Sinnlose Verhandlungen in sinnlosen Handlungen

Gerichtsfilme können toll sein und Verhandlungen spannend. Aber, wie eigentlich immer bei Filmen, funktioniert so was nur, wenn man sich auch vorher ein paar Gedanken gemacht hat. Denn die beste Verhandlung führt ins Leere, wenn die Gründe dafür einfach bescheuert sind…

Die Sternenflotte gegen James T. Kirk

Nun, dass Kirk vor Gericht steht, das ist auch nicht gerade neu. Das gab es schon in der klassischen Serie, in der die Folge ein wenig zu einem Plädoyer dagegen wird, sich von Maschinen alles vorschreiben zu lassen, besonders die Gerechtigkeit. Schon hier, in den 60ern, gibt es eine Art Streit Buch auf Papier vs. E-Book… aber das nur am Rande. Da Kirk hier beschuldigt wird, einem Außerirdischen die Freundin ausgespannt zu haben… nein, geschwängert zu haben… nein, jemanden aus seiner Besatzung ermordet zu haben, ja, da ihm dies zur Last gelegt wird, ergibt das ganze einen gewissen Sinn und eine brauchbare Verhandlung. Anders verhält es sich dann aber leider beim neuen Kinoauswuchs „Star Trek Into Darkness“, denn, wie hin und wieder üblich, wenn die Oberste Direktive ins Spiel kommt, dann werden die Verhandlungen teils ein wenig… schwammig. Um nicht zu sagen unlogisch.

Die Oberste Direktive

Grundsatz der Obersten Direktive ist es, dass sich die Leute der Sternenflotte nicht in die Entwicklung auf anderen Planeten, die noch nicht selber den Weltraum für sich erobert haben, einmischen dürfen. Prinzipiell nicht verkehrt, aber die Direktive stößt halt an ihre Grenzen, wenn man ein Volk, statt mit einer für Kirk üblichen Geschlechtskrankheit zu infizieren, vor dem Untergang rettet. Das wäre nun ein Eingriff in die Entwicklung, wo man eigentlich mal ein Auge zu drücken müsste. Tut man aber nicht, weil sich „Star Trek“ auch immer irgendwie in seinen eigenen Klischees verheddert.

Nun kriegt Kirkyboy aber Ärger, weil… ja, und da fängt es wieder an, schwammig zu werden. Eigentlich sollte das Volk auf dem Planeten nicht erfahren, dass es fremde Wesen aus dem Weltall (Kirk) gibt. Andererseits wäre da aber ein Vulkan, der am Ausbrechen war und das gesamte Volk (so will es der Film) ausgelöscht hätte.

Gut, Vorschlag zur Güte: Kirk zeigt sich dem Volk, dann bricht der Vulkan aus, das Volk stirbt und streng genommen ist alles wieder gut, oder? Ich meine, der Kulturschock, den er denen angetan hat, ist nur von kurzer Dauer. Und das Volk stirbt, so, wie es sollte. Da kann doch keiner meckern und die Verfechter der Obersten Direktive sollten doch zufrieden gestellt sein.

Statt dessen aber… a) zeigt sich Kirk denen, rettet sie b) vor dem Aussterben, indem Spock c) den Vulkan (ist er doch selbst Vulkanier, haha) am Ausbruch hindert (durch „kalte Fusion“, ja, das ist mir beim ersten Gucken entgangen, würg!) und beweist ihnen d) die Existenz außerplanetarischen Lebens durch einen schon fast promomäßigen Vorbeiflug der Enterprise.

Also, unterm Strich: Er rettet das Volk, zeigt ihnen aber, dass es außer ihnen noch Leben im All gibt. Ganz ehrlich, das ist schlimmer, als sie alle sterben zu lassen und einem gesamten Volk beim Aussterben zuzusehen und nichts zu unternehmen? Leute, ihr solltet die Oberste Direktive echt mal überarbeiten!

Das FBI gegen Mulder und Scully

Ein weiterer Fall von sinnloser Verhandlung, die mir schon beim ersten Ansehen übel aufgestoßen ist, findet sich in „Akte X – der Film“. Wie eingangs geschrieben, eine Verhandlung macht nur Sinn, wenn die Anklage Sinn macht. Und hier ist das ein wenig… eher nicht der Fall!

