Neu auf DVD: CON GAME – Kenne deine Feinde

Undercover Bulle wird von seinem Chef verarscht und braucht Geld. Aber statt Schmiergeld zu nehmen, will er lieber mit einer Bande einen Überfall auf einen Geldtransporter durchziehen. Dass das nicht gut gehen kann, kann man sich denken…

Manchmal sind es die, von denen man es nicht erwartet

Das kann man auf den Film mit seiner Frage, wer denn nun der Verräter ist, beziehen – oder auf den Film selbst. Denn hin und wieder wird man positiv überrascht und ein Film, von dem man eigentlich nicht viel erwartet hat, stellt sich als hervorragend heraus. Was in diesem Fall zum Teil daran liegt, dass „Con Game“ leider ein wenig austauschbar wirkt und man nach dem Erfolg von „Con Air“ so viele Abklatschversionen mit dem Wörtchen „Con“ im Titel vorgesetzt bekommen hat, dass man dahinter erstmal irgendwelchen billigen Schrott vermuten muss. Doch weit gefehlt. Denn auch wenn der Name des Films wenig hilfreich ist (und „Blutiges Geld“ oder „Blutige Beute“ vielleicht passendere Titel gewesen wären), hält der Film nicht, was sein Name verspricht – und das auf ausgesprochen positive Weise.

Manchmal weiß man innerhalb der ersten paar Minuten, ob man einen Film mag oder nicht. Bei diesem war es ein dankbares „ja“, das Hoffnung auf mehr gemacht hat. Und diese Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Nach einem recht furiosen (und brutalen!) Auftakt entwickelt sich eine Handlung, die immer mal wieder die Richtung wechselt – was vor allem daran liegt, dass die Hauptfigur keinen richtigen Plan hat. Das macht die Details unvorhersehbar, auch wenn das Ende natürlich dem entspricht, mit dem man bei einem solchen Film rechnen muss: Blutig oder gut durch? Nun, eher ersteres, würde ich meinen.

„Reservoir Dogs“

Der Vergleich steht auf dem Cover – und er ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Besonders eine Szene erinnert stark an Tarantinos Erstlingswerk. Hinzu kommt der Undercover Polizist unter den Gangstern und die Tatsache, dass, nunja, nicht unbedingt jeder den Film überleben wird. Die Stimmung ist aber ein wenig anders. Ist bei Tarantino der Ton eher deprimierend und anstrengend, spielt hier die Action eine größere Rolle.

Und damit sind wir schon beim Thema: Südafrikas erster Actionheld. Das ist die Hauptperson des Films, so sagt uns jemand im Zusatzmaterial. Der Film ist also keine billige Hollywoodware, wie Titel und Cover vermuten lassen könnten (das Cover sieht aus, als ginge es um irgendwelche Rapper, die irgendwas Gewalttätiges machen), sondern einer der ersten, größeren Actionfilme aus Südafrika. Das bedeutet zwar, dass er weniger gekostet hat als Hollywoodfilme, aber, wie ich an einer solchen Stelle so oft (und gerne immer wieder) schreibe: Er war vielleicht billiger, aber er ist weiß Gott nicht schlechter! Was hier für das – vermutlich geringe – Budget auf die Beine gestellt wird, ist großartig, kann sich sehen lassen und muss sich vor Hollywood nicht verstecken. Die Action stimmt, die Figuren stimmen, die Schauspieler stimmen – das gesamte Paket ist rundum gelungen. Wo in Hollywood aufgeblasen und verwässert wird, hat man hier die Dichte, die ein solcher Film braucht.

Bonus Game

Making Of und eine Featurette (quasi das Best Of des Making Of). Man lernt etwas über den Hauptdarsteller, z.B. wie er angefangen hat – und das ist durchaus interessant.

Con Fazit

Spannend, hart, verschwitzt. Starke Action aus Südafrika, die gute Handlung mit guten Actionsequenzen verbindet. Streckenweise brutal – aber das hier ist Action und kein Kindergeburtstag. Ab 4.11.2014 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Zwei vom alten Schlag

Ein bisschen wie „Die Sunny-Boys“ als Boxer. Zwei alte Recken, die sich bis auf die Knochen hassen, treffen wieder aufeinander – was natürlich nicht gut gehen kann. Aber da die beiden Boxer sind, ist es unumgänglich, dass man sich irgendwann gegenseitig eins auf die Fresse haut – aber natürlich ordentlich im Boxring…

Die amerikanische Antwort auf Terence Hill und Bud Spencer

Das stimmt natürlich nicht ganz. Genau genommen stimmt das eigentlich kaum. Aber es klingt verdammt gut. Und so ganz falsch ist es denn ja auch nicht, ist Sylvester Stallones deutsche Stimme Thomas Danneberg ja auch der Stammsprecher von Terence Hill. Hätte man jetzt noch Spencers Sprecher Wolfgang Hess für Robert de Niro besetzt… aber für den stieg einmal mehr Christian Brückner in den Ring und verteidigt seine Position dort seit 1988 ungebrochen (während Danneberg Stallone bereits seit 1980 ohne Unterbrechung spricht). Wenn man es aber mal genau nimmt, dann haben wir hier eigentlich

Rocky vs. Raging Bull

Denn das dürfte mit der Hintergedanke bei diesem Film gewesen sein: Zwei alte Boxer treten noch einmal gegeneinander an, also nehmen wir zwei Schauspieler, die schon ein- oder mehrmals Boxer gespielt haben. Dass Stallone sich 1976 mit und als „Rocky“ Weltruhm erkämpfte, dürfte wohl allgemein bekannt sein. Dass aber auch Robert de Niro 1980 „Wie ein wilder Stier“ kämpfte, mag bei all seinen weiteren Rollen vielleicht ein wenig in Vergessenheit geraten sein. So haben wir hier also zwei alte Kämpfer, denen man ihr Alter durchaus ansieht. Gut gehalten hat sich dagegen Kim Basinger, die sich hier ebenfalls die Ehre gibt. Und Alan Arkin darf das machen, was er in allen Filmen gemacht hat, in denen er in den letzten Jahren aufgetreten ist, nämlich die alte aber schillernde Nebenfigur sein, deren Sprüche hier jedoch oft unter der Gürtellinie landen.

