Dumme Filmklischees aus der Zukunft

– Denn im Weltraum hört dich niemand schreiben!

Der Weltraum, unendliche Weiten… und unendliche Möglichkeiten für dumme Klischees. Schade, dass so viele davon genutzt werden!

Nicht mein Shakesbeer

Wer ist der bekannteste Autor aller Zeiten? Nein, nicht Markus, Matthäus, Lukas und Johannes. Die haben nur am bekanntesten Buch aller Zeiten mitgeschrieben – ob ihre Erben immer noch Tantiemen dafür bekommen? Oder geht das alles direkt an Gott? Weil es ja gewissermaßen seine Biographie war? Ich weiß es nicht, gehört auch jetzt nicht hierhin.

Worum es eigentlich geht ist der gute Willi. Jeder hat seinen Namen schon mal gehört: William Shakespeare, der bekannteste Autor aller Zeiten. Und das sogar in der Zukunft! Denn sein Werk ist so zeitlos gut, dass es auch die nächsten Jahrhunderte überdauern und den Menschen noch immer im Gedächtnis bleiben wird. Das klingt auf dem Papier alles sehr toll, ist bei näherem Licht betrachtet aber eigentlich völliger Quatsch. Ja, die Leute werden von ihm gehört haben, aber gelesen haben wird ihn kaum einer. Denn er hat keine Romane, Kurzgeschichten oder Drehbuchadaptionen geschrieben, sondern Theaterstücke! Und außer Schauspielern und Schülern liest so was eigentlich kein Mensch – und ich glaube nicht, dass sich das in der Zukunft groß ändern wird.

Ostblocknet

Zukunftsvorhersagen sind eine tolle Sache – nur so fürchterlich unakkurat. Das fängt beim Wetter an und hört bei der Science Fiction auf. Denn betrachtet man sich Filme, die vor den 90ern gedreht wurden, aber nach den 90ern spielen, werden dem geneigten Betrachter zwei Dinge auffallen. Nehmen wir einfach mal die Filme „2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“ und die „Zurück in die Zukunft“ Trilogie als Beispiele, aber ich denke, wenn Sie mal schauen, werden Sie auch noch andere finden. Zwei Dinge hat scheinbar kaum jemand kommen sehen, weshalb diese Filme, na, sagen wir mal ein bisschen unkorrekt daherkommen, jedenfalls vom heutigen Standpunkt. Scheinbar ist man davon ausgegangen, dass der Ostblock eine genauso große Halbwertzeit hat wie der Mist, der damals in Tschernobyl in die Umwelt verbreitet wurde. Oder kurz: Den Niedergang des Ostblocks hat kaum jemand vorausgesehen, zumindest nicht für die Jahre Anfang des neuen Jahrtausends. Und was auch kaum jemand vorausgesehen hat, ist das, was es Ihnen gerade ermöglicht, diesen Text zu lesen: das Internet! Aber fliegende Autos, Raketenrucksäcke und eine Kolonie auf dem Mond… ach Mensch!

Da könnt man durch die Wand gehen

Okay, es heißt eigentlich „die Wände hoch“, aber das wäre am Thema vorbei. Was Leute, besonders in der Science Fiction, gerne tun können, ist durch Wände gehen. Das sieht natürlich super aus… ist aber rein logisch völliger Quatsch. Denn die Erklärung dafür wäre, dass die Person keine feste Substanz mehr hat und deshalb durch die Substanz der Wand hindurch kommt. Problem dabei ist: Wenn man keine Substanz mehr hat, wie viele Hollywoodfilme in letzter Zeit, dann kann man auch nicht mehr laufen, weil man die Substanz der Füße braucht, um sich von der Substanz des Fußbodens abzustoßen. Ergo: Keine Substanz, kein Laufen. In einer Folge von „Star Trek: The Next Generation“ haben sie es auf eine ähnliche Weise gelöst, dass zwei Charaktere in eine andere „Phase“ gebracht wurden, quasi auf eine andere Wellenlänge. Sieht man davon ab, dass auch die nicht laufen könnten, würden sie überdies innerhalb kürzester Zeit erstickt sein, denn warum sollte es in dieser anderen Phase Sauerstoff geben?

…in einer Galaxis, weit, weit entfernt

Und genau darum geht es beim Weltraum: Alles, wirklich ALLES ist weit, weit, WEIT entfernt! Verdammt weit! Aber auch das kriegen die Autoren von SF-Filmen oft nicht richtig hin (oder es interessiert sie nicht oder sie glauben, dass der Zuschauer es eh nicht besser weiß oder all das zusammen). Alles ist verdammt weit auseinander und wenn man nicht irgendeinen imaginären Antrieb hat, der einen unrealistisch schnell macht, dann ist man für diese Strecken auch verdammt lang unterwegs. „Starship Troopers“ macht den Fehler, uns zu zeigen „Sie sind hier“, was als Gag gedacht war, dem eingeweihten Zuschauer aber etwas verrät. Wenn wir nämlich „hier“ sind und der Planet der Arachnoiden da drüben, ein paar hundert Lichtjahre entfernt, wie wollen die es dann geschafft haben, einen Asteroiden auf die Erde zu schießen? Selbst, wenn sie den auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt kriegen würden (was sie offensichtlich nicht tun), würde er immer noch ein paar hundert Jahre brauchen, um anzukommen! Derlei Schwachsinn findet sich leider immer wieder.

Zum Beispiel bei „Mondbasis Alpha 1“, eine Serie, in der der Mond aus seiner Umlaufbahn geschleudert ist und dann durchs Weltall rast. Auch hier müsste der Mond auf mehrfache Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, damit man was davon hätte, auf ihm zu reisen, denn ansonsten würde es wirklich verdammt lange dauern, bis man das Sonnensystem überhaupt erst verlassen hätte!

Und ich glaube, auch der erste „Superman“ hat ein solches Problem, wo Supi mit einem schnellen Schiff zur Erde geschickt wird, aber nach der Zerstörung von Krypton irgendwann Teile davon auf der Erde landen… aber es weiß ja keiner!

Lange Wege, lange weg

Diese unendliche Weite bietet noch ein Problem, das gerne übersehen wird, wenn auch, aus stylistischen Gründen. Mit einem Raumschiff ist man, das sagen uns selbst die Filme, einfach oft verdammt lange unterwegs. Trotzdem verzichtet man in Filmen gerne auf Dinge, die in so einer Situation wichtig und teilweise unverzichtbar sind.

Nehmen wir die Brücke eines Raumschiffs. Und nehmen wir an, es müssten immer Leute da sein, um die Instrumente im Auge zu behalten. Auf was sollte man in einem solchen Fall möglichst nicht verzichten? Richtig, Stühle! Es mag ja ganz cool wirken, wenn es Stationen gibt, an denen man nur stehen kann, aber wenn man 300 Tage unterwegs ist, ohne dass was passiert, dann ist das verdammt langweilig und man würde sich bestimmt einen Hocker wünschen.