Gut, es ist jetzt wohl weniger eine Verhandlung als vielmehr eine Art Anhörung oder so etwas, aber das ändert nichts an den Tatsachen. Scully und Mulder (oder ist es nur Mulder? Ist schon etwas her, dass ich den zum letzten Mal gesehen habe!) müssen sich für etwas verantworten. Und zwar dafür, dass sie eine Bombe gefunden haben.

Ja, das klingt idiotisch, oder? Genau so kam es mir auch vor. Zumal es ihre Aufgabe war, diese Bombe zu finden! Also suchen sie. Nur, und das scheint hier der Knackpunkt zu sein, nicht da, wo sie suchen sollten. Sondern woanders. Und da findet Mulder dann das, was sie suchen, die Bombe! Dass die jetzt aus Gründen, auf die wir hier nicht näher eingehen werden, dafür müssen Sie sich dann doch den Film zu Gemüte führen, hoch geht, das wollen wir jetzt mal ignorieren. Der Punkt jedenfalls ist:

  • Sie suchen eine Bombe
  • Sie finden eine Bombe (die Bombe!)
  • Sie kriegen Ärger dafür!

Und das nur, weil sie im falschen Haus gesucht haben, das sich als das richtige Haus herausgestellt hat? Das ganze erscheint mir ein wenig fadenscheinig. Also, liebe Filmemacher, wenn ihr das nächste Mal eine Gerichtsverhandlung irgendwo einbauen wollt, dann überlegt euch dafür wenigstens einen guten Grund! Denn sonst… verklag ich euch!

Halb_Fiction500

von Martin Cordemann

Börk – die Fernsehserie, die es niemals gab

Eine Fernsehserie, die es niemals gab? Und dazu gibt es ein Buch? Und dann ist das auch noch die reinste Schleichwerbung? Geht das denn überhaupt? Ja, ja – und ja!

Aber müsste es streng genommen nicht heissen:

„Börk – die Krimiserie, die es niemals gab“

Ja, das müsste es. Aber es gibt ein bis zwei Gründe dafür, warum das nicht so ist. Oder warum das so ist. Eins von beiden. Oder beides. Der Hauptgrund aber ist: Verkaufen! Aber ist er das in der Kunst nicht immer?! Nuuuuun, sollte eigentlich nicht, ist aber wahrscheinlich schon. Zumindest in vielen Fällen.

Klingt das alles verwirrender als sonst? Ja, das tut es. Also versuchen wir doch einfach mal, zur Sache zur kommen. Bei „Börk“ handelt es sich um eine Serie… um ein Buch… um eine Figur. Es ist das Buch zu einer Serie, die niemals produziert wurde. Gut, dieses Schicksal widerfährt vielen Serien, aber in den seltensten Fällen schreiben die Autoren, die ja sonst nix besseres zu tun haben, dann auch noch eine komplette Serie, weil… das Schwachsinn wäre, weil es ihnen ja niemand bezahlt. Bei „Börk“ war das anders. Nein, es ist auch Schwachsinn und es ist auch nicht bezahlt, aber der Autor hat sich leider nicht davon abhalten lassen und trotzdem eine komplette Serie mit 16 Episoden geschrieben. Und zwar als Drehbücher, da es ab einem gewissen Punkt als Fernsehserie gedacht gewesen war. Da aber keine Sau Drehbücher liest, hat er sie für diese Ausgabe in Geschichten umgeschrieben. Die aber fast alle auch einen kleinen Krimifall enthalten. Und da die Leute bei einem unbekannten Buch mit einem nichtssagenden Titel („Börk“) sich wahrscheinlich kaum für eine obskure „Fernsehserie“ interessieren würden, wurde mit dem Begriff „Krimiserie“ der Versuch unternommen, wenigstens das krimiaffine Publikum anzusprechen – soviel also zum Titel.