Der Film ist ein bisschen Komödie, ein bisschen Drama, ein bisschen Liebe, ein bisschen Nostalgie. Es gibt sogar eine schöne Anspielung auf „Rocky“, als sie sich in einem Schlachthaus befinden.

Bonus

Die DVD bietet drei nicht verwendete Szenen mit Einleitung des Regisseurs. Auf der Blu-ray gibt es darüber hinaus „weitere lustige Momente mit Kevin Hart“, „Am Ring mit Tyson & Holyfield“, „Schlag auf Schlag mit Larry Holmes“ sowie alternative Anfangs- und Endszenen „und mehr“ (was ich mangels Blu-ray-Player nicht zu beurteilen in der Lage bin).

Fazit

Netter Film über alternde Boxer, die es noch einmal wissen wollen, gespielt von alternden Hollywoodmimen, die es besser wissen sollten. Eigentlich eher Drama mit komödiantischen Untertönen als Komödie mit dramatischen Untertönen. Ab 22.5.2014 im Handel.

Die Vorhersage von morgen…

Eigentlich von heute für morgen, aber wer würde so spitzfindig sein? Ich, okay, da haben Sie natürlich recht. Also werfen wir einen kleinen Blick in die Zukunft – im wahrsten Sinne des Wortes. Und sogar im doppelten Sinne. Denn uns stehen mehrere Science Fiction Filme ins Haus und wenn man über etwas hervorragend spekulieren kann, dann doch wohl darüber!

Star Wars 7

Zum derzeitigen Zeitpunkt kann man noch nicht viel über den Film sagen, aber ich wage eine Prognose, wie die Kritiken ausfallen werden. Etwas frühzeitig, finden Sie? Nun, definitiv. Aber ich würde gerne sehen, ob ich recht habe. Abgesehen davon behaupte ich mal – was zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt gegeben wurde – dass Max von Sydow Obi-Wan Kenobi spielen wird, weil seine Besetzung für diese Rolle durchaus einen gewissen Sinn ergeben würde… aber schauen wir mal, ob ich mich da nicht irre.

Kommen wir zu den Kritiken des Films, die da kommen werden. Ich behaupte, sie werden sagen, dass der Film besser ist als Episode I-III. Das ist keine sehr gewagte Behauptung, denn George Lucas hat mit seinen drei Prequels die Latte so dermaßen tief gehängt, dass der Film fast zwangsläufig nur besser sein kann! (Auch da besteht die Möglichkeit, dass ich mich irre… besonders, seitdem wir „Star Trek Into Darkness“ gesehen haben!) Also werden die Kritiken ihn schon (und vielleicht nur) deswegen loben… ob das nun stimmen mag oder nicht.

Da J.J. Abrams Regie führt, wird der Film wahrscheinlich zum Großteil aus Laufen, Springen, Schreien bestehen, aber so sind Filme heute nun mal. Es ist unwahrscheinlich, dass er so schlecht ist wie die Prequels und es ist unwahrscheinlich, dass er so gut ist wie die ersten beiden alten („Jedi“ lassen wir mal außen vor). Das Schlimmeste, was man möglicherweise über ihn wird sagen können, ist, dass er irgendwie… unbedeutend ist. Und die Gefahr ist durchaus da. Zumal sie durch eine andere Gefahr verstärkt wird: Möglicherweise wird man versuchen, es den Fans der alten Filme recht zu machen… und den Fans der neuen Filme… und den Fans der „Clone Wars“. Wir wissen alle, wenn man versucht, es möglichst vielen recht zu machen, kommt meist Murks dabei raus. Also kann es durchaus so kommen, dass man versucht, es allen recht zu machen und macht es dabei niemandem recht. Ein Kompromiss ist eben, wenn anschließend niemand zufrieden ist. Ich bitte das nicht als Vorverurteilung anzusehen, sondern als reine Möglichkeit, was passieren kann. Also, lassen wir uns überraschen… und schauen hinterher, ob ich mit irgendeiner meiner Prognosen richtig lag.

Avatar 2 bis 15

Ganz ehrlich, zu „Avatar“ hab ich eigentlich nicht viel zu sagen. Ich bin kein großer Fan des ersten Teils, aber, obwohl ich die Handlung banal und öde finde, muss ich Cameron hier von einem Standpunkt aus in Schutz nehmen: Er hat eine Menge Geld in etwas gesteckt, dass toll aussehen soll. Und das tut es. Tricktechnisch ist der Film großartig. Wenn man aber eine Menge Geld in etwas investiert, dann will man auch gerne was davon zurückbekommen. Und, seien wir ehrlich, das tut man nicht, wenn man eine originelle Geschichte erzählt! Originelle Geschichten sind Kassengift, wenn man erfolgreich sein will, muss man die Handlung so flach und blöd wie möglich halten. Das hat er hier gemacht und das hat – finanziell – super funktioniert.

