Dumme Filmklischees fürs Poesiealbum

– Denn es hört und hört nicht auf…

…mit den dummen Klischees! Aber vielleicht ist das ja vorerst die letzte Episode.

Kein Vorspann

Beim Fernsehen ist es ja zu verstehen, dass die meisten Serien inzwischen auf einen Vorspann verzichten. Wir erinnern uns noch, dass es bei „Raumschiff Enterprise“ nicht nur einen Vorspann gab, sondern auch noch einen Prolog, der vor dem Vorspann gesprochen wurde. Aber das war auch eine Zeit, in der Fernsehepisoden noch 48 Minuten lang waren. Zu Zeiten von „Star Trek: The Next Generation“ war man dann auf etwa 44 Minuten runter und heute sind viele Episoden nur noch um die 40 Minuten lang. Das schafft… mehr Platz für Werbung, richtig! Auf der anderen Seite kürzt das dann natürlich auch die Länge für Handlung. Was wohl der Grund ist, dass einige Fernsehserien heutzutage auf einen ausgedehnten Vorspann verzichten und nur zu einer kurzen Musik den Namen der Serie einspielen, die Namen der Darsteller etc. dann aber über die danach beginnende Handlung legen (z.B. „Lost“). Bei „Two and a half Man“ konnte man übrigens am Vorspann erkennen, wie viel den Machern für die jeweilige Folge eingefallen ist, denn wenn die Episode alles an verfügbaren Platz für die Handlung brauchte, fiel der Vorspann kurz aus, wenn nicht, dann gab es den langen.

Warum es sich inzwischen auch bei Filmen eingebürgert hat, dass man kaum noch einen Vorspann und manchmal nicht mal den Titel des Films erhält, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Könnte aber an der mangelnden Aufmerksamkeitsspanne des Publikums liegen, weil man vielleicht denkt, dass man die verliert, wenn’s nicht andauernd kracht und bumst, also lieber gar nicht erst mit viel Text (Vorspann) ablenken – oder man geht davon aus, dass von der Zielgruppe eh keiner mehr lesen kann und schenkt sich das dann einfach, um sie nicht zu überfordern. Auf der anderen Seite… Nachspänne bei Filmen scheinen inzwischen jeden, wirklich jeden auflisten zu müssen, auch wenn er nur mal Kaffee geholt oder dem Star den Hintern abgewischt hat – was dazu führt, dass 5 bis 10 Minuten Abspann inzwischen keine Seltenheit mehr sind. Unter dem Gesichtspunkt kann ich dann tatsächlich verstehen, dass man auf einen Vorspann verzichtet!

Episodentitellosigkeit

Neben keinem Vorspann gibt’s dann oft auch keinen Episodentitel mehr. Jedenfalls keinen sichtbaren. Bei der Ausstrahlung. Sowohl in der InternetMovieDataBase (imdb.com) als auch im Begleitheft zur DVD kann man zwar oft einen Titel nachlesen, aber die Zeiten, in denen der Titel zu Beginn der Folge eingeblendet wurde, scheint – bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. Serien von Aaron Sorkin – weitgehend vorbei zu sein.

CGI vs. Modelle

Durch Computer Generierte Effekte (CGI) wurde, nachdem die halbwegs ausgereift waren, vieles möglich, sogar Dinge, die in der Wirklichkeit völlig unmöglich sind. Für die Realisierung von Phantasien (eine Nacht mit Angelina Jolie) ist das natürlich phantastisch, aber es hat auch einen Nachteil: Manchmal wirkt es einfach völlig unecht! Und zwar auf eine idiotische Art und Weise. Wenn man in einem Bond-Film ein Auto zum U-Boot machen wollte, aus dem auch noch Raketen abgeschossen werden, dann musste man das bauen. Mit Modellen. Selbst mit verschiedenen Modellen (eins für die Umwandlung zum Boot, eins zum Abschießen der Raketen, eins zum Tauchen…), aber diese mussten gebaut werden und den Zweck erfüllen, für den sie da waren, d.h., wenn eine Schiffsschraube aus dem Heck kommen sollte, dann musste man die da auch irgendwie einbauen. Heute löst man so was per Zauberstab mit einem einfachen Computereffekt. Der angesprochene Nachteil ist: In so ein nichtexistierendes Auto kann man viele nichtexistierende Dinge reinpacken, weil die ja keinen Platz wegnehmen. Deshalb sieht man dann gerne in Science Fiction Filmen Dinge, die einfach physikalisch unmöglich sind, weil das, was sich da aus dem Raumschiff herausblättert, dort nie auch nur ansatzweise hineingepasst hätte. Bei einem echten Modell mussten die Spezialisten alles so bauen, dass das auch irgendwie gepasst hat – und das ist heute einfach nicht mehr nötig. So zeigen uns die Stare Trek und Wars Dinge, bei denen sich computeranimierte Segel entblättern, die so phantastisch aussehen, dass sie schlicht so unrealistisch wirken, wie sie sind. Denn man kann’s ja machen. In solchen Fällen wünsch ich mir echt die alten Modelle wieder!

Computervandalismus

Und wo wir schon mal bei Computern sind, wenn jemand in einem Film aber mal so richtig sauer auf seinen Computer ist, dann haut der dem aber ganz feste eine rein. Auch, um die Daten, die man nicht an die andere Seite kommen lassen will, zu zerstören. Das Problem ist: Die meisten Leute hauen kräftig gegen den Bildschirm. Das… bringt dann nicht so irrsinnig viel. Es sei denn, man will die Bildschirmindustrie vorantreiben. Will man aber die Daten vernichten, täte man eigentlich besser daran, den anderen Teil des Computer zu demolieren, in dem sich Prozessoren, Festplatte und das ganze Zeugs befinden. Aaaaber… das sähe wahrscheinlich weit weniger spektakulär aus!

Halb_Fiction477

von Martin Cordemann