: Gibt es Bond Darsteller, die bei Bond keinen Aston Martin gefahren sind? Und wenn ja, wer? (Die Antwort gibt es am Ende der Reihe… wenn ich’s nicht vergesse!)

Kollege stirbt gleich

Gut, so müsste es eigentlich später heißen, denn wann immer ein anderer Doppelnull-Agent erwähnt wird, ist das meist mehr einem Nachruf entsprechend. Diesmal nicht. Die erste andere Doppelnull von deren Existenz wir erfahren ist 008, der den Fall übernehmen würden, wenn wiederum Bond sterben würde… was zwar im Laufe der Reihe öfter passiert („Liebesgrüße aus Moskau“, „Man lebt nur zweimal“, „Skyfall“), aber eben nicht wirklich. Sehr elegant (ja, damals konnten die das noch) war übrigens die Einführung der Doppelnull-Abteilung bzw. die Erklärung für die doppelte Null in „Dr. No“, wo M Bond sagt, dass seine Doppelnull ihn zwar ermächtigt, im Laufe eines Jobs jemanden umzulegen, aber nicht, dass er selbst umgelegt wird. Einfach und schön erklärt, ohne dass es zu sehr auf die Nase ist. Sehr schön!

Golffinger

Tja, korrekterweise müsste man den Film eigentlich in „Golffinger“ umtaufen, da bei den Dreharbeiten Connery wohl seine Leidenschaft für diesen Rasensport entdeckt hat.

Einer der Glanzpunkte des Films – der ihn für mich zeitlos gut und nahezu unerreicht macht – ist Gerd Fröbe als Goldfinger. Und das nicht, weil er ihn überlebensgroß und „böse“ spielt (das macht Curd Jürgens später, der bei mir kläglich scheitert), sondern weil er eher das Gegenteil macht. Er ist charmant, freut sich über die Dinge, die er tut, und hat einfach Freude an der Arbeit. Nur durch ihn wird eine Szene, die im Rahmen des Films überhaupt keinen Sinn ergibt, erst gerechtfertigt. Denn Goldfingers gesamter Showroom ist völlig sinnlos. Er hat da sich umdrehende Billardtische, riesige Bilder von Fort Knox, ja, sogar ein kleines Modell davon – aber ohne eine Spielzeugeisenbahn, was die ganze Sache etwas suspekt macht. Jedenfalls ergibt all das keinen Sinn, ebenso wenig wie die Tatsache, dass er den ganzen Mafiagrößen hier mit diesen Accessoires seinen gesamten Plan haarfein erzählt – nur, um die alle anschließend umzubringen. Diese Szene ist also eigentlich nur für den Zuschauer… bis auf ein kleines Detail. Bond sagt Goldfinger, dass ihm seine Ausführungen sehr viel Freude gemacht haben – Goldfinger lächelt leise und meint: „Mir auch!“ Das heißt, er hat das alles nur erzählt, um sich selbst eine Freude zu bereiten – und wenn man Fröbes Gesichtsausdruck sieht, dann nimmt man ihm das auch ab!

Diesen Film ziehe ich übrigens eher auf Deutsch vor, da man Fröbe im Original zumindest teilweise fremdsynchronisierte. Wer also mit Sicherheit Fröbes Stimme hören möchte, in einem herrlichen Zusammenspiel mit Gerd Günther Hoffmann, der sollte auf die deutsche Fassung zurückgreifen.

Der Goldfinger steckt im Detail

Und die Details sind es wieder, die diesem Film einen gewissen Reiz verleihen – ebenso wie die großartigen Bauten von Ken Adam. Aber es sind diese Dinge am Rande: Die alte Dame, die freundlich knickst, als der gefangene Bond an ihr vorbeifahren muss – und die kurz danach mit einer ihr viel zu großen Maschinenpistole auf Bond schießt. Das ist der Witz und der Spaß, der den neuen Filmen fehlt.