Was die Fortsetzungen angeht, so gäbe es eine Möglichkeit, in der sich James Cameron als großartiger… Künstler erweisen könnte. Für gewöhnlich, wenn der erste Teil erfolgreich war und man dann eine Trilogie ins Auge fasst, kann der zweite Teil nicht für sich allein stehen, sondern endet so, dass er durch den dritten Teil aufgelöst werden muss (war bei „Star Wars“ und „Herr der Ringe“ so, dürfte aber auch bei „Fluch der Karibik“ so gewesen sein). Cameron würde unglaublich in meiner Achtung steigen, wenn er dieses Korsett durchbrechen würde. Die Fans gucken sich das sowieso an, also braucht er auf diesen Zug nicht aufzuspringen. Wenn er es also tatsächlich wagen würde, dass Teil 2 eine in sich geschlossene Handlung hat und Teil 3 eine weitere, in sich geschlossene, so dass die Filme auch einzeln stehen könnten, das wäre… wirklich cool.

Star Trek…

Ach komm, machen wir uns nichts vor, bei „Star Trek“ werden sie, weil ihnen nix neues einfällt, obwohl sie sich die Basis dafür geschaffen hatten, neue Wege zu beschreiten (welche Ironie, welche Verschwendung) wahrscheinlich in einem der nächsten Filme die Borg als Gegner auftauchen lassen… seufzzzzz!

Die nackte Kanone

Und dann scheint es noch Gerüchte zu geben, dass Ed Helms in einem neuen „nackte Kanone“ Film möglicherweise die Rolle des Frank Drebin übernehmen soll? Nicht, dass man da gegen Leslie Nielsen nicht nur verlieren kann (es sei denn, man geht in eine völlig andere Richtung und macht daraus einen ersten Film… hmmm), aber ich hätte da einen Besetzungsvorschlag für Nordberg: Oscar Pistorius! Immerhin war es in den anderen Filmen Sportler und Frauenmörder O.J. Simpson, also wäre der Südafrikaner doch der perfekte Kandidat für die Rolle… obwohls vielleicht n bisschen Typecasting wäre. Aber lustig wärs schon – und das wird der Film ja wohl wahrscheinlich eher nicht werden. Naja, schauen wir mal, was die Zukunft so bringen wird!

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von Martin Cordemann

Auf dem Weg zum Einheitsbrei

Früher, ganz früher, gab es noch klare Trennungen. Also bei Filmen und Genres. Da versuchte man sich voneinander abzuheben, etwas besonderes, Eigenständiges zu sein. Eben um damit zu punkten, dass man Dinge tat, die einen von den anderen abhoben… bevor sie dann von anderen kopiert wurden, um ebenfalls auf der Erfolgswelle mitzuschwimmen. Doch heute scheint es das nicht mehr zu geben, heute klaut nicht nur der eine ungeniert beim anderen (gut, das gab es auch früher schon), aber aus irgendwelchen Gründen versucht man immer mehr, andere zu immitieren – obwohl man selbst eigentlich eine feststehende Marke ist.

Mein Name ist Bond, Jason Batman

Dass es wohl Parallelen zwischen Jason Bourne und James Bond gab, dürfte man an den Initialen der Figuren relativ klar ablesen können. Aber inzwischen verschwimmen auch hier die Grenzen ziemlich stark und ziehen sogar Nolans Batman mit hinein. Das liegt wohl daran, dass die Bond Macher nicht mehr Wegweiser sind, sondern schlicht und einfach kopieren, was erfolgreich ist. Was bei Jason Bourne gut funmktioniert hat, ist für Bond nun auch gut genug. Action, Kämpfe, Epilepsie verursachende Schnitte, alles. Dann kommt Christopher Nolan mit einem Neustart für Batman daher und auch das wird dann bei Bond einfach mal aufgegriffen (oder sollten wir sagen übernommen?).

All das wäre ja vielleicht noch erträglich, wenn Bond dann nicht auch noch auf das einzige verzichten würde, was ihn einzigartig gemacht und über die Jahre begleitet hat: die Musik. Dass man bei einem vom Kanon (sollte da so was überhaupt existieren) losgelösten Batman auf die Titelmusik der 60er Jahre Fernsehserie verzichtet, ist nachvollziehbar – zumal man Nolans Trilogie als in sich abgeschlossene Geschichte betrachten kann, die für sich steht und keinerlei Kontakt zum „eigentlichen“ Batman Universum hat (ähnlich wie „The Dark Knight Returns“).

Bei Bond ist das jedoch anders, Bond war immer eine irgendwie fortlaufende Reihe – man hätte eine für sich stehende Trilogie im Stile Nolans machen können, aber das hat man eben nicht. Und so sind wir an einem Punkt angekommen, wo Bond agiert wie Jason Bourne und aussieht wie ein Bauarbeiter – untermalt von einer Musik, die auch von Hans Zimmer stammen und aus einem der Batman Filme sein könnte, aber eben mit Bond nichts zu tun hat. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen den Figuren und den Filmen, aus allem wird ein Einheitsbrei, bei dem es auf Dauer schwierig werden wird, zu erkennen, wessen Abenteuer man eigentlich gerade verfolgt. Leider ist das Agentengenre da keine Ausnahme.

Es war einmal vor langer Zeit in einem Weltraum, unendliche Weiten…

Man kann „Krieg der Sterne“ vorwerfen, dass er sich bei vielem bedient (geklaut) hat, z.B. beim „Herrn der Ringe“, aber „Star Trek“ war damals komischerweise noch nicht dabei. Doch das hat sich inzwischen geändert. Denn man kann nun beim neuen „Star Trek“ von J.J. Abrams starke Anleihen bei „Star Wars“ erkennen – die im Audiokommentar sogar frei zugegeben werden. Das kann man für Figuren genauso sehen wie für das Aussehen mancher Szenen – sogar für die „Handlung“, denn aus der Entdeckungsreise der alten Serie ist inzwischen ein fast reines Geballer geworden.