Das andere ist… man kann nicht einfach mal auf den nächsten Rastplatz fahren, wenn mal einer aufs Klo muss. Also sollte selbst das kleinste Shuttle, das nur dafür da ist, jemanden vom Planeten aufs Schiff zu bringen, mit einer Toilette ausgestattet sein, für interplanetare Flüge wären eine Liege und eine Dusche ebenfalls empfehlenswert. Denn so ein Flug dauert dann schon mal mehrere Tage, und wenn man vorher nicht ordentlich aufs Klo gegangen ist, dann wird das eine verdammt harte Zeit!

Kein Multikulti für Außerirdische

So ziemlich alle Außerirdischen sind Monokulturen. Sie tragen alle die gleiche Mode, haben alle die gleichen Frisuren und haben auch nur eine einzige Sprache. Man muss nur durch einen beliebigen Stadtteil von Köln gehen um zu sehen, dass das völlig unrealistisch ist!

Außerirdische Invasoren sind doof!

Damit meine ich nicht die Filme, sondern die Invasoren selbst. Okay, sie reisen durch den Weltraum über zig tausend Lichtjahre, also sollten sie eigentlich intelligent sein, auf jeden Fall intelligenter als wir. Aber vielleicht sind das ja nur die Klassenstreber der Galaxis, die zwar gute Noten haben, aber nur, weil sie ständig aufzeigen, in Wirklichkeit aber keinen Schimmer haben? Sie reisen durch den Weltraum und haben Waffen, die uns haushoch überlegen sind. Und doch müssen sie die Deppen des Weltraums sein, denn jedes Mal schaffen es die Menschen, sie im Kampf zu besiegen, obwohl wir nicht die Spur einer Chance gegen sie haben sollten. Na, wenn das keine amerikanische Überheblichkeit ist…

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von Martin Cordemann

Das hat nix zu bedeuten!

Wörter verlieren ihre Bedeutung. Gut, nicht alle – und, gut, das war schon immer so. Aber trotzdem wollen wir an dieser Stelle mal den Verlust der Bedeutung einiger Wörter betrauern, die in unserer Jugend (gut, meiner Jugend) noch etwas anderes meinten, als heute. Oftmals liegt es natürlich an dem Zusammenhang, in dem sie gebraucht werden, dass sie einfach nicht das sagen, was sie sagen sollten. Beginnen wir

JETZT

„Jetzt“ hieß einmal so etwas wie „sofort“ oder „in diesem Moment“. Es gab den Zeitpunkt an, zu dem man sich gerade befand und schloss eine Warteperiode aus. Doch es gibt eine deutsche Organisation, die diese Bedeutung Lügen straft, die das gute „jetzt“ verrät, ja geradezu verspottet. Gemeint ist: die Deutsche Bahn! Oh ja, sie machen das Wort zu einem Lügner, einem Scharlatan. Denn wenn sie durch ihre unverständlichen Lautsprecher verkünden „Zug fährt jetzt ein“, kann man in beide Richtungen des Gleises schauen – und vom Zug keine Spur. Das ist kein „jetzt“, das ist ein „in Kürze“, ein „gleich“, schlimmstenfalls ein „in wenigen Minuten“. Aber wenn man die Ankunft des Zuges als „jetzt“ tituliert, dann sollte er verdammtnochmal auch schon da sein! Doch „jetzt“ ist nicht das einzige Wort, dem man nicht mehr vertrauen kann.

FREE

Und damit ist nicht gemeint „frei“, sondern „umsonst“. Und wer belügt uns auf diese schamlose Art und Weise? Richtig, das Internet. Denn wo immer man dort das Wort „free“ lesen kann, kann man sich darauf verlassen, dass es etwas kostet! Und wenn es schlicht ironisch gemeint wäre, dann muss man leider attestieren, dass sich so etwas in einer rein geschriebenen Botschaft nicht überträgt, obwohl, wäre es so gedacht, wäre das natürlich schlicht

GENIAL

Ein Wort, das inzwischen nahezu jeglichen Wert verloren hat. Früher kam das mal von „Genie“, von jemand oder etwas, das einfach mehr als nur „klug“ war, sondern irgendwie „verdammtklug“ (oder neudeutsch: „scheißklug“), so wie mit verbundenen Augen in einen Wassertank eingesperrt ohne Atemmaske einen Schachcomputer in vier Zügen zu schlagen. Oder Einstein, also sich Erklärungen auszudenken, die so schlau sind, dass sie zu Lebzeiten einfach niemand widerlegen kann. Etwas, das den Horizont der meisten Menschen schlicht und locker einfach weit überschreitet, das war genial. Heute dagegen ist deine Frisur genial, das neue Handy ist genial (klar, als Smartphone ist es eh meist schlauer als seine Besitzer), selbst das Badetuch am Strand kann genial sein. Oh du Wort für das Große, das Unerreichbare, das Unfassbare, oh wie tief bist du gesunken! Ganz ehrlich, dich werde ich wohl am meisten vermissen! Und deshalb bekommst du von mir auch keine

EINLADUNG

Dies wiederum ist einer der Begriffe, der von dem bekanntesten aller sozialen Netzwerke gerade systematisch zerstört wird – ohne, dass sich jemand dagegen auflehnt. Denn wie oft wird man zu einer Veranstaltung „eingeladen“? Und was bedeutet das denn bitte? Nun, prinzipiell gibt es dafür zwei Möglichkeiten. Wenn man Künstler ist, kann es bedeuten, dass man eingeladen wird, bei einer Veranstaltung aufzutreten. Das ist durchaus möglich und eine durchaus korrekte Bezeichnung dafür. Dann gäbe es natürlich noch die Alternative, gerade für die (wahrscheinlich wenigen) Nichtkünstler unter uns, dass man eingeladen wird zu einer Veranstaltung… und das heißt, man zahlt keinen Eintritt. Das, meine lieben Freunde, versteht man unter einer „Einladung“. Wenn ich jemanden zum Essen einlade, dann heißt das ja auch nicht, wir kommen beide und jeder zahlt seine eigene Rechnung. Eine, wie es Facebook und die ganzen Leute meinen, die mich ständig einladen, „Einladung, sich gegen Eintrittspreis einer Veranstaltung anzusehen“ ist also keine EINLADUNG, ich hoffe, ihr kapiert das endlich mal! Und wo wir schon mal bei Facebook sind, ganz ehrlich, davon bin ich nicht wirklich ein