Das Buch zum Drehbuch zum Hörspiel zum Comic zum Drehbuch zur Kurzgeschichte

Das klingt ebenfalls verwirrend. Und ist es auch. Muss aber nicht. Denn wenn man die Entstehungsgeschichte von „Börk“ verfolgt – und, machen wir uns nichts vor, wir haben hier eh nichts Besseres zu tun – dann muss man feststellen, dass es zunächst eine Kurzgeschichte um zwei Filmdetektive gab (die Filme herausfinden konnten, wenn man sie gefragt hätte), aus der dann ein Drehbuch wurde. Dem Autor gefielen die beiden Figuren „Millhouse und Burns“ ganz gut, doch die englischen Namen (die übrigens von den „Simpsons“ kommen) taugten dann für Deutschland eigentlich eher weniger und so wurden daraus die beiden Polizisten „Börk und Müller“. Sie erlebten ihre erste Geschichte ebenfalls in einem Drehbuch mit dem Titel „Zeugen sind vergänglich“. Doch dann lernte der Autor einen Comiczeichner kennen und so kam die Idee auf, daraus einen Comic zu machen, oder, noch besser, eine Comicserie. Wie man an diesem Blog und seinen Ausmaßen erkennen kann, steigert sich dieser Autor gerne in eine derartige Aufgabe hinein und so entstanden ein paar Manuskripte für Episoden. Zeichner jedoch haben wenig Zeit und so kam es nie zu den Comics. Dieser Autor hatte jedoch genug Zeit (zuviel, um genau zu sein) und wenn man nicht zeichnen kann aber sprechen und einem es der Computer erlaubt, ohne viel Aufwand Hörspiele aufzunehmen, dann entscheidet man sich unter Umständen für diesen Weg. Langer Satz, kurzer Sinn: Die Texte wurden zu Hörspielen umgeschrieben und 8 Episoden in Eigenarbeit in allen Rollen aufgenommen. Aus welchem idiotischen Grund heraus dann irgendwann die Idee entstand, das ganze einmal mehr umzuschreiben und diesmal zu einer Fernsehserie, die es in Manuskriptform dann auf 16 Episoden brachte, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Fakt ist: Es ist passiert! Und da Drehbücher wahrscheinlich weniger Leute lesen als Krimigeschichten oder Kriminalromane, lag es dann nahe, mit der Möglichkeit einer Veröffentlichung des Ganzen als E-Book, alles in eine lesbarere Form umzuschreiben. Das Ergebnis davon liegt nun vor.

Das erste Buch mit Bonusmaterial!!!

Ist es ein Roman, der wie eine Serie aufgebaut ist? Ist es eine Serie, die wie ein Roman geschrieben ist? Ja! Und warum das so ist, habe ich ja schon beschrieben. Wenn man aber schon mal so eine Art Fernsehserie im Buchformat hat, dann darf eines natürlich nicht fehlen: Bonusmaterial!

Gut, nicht jede DVD bietet das, aber da es hier um ein E-Buch geht, bei dem der Umfang ja eigentlich egal ist, weil für den Druck keine unschuldigen Bäume sterben müssen, kann man ja aus einem „gewöhnlichen“ Krimi auch mal etwas mehr machen. Also gibt es in diesem Buch neben dem Romanteil auch eine Menge Zusatzmaterial – und ich hoffe sehr, dass es tatsächlich das erste Buch ist, das so etwas hat! Neben einer Einleitung von Regisseur Frank Fish bietet „Börk“ auch noch ein paar Making-ofs, zum Beispiel über die Entstehungsgeschichte, aber auch Vergleiche verschiedener Fassungen desselben Textes und Teile der „verlorenen Episode“. Es gibt sogar einen Kommentar – keinen Audiokommentar, natürlich, aber einen, der auf eine bestimmte Geschichte eingeht. Angedacht war das als zweispaltige Sache, in der in der einen die Geschichte und in der anderen der Kommentar zu lesen stehen würde, doch das schien sich im E-Book nicht so recht umsetzen zu lassen. So ist es also eher abwechselnd. Natürlich dürfen auch Interviews nicht fehlen, die das Gesamtpakat abrunden.

Ja, das ist schamlose Werbung!

Ich gebe es zu. Aber wann war ich je unehrlich zu Ihnen? Das Medium des E-Books hat es ermöglicht, dass dieses Werk, das insgesamt eine Entstehungszeit von rund 15 Jahren haben dürfte, nicht mehr einsam in der Schublade herumliegen muss, sondern einer kleinen Auswahl von Leuten, die sich für so etwas interessieren, gegen Geld zur Verfügung gestellt werden kann. Ja, gegen Geld, denn eine Arbeit von 15 Jahren möchte man ja auch nicht einfach für lau unters Volk schmeißen – wahrscheinlich noch mit dem Ergebnis, dass irgendwelche Leute das als Aufforderung sehen, all das zu klauen und selbst Kohle damit zu machen.

Somit hat „Börk“ nach vielen, vielen Jahren also das Licht einer kleinen Öffentlichkeit erblickt und ich habe vor, noch weitere meiner Werke als E-Book zur Verfügung zu stellen – aber ich werde nicht jedes Mal hier darüber berichten!