Da sich Trek Wars nun also stark angenähert hat, was darf man dann von einem „Star Wars“ Film erwarten, der ausgerechnet von diesem Regisseur gemacht wird? Wenn Trek inzwischen also größtenteils wie Wars wirkt, wie wird dann das neue Wars wirken? Wahrscheinlich wie bei Bond und Co.: Die Linien verwischen, alles wird zu einem einfarbigen Matsch… jedenfalls ist mit so was wohl zu rechnen. Aber vielleicht geht das ja noch weiter und wir bekommen irgendwann einen „Captain James T. Bond der USS Millenium Enterprise“… aber wenigstens brauchen wir dann nicht mehr so viele Filme zu sehen!

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von Martin Cordemann

Dumme Filmklischees fürs Poesiealbum

– Denn es hört und hört nicht auf…

…mit den dummen Klischees! Aber vielleicht ist das ja vorerst die letzte Episode.

Kein Vorspann

Beim Fernsehen ist es ja zu verstehen, dass die meisten Serien inzwischen auf einen Vorspann verzichten. Wir erinnern uns noch, dass es bei „Raumschiff Enterprise“ nicht nur einen Vorspann gab, sondern auch noch einen Prolog, der vor dem Vorspann gesprochen wurde. Aber das war auch eine Zeit, in der Fernsehepisoden noch 48 Minuten lang waren. Zu Zeiten von „Star Trek: The Next Generation“ war man dann auf etwa 44 Minuten runter und heute sind viele Episoden nur noch um die 40 Minuten lang. Das schafft… mehr Platz für Werbung, richtig! Auf der anderen Seite kürzt das dann natürlich auch die Länge für Handlung. Was wohl der Grund ist, dass einige Fernsehserien heutzutage auf einen ausgedehnten Vorspann verzichten und nur zu einer kurzen Musik den Namen der Serie einspielen, die Namen der Darsteller etc. dann aber über die danach beginnende Handlung legen (z.B. „Lost“). Bei „Two and a half Man“ konnte man übrigens am Vorspann erkennen, wie viel den Machern für die jeweilige Folge eingefallen ist, denn wenn die Episode alles an verfügbaren Platz für die Handlung brauchte, fiel der Vorspann kurz aus, wenn nicht, dann gab es den langen.

Warum es sich inzwischen auch bei Filmen eingebürgert hat, dass man kaum noch einen Vorspann und manchmal nicht mal den Titel des Films erhält, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Könnte aber an der mangelnden Aufmerksamkeitsspanne des Publikums liegen, weil man vielleicht denkt, dass man die verliert, wenn’s nicht andauernd kracht und bumst, also lieber gar nicht erst mit viel Text (Vorspann) ablenken – oder man geht davon aus, dass von der Zielgruppe eh keiner mehr lesen kann und schenkt sich das dann einfach, um sie nicht zu überfordern. Auf der anderen Seite… Nachspänne bei Filmen scheinen inzwischen jeden, wirklich jeden auflisten zu müssen, auch wenn er nur mal Kaffee geholt oder dem Star den Hintern abgewischt hat – was dazu führt, dass 5 bis 10 Minuten Abspann inzwischen keine Seltenheit mehr sind. Unter dem Gesichtspunkt kann ich dann tatsächlich verstehen, dass man auf einen Vorspann verzichtet!

Episodentitellosigkeit

Neben keinem Vorspann gibt’s dann oft auch keinen Episodentitel mehr. Jedenfalls keinen sichtbaren. Bei der Ausstrahlung. Sowohl in der InternetMovieDataBase (imdb.com) als auch im Begleitheft zur DVD kann man zwar oft einen Titel nachlesen, aber die Zeiten, in denen der Titel zu Beginn der Folge eingeblendet wurde, scheint – bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. Serien von Aaron Sorkin – weitgehend vorbei zu sein.

CGI vs. Modelle

Durch Computer Generierte Effekte (CGI) wurde, nachdem die halbwegs ausgereift waren, vieles möglich, sogar Dinge, die in der Wirklichkeit völlig unmöglich sind. Für die Realisierung von Phantasien (eine Nacht mit Angelina Jolie) ist das natürlich phantastisch, aber es hat auch einen Nachteil: Manchmal wirkt es einfach völlig unecht! Und zwar auf eine idiotische Art und Weise. Wenn man in einem Bond-Film ein Auto zum U-Boot machen wollte, aus dem auch noch Raketen abgeschossen werden, dann musste man das bauen. Mit Modellen. Selbst mit verschiedenen Modellen (eins für die Umwandlung zum Boot, eins zum Abschießen der Raketen, eins zum Tauchen…), aber diese mussten gebaut werden und den Zweck erfüllen, für den sie da waren, d.h., wenn eine Schiffsschraube aus dem Heck kommen sollte, dann musste man die da auch irgendwie einbauen. Heute löst man so was per Zauberstab mit einem einfachen Computereffekt. Der angesprochene Nachteil ist: In so ein nichtexistierendes Auto kann man viele nichtexistierende Dinge reinpacken, weil die ja keinen Platz wegnehmen. Deshalb sieht man dann gerne in Science Fiction Filmen Dinge, die einfach physikalisch unmöglich sind, weil das, was sich da aus dem Raumschiff herausblättert, dort nie auch nur ansatzweise hineingepasst hätte. Bei einem echten Modell mussten die Spezialisten alles so bauen, dass das auch irgendwie gepasst hat – und das ist heute einfach nicht mehr nötig. So zeigen uns die Stare Trek und Wars Dinge, bei denen sich computeranimierte Segel entblättern, die so phantastisch aussehen, dass sie schlicht so unrealistisch wirken, wie sie sind. Denn man kann’s ja machen. In solchen Fällen wünsch ich mir echt die alten Modelle wieder!