FREUND

Dies ist dann wohl der Begriff, den Facebook am stärksten verwässert hat. Doch, das muss man denen hoch anrechnen, nein, das sollten die sich eigentlich auf ihre Fahnen schreiben, die sie sich nach ihrem misslungenen Börsengang dann vielleicht doch nicht mehr leisten können, aber nichts wurde von diesem „sozialen Netzwerk“ so sehr pervertiert, so sehr entwertet, wie der Begriff „Freund“. Dereinst war das jemand, den man nicht nur gut kannte, sondern eigentlich auch mochte und dem man vertraute. Aber hey, das war vor Handy und Internet, vielleicht ist das ja jetzt anders. Bei Facebook jedoch wird aus dem Vertrauten eine gesichtslose Zahl Halbunbekannter, die einen schlimmstenfalls täglich mit ihrer unerträglichen Selbstdarstellung nerven, die einem vorführen, dass ein langweiliges Leben auch nicht dadurch spannender wird, dass man darüber schreibt und andere daran teilhaben lässt oder die einen mit ihrer Wichtigtuerei behelligen. Das sind also „Freunde“? Na, dann schreiben Sie denen doch mal: „Bin grad völlig abgebrannt und aus meiner Wohnung geflogen, kannst du mir Kohle leihen und kann ich n paar Wochen bei dir wohnen, ich steh nämlich grad unten vor deiner Tür?“ Mal sehen, wie viele Freunde Sie dann noch haben!

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von Martin Cordemann

Sexy’s Muss…

…oder Sexismus?

Ach, es wurde soviel über Sexismus gesprochen – und doch so wenig gesagt. Fast schon in einer Weise, dass sich Frauen, die nicht von sich sagen können, jemals mit Sexismus konfrontiert worden zu sein, benachteiligt fühlen müssen… Oder war das jetzt sexistisch?

Was unterscheidet den guten Sexismus vom schlechten?

Nein, das ist eine falsche Frage. Obwohl, es ist eine, die wir erst später stellen werden. Hier ist sie erstmal dafür da, dass sich die ganzen Frauenrechtler-Heuchler, die aber „Top Model“ gucken, ohne sich drüber aufzuregen, aufregen können. Denn es gibt guten und schlechten Sexismus, wie wir später sehen werden.

An dieser Stelle erstmal die Unterscheidung, die die Pappnasen im Fernsehen auch nicht immer auf die Reihe gekriegt haben:

Was unterscheidet Sexismus von sexueller Belästigung?!

Jau, Leute, da hättet ihr vielleicht mal etwas genauer hingucken sollen. Macht man aber nicht, weil der Zuschauer den Unterschied ja eh nicht kennt und so ist es doch viel spektakulärer. Packen wir bei Sexismus also einfach die Belästigung mit rein und scheren alles über einen Kamm.

Wobei… ist mit Sexismus nicht vornehmlich so etwas gemeint wie: Frauen können nicht Autofahren. Und einparken! Werden im Beruf nicht für voll genommen. Und benachteiligt. Nicht in Aufsichtsräte eingeladen. Gehören hintern Herd. Das zarte Geschlecht, das nicht schwer tragen darf. Oder ist das jetzt nur eine lieb gemeinte Untergruppe des Sexismus? Oder Chauvinismus? Wir sehen, die Frage der Definition ist nicht ganz so einfach.

Aber zurück zur Belästigung. Hey, das ist ein Satz, den man auch nicht alle Tage hört. Egal, Sexismus und sexuelle Belästigung… ich glaube, irgendwo dazwischen liegt dann die Anzüglichkeit, um die es, wenn man sich das Beispiel von Politiker und gut ausgefülltem Dirndl so ansieht, eigentlich geht, nicht wahr? Jemandem zu sagen, dass er/sie in einem Dirndl gut aussieht, also zu implizieren, dass die Person große/wohlgeformte Brüste hat, wäre doch nur dann eine wirklich sexistische Bemerkung, wenn man noch anfügen würde, dass sie als Journalistin aber absolut beschissen wäre – also eine Beschränkung ihrer Person auf ein Sexobjekt. So ist und bleibt es ein extrem ungeschicktes und dummes Kompliment, eine Anzüglichkeit. Aber Anzüglichkeit hat ja den Begriff „sex“ nicht mit drin und sexuelle Belästigung war den Verantwortlichen dann vielleicht rechtlich zu dünnes Eis, weil man da hätte klagen können, also TATATATA, Willkommen zur Sexismusdebatte.

Dass die Anzüglichkeit wahrscheinlich ihre Grundlage im Sexismus hat, möchten wir an dieser Stelle mal nicht bestreiten. Irgendwo ist sie ein fehlgeleitetes Kompliment mit sexueller Konnotation, wenn wir das mal so bezeichnen wollen. Und um die Unterscheidung zu einem Punkt zu bringen:

  • „nette Titten“ sagen ist anzüglich
  • sie anpacken ist Belästigung!

„Geiler Arsch“ sagen anzüglich, in den Arsch kneifen Belästigung… was uns leider direkt zu unserer ersten Frage zurück bringt:

Gibt es erlaubten Sexismus?

Ja, den gibt es. Oder sagen wir mal so, es gibt Unterschiede. Und zwar, ob es eine Frau sagt oder ein Mann! Oh ja!

Kein Mann, der halbwegs bei Verstand ist, würde einer Frau sagen: „Mann, du hast aber geile Titten!“ Jedenfalls nicht, wenn er ihr auf dem Gang in der Firma entgegen kommt. Sowas macht man für gewöhnlich nicht, weil es, nunja, wahrscheinlich nicht gut ankommen würde und auch wenn man es denkt ist es gesellschaftlich einfach nicht gern gesehen, und das ist auch völlig okay so. Leider gibt es genügend Männer, die nicht halbwegs bei Verstand sind, aber das ist eine andere Geschichte!

Drehen wir aber mal die Situation um. Wenn im Gegenzug eine Frau zu einem Mann, der ihr in der Firma auf dem Korridor begegnet, sagt: „Du hast aber einen knackigen Arsch!“, dann ist das gesellschaftlich akzeptiert. Da würde niemand einen Aufstand machen, da würde niemand den Gleichstellungsbeauftragten rufen, da würde niemand aufstehen und „Sexismus“ schreien! Wir sehen also, es kommt weniger darauf an, WAS man sagt, sondern WER es zu WEM sagt. Und, ganz ehrlich, kann man nicht daran sehen, dass wir irgendwo ein Problem haben?