Ein Detail dagegen ist eher ein krasser Fehler – der der Zensur geschuldet sein dürfte. Wie bereits erwähnt hatte Bond in seinen frühen Tagen noch Stil, und da schlossen sich nicht nur Titten aus, sondern auch Blut. (Ist bei einer Reihe, in der es um einen Geheimagenten geht, der nur rumvögelt und Leute umlegt ein bisschen widersinnig, aber das wollen wir jetzt mal brav übersehen.) Nun haben wir aber den guten Oddjobb, der „vor einer Dame immer den Hut abnimmt“. Im Golfclub beweist er, was er damit zu tun imstande ist: Er wirft und köpft damit eine Statue aus Stein. Etwas später hält er die fliehende Tilly Masterson auf dieselbe Art auf, indem er seinen Hut wirft und sie am Kopf trifft. Komischerweise ist der in der nächsten Aufnahme noch dran. Das Mädel ist zwar tot, wie sich das gehört, aber müsste ihr Kopf nicht streng genommen ein paar Meter weiter entfernt liegen? Nun, wie dem auch sei, das schmälert nicht das Vergnügen an „Goldfinger“ – jedenfalls nicht meins!

— Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —

— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

Ist und bleibt DER klassische Bondfilm. Hat einfach alles: Einen eingespielten Sean Connery, ein tolles Drehbuch (Richard Maibaum), perfekte Musik und meinen Bond-Lieblingsregisseur: Guy Hamilton. Genial ist schon gleich die Kamerafahrt über das Hotel auf den Sprungturm und der Schnitt ins Schwimmbecken (8. Filmminute).

Bitte achten Sie bei der Gelegenheit auch auf den Overkill an Bikini-Schönheiten in sämtlichen Hotel-Pool-Szenen. „Goldfinger“ ist exzellent inszeniert, siehe auch den ersten (Schatten-)Auftritt von Oddjob (15. Minute). Man fragt sich zwar, wie die Maler das goldene Opfer so sauber hingekriegt haben, die Situation wird jedoch einfühlsam geschildert und von dezenter Musik begleitet.

Ein Gegenstand hat einen der größten Auftritte der Filmgeschichte in der 22. Minute: Q führt den Aston Martin vor! Das Traumfahrzeug für jeden. „Vorne rechts und links je ein Maschinengewehr.“

Eine wundervoll skurrile Idee ist der tödliche Hutwurf, den Oddjob in Minute 31 demonstriert. Übertriebener Action-Quatsch jedoch in Filmminute 43: Der Wagen mit Verfolgern kommt bloß vom Weg ab, beginnt allerdings furchtbar zu brennen und explodiert Sekundenbruchteile später. What the firefuck?!

Minute 45: Die Masterson-Schwestern haben schlechtes Karma – nach Jill stirbt Tilly durch Oddjobs Killerhut, den er in den stockdunklen Wald geworfen hat! Junge, Junge. Den Mann darf man auf keiner Kirmes loslassen. Sein Zimmer ist wahrscheinlich geschmückt mit Trophäen vom Dosenwerfen…

Minute 46: Großartiger Gag am Rande ist das Ömchen am Maschinengewehr! Das ist der Zauber von Guy Hamilton! 

Willkommen zur Hälfte des Films. Everybody’s favorite Folterszene. Der Laserstrahl zielt auf 007s Klöten. Und der wohl beste Bösewichtsatz überhaupt: Auf Bonds „Erwarten Sie von mir, dass ich rede?“ schmettert Goldfinger sein joviales „Nein, Mr. Bond, ich erwarte von Ihnen, dass Sie sterben!“

Natürlich gehört ein dickes Lob dem dicken Gert Fröbe, der seinen Goldfinger wunderbar angelegt hat. Dessen verbissene Geschäftstüchtigkeit macht ihn zu einem wirklich glaubhaften Bösewicht.

Minute 52: „Ich bin Pussy Galore“ – „Das muss ein Traum sein“. Tja, als man noch solche Bücher schreiben konnte. Die Frau, die „immun“ gegen Bonds „Charme“ ist. Deswegen wird er sie auch später vergewaltigen (sagen wir es ehrlich).