Wer sich also einen Eindruck davon verschaffen möchte, ob „Börk“ eine brauchbare oder vielleicht auch nur eine weitere beschissene Serie geworden wäre, der hat die Möglichkeit, einen Blick ins Buch zu werfen und sich eine eigene Meinung zu bilden: http://www.amazon.de/B%C3%B6rk-Die-Krimiserie-die-niemals-ebook/dp/B00H8I2GDG/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1386748320&sr=1-1&keywords=martin+cordemann

Oder direkt bei neobooks: http://www.neobooks.com/werk/28128-boerk.html

Denn eins kann ich nun wirklich nicht tun: eine Bewertung zu „Börk“ schreiben!

Halb_FictionMakingOf

von Martin Cordemann

Ein Universum geht neue Wege

– Star Trek: Deep Space Nine, Teil 1

Man muss ja nicht immer meckern. Zur Abwechslung also mal was Positives. Heute und die nächsten Male reden wir über die bislang beste „Star Trek“ Serie – richtig, meine Meinung.

Ein bisschen was zum Hintergrund

Fassen wir für den Unkundigen mal zusammen, nur so aus Spaß. In den 60ern (des 20. Jahrhunderts, also 1966… ach) gab es eine Science Fiction Serie namens „Star Trek“ (bei uns: „Raumschiff Enterprise“). J.J. Abrams hat übrigens so eine Art Remake davon gemacht. Nachdem er bei dem dritten Teil vom „Mission: Impossible“ Remake Regie geführt hatte. Eigentlich fehlt ihm jetzt noch ein Remake von „I Love Lucy“, denn das waren die drei Serien, die das Desilu Studio damals produzierte… aber ich schweife ab.

„Star Trek“ war ein so großer Erfolg, dass die Serie direkt nach der ersten Staffel abgesetzt wurde. Und dann nach der zweiten. Und dann nach der dritten, aber diesmal endgültig. Vorläufig. Können Sie alles nachlesen. Es gab Unterschriftenaktionen und so, die wohl mehr oder weniger von „Star Trek“ Schöpfer Gene Roddenberry selbst eingefädelt wurden… und wahrscheinlich auch eher aus finanziellen als aus künstlerischen Gründen.

Wie dem auch sei, die Serie kehrte in den 70ern als Zeichentrickserie zurück, dann wurde ein Film namens „Star Wars“ erfolgreich (weiß nicht, ob Sie schon mal davon gehört haben) und Science Fiction war wieder angesagt. Rückkehr Roddenberry, Aufschlag Kirk. Diesmal ging es ins Kino, mit „Star Trek: Der Film“. Ich schätzte mal, da „Star Trek“ zu diesem Zeitpunkt so lange von der Bildfläche verschwunden war und die Fans mangels Auswahl glücklich mit allem waren, was sie bekamen, wurde der Film erfolgreich… denn das ist die einzige Erklärung dafür, dass es nach diesem langweiligen Werk noch weitere Filme gab.

Ende der 80er (wieder letztes Jahrhundert) kehrte „Star Trek“ dann auch auf die Fernsehbildschirme zurück – und nun beginnen wir mit den Serien.

Die „Star Trek“ Serien

Wenn wir die klassische Serie mal als so etwas wie den „Hobbit“ betrachten, als das Vorspiel, das es gab, bevor es zu dem riesigen Franchise kam, dann begann das neue Zeitalter von Trek mit „The Next Generation“ (im folgenden als TNG bezeichnet, bei uns „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“). TNG spielt rund 70 Jahre nach der klassischen Serie und zog diverse Abkömmlinge nach sich. Es ist die Serie, die gewissermaßen die alte Serie mit neuer Mannschaft ist, aber die Richtung ist eine ähnliche: Man fliegt mit einem Raumschiff durch die Gegend, trifft oder bekämpft interessante Außerirdische und gibt nebenbei noch einen sozialen Kommentar über Geschehnisse auf der Erde ab.

Während TNG noch lief, dachte man, man kann doch eigentlich noch mehr Geld verdienen, wenn man noch eine zweite „Star Trek“ Serie ins Rennen schickt. (Nein, wahrscheinlich haben die sich gedacht: „Wie können wir unsere kreativen Potentiale noch besser nutzen?“ – Ach, entscheiden Sie selbst!) Diesmal ging man einen anderen Weg: Eine Raumstation. Also ein völlig anderes Konzept. Denn sonst hat man die Aliens immer auf ihren eigenen Welten behelligt, diesmal mussten diese faulen Außerirdischen mal selbst den Arsch hochkriegen, um von den Föderationsvertretern darauf hingewiesen zu werden, dass ihre Lebensweise völlig falsch ist. So was in der Art. Es entstand „Deep Space Nine“ (kurz: „DS9“)… worauf wir im Folgenden eingehender eingehen wollen.

Während DS9 lief, wechselte TNG vom Fernsehen ins Kino… und auch irgendwie seine Botschaft, aber dazu kann Mr. Pinkett Ihnen mehr erzählen (http://redlettermedia.com/plinkett/star-trek/). Ein Jahr lang war DS9 die einzige „Star Trek“ Serie… und dann bekamen die Produzenten kalte Füße. Ein Raumschiff musste her. Bla bla bla, so entstand „Voyager“ (und, wenn man sich die Serie so ansieht, ist das mit dem „Bla bla bla“ vielleicht gar nicht so weit von der Realität entfernt). Diesmal sollte das Konzept aber bahnbrechender sein, weil die Crew a) nicht nur aus Sternenflottenheinis, sondern auch aus Marquis (so eine Art amerikanische Al-Quaida des ST-Universums) bestehen sollte (was für Konfliktsituationen sorgen sollte, aber nicht tat) und man b) diesmal ein Ziel hatte, nämlich aus dem 70 Jahre entfernten Deta-Quadranten wieder zurück nach Hause zu kommen (was für Konfliktsituationen sorgen sollte, aber nicht tat). Auf diese Serie werde ich hin und wieder eingehen, aber bestimmt nicht in einer positiven Weise.

Nach „Voyager“ glaubte man, man hätte in der Zeitperiode von TNG quasi alles ausgeschöpft und strebte nach vorn. Und nach vorn bedeutet meist „nach hinten“. „Star Wars“ hatte gezeigt, dass man mit Prequels eine Menge versauen konnte und „Star Trek“ wollte dem in nichts nachstehen. So entstand „Enterprise“ (später, damit dann doch jeder Depp wusste, worum es ging, „Star Trek: Enterprise“), eine Serie die vor der klassischen Serie mit Captain Kirk spielt und die Entstehung der Föderation zeigen sollte… wenn sie nicht schon nach der vierten Staffel abgesetzt worden wäre. Danach wurde es erstmal ein wenig ruhig um „Star Trek“, bis J.J. Abrams den Auftrag übernahm, diesem Universum ein neues Gesicht zu verleihen (was lange war, bevor J.J. Abrams den Auftrag übernahm, dem „Star Wars“ Universum ein neues Gesicht zu verleihen… aber da müssen wir erst noch sehen, wie sich das entwickelt).

Im Überblick

Man kann also von folgenden Serien sprechen:

„Star Trek“ – die originale Serie: die Abenteuerserie, in der Kirk die Hälfte der Aliens verführt und der anderen eins aufs Maul haut, Hauptsache, er zieht dabei irgendwie sein Hemd aus.

„Star Trek: The Next Generation“: die Diplomatenserie, in der fast alle Konflikte, außer die mit den Borg, von Picard ausgiebig ausdiskutiert werden.

„Star Trek: Deep Space Nine“: die Kriegsserie, schmutzig, düster, konsequent, wo Handlungen Konsequenzen haben.

„Star Trek: Voyager“: die Reiseserie, von vorne bis hinten inkonsequent, wo NICHTS Konsequenzen hat (und man am Ende genauso viele Shuttles hat wie am Anfang, obwohl pro Staffel mindestens zwei den Bach runtergehen).

„Star Trek: Enterprise“: die Aufbruchsserie, zurück zu den Anfängen (was so weit getrieben wird, dass man das berühmte Triumvirat Kirk/Spock/„Pille“ durch Archer/T’Pol/„Trip“ sogar inklusive eines Spitznamens übernimmt), schmutziger als TNG, besser als „Voyager“ (na, wie schwierig), aber weder so dicht noch so konsequent wie DS9.

Doch warum ich „Deep Space Nine“ für die beste aller „Star Trek“ Serien halte, das erfahren Sie beim nächsten Mal… oder beim Mal danach!

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von Martin Cordemann

Dumme Filmklischees aus der Zukunft

– Denn im Weltraum hört dich niemand schreiben!

Der Weltraum, unendliche Weiten… und unendliche Möglichkeiten für dumme Klischees. Schade, dass so viele davon genutzt werden!

Nicht mein Shakesbeer

Wer ist der bekannteste Autor aller Zeiten? Nein, nicht Markus, Matthäus, Lukas und Johannes. Die haben nur am bekanntesten Buch aller Zeiten mitgeschrieben – ob ihre Erben immer noch Tantiemen dafür bekommen? Oder geht das alles direkt an Gott? Weil es ja gewissermaßen seine Biographie war? Ich weiß es nicht, gehört auch jetzt nicht hierhin.

Worum es eigentlich geht ist der gute Willi. Jeder hat seinen Namen schon mal gehört: William Shakespeare, der bekannteste Autor aller Zeiten. Und das sogar in der Zukunft! Denn sein Werk ist so zeitlos gut, dass es auch die nächsten Jahrhunderte überdauern und den Menschen noch immer im Gedächtnis bleiben wird. Das klingt auf dem Papier alles sehr toll, ist bei näherem Licht betrachtet aber eigentlich völliger Quatsch. Ja, die Leute werden von ihm gehört haben, aber gelesen haben wird ihn kaum einer. Denn er hat keine Romane, Kurzgeschichten oder Drehbuchadaptionen geschrieben, sondern Theaterstücke! Und außer Schauspielern und Schülern liest so was eigentlich kein Mensch – und ich glaube nicht, dass sich das in der Zukunft groß ändern wird.

Ostblocknet

Zukunftsvorhersagen sind eine tolle Sache – nur so fürchterlich unakkurat. Das fängt beim Wetter an und hört bei der Science Fiction auf. Denn betrachtet man sich Filme, die vor den 90ern gedreht wurden, aber nach den 90ern spielen, werden dem geneigten Betrachter zwei Dinge auffallen. Nehmen wir einfach mal die Filme „2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“ und die „Zurück in die Zukunft“ Trilogie als Beispiele, aber ich denke, wenn Sie mal schauen, werden Sie auch noch andere finden. Zwei Dinge hat scheinbar kaum jemand kommen sehen, weshalb diese Filme, na, sagen wir mal ein bisschen unkorrekt daherkommen, jedenfalls vom heutigen Standpunkt. Scheinbar ist man davon ausgegangen, dass der Ostblock eine genauso große Halbwertzeit hat wie der Mist, der damals in Tschernobyl in die Umwelt verbreitet wurde. Oder kurz: Den Niedergang des Ostblocks hat kaum jemand vorausgesehen, zumindest nicht für die Jahre Anfang des neuen Jahrtausends. Und was auch kaum jemand vorausgesehen hat, ist das, was es Ihnen gerade ermöglicht, diesen Text zu lesen: das Internet! Aber fliegende Autos, Raketenrucksäcke und eine Kolonie auf dem Mond… ach Mensch!

Da könnt man durch die Wand gehen

Okay, es heißt eigentlich „die Wände hoch“, aber das wäre am Thema vorbei. Was Leute, besonders in der Science Fiction, gerne tun können, ist durch Wände gehen. Das sieht natürlich super aus… ist aber rein logisch völliger Quatsch. Denn die Erklärung dafür wäre, dass die Person keine feste Substanz mehr hat und deshalb durch die Substanz der Wand hindurch kommt. Problem dabei ist: Wenn man keine Substanz mehr hat, wie viele Hollywoodfilme in letzter Zeit, dann kann man auch nicht mehr laufen, weil man die Substanz der Füße braucht, um sich von der Substanz des Fußbodens abzustoßen. Ergo: Keine Substanz, kein Laufen. In einer Folge von „Star Trek: The Next Generation“ haben sie es auf eine ähnliche Weise gelöst, dass zwei Charaktere in eine andere „Phase“ gebracht wurden, quasi auf eine andere Wellenlänge. Sieht man davon ab, dass auch die nicht laufen könnten, würden sie überdies innerhalb kürzester Zeit erstickt sein, denn warum sollte es in dieser anderen Phase Sauerstoff geben?

…in einer Galaxis, weit, weit entfernt

Und genau darum geht es beim Weltraum: Alles, wirklich ALLES ist weit, weit, WEIT entfernt! Verdammt weit! Aber auch das kriegen die Autoren von SF-Filmen oft nicht richtig hin (oder es interessiert sie nicht oder sie glauben, dass der Zuschauer es eh nicht besser weiß oder all das zusammen). Alles ist verdammt weit auseinander und wenn man nicht irgendeinen imaginären Antrieb hat, der einen unrealistisch schnell macht, dann ist man für diese Strecken auch verdammt lang unterwegs. „Starship Troopers“ macht den Fehler, uns zu zeigen „Sie sind hier“, was als Gag gedacht war, dem eingeweihten Zuschauer aber etwas verrät. Wenn wir nämlich „hier“ sind und der Planet der Arachnoiden da drüben, ein paar hundert Lichtjahre entfernt, wie wollen die es dann geschafft haben, einen Asteroiden auf die Erde zu schießen? Selbst, wenn sie den auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt kriegen würden (was sie offensichtlich nicht tun), würde er immer noch ein paar hundert Jahre brauchen, um anzukommen! Derlei Schwachsinn findet sich leider immer wieder.

Zum Beispiel bei „Mondbasis Alpha 1“, eine Serie, in der der Mond aus seiner Umlaufbahn geschleudert ist und dann durchs Weltall rast. Auch hier müsste der Mond auf mehrfache Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, damit man was davon hätte, auf ihm zu reisen, denn ansonsten würde es wirklich verdammt lange dauern, bis man das Sonnensystem überhaupt erst verlassen hätte!

Und ich glaube, auch der erste „Superman“ hat ein solches Problem, wo Supi mit einem schnellen Schiff zur Erde geschickt wird, aber nach der Zerstörung von Krypton irgendwann Teile davon auf der Erde landen… aber es weiß ja keiner!

Lange Wege, lange weg

Diese unendliche Weite bietet noch ein Problem, das gerne übersehen wird, wenn auch, aus stylistischen Gründen. Mit einem Raumschiff ist man, das sagen uns selbst die Filme, einfach oft verdammt lange unterwegs. Trotzdem verzichtet man in Filmen gerne auf Dinge, die in so einer Situation wichtig und teilweise unverzichtbar sind.

Nehmen wir die Brücke eines Raumschiffs. Und nehmen wir an, es müssten immer Leute da sein, um die Instrumente im Auge zu behalten. Auf was sollte man in einem solchen Fall möglichst nicht verzichten? Richtig, Stühle! Es mag ja ganz cool wirken, wenn es Stationen gibt, an denen man nur stehen kann, aber wenn man 300 Tage unterwegs ist, ohne dass was passiert, dann ist das verdammt langweilig und man würde sich bestimmt einen Hocker wünschen.

Das andere ist… man kann nicht einfach mal auf den nächsten Rastplatz fahren, wenn mal einer aufs Klo muss. Also sollte selbst das kleinste Shuttle, das nur dafür da ist, jemanden vom Planeten aufs Schiff zu bringen, mit einer Toilette ausgestattet sein, für interplanetare Flüge wären eine Liege und eine Dusche ebenfalls empfehlenswert. Denn so ein Flug dauert dann schon mal mehrere Tage, und wenn man vorher nicht ordentlich aufs Klo gegangen ist, dann wird das eine verdammt harte Zeit!

Kein Multikulti für Außerirdische

So ziemlich alle Außerirdischen sind Monokulturen. Sie tragen alle die gleiche Mode, haben alle die gleichen Frisuren und haben auch nur eine einzige Sprache. Man muss nur durch einen beliebigen Stadtteil von Köln gehen um zu sehen, dass das völlig unrealistisch ist!

Außerirdische Invasoren sind doof!

Damit meine ich nicht die Filme, sondern die Invasoren selbst. Okay, sie reisen durch den Weltraum über zig tausend Lichtjahre, also sollten sie eigentlich intelligent sein, auf jeden Fall intelligenter als wir. Aber vielleicht sind das ja nur die Klassenstreber der Galaxis, die zwar gute Noten haben, aber nur, weil sie ständig aufzeigen, in Wirklichkeit aber keinen Schimmer haben? Sie reisen durch den Weltraum und haben Waffen, die uns haushoch überlegen sind. Und doch müssen sie die Deppen des Weltraums sein, denn jedes Mal schaffen es die Menschen, sie im Kampf zu besiegen, obwohl wir nicht die Spur einer Chance gegen sie haben sollten. Na, wenn das keine amerikanische Überheblichkeit ist…

Halb_Fiction597

von Martin Cordemann