Femenismus

Und, wo wir schon mal beim Thema sind, machen wir doch einen kleinen Exkurs zu den Frauenaktivistinnen, den Femen. Protest ist richtig und Gleichberechtigung auch und auf Probleme aufmerksam machen sowieso, aber ganz ehrlich, ist seine Titten zeigen da der richtige Weg im Bereich der Emanzipation? Verstehen Sie mich da nicht falsch, ich finde es sehr schön, wenn attraktive junge Frauen ihre Brüste in der Gegend herumschwenken, ganz ehrlich, jede Frau sollte das Recht dazu haben – aber geht das nicht etwas am Ziel vorbei? Hat Putin nicht genau das bewiesen? Und wenn ihr das vor Berlusconi machen würdet, würde der das auch nicht als Protest sehen, sondern euch direkt zu einer seiner Bunga-Bunga-Partys einladen. Also Titten zeigen ist schön, aber mal überlegen, ob das dem Ziel, das man verfolgt, entspricht, wär auch mal nicht verkehrt. Falls euch diese Kritik von mir stört, kommt gerne vorbei und zeigt mir euren Protest!

Aber zurück zum Thema. Wie wir gesehen haben: Sexismus von Frauen ist erlaubt, von Männern aber nicht? Messen wir da nicht mit zweierlei Maß? Ach, ich möchte die Spannung nicht zu groß werden lassen, also die Antwort ist ja!

Der gute Sexismus

Und es gibt noch etwas, den guten Sexismus! Jawoll! Ärgerlich, oder? Aber er ist da – man nennt ihn nur anders. Zum Beispiel Galanterie. Kavalier sein. Höflichkeit. Denn, ach, das wird einigen jetzt gar nicht schmecken, ein Teil des Sexismus ist es, Frauen zu behandeln, wie, na ja, Frauen eben. Und damit meine ich nicht, davon auszugehen, dass sie nicht wissen was sie wollen und dass sie keine Entscheidungen treffen können. Das nimmt man so hin. Nein, es ist dieses altmodische Zeugs. Dass man ihnen die Türen offen hält. Dass man ihnen Komplimente macht. Dass man ihnen Süßigkeiten, Blumen oder Schmuck schenkt.

Ja, das ist streng genommen ein extrem sexistisches Verhalten. Auch höflich anlächeln sollte nach der Sexismusdebatte dazugehören. Denn wenn man danach geht, sollte man Frauen eigentlich behandeln, wie fiese Kerle, von denen man eh nix will, da man sonst leicht Gefahr läuft, des Sexismus angeklagt zu werden. Wenn ich das richtig interpretiere, geht es in Amerika in Firmen inzwischen in genau diese Richtung, da man sich dort für ein freundliches Lächeln sehr schnell eine Anzeige wegen sexueller Belästigung einhandeln kann. Also, liebe Frauen, wollen wir wirklich dahin?

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von Martin Cordemann

 

Das Publikum ist niemals schuld

So sagt eine alte Theaterweisheit. Oder Leute, die mit dem Theater zu tun haben. Oder irgendwer. Und wissen Sie was?

Das stimmt nicht!

Ganz ehrlich, das Publikum ist an vielen schuld! Glauben Sie nicht? Stimmt aber. Würde nicht eine Masse von Leuten immer wieder in „Transformers“ laufen, um sich synthetischen Mist anzusehen, dann gäbe es davon nicht so viele Fortsetzungen und Reboots. Das Publikum ist also sehr wohl mitverantwortlich dafür, was ihm vorgesetzt wird. Genau genommen ist das Publikum der wesentliche Faktor dafür. Oder vielmehr das Geld, das es in die Kassen der Studios spült. Sie können den großartigsten Film aller Zeiten machen, der geradezu nach einer intelligenten und sinnvollen Fortsetzung lechzt – sind die Einspielergebnisse nicht dementsprechend, dann wird da nichts draus. Wenn also jemand schuld ist, dann zu einem extrem großen Teil in erster Linie das Publikum!

So war das nicht gemeint

Natürlich war das so nicht gemeint. Der Spruch ist ja auch mehr eine Abwandlung des ebenfalls mittelmäßig zutreffenden

„Es gibt kein schlechtes Publikum“

Bezogen ist das auf die Reaktionen des Publikums auf einen Künstler. Und auch dieser Satz hinkt. Es gibt vielleicht kein schlechtes Publikum, aber es gibt ein falsches Publikum! Stellen Sie einen Kabarettisten mit intelligenten, hintergründigen Texten zum Zuhören und Mitdenken auf eine Prollbühne in Mallorca und keine der beiden Seiten wird einen guten Abend haben. Das falsche Publikum für den Künstler – oder der falsche Künstler für dieses Publikum.

Kommen wir aber mal zu einem anderen wichtigen Punkt, den kein Publikum so richtig zu kennen scheint. Man hört immer wieder, dass Zuschauer Künstlern nach einem Abend, an dem der Künstler vom Publikum nur Schweigen geerntet hat, gesagt haben, das wäre der beste Abend gewesen, den sie je gehabt haben. Ja, das ist natürlich schön, den Künstler das hinterher wissen zu lassen, damit er sich nicht ganz so mies fühlt, aber eine Weisheit bleibt hierbei leider auf der Strecke:

Das Publikum kann eine Performance verbessern!

Oh ja, das ist so! Es bringt nicht viel, den ganzen Abend still vor sich hin zu genießen und dem Künstler hinterher ein großes Lob auszusprechen. Oder sagen wir, es verwirrt den Künstler, aber Sie als Publikum haben eigentlich nicht viel davon. Denn, wie gesagt, es liegt an Ihnen, aus einem guten Abend einen großartigen zu machen. Warum? Erklär ich Ihnen.

Ein guter Künstler oder auch ein gutes Ensemble, die machen ihren Job, wenn sie auf der Bühne stehen. Sind sie Profis, lassen sie es sich nicht anmerken, wenn es sie stört, dass vom Publikum so keinerlei Reaktion, keinerlei Rückmeldung zu vernehmen ist. Und, machen wir uns nichts vor, das stört. Man muss schon sehr besoffen oder ignorant sein (bei Künstlern beides durchaus gängig), um so etwas komplett zu ignorieren und nicht an sich heran zu lassen. Bleibt der Saal also still und die Reaktion aus, macht man seinen Job, professionell – und hofft auf einen anderen Abend, an dem es besser läuft. Sie als Publikum bekommen also von einem Künstler für Ihr Schweigen einen korrekten Abend.

Aaaaaaaber…

Wenn Sie dem Künstler zeigen, dass Sie das, was er da macht, gut finden, wenn Sie ihn das spüren lassen, wenn Sie ihm das Gefühl geben, sie wissen seine Arbeit da zu schätzen und zu würdigen… wissen Sie, was dann passiert? Nun, DANN bekommen Sie wahrscheinlich einen großartigen Abend! Denn der/die Künstler tauen auf, werden sicherer, lockerer. Das steigert ihre Spielfreude und ihren eigenen Spaß an der Sache, der wiederum den Ihren steigert. Das heißt, das Publikum kann die Performance eines Künstlers um einiges steigern. Es liegt also ganz in Ihrer Hand, ob Sie einen guten Abend im Theater haben – oder einen großartigen!