Computervandalismus

Und wo wir schon mal bei Computern sind, wenn jemand in einem Film aber mal so richtig sauer auf seinen Computer ist, dann haut der dem aber ganz feste eine rein. Auch, um die Daten, die man nicht an die andere Seite kommen lassen will, zu zerstören. Das Problem ist: Die meisten Leute hauen kräftig gegen den Bildschirm. Das… bringt dann nicht so irrsinnig viel. Es sei denn, man will die Bildschirmindustrie vorantreiben. Will man aber die Daten vernichten, täte man eigentlich besser daran, den anderen Teil des Computer zu demolieren, in dem sich Prozessoren, Festplatte und das ganze Zeugs befinden. Aaaaber… das sähe wahrscheinlich weit weniger spektakulär aus!

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von Martin Cordemann

Neu im Kino: Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman

Die Geschichte eines Mannes mit komischem Namen, der mit seinem Sherman-Panzer durch die Nachbarschaft fährt und Abenteuer erlebt… das wäre bestimmt ein ganz anderer Film geworden. Und bestimmt keiner für Kinder! Ganz ehrlich, ich bin hier nicht die Zielgruppe. Denn dieser Animationsfilm aus dem Haus DreamWorks ist

Zeitreise für Kinder

Ein cleveres Hundchen hat nicht nur einen Jungen adoptiert, sondern auch eine Zeitmaschine gebaut. Dass das zu Komplikationen (und Abenteuern) führt, versteht sich von selbst. Und da der „Vater“ ein Hund ist, der Sohn aber kein „Hund“ sein will, gibt es auch da natürlich eine Erkenntnis/Entwicklung, wie sich das in einem solchen Film wohl gehört. Das ganze ist amüsante Unterhaltung, die bei Kindern bestimmt den richtigen Nerv trifft, aber auch die eine oder andere Anspielung beinhaltet, die sich wahrscheinlich eher an die begleitenden Erwachsenen richtet.

Der Film – und das kann man ja heutzutage nicht über jeden Film sagen – weiß, was er tut. Das zeigt sich besonders in der Schlussszene, die uns nicht nur deutlich zeigt, dass sie an „Spartacus“ erinnert, sondern dies dann auch noch auf der Metaebene verdeutlicht – eine sehr schöne Fast-Brechung der Szene. Mein persönlicher Favorit war allerdings da Vincis „Kind“!

Ein bisschen schade ist, dass man prinzipiell viel mehr hätte machen können, was hier nur an der Oberfläche angeschnitten wird. Man könnte durch die Geschichte reisen und das ganze zu einer Art Geschichtsunterricht für die jungen Zuschauer machen, mit der Geschichte spielen – und gleichzeitig historisches vermitteln, ohne dass es der Zuschauer richtig mitbekommt. Wie gesagt, in Ansätzen gibt es das hier, wäre das jedoch das Gesamtkonzept des Films gewesen, hätte er ungleich besser – und ungleich „Prädikat wertvoller“ sein können.

Wenn man schon eine Zeitmaschine hat und Sherman, Mr. Peabodys adoptierter Sohn, ein Findelkind war, das er auf der Straße gefunden hat, dann wäre es doch schon fast nahe liegend, sich mit der Zeitmaschine auf die Suche nach seinen wahren Eltern zu machen… aber vielleicht ist das ja die Handlung für Teil 2?!

Fragen…

Ich gehe davon aus, dass sich die Fragen, die ich mir stelle…

Warum ist die Hauptfigur ein Hund? Warum ist er der einzige Hund der sprechen kann? Oder das einzige Tier? Ist die Tatsache, dass er ein Hund ist, der Grund dafür, warum wir nicht hinterfragen, dass sowohl Franzosen der Französischen Revolution als auch Ägypter zu Zeiten von König Tut alle in der gleichen Sprache sprechen, die unsere Hauptpersonen auch verstehen? Und warum niemand die Frage stellt, warum der Hund sprechen kann, obwohl man uns keinen anderen sprechenden Hund oder ein anderes sprechendes Tier zeigt? Warum man ihn allerorten als kluge Gestalt anerkennt? Und wieso Matze Knop auch die Mona Lisa sprechen muss?

…sich kein Kind stellen wird – und die meisten Erwachsenen wohl auch nicht. Das Problem, wenn man es so nennen möchte, ist nur, dass die Bedeutung für die Handlung, warum Mr. Peabody ein Hund sein muss, nicht so unbedingt groß ist und sich sicher auch anders hätte lösen lassen. So ist das, für den erwachsenen Betrachter, möglicherweise ein wenig unhomogen. Aber was solls?

Die andere Frage wäre die nach dem 3D. Ich bin ja eher der Ansicht, dass 3D nur dann etwas bringt, wenn man auch wirklich etwas damit macht – vor allen Dingen etwas, das den betreffenden Film besonders vorantreibt. Das Gefühl hatte ich hier jetzt nicht.