60. Minute: Peinlich käsige Szene der Filmgeschichte. Ein blondierter Haufen Pilotinnen stellt sich als Pussy Galores „Flying Circus“ vor. Wenn die fliegen können, fress ich einen Goldbarren.  Als hätte für Sekunden Russ Meyer die Regie übernommen. Unheimlich.

Mal eben zur Handlung: Völlig schleierhaft ist, weshalb Goldfinger Bond am Leben gelassen hat. Er weiß ja schon, dass Bond sein Feind ist (welcher angeblich auch alle Informationen schon an seine Dienststellen weitergegeben hat). Im Buch (das ich zufällig gelesen habe) kommt Bond undercover bei Goldfinger als Privatsekretär unter. Als solcher wohnt er nämlich auch der herrlichen Gangsterversammlung bei, die nun folgt (ab Minute 62).

Im Film entkommt Bond seinem Gefängnis (wieder so ein Hamilton-Kabinettstückchen!) und lauscht dann unter dem Modell von Fort Knox.

Auch die Autoverschrottung in Minute 75 ist so eine Szene, die diesem Film ein eigenes Flair verleiht. Man fragt sich jedoch, wie das FBI aus dem Klotz Metall (und Mensch, würg!) das Zettelchen mit Bonds Nachricht fischen will. Ein Schock. Tun sie ja auch nicht. Bond kann immer noch Pussy Galore vergewaltigen. Was in Minute 83 geschieht und als „gemeinsames Training“ verharmlost wird. Die Frau, somit auf die Seite Bonds gezogen, vereitelt Goldfingers schönen Plan.

Minute 86: Sehr kindisch und null glaubhaft das sofortige Umfallen der Bewacher von Fort Knox, sowie die Sprühflugzeuge in größerer Höhe vorbeifliegen.

Der Rest des Films ist leider mehr Abwicklung in Action als inspirierter Thriller. Ausgenommen sei das finale Duell Bond vs. Oddjob. Minute 96: Der wirkungslose Goldbarrenwurf gegen das koreanische Monstrum. Das dabei noch lächelt! Minute 97: Mit Bond wird der Boden gewischt. Minute 98: Oddjobs furioser Elektro-Tod. Womit sie übrigens das Ausschalten des Kriminellen aus dem „Vorsetzer“ (dem Mini-Film am Anfang) wieder aufnehmen (Bond warf ihm einen Ventilator in die Badewanne).

Minute 100: Bond fummelt hilflos an der Bombe, ein Fachmann greift schnell ein – und stoppt den Countdown auf Zählerstand „007“. Musste ja sein.

Minute 102: Goldfinger final scare. Da isser wieder. Aber nur für kurze Zeit. Flutsch und weg! Das anschließend abstürzende Flugzeug explodiert ebenfalls augenblicklich beim Kontakt mit Wasser. But James Bond will be back.

Goldfinger (1964)

Originaltitel: Goldfinger

Regie: Guy Hamilton

Musik: John Barry / Titelsong: Shirley Bassey

James Bond: Sean Connery / G.G. Hoffmann

Goldfinger: Gert Fröbe

Pussy Galore: Honor Blackman / Margot Leonard

Jill Masterson: Shirley Eaton / Ute Landfried-Marin

Felix Leiter: Cec Linder / Friedrich Schoenfelder

Simmons: Austin Willis / Curt Ackermann

Solo: Martin Benson / Wilhelm Borchert

Col. Smithers: Richard Vernon / Siegfried Schürenberg

Ling: Burt Kwouk / Gerd Duwner

und

M: Bernard Lee / Konrad Wagner

Q: Desmond Llewellyn / Harald Wolff

Moneypenny: Lois Maxwell / Lola Luigi

Popkulturelle Differenzen

kehrt zurück

mit

Thunderball

DoubleDSexy13Gesucht

Liebesgrüße aus Moskau

Die große James Bond Retrospektive

Bond ist zurück… und das, obwohl es eine ganze Weile dauert, bis er wirklich zurück ist. Denn das, was wir vor dem Vorspann sehen, ist ja nur eine billige Kopie – nicht eine wie „Kommissar X“ oder „Geheimagent Barrett“, sondern eine zum Umbringenüben, eine sehr beliebte Sportart bei SPECTRE, Ihrer Lieblingsorganisation für Verbrechen und Größenwahn.