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von Martin Cordemann

Über das Zeitreisen

Lieber Leser, dies ist eine Einführung, die sich mit den Dingen beschäftigt, die zu beachten sind, falls Sie die Möglichkeit haben sollten, sich auf eine Reise zwischen die Zeiten zu begeben. Sollten Sie einen Zeitreiseanbieter Ihres Vertrauens haben, wird er Ihnen möglicherweise einige weitere Tipps geben können. Wie eine Zeitmaschine funktioniert, möchten wir an dieser Stelle der Wissenschaft überlassen. Falls Sie Probleme mit Ihrer Zeitmaschine haben, konsultieren Sie bitte die Gebrauchsanweisung oder fragen Sie den Hersteller.

Reisen in die Vergangenheit

Gut, beginnen wir mit Reisen in die Vergangenheit. Da kommen meist die abenteuerlichsten Ideen zustande. Beschränken wir das ganze auf zwei Möglichkeiten:

a) Sie können etwas verändern

und

b) Sie können nichts verändern.

Das ist es im Großen und Ganzen.

Beginnen wir mit a): Die Anwesenheit eines Zeitreisenden, also Ihnen in dem Fall, kann eine Veränderung hervorrufen.

Beispiel 1

Wenn Sie jemanden töten, hat das eine große Wirkung auf den bekannten Handlungsverlauf. Warum? Weil diese getötete Person ohne das Auftauchen des Zeitreisenden weitergelebt hätte, ganz einfach.

Die Folge: Alle Handlungen, an denen diese Person in der bisherigen Zeitlinie beteiligt war, würden sich ändern. Und das gilt auch für viele Handlungen, an denen andere Personen beteiligt waren. Das fängt mit einfachen Begegnungen an und hört mit dem Aussterben oder Überleben ganzer Familien wenn nicht sogar Arten auf.

Beispiel 2

Peter sollte Heidi zum Bahnhof bringen. Am nächsten Bahnhof würde Heidi Klaus durch einen Luftröhrenschnitt das Leben retten. Heidi heiratet den Sohn von Klaus mit dem sie drei Kinder hat. Klaus wird Anwalt und sorgt dafür, dass Hector nicht auf dem elektrischen Stuhl landet.

Und nun kommen Sie ins Spiel: Da Sie Peter umgebracht haben, bringt Peter Heidi nicht zum Bahnhof. Heidi verpasst den Zug. Da am nächsten Bahnhof kein Arzt vor Ort ist, stirbt Klaus. Hector wird nicht angemessen verteidigt und landet auf dem elektrischen Stuhl. Da Heidi Klaus Sohn nie kennen gelernt hat, heiratet sie den Börsenmakler Alfred, der leider unfruchtbar ist und so wird sie niemals Mutter.

Die Folge der Folge: Was Ihnen – und nun passen Sie bitte genau auf, denn jetzt wird es kompliziert – aus der Zukunft als Vergangenheit bekannt ist, würde sich verändern. Nach dem Schneeballprinzip. Radikal. Es beginnt mit einem von Ihnen umgekippten Dominostein und endet mit dem Umkippen aller Klötze in einer Lagerhalle von der Größe New Yorks. Und vergessen Sie nicht: Sie haben ihn umgestoßen.

Fazit

Nehmen wir an, Zeitreise würde so funktionieren, dann könnte schon Ihr Erscheinen in der Vergangenheit selbst eine starke Veränderung auslösen und den ersten Stein umkippen. So oder so gilt: Halten Sie sich aus allem Geschehen raus!

Von nichts kommt nichts

Aber bleiben wir noch ein bisschen bei dieser Theorie. In die Vergangenheit reisen und Dinge verändern. Da findet sich gerne etwas, das ich als „Schöpfung aus dem Nichts“ bezeichnen möchte. Sie kennen das: Der Zeitreisende braucht für seine Rückkehr dringend ein bestimmtes Sonett von Shakespeare, weil er seiner Freundin versprochen hat, dass er es ihr, in der Handschrift des Meisters mitbringen wird. Nun hat Shakespeare es aber noch gar nicht geschrieben.

Ist die Sache damit erledigt? Nein, denn „zum Glück“ hat unser Reisender eine Kopie des Textes dabei und diktiert ihn Shakespeare, der ihn aufschreibt, und das ist… totaler Schwachsinn! Wird uns von Science Fiction Autoren immer wieder gerne verkauft, ist aber absolut idiotisch.

Denn woher, meine lieben Freunde, soll der Text denn bitte gekommen sein? Aus dem Nichts? Ja, mögen Sie jetzt argumentieren, er kommt aus der Vergangenheit. Nein, tut er nicht, denn er ist dort nie geschrieben, nie erdacht worden.

Aber dort kam er hin aus der Zukunft. Nein, weil er nie in die Zukunft gekommen ist, da er ja nie geschrieben wurde. Er entstand also offenbar aus dem Nichts.

Noch mal von vorn

Ich weiß, das ist knifflig, also noch mal ganz in Ruhe zum Mitschreiben:

  • Shakespeare hat den Text nicht geschrieben, er wurde ihm diktiert.
  • Von jemanden, der ihn aus der Zukunft mitgebracht hatte.
  • Der Zeitreisende hat einen Text mitgebracht, den er nicht geschrieben hat.
  • Diesen Text hat er Shakespeare diktiert, der den Text nicht erdacht hat.
  • Niemand hat ihn erdacht, die Phase, in der der Text als solcher geschaffen wurde, fehlt.

Schöpfung aus dem Nichts. Völliger Schwachsinn! Ein Kreislauf ohne Substanz.

Würde es helfen, wenn es materieller ist? Ein Kuchen?

  • Sie bekommen von Ihrer Mutter einen Kuchen geschenkt.
  • Sie fahren zurück in die Vergangenheit und bringen Ihrer Mutter denselben Kuchen mit.
  • Später schenkt Ihnen Ihre Mutter den Kuchen…

Wer hat ihn gebacken? Niemand.

Wie ist er entstanden? Gar nicht.

Denn es ist Blödsinn!

Grenzfall

Anders, und ich füge das auch nur der Vollständigkeit halber an, wäre der Fall, in dem jemand aus der Zukunft kommt, aber nichts von Shakespeare kennt. Die beiden reden miteinander, daraus entsteht ein Werk von Shakespeare. Das wäre möglich, aber bislang gibt es keine Hinweise, dass es je dazu gekommen ist.

Parallelwelten

Dann gäbe es noch die Möglichkeit: Sie verändern die Zeit und es entsteht eine neue Zeitlinie, die parallel zur alten existiert. Hier können Sie quasi alles verändern, aber es wirkt sich nicht auf die Zeit aus, aus der Sie kommen. Bleibt die Frage: Falls Sie nach getaner Arbeit in Ihre eigene Zeit zurück reisen, landen Sie dann in Ihrer eigenen Zeitlinie oder in der neuen, die Sie erschaffen haben? Oder ist es möglich, von einer Zeitlinie in die andere zu wechseln, ganz, wie es einem beliebt? Das würde einen völlig neuen Markt eröffnen, der es jedem ermöglicht, sich so viele eigene Zeitlinien zu schaffen, wie es ihm beliebt. Bislang fehlen uns dazu aber leider klare Informationen.

Das ist Vergangenheit

Was wäre allerdings, meine lieben Leser, wenn b) zutrifft und der Zeitreisende fester Bestandteil der Vergangenheit wäre? Nehmen wir an, er ist ein geplantes, im Laufe der Geschichte vorgesehenes und natürliches Mitglied seiner Zielzeit? Dann besteht nicht die Gefahr, dass er etwas verändert, denn alles, was er tun wird, hat er bereits getan und ist Teil der Vergangenheit.

Er kann gerne versuchen, um hier mal das klassische Beispiel aufzugreifen, Hitler zu töten. Aber da er die Vergangenheit kennt, in der Hitler nicht getötet wurde, kann er zwangsläufig nur scheitern. Oder er ist erfolgreich und Hitler wird durch einen Doppelgänger ersetzt, das erfolgreiche Attentat auf ihn vertuscht und alles so weitergeführt, als würde er noch leben. Das Endergebnis, das geschichtliche, ist und bleibt dasselbe. Also muss er sich in diesem Fall nicht überlegen, was er tut und ob seine Handlungen den Lauf der Geschichte verändern könnten, da sie ja, wie bereits erwähnt, schon Teil dieser Geschichte sind.

Auf in die Zukunft

Spannend sind natürlich auch Reisen in die Zukunft… doch darauf gehen wir ein anderes Mal ein. An dieser Stelle möchte ich jedoch eins zu bedenken geben: Falls die erste Theorie zutreffen sollte und Sie sind selbst zum Zeitreisenden geworden, dann ist es möglich, wenn nicht sogar ausgesprochen wahrscheinlich, dass Sie in eine andere Gegenwart zurückkehren als die, aus der Sie gekommen sind. Denn Sie haben Ihre eigene ja verändert. Falls dann eine Rückkehr überhaupt möglich sein sollte. Denn Sie dürfen niemals vergessen, dass Ihre Anwesenheit in der Vergangenheit in einem solchen Fall zu Veränderungen führt. Und die könnten sogar so stark sein, dass durch sie z.B. der Bau einer Zeitmaschine verhindert wird. Oder sogar Ihre eigene Geburt! Und, ganz ehrlich, dann haben Sie Ihre eigene Zeitreise verhindert und damit verhindert, dass Sie Ihre Geburt verhindert haben und damit können Sie in der Zeit zurück reisen, um Ihre Geburt zu verhindern, was dazu führt, dass Sie Ihre eigene Zeitreise verhindern und damit… Sie sehen, das ganze ist ziemlich einfach!

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von Martin Cordemann

Kein Ende für dumme Filmklischees

– Denn uns kann man’s ja verkaufen!

Manchmal sogar die größte Scheiße… im wahrsten Sinne des Wortes!

No Klo Area

Leute in Filmen müssen eigentlich fast nie zur Toilette. Rühmliche Ausnahme ist da Paul Verhoeven, aber damit dürfte er wirklich in der Minderheit sein.

Ansonsten gibt es derlei Bedürfnisse in Filmen eher selten. Was ja einerseits ganz okay ist, denn wir müssen ja nicht alles über eine Person wissen, z.B. ob er den Deckel hinterher wieder runterklappt oder ob er sich nach getaner Arbeit die Hände wäscht. All das bekommen wir nicht mit – und wollen wir auch eigentlich gar nicht.

Anders ist es aber in folgenden Situationen: Eine Person ist…

…lange in einer Kiste eingesperrt

…ein blinder Passagier

…tagelang (zwecks Folter) an einen Stuhl gefesselt

All diese Personen verspüren dankbarerweise über die gesamte Zeit weder Harndrang noch Darmdrücken. Denn streng genommen müssten die entsprechenden Orte (Kiste, Rettungsboot, Boden unter dem Stuhl) verdammt zugesaut sei. Es sei denn, man befreit die betreffende Person zwischenzeitlich aus ihrer prekären Situation und lässt sie die Toilette benutzen, aber irgendwie glaube ich das nicht.

Klingende Münze

So, wie ein Schwert immer klingt, wenn man es durch die Luft bewegt, so ergehrt es auch der Münze. Wirft man sie in die Luft, erklingt ein klingender Laut. Streng genommen, also in dem, was wir gemeinhin als „Wirklichkeit“ oder „Realität“ bezeichnen, tut sie das nur, wenn sie auf einen festen Gegenstand trifft, Stein oder Metall, bei Holz dagegen dürfte das Klingen auch eher ausbleiben, ebenso wie bei feinem Tuch oder flüssigem Wasser. Für den Film klingt es uns aber in den Ohren, woher vielleicht der Begriff „klingende Münze“ kommt… wahrscheinlich aber nicht!

Wie geschnitten Brot

Kinder mögen es lieber, wenn man ihnen die Kruste vom Brot abschneidet. Das war bei mir damals auch so. So eine Kruste war ja hart und das wollte man nicht. In amerikanischen Filmen wird das bei Kindern auch immer noch gerne gemacht. Aber das amerikanische Brot ist ja nun in der Regel eigentlich eher weich und pappig. Genau genommen ist das also, als würde man die Kruste von ungetoastetem Toastbrot abschneiden… und wer würde so was machen?

Rassismus erlaubt

Nur im Film, versteht sich! Und nur eine ganz bestimmte Art. Gegen Ausländer. Nein, das sollte man klarer sagen: Gegen Nichtamerikaner. Das gibt es bestimmt in verschiedenen Versionen, da können Sie dann gerne mal selber suchen, wo Sie so was finden können. Schönes Beispiel (das gehört in Anführungsstriche) ist der Bruce Willis Film, der sich als 5. Film der „Stirb langsam“ Reihe ausgibt, diese Ehre aber nicht verdient. Hier ist Willis in Russland, genauso gut gerüstet dafür wie die meisten Amerikaner, nämlich ohne jede Sprachkenntnisse. Er beginnt damit, Autos zu klauen und zu demolieren und als sich ihm jemand in den Weg stellt, haut er ihm eins auf die Nase mit den Worten: „Als würd ich verstehen, was du sagst!“ Möchte fast wetten, dass da in Amerika im Kino gejohlt wurde. Aber ist das nicht, abgesehen davon dass es den beliebten Imperialismus Amerikas, der das Land in der ganzen Welt so beliebt gemacht hat, deutlich zur Schau stellt, auch einfach nur rassistisch? Dass man, obwohl man da nix zu suchen hat und sich gerade so verhält, dass man für ein paar Jahre nach Sibirien verfrachtet werden sollte, dem blöden Russen eins aufs Maul haut? Einfach so, weil man es kann? Ganz ehrlich, würde Willis in einer solchen Szene eine Nazi-Uniform tragen und der Geschlagene die Kleidung eines Rabbiners, der dann etwas auf Hebräisch sagt, ich möchte wetten, die Stelle würde ganz anders aufgenommen werden!