Promi-Synchro

Bei vielen Freunden von Synchronisationen sind sie verschrien: Die Promi-Synchros. Dabei trifft es meist Animationsfilme, bei denen man dann, um es mal so zu formulieren, lieber Promis statt Profis besetzt, weil man mit Promis auf dem deutschen Plakat werben kann, mit Profis aber nicht. Oder wissen Sie, wer Jürgen Thormann ist? Lothar Blumhagen? Thomas Danneberg? Die wenigsten tun das leider und so will man dann große Namen statt großer Schauspielkunst – oder wie sonst erklären Sie sich die „Synchronarbeit“ von jemandem wie Verona Feldbusch? (Dass die dann auch noch weit mehr Geld für weit schlechtere Arbeit als ihre professionellen Kollegen bekommen, freut dann auch nicht unbedingt.) So passiert es dann also, dass man in vielen Animationsfilmen Promis zu hören bekommt… so auch hier.

Aber, da hätte man es durchaus schlimmer treffen können – und hat man auch, wenn man diversen Forumsbeiträgen glauben darf. Die Beteiligten machen ihre Sache größtenteils recht gut – was eine angenehme Überraschung ist, ist Matze Knops andere mir bekannte Synchronreferenz doch seine „Arbeit“ für Adam Sandler in „Waterboy“. Verglichen damit ist das hier gar nicht so schlecht – die Mona Lisa hätte aber wirklich nicht sein müssen. (Der Pressetext bezeichnet ihn übrigens als „Sprachimitator“, also offenbar als jemanden, der Sprache imitiert… kommt in etwa hin!)

Haupt- und Hundedarsteller Christian Berkel macht seine Sache auch ganz gut, klingt für mich aber eigentlich eher nach seinem Synchronkollegen Oliver Siebeck… hätte man den vielleicht auch direkt besetzen können, wär vielleicht billiger gewesen. Und man hätte mit „die deutsche Stimme von Daniel Craig“ werben können, denn immerhin hat er den (einmal) gesprochen (in „München“, also dem Film, nicht der Stadt). NACHTRAG: Tatsächlich habe ich das Pressematerial offenbar nicht genau genug gelesen, denn Berkel spricht nur den Vater der weiblichen Hauptfigur Penny – der Sprecher des Hauptcharakters und Namensgebers des Films wird offenbar gar nicht genannt… und könnte dann in der Tat Oliver Siebeck sein – was dann widerum ein sehr merkwürdiges Licht auf den Umgang mit den Synchronprofis wirft!

Einer der altgedienten Synchronprofis in diesem Film ist übrigens Tilo Schmitz. Seine Stimme dürfte den meisten wahrscheinlich bekannt sein als deutscher Sprecher von Ving Rhames, Michael Clarke Duncan, Chi McBride, Tiny Lister… und verschiedenen anderen großen schwarzen Schauspielern. Er spricht hier… einen großen schwarzen Mann. Typecasting macht also selbst vor Animationsfilmsynchros nicht halt!

Fazit

Alles in allem ein netter Film, für Kinder in Begleitung von Erwachsenen wahrscheinlich gut geeignet, mit einer nicht ärgerlichen Promisynchro. Ob man allerdings auch seinen Hund mit ins Kino nehmen darf, weiß ich nicht!

von Martin Cordemann

Goldfinger

Die große James Bond Retrospektive

Und da haben wir ihn, den ultimativen Bond Film, den Film der Filme, den großen Käse, Numero Uno Oncho… sorry, das war aus „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“. Aber es ist der Film, bei dem einfach alles stimmt: Der Hauptdarsteller, der Gegenspieler, der Titelsong, die Musik und die Gunbarrel-Sequenz. Titelsong und Soundtrack gehören zu meinen Favoriten der Reihe, da sie eingängig und stimmig sind, von schmissig gar nicht zu reden. Perfekt gelingt es Barry, eine Symbiose aus Titellied und Bond Thema zu kreieren, die sich durch den ganzen Film zieht und ihm sowohl Eigenständigkeit als auch Zugehörigkeit zur Reihe verleiht.

Der Anfang vorm Ende

Und da ist er, der Teaser, der eigentlich nix mit dem restlichen Film zu tun hat. Bond ist noch auf einer Mission, legt eine Tänzerin flach (oder eigentlich macht das eher der Killer mit einem gezielten Schlag) und macht sich dann auf den Weg in den Vorspann, welcher in Miami übergeht, wo dann die eigentliche Handlung des Films beginnt. Hier ist es tatsächlich der Fall, dass eigentlich nichts aus dem Teaser für den Hauptfilm relevant ist – aber das ist, wie gesagt, eher die Ausnahme.

Natürlich fliegt auch wieder ein Hut, aber diesmal ist es Moneypenny, die ihn wirft. Interessant, dass eine solche Spielerei mit den eigenen Klischees schon so früh passiert – aber andererseits sind die Tage des Hutes gezählt und vielleicht haben die Produzenten das ja geahnt?

Auch um schlechte Rückprojektionen werden wir nicht betrogen, denn sie gehören einfach dazu.

Doch dann kommt er, der neue Star der Reihe, derjenige, der es geschafft hat, fast jedem neuen Bond Darsteller zur Seite zu stehen, der ein treuer Weggefährte geworden ist – und ein treues Weggefährt: der Aston Martin. Stilvoll, elegant und mit jeder Menge Tricks ausgestattet – eben so, wie James Bond sein sollte. Als kleine Quizfrage für die Hardcorefans werfe ich mal in die Runde: Gibt es Bond Darsteller, die bei Bond keinen Aston Martin gefahren sind? Und wenn ja, wer? (Die Antwort gibt es am Ende der Reihe… wenn ich’s nicht vergesse!)

Kollege stirbt gleich

Gut, so müsste es eigentlich später heißen, denn wann immer ein anderer Doppelnull-Agent erwähnt wird, ist das meist mehr einem Nachruf entsprechend. Diesmal nicht. Die erste andere Doppelnull von deren Existenz wir erfahren ist 008, der den Fall übernehmen würden, wenn wiederum Bond sterben würde… was zwar im Laufe der Reihe öfter passiert („Liebesgrüße aus Moskau“, „Man lebt nur zweimal“, „Skyfall“), aber eben nicht wirklich. Sehr elegant (ja, damals konnten die das noch) war übrigens die Einführung der Doppelnull-Abteilung bzw. die Erklärung für die doppelte Null in „Dr. No“, wo M Bond sagt, dass seine Doppelnull ihn zwar ermächtigt, im Laufe eines Jobs jemanden umzulegen, aber nicht, dass er selbst umgelegt wird. Einfach und schön erklärt, ohne dass es zu sehr auf die Nase ist. Sehr schön!

Golffinger

Tja, korrekterweise müsste man den Film eigentlich in „Golffinger“ umtaufen, da bei den Dreharbeiten Connery wohl seine Leidenschaft für diesen Rasensport entdeckt hat.

Einer der Glanzpunkte des Films – der ihn für mich zeitlos gut und nahezu unerreicht macht – ist Gerd Fröbe als Goldfinger. Und das nicht, weil er ihn überlebensgroß und „böse“ spielt (das macht Curd Jürgens später, der bei mir kläglich scheitert), sondern weil er eher das Gegenteil macht. Er ist charmant, freut sich über die Dinge, die er tut, und hat einfach Freude an der Arbeit. Nur durch ihn wird eine Szene, die im Rahmen des Films überhaupt keinen Sinn ergibt, erst gerechtfertigt. Denn Goldfingers gesamter Showroom ist völlig sinnlos. Er hat da sich umdrehende Billardtische, riesige Bilder von Fort Knox, ja, sogar ein kleines Modell davon – aber ohne eine Spielzeugeisenbahn, was die ganze Sache etwas suspekt macht. Jedenfalls ergibt all das keinen Sinn, ebenso wenig wie die Tatsache, dass er den ganzen Mafiagrößen hier mit diesen Accessoires seinen gesamten Plan haarfein erzählt – nur, um die alle anschließend umzubringen. Diese Szene ist also eigentlich nur für den Zuschauer… bis auf ein kleines Detail. Bond sagt Goldfinger, dass ihm seine Ausführungen sehr viel Freude gemacht haben – Goldfinger lächelt leise und meint: „Mir auch!“ Das heißt, er hat das alles nur erzählt, um sich selbst eine Freude zu bereiten – und wenn man Fröbes Gesichtsausdruck sieht, dann nimmt man ihm das auch ab!

Diesen Film ziehe ich übrigens eher auf Deutsch vor, da man Fröbe im Original zumindest teilweise fremdsynchronisierte. Wer also mit Sicherheit Fröbes Stimme hören möchte, in einem herrlichen Zusammenspiel mit Gerd Günther Hoffmann, der sollte auf die deutsche Fassung zurückgreifen.

Der Goldfinger steckt im Detail

Und die Details sind es wieder, die diesem Film einen gewissen Reiz verleihen – ebenso wie die großartigen Bauten von Ken Adam. Aber es sind diese Dinge am Rande: Die alte Dame, die freundlich knickst, als der gefangene Bond an ihr vorbeifahren muss – und die kurz danach mit einer ihr viel zu großen Maschinenpistole auf Bond schießt. Das ist der Witz und der Spaß, der den neuen Filmen fehlt.

Ein Detail dagegen ist eher ein krasser Fehler – der der Zensur geschuldet sein dürfte. Wie bereits erwähnt hatte Bond in seinen frühen Tagen noch Stil, und da schlossen sich nicht nur Titten aus, sondern auch Blut. (Ist bei einer Reihe, in der es um einen Geheimagenten geht, der nur rumvögelt und Leute umlegt ein bisschen widersinnig, aber das wollen wir jetzt mal brav übersehen.) Nun haben wir aber den guten Oddjobb, der „vor einer Dame immer den Hut abnimmt“. Im Golfclub beweist er, was er damit zu tun imstande ist: Er wirft und köpft damit eine Statue aus Stein. Etwas später hält er die fliehende Tilly Masterson auf dieselbe Art auf, indem er seinen Hut wirft und sie am Kopf trifft. Komischerweise ist der in der nächsten Aufnahme noch dran. Das Mädel ist zwar tot, wie sich das gehört, aber müsste ihr Kopf nicht streng genommen ein paar Meter weiter entfernt liegen? Nun, wie dem auch sei, das schmälert nicht das Vergnügen an „Goldfinger“ – jedenfalls nicht meins!

— Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —

— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

Ist und bleibt DER klassische Bondfilm. Hat einfach alles: Einen eingespielten Sean Connery, ein tolles Drehbuch (Richard Maibaum), perfekte Musik und meinen Bond-Lieblingsregisseur: Guy Hamilton. Genial ist schon gleich die Kamerafahrt über das Hotel auf den Sprungturm und der Schnitt ins Schwimmbecken (8. Filmminute).

Bitte achten Sie bei der Gelegenheit auch auf den Overkill an Bikini-Schönheiten in sämtlichen Hotel-Pool-Szenen. „Goldfinger“ ist exzellent inszeniert, siehe auch den ersten (Schatten-)Auftritt von Oddjob (15. Minute). Man fragt sich zwar, wie die Maler das goldene Opfer so sauber hingekriegt haben, die Situation wird jedoch einfühlsam geschildert und von dezenter Musik begleitet.

Ein Gegenstand hat einen der größten Auftritte der Filmgeschichte in der 22. Minute: Q führt den Aston Martin vor! Das Traumfahrzeug für jeden. „Vorne rechts und links je ein Maschinengewehr.“

Eine wundervoll skurrile Idee ist der tödliche Hutwurf, den Oddjob in Minute 31 demonstriert. Übertriebener Action-Quatsch jedoch in Filmminute 43: Der Wagen mit Verfolgern kommt bloß vom Weg ab, beginnt allerdings furchtbar zu brennen und explodiert Sekundenbruchteile später. What the firefuck?!

Minute 45: Die Masterson-Schwestern haben schlechtes Karma – nach Jill stirbt Tilly durch Oddjobs Killerhut, den er in den stockdunklen Wald geworfen hat! Junge, Junge. Den Mann darf man auf keiner Kirmes loslassen. Sein Zimmer ist wahrscheinlich geschmückt mit Trophäen vom Dosenwerfen…

Minute 46: Großartiger Gag am Rande ist das Ömchen am Maschinengewehr! Das ist der Zauber von Guy Hamilton! 

Willkommen zur Hälfte des Films. Everybody’s favorite Folterszene. Der Laserstrahl zielt auf 007s Klöten. Und der wohl beste Bösewichtsatz überhaupt: Auf Bonds „Erwarten Sie von mir, dass ich rede?“ schmettert Goldfinger sein joviales „Nein, Mr. Bond, ich erwarte von Ihnen, dass Sie sterben!“

Natürlich gehört ein dickes Lob dem dicken Gert Fröbe, der seinen Goldfinger wunderbar angelegt hat. Dessen verbissene Geschäftstüchtigkeit macht ihn zu einem wirklich glaubhaften Bösewicht.

Minute 52: „Ich bin Pussy Galore“ – „Das muss ein Traum sein“. Tja, als man noch solche Bücher schreiben konnte. Die Frau, die „immun“ gegen Bonds „Charme“ ist. Deswegen wird er sie auch später vergewaltigen (sagen wir es ehrlich).

60. Minute: Peinlich käsige Szene der Filmgeschichte. Ein blondierter Haufen Pilotinnen stellt sich als Pussy Galores „Flying Circus“ vor. Wenn die fliegen können, fress ich einen Goldbarren.  Als hätte für Sekunden Russ Meyer die Regie übernommen. Unheimlich.

Mal eben zur Handlung: Völlig schleierhaft ist, weshalb Goldfinger Bond am Leben gelassen hat. Er weiß ja schon, dass Bond sein Feind ist (welcher angeblich auch alle Informationen schon an seine Dienststellen weitergegeben hat). Im Buch (das ich zufällig gelesen habe) kommt Bond undercover bei Goldfinger als Privatsekretär unter. Als solcher wohnt er nämlich auch der herrlichen Gangsterversammlung bei, die nun folgt (ab Minute 62).

Im Film entkommt Bond seinem Gefängnis (wieder so ein Hamilton-Kabinettstückchen!) und lauscht dann unter dem Modell von Fort Knox.

Auch die Autoverschrottung in Minute 75 ist so eine Szene, die diesem Film ein eigenes Flair verleiht. Man fragt sich jedoch, wie das FBI aus dem Klotz Metall (und Mensch, würg!) das Zettelchen mit Bonds Nachricht fischen will. Ein Schock. Tun sie ja auch nicht. Bond kann immer noch Pussy Galore vergewaltigen. Was in Minute 83 geschieht und als „gemeinsames Training“ verharmlost wird. Die Frau, somit auf die Seite Bonds gezogen, vereitelt Goldfingers schönen Plan.

Minute 86: Sehr kindisch und null glaubhaft das sofortige Umfallen der Bewacher von Fort Knox, sowie die Sprühflugzeuge in größerer Höhe vorbeifliegen.

Der Rest des Films ist leider mehr Abwicklung in Action als inspirierter Thriller. Ausgenommen sei das finale Duell Bond vs. Oddjob. Minute 96: Der wirkungslose Goldbarrenwurf gegen das koreanische Monstrum. Das dabei noch lächelt! Minute 97: Mit Bond wird der Boden gewischt. Minute 98: Oddjobs furioser Elektro-Tod. Womit sie übrigens das Ausschalten des Kriminellen aus dem „Vorsetzer“ (dem Mini-Film am Anfang) wieder aufnehmen (Bond warf ihm einen Ventilator in die Badewanne).

Minute 100: Bond fummelt hilflos an der Bombe, ein Fachmann greift schnell ein – und stoppt den Countdown auf Zählerstand „007“. Musste ja sein.

Minute 102: Goldfinger final scare. Da isser wieder. Aber nur für kurze Zeit. Flutsch und weg! Das anschließend abstürzende Flugzeug explodiert ebenfalls augenblicklich beim Kontakt mit Wasser. But James Bond will be back.

Goldfinger (1964)

Originaltitel: Goldfinger

Regie: Guy Hamilton

Musik: John Barry / Titelsong: Shirley Bassey

James Bond: Sean Connery / G.G. Hoffmann

Goldfinger: Gert Fröbe

Pussy Galore: Honor Blackman / Margot Leonard

Jill Masterson: Shirley Eaton / Ute Landfried-Marin

Felix Leiter: Cec Linder / Friedrich Schoenfelder

Simmons: Austin Willis / Curt Ackermann

Solo: Martin Benson / Wilhelm Borchert

Col. Smithers: Richard Vernon / Siegfried Schürenberg

Ling: Burt Kwouk / Gerd Duwner

und

M: Bernard Lee / Konrad Wagner

Q: Desmond Llewellyn / Harald Wolff

Moneypenny: Lois Maxwell / Lola Luigi

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