Wenn ich mich recht erinnere, verdanken wir die Einführung des „Teasers“, also des kleinen Films vor dem Vorspann, der Tatsache, dass man gemerkt hat, dass Bond selbst erst nach etwa 20 Minuten auftaucht – und da das ja ein Bond-Film ist, sollte er besser mal früher an den Start gehen. Also bastelte man diese Szene nach vorne – und so entstand ein weiteres Merkmal der Bond-Reihe. Was uns zu einer weiteren Rubrik bringt, der sich durch diese Retrospektive ziehen wird:

Schwachsinn über Bond!

Es taucht immer mal wieder irgendein Schwachsinn über Bond auf, den wahrscheinlich ein Autor mangels besserer Kenntnisse aufgeschrieben hat und jeder Depp kopiert den Mist, ohne ihn zu hinterfragen. Aber vielleicht bilde ich mir das ja auch nur ein. Wie dem auch sei, ich meine, es wird immer wieder gerne behauptet, dass der Teaser ja ein kleiner Vorfilm ist, der uns ein bisschen Action zeigt, mit der Haupthandlung des Films dann aber eigentlich gar nix zu tun hat. Und das ist… FALSCH! Oder sagen wir, es trifft bestenfalls auf eine Handvoll Teaser zu. Der vom nächsten Film, „Goldfinger“, gehört dazu, aber die meisten anderen eigentlich eher nicht… doch darauf werden wir im Laufe dieser Reihe näher eingehen.

Eine andere Sache, die, glaube ich, gerne kolportiert wird, ist, dass Maud Adams die erste Frau Schrägstrich das erste Bondgirl war, das in mehreren Filmen aufgetreten ist. Auch das ist falsch. Genau genommen, bevor alles extrem zerfasert ist, hatte man eigentlich vor, die Bond-Reihe als Fortsetzungsfilme zu machen und nicht als das, was sie heute ist, wo es eigentlich wenig innere Zusammenhänge und gesteigerte Kontinuität mehr gibt. Und so hatte Bondylein am Anfang so eine Art Freundin. In „Dr. No“ schleppt er sie im Casino ab, hat noch Zeit für nen kleinen Quickie, bevor er nach Jamaika abdüst und dann sehen er und wir sie erst wieder zu Beginn von „Liebesgrüße aus Moskau“: Sylvia Trench, gespielt von Eunice Gayson, die damit – zusammen mit Lois „Monepenny“ Maxwell – die erste Frau Schrägstrich Bondgirl ist, die in zwei Filmen auftaucht – tatsächlich aber die erste, die ihren Rollennamen beibehält. (Falls es Sie interessiert, die nächste dürfte wohl Martine Beswick sein, hier eine der Zigeunerinnen, bei „Feuerball“ dann eine Kollegin von Bond.)

Der Sprung ins kalte Quantum

„Dr. No“ ist kein schlechter Anfang, aber „Liebesgrüße“ ist ein echter Quantensprung. Was bei „Dr. No“ noch ein wenig ungelenk und krude daherkam, ist hier schon weit ausgereifter. Der Film sieht irgendwie besser aus, die Musik ist stimmiger, alles wirkt ein wenig routinierter, aber nicht im negativen Sinne.

Die Eröffnung ist nun so, wie wir sie in Zukunft erleben werden: Das Bond Thema (oder eine Variation davon) ertönt und die Gunbarrel-Sequenz kommt. Der Vorspann ist mit auf Frauenkörper projizierten Texten ausgesprochen originell, der Titelsong ist hier zwar instrumental, wird dann aber mit Gesang am Ende nachgereicht.

Der Mann mit dem Hut ist zurück – aber erst später. Bond taucht erst nach etwa 17 Minuten auf, der Hut fliegt, die Frisur sitzt – auch bei Blofeld. Den sieht man zwar nur von hinten, aber dafür hat er nicht nur eine haarige Katze sondern auch einen behaarten Kopf.

Dass Bond an exotischen Orten spielt wissen wir, wir haben ja alle Sekundärliteratur gelesen. Dass Bond es aber selten nötig hat, plump durch Einblendung des Ortsnamens darauf hinzuweisen, wo wir uns gerade befinden (wie zum Beispiel in „Ein Quantum Trost“, wo sie sich nicht entblöden, das sogar für London zu machen… nein, da fällt mir auch spontan kein Wahrzeichen ein, mit dem man das eleganter hätte lösen können), statt dessen hat man sich etwas anderes einfallen lassen. Wie schon in „Dr. No“ wird nach Landung der Maschine, in der Bond sich befindet, ein Schnitt zum Tower gemacht, wo ein fleißiger Fluglotse den Heimatflughafen der Maschine anruft und durchgibt, dass ihre Maschine gerade angekommen ist. Einfach, elegant – und nach „Liebesgrüße“ wahrscheinlich nie mehr gemacht.

Bondbardement

Und wieder tut er es: Er sucht sein Zimmer ab. Nach Wanzen. Also die zum abhören, nicht kammerjägermäßig. Kommt wahrscheinlich nur noch mal in „Leben und sterben lassen“ vor, aber da könnt ich mich jetzt auch irren.

Jedenfalls verhält sich Bond in diesem Film nicht nur wie ein Geheimagent, wahrscheinlich dürfte das auch der letzte Bond Film sein, in dem er wirklich als Spion arbeitet, so mit gegen Russen und so. Denn hier hat man wieder SPECTRE als Mittelsmann eingesetzt, Bond aber trotzdem darauf angesetzt, den Russen eine Dechiffriermaschine abzuluchsen. Das ganze wird zu einem recht dichten Agententhriller mit einem schönen Schlusskampf im Zugabteil… der leider nicht den Schlusskampf darstellt, was den Film ein wenig schmälert. Denn danach kommt noch der Hubschrauber – und dann hätte es gereicht. Aber dann kommt noch die Bootsgeschichte und die ist einfach einer zuviel.

Womit wir bei einem Fluch angekommen sind, den sich die Bond Reihe selbst geschaffen hat und mit dem sie sich streckenweise selbst zerstört: Der Fluch des sich ständig übertreffen müssens. Das wird von Film zu Film immer schlimmer, artet in einer 2stündigen Unterwasserschlacht aus und die Sache mit dem Kampf im Flugzeug in „Stirb an einem anderen Tag“ hätte auch keiner gebraucht. Das Problem ist also selbst geschaffen und ich möchte mal sagen, es beginnt hier.

Davon ab ist „Liebesgrüße“ aber ein solider Film den man so heute nicht mehr machen würde, weil man allein etwa 27 Minuten im Zug verbringt, inklusive zwei Aufenthalte, aber immerhin.

Robert Shaw als Red Grant ist überzeugend und macht seine Sache gut – was auch nicht jeder Bondbösewicht schafft (siehe „Ein Quantum Toast mit Butter und Marmelade“).

Der Fluch des zweiten Films!

Worauf wir noch eingehen werden ist „der Fluch des zweiten Films“, denn, wenn man sich die Reihe so ansieht, ist so ziemlich jeder zweite Film eines Bond Darstellers schlicht und ergreifend scheiße. Gut, Lazenby ist da drum herum gekommen, Moore aber nicht, Dalton nicht und Craig ganz gewiss nicht. Viele mögen zwar „Der Morgen stirbt nie“ nicht, aber ich kann damit leben und finde den kaum so abgrundtief schlecht wie die erwähnten drei. Und dieser hier… fällt auch nicht in die Kategorie!

Er bietet zwar die üblichen schlechten Rückprojektionen, aber das ist ja irgendwie Tradition bei Bond.

John Barry führt hier übrigens sein „007 Theme“ ein, ein Thema, das er als Gegenstück zum Bond Thema aufbauen wollte, das zwar ganz gut ist und sich eigentlich ganz gut in diesen Film und seinen Soundtrack einfügt, aber eben leider mit der zeitlosen Großartigkeit des James Bond Themas nicht konkurrieren kann. Und deshalb benutzt man das auch heute noch so richtig gut in den Filmen… ach, schön wär’s!

Abschließend noch zwei Details zur Originalfassung. Die englische Synchronstimme von Daniela Bianchi überzeugt mich nicht, da hat die Nachsynchro von Ursula Andress in „Dr. No“ besser geklappt. Was in der Originalfassung aber schöner ist als in der deutschen ist Bonds Kommentar, nachdem Kerim Bey den aus dem Mund von Anita Ekberg fliehenden Gegner erschossen hat: „She should have kept her mouth shut.“ Macht irgendwie mehr Spaß als: „Sie hat wirklich einen sehr schönen Mund.“

— Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —

— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

Den mag ich, obwohl sich der Film schon etwas zieht. Schon der Teaser wartet mit einer Sensation auf: Bonds Ermordung! Gut, es war ein Doppelgänger, aber toller Twist. Echter Schocker.

Und ich liebe die unwirsche Hexe Lotte Lenya als „Numero Drei“ bzw. „Rosa Klebb“. Ihr erstes Highlight (13. Filmminute): Sie hämmert dem Killer Grant testhalber einen Schlagring in den Magen („Er ist wirklich gut in Form“).

Erster Auftritt von „Waffenmeister“ Q, der mit dem langweiligsten Gadget der Filmgeschichte anrückt: „Ein unauffälliger kleiner Lederkoffer“. Tatsächlich (20. Minute)!

Trotz der behäbigen Handlung wartet der Film mit hübschen Details auf  – wie dem Periskop unterm russischen Konsulat (Minute 34), der Bauchtanz einer erstaunlich mageren „Zigeunerin“ (Minute 39), der Ausstieg des Killers aus dem Filmplakat (Minute 49), der durchsichtige Spiegel hinter dem Bett – von wo aus Rosa Klebb den Bondschen Beischlaf abfilmt (Minute 53), die Runde der stummen Zuhörer in London (besonders Moneypennys Gesicht!), als Bond seine Tanja über die „Lector“ ausfragt (Minute 60), die Rimsky-Korsakoff-artige Musik unter dem Diebstahl der Maschine (Minute 63), Robert Shaws lauernder Blick, als Bond auf dem Bahnsteig steht (Minute 75) und seine eiskalte Miene, als ihn Bond des Mordes beschuldigt (Minute 86), die Schlägerei im nächtlich-blau ausgeleuchteten Zugabteil (Minute 89), Daniela Bianchi auf der blumengeschmückten Ladefläche des Lastwagens (Minute 95), die Wackelkamera beim Hubschrauberangriff (Minute 97), Kronsteens ungläubiges Sterben (in Minute 101), die Flammenwand im Meer (Minute 104) – sowie die wohl klassische Szene des Films: Rosa Klebb als auskeilendes kleptomanisches Zimmermädchen beim Finale in Venedig!

Schönster Gag: Bond-Komplize Kerim Bey (der türkische Felix Leiter sozusagen) belabert den russischen Agenten Benz mit seiner Lebensgeschichte (Minute 68).

Erstaunliche Erkenntnis: Der Schuh mit dem Messer ist überhaupt nicht Rosa Klebbs Gimmick, sondern wird zuvor schon von Blofelds Handlanger gegen Kronsteen eingesetzt!

Schlimme Erkenntnis: Dieser zweite Bondfilm serviert schmierigsten Machismo von Anfang bis Ende.

Liebesgrüße aus Moskau (1963)

Originaltitel: From Russia with Love

Regie: Terence Young

Musik: John Barry / Titelsong: Matt Monro

James Bond: Sean Connery / G.G. Hoffmann

Tatjana Romanova: Daniela Bianchi / Marianne Mosa

Kerim Bey: Pedro Amendaritz / Klaus Miedel

Rosa Klebb: Lotte Lenya / Alice Treff

Morzeny: Walter Gotell / Benno Hoffmann

Zugschaffner: George Pastell / Wolfgang Draeger

Kronsteen: Vladey Sheybal / Jürgen Thormann

Red Grant: Robert Shaw / Horst Niendorf

(Blofeld: Eric Pohlmann / Friedrich Joloff)

Sylvia Trench: Eunice Gayson / Uta Hallant

und

M: Bernard Lee / Siegfried Schürenberg

Q: Desmond Llewellyn / Heinz Petruo

Moneypenny: Lois Maxwell / ???

Popkulturelle Differenzen

kehrt zurück

mit

Goldfinger

DoubleDSexy05Kopfgeld

Rasante Raser

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Kann denn ein Film über Fahrradkuriere wirklich interessant sein? Doch, das geht. Aber sein wir mal ehrlich, wer hier hat denn schon mal was von

„Premium Rush“

gehört? Hm? Und wenn es keiner hat, dann ist das wirklich traurig. Denn der Film hat wirklich was zu bieten. Nämlich rasante Action. Aber nicht so einen Mist, der aussieht wie aus dem Computer berechnet, sondern etwas, das wirklich echt wirkt.

Zugegeben, da sind Computereffekte dran beteiligt, das geben alle Beteiligten zu. Und doch hat man ständig das Gefühl, die Radfahrer könnten von einem der Autos getroffen werden. Was wohl auch während der Dreharbeiten das eine oder andere Mal passiert sein muss. Aber gerade das gibt diesem Film das gewisse Kitzeln, das Kribbeln, das sich einstellt, wenn man über die Kreuzung schießt und sich dann in den Gegenverkehr einordnet. Dinge, die man selbst mit dem Rad tunlichst unterlassen sollte.

Echt sieht eben echter aus

Also warum hat man hier das Gefühl, wirklich mitten drin zu sein? Weil nicht alles aus dem Computer kommt, weil echte Stuntmen daran beteiligt sind, echte Radfahrer, die können, was sie da tun. Echte Stunts können einen Film unglaublich aufwerten. Man kann viel über die alten „Mad Max“ Filme sagen (hey, steht da nicht auch bald ein Remake an?), zum Beispiel… na ja, dass eigentlich das wirklich einzige verbindende Element ein Typ namens „Max“ ist, der von Mel Gibson gespielt wird und immer die gleichen Klamotten anhat. Ich denke, das ist das „durchgehende“, das und: Stunts mit Autos!

Und das ist eben das, was man diesen Filmen zugute halten muss. Mögen sie auch sonst ein wenig krude sein, besonders der erste, mögen sie auch so alberne Namen wie „Papagallo“ mit sich bringen (also ehrlich, Leute!), so bieten sie doch eine Sache, die man heute fast nur noch aus der Retorte zu sehen bekommt: Spaß mit Autos. Also Spaß im Sinne von Verfolgungsjagden und brutalen Crashs. Dinge, denen man deutlich ansieht: Wenn der Stuntman da nicht ordentlich aufgepasst hätte, dann wär er jetzt tot. Das ist eine Kunst, die durch die Computertechnik immer mehr in den Hintergrund zu geraten scheint. Und die der Sache auch ein wenig den Reiz nimmt, das Besondere, das Tolle. Denn im Computer kann man jeden Scheiß zusammenmanschen (was ja auch ständig getan wird), aber für echte Stunts braucht man eben Könner, die wissen, was sie da tun – und man merkt, dass das nicht ganz ohne Risiko war.

Zum Sterben schön

Natürlich will ich nicht, dass irgendwelche Stuntmen für einen bescheuerten Film ihr Leben riskieren – aber man erkennt halt den Unterschied. Zwischen echter Handarbeit und Computerpixeln. Und da sieht die Handarbeit, mag sie auch aus den 70ern stammen, eben in den meisten Fällen einfach besser aus.

Was der Grund ist, warum ich an dieser Stelle meinen Hut vor „Premium Rush“ ziehe und ihn hier empfehle, denn ganz gleich, ob er nun ein adäquates Abbild des Lebens und Arbeitens von New Yorker Fahrradkurieren darstellt oder nicht, er ist streckenweise einfach atemberaubend!

DoubleDOHSexy06Vorstellung

von Martin Cordemann