Hackedicht

Mal im Ernst, haben Sie schon mal das Passwort von irgendjemandem geknackt? Freund? Freundin? Ehemann, den man des Betrugs verdächtigt? Haben Sie sich bei einem Ihrer Bekannten in den „Account eingehackt“, sei es E-Mail, Facebook oder Porno? Und wenn, was sind Sie für eine misstrauische Person? Jungejunge! Jedenfalls schafft das im Fernsehen oder Film jeder Depp, der schon mal eine App runtergeladen hat, aber ich würde doch mal unterstellen, dass wir Menschen in der normalen Welt damit erhebliche Schwierigkeiten hätten!

Telefonicken

Im Film kein Problem, in der Wirklichkeit schon eher, zumindest solange, bis sich Bildtelefone wirklich durchsetzen: Nicken! Machen wir uns nichts vor, bei einem Gespräch, bei dem man den Gesprächspartner nicht sieht, bringt Nicken nicht wirklich etwas. Das stört die Produzenten von Filmen aber bislang nicht sonderlich, denn wann auch immer sich eine Gelegenheit bietet, sehen wir jemanden, der nickt – was definitiv nur für uns als Zuschauer gedacht ist, denn sein Gesprächspartner hat leider nichts davon.

Sektmaniacs

Das gibt es nur im Film… und dafür gibt es einen Grund! Es ist nämlich gar kein Sekt! Äh, noch mal zurück: Im Film kriegt man Sektflaschen problemlos auf. Ohne Knall und ohne lästiges Umherspritzen. Und warum? Naja, gut, das hab ich ja nu schon gesagt.

Count Doku

Man kann oft erkennen, wenn „Dokumentationen“ die Anführungsstriche verdienen, d.h. wenn sie keine wirklichen Dokumentationen sind. Ein besonderes Beispiel dafür, dass man immer wieder antrifft, ist das Eintreten von Personen. In Räume. Wäre es eine Dokumentation, quasi etwas ungeplantes, mit dem man jemanden, einen Interviewpartner zum Beispiel, überraschen würde, dann würde die Kamera mit den Leuten eintreten, um die es in der Doku geht. Oder sie würde diesen Leuten den Vortritt lassen. Was man aber immer wieder sieht:

  • Wir sind mit den Leuten auf dem Gang, Schnitt:
  • Die Kamera befindet sich im Raum und hält auf die Tür
  • Die Tür geht auf und unsere „Dokumentatoren“ kommen herein

Wenn dies eine wirkliche, nicht abgesprochene Dokumentation wäre, wie zur Hölle kommt die Kamera dann vor den Leuten ins Zimmer?

Halb_Fiction570

von Martin Cordemann

Der Tag, an dem der Verstand still stand

– aus unserer Reihe: „Filmverriss“

Oder: Wie man aus einem intelligenten Film einen dummen macht. Okay, damit wär eigentlich schon alles gesagt. Bis zum nä-

Ach, was soll’s? Ich hab mir diesen Mist extra noch mal angesehen, aber was tut man nicht alles für seinen Blog? Also beginnen wir beim Anfang…

Das Original

„Der Tag, an dem die Erste still stand“ ist das, was man einen Klassiker des Science Fiction Films nennt. Denn: er ist in schwarz/weiß! Und alt! Und eigentlich auch ziemlich gut. Eine fliegende Untertasse landet auf der Erde, ein Typ steigt aus, wird angeschossen, weil er etwas aus seiner Jacke zieht, landet im Krankenhaus, haut ab, lernt eine nette Frau kennen, heiratet… nein, das stimmt nicht. Aber die Frau hilft ihm bei seiner Mission, nämlich den dämlichen Menschen die Botschaft zu bringen, dass, wenn sie sich weiter so bescheuert verhalten, andere Wesen im Weltraum, die ein bisschen mehr auf dem Kasten haben, die Menschheit als Bedrohung ansehen und bei Nichteinsicht dann auch einfach mal ausschalten würden. Warnung! Lernen! Weiterentwicklung!

Kann man eigentlich nicht missverstehen. Dann gibt’s noch Gort, den Roboter, dem man die Worte „Klaatu Barada Nikto“ ins Ohr säuseln muss, wenn Klaatu, der Außerirdische, mal wieder angeschossen wird. Diese drei Worte finden in der Filmgeschichte noch zweimal eine Anwendung, einmal in Sam Raimis „Armee der Finsternis“ und dann als die Namen von drei Figuren aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“.

Der Film ist recht geradlinig und sein Name entspringt einer Aktion, die Klaatu ausführt, um zu zeigen, zu was die Außerirdischen fähig sind: Er lässt alles auf der Erde für eine Stunde (oder eine halbe?) anhalten (außer Flugzeuge in der Luft und Krankenhäuser), also eine FRIEDLICHE Demonstration seiner Macht.

Dumm und noch viel dümmer

Kommen wir zum Remake. Remakes haben es an sich, dass man bestimmte Dinge, an die man sich aus dem Original erinnert, aufgreifen – meist in weit schlechterer Form. Bei diesem Film schreit es einen an, dass die Macher des Films das Original offensichtlich kein Stück verstanden haben. Viel dümmer kann man mit einem Film eigentlich gar nicht umgehen, und mit einem intelligenten schon überhaupt nicht. Ganz ehrlich, allen Beteiligten sollte ihre Lizenz, Filme zu machen, auf alle Zeiten entzogen werden! Denn, um es kurz über einen Kamm zu scheren, alle Dinge, die im Original Sinn ergeben und vernünftig sind, sind hier dumme Scheiße ohne jede Motivation – höflich ausgedrückt.

Ignorieren wir die nicht vorhandenen Schauspielkünste von Keanu Reeves und Jayden Smith, ignorieren wir vorerst den seelenlosen CGI-Gort und beginnen wir… irgendwo im Film.

Statt eines klassischen UFOs sitzt sich nun eine computeranimierte Sphäre ihren Arsch im Central Park platt, aus der – Trommelwirbel – eine Figur hinauswankt, auf Jennifer Connelly zu… und wird angeschossen. Weil ja im Original auch der Außerirdische angeschossen wird. Nur: Da ergibt es Sinn, weil jemand denkt, er hätte eine Waffe in der Hand. Hier hat er ausgebreitete Arme mit LEEREN Händen! Was ne Scheiße!

Außerirdischen Treff

Während der Klaatu des Originals eher die Rolle eines Botschafters und Beobachters hat, benimmt sich Keanu-Klaatu eher wie ein Arschloch. Aber das scheint seiner Rasse eigen zu sein, denn in irgendeinem schmierigen Restaurant trifft er einen asiatischen Außerirdischen, der sich selbst widersprechendes Zeugs quatscht. Einerseits sagt er: Bring alle um, die Menschen sind Arschlöcher, die lernen es eh nicht. Gut, er formuliert es anders, aber inhaltlich ist das ziemlich auf den Punkt. Andererseits will er aber auch auf der Erde bleiben und mit allen sterben, weil das Leben als Mensch ja doch irgendwie toll war und er wahrscheinlich noch ne Verabredung beim Springbreak hat oder so was. Es ergibt jedenfalls keinen Sinn, zumal er, wie gesagt, vorschlägt, die Menschheit auszurotten, prinzipiell nicht verkehrt, aber als Entscheidung vielleicht ein wenig über seiner Gehaltsstufe angesiedelt.

Nachdem Freund Asian-Alien also die Menschheit zum Tode verdammt hat, beweist Keanu in einer herzzerreißenden Rede, dass die Autoren des Films keinen blassen Schimmer haben – von nix! Denn, anders als im Original, geht es nicht darum, den Menschen zu zeigen, dass sie auf einem falschen Weg sind und ihnen die Möglichkeit zum Umdenken zu geben. Die Auslöschung ist bereits beschlossene Sache, DENN – und hier wird es idiotisch – ohne die Erde würden die Menschen sterben, aber ohne die Menschen würde die Erde leben. Erstmal sollte man den Begriff Erde durch Natur ersetzen und zweitens ist das nur halbgarer Scheiß.

Richtig ist: Ohne die Menschen würde es der Natur weit besser gehen! Falsch ist: Die Menschen machen ALLES kaputt. Die Menschen machen VIELES kaputt und sollten das auch verdammtnochmal lassen, aber dieser Film versteht das Problem genauso wenig wie es „Eine unbequeme Wahrheit“ verstanden hat! Der Punkt ist: Soviel Scheiß wie der Mensch auch baut, die Natur, oder Teile davon, werden wahrscheinlich überleben. Der Mensch wird sich seine Grundlage zerstören und sich damit selbst zum Tode verurteilen, aber Teile der Natur werden überleben… OHNE den Menschen! Für die Natur ist also letztenendes gesorgt, das, was der Mensch tut, ist sich selbst den Ast abzusägen, auf dem er lebt. Verstehen aber die wenigsten. Is aber auch n schwieriges Konzept.

Arche No, arrgggg!

Der „Plan“, wenn man das so nennen möchte, unserer außerirdischen Freunde ist es also… keine Ahnung. Sie bringen jedenfalls Archen mit, in die sie verschiedene Arten packen. Ganz ehrlich, noch nie was von Neutronenbomben gehört? Oder legen die auch die Tiere um? Jedenfalls gibt es (angeblich) so gottverdammt viele Arten, dass es weit einfacher wäre, mit ein paar Neutronenbomben oder einem cleveren Virus alle Menschen umzulegen, als jedes Kleinviech mit an Bord zu nehmen, damit es überleben kann. Eine außerirdische „Intelligenz“ muss hier also stark angezweifelt werden.

Was uns zurück zu Klaatu bringt. Der benimmt sich hier wirklich wie ein Arsch. An einer Stelle legt er auf eine recht brutale Weise einen Polizisten um, nur, um ihn gleich danach wieder zu beleben… was nicht nötig gewesen wäre, da er vorher Leute mit Gedankenkraft unschädlich machen konnte. Sinnlose Aktion!

Wenig später kommt er zu einer anderen Szene, bei der man das Original nachempfinden wollte – ohne verstanden zu haben, worum es dabei ging. Im Original wird klargestellt, dass die wahren Oberhäupter der Erde nicht die Präsidenten und Kanzler sind, sondern die Wissenschaftler – also Leute, die wirklich was auf dem Kasten haben. Dort wird die Formel an der Tafel des Professors dazu benutzt, ihm zu beweisen, dass Klaatu eine höhere Intelligenz hat, auf dass dieser seine wissenschaftlichen Kollegen aus aller Welt zusammenrufe, um ihnen die frohe Botschaft (Vernichtung der Welt) zu verkünden. Da irgendsowas hier auch rein muss, faselt Frau Connelly etwas idiotisches darüber, dass sie einen wahren Führer kennen würde und dann malen Reeves und John Cleese auf einer Tafel herum – ohne Sinn, ohne Motivation und ohne begriffen zu haben, wozu diese Szene eigentlich da war. Oder, kurz gesagt: Es ist völlig SINNLOS!!!

Oh mein Gort!

Im Original bezieht Gort seine Bedrohlichkeit daraus, dass er stumm da steht und an einer Stelle zwei Soldaten verschwinden lässt. Hier steckt man ihn in eine Einrichtung, in der er sich, als er sich zu langweilen beginnt, in einen riesigen Schwarm insektengroßer Allesfresser verwandelt und dann durch die Gegend zieht, um wahllos Leute umzubringen, u.a. einen Truck aus Metall, während er die Strommasten im Hintergrund (ebenfalls aus Metall) völlig ignoriert. Wahrscheinlich nicht seine Marke.

Was uns zu der Frage bringt, was Klaatu da eigentlich soll? Was ist seine Aufgabe? Wenn man ein Update über den Stand der Erde wollte, hätte man einfach den asiatischen Alien anzurufen brauchen. Und zur Vernichtung der Erde hätte man schlicht Gort schicken können. Also was macht er da?

Dann gibt es einen kurzen Moment der Hoffnung: Das furchtbare Kind stirbt! Aber ein schlechter Schauspieler hilft dem anderen und so bleibt Will Smiths Sohn am Leben, um auch in weiteren Filmen zu zeigen, dass eine andere Karriere als die des Schauspielers für ihn vielleicht der richtigere Weg gewesen wäre.

Ende Gort, alles Gort

Und dann geht das Licht aus und selbst Uhren, die aufgezogen werden müssen, bleiben stehen… denn man muss ja irgendwo den Namen des Films rechtfertigen und war doch die Szene, wo alles stehen bleibt, im Original ein Angelpunkt, so werden sich die Macher gedacht haben, packen wir das, dieses starke Bild, wo nix mehr geht, ans Ende und zeigen einmal mehr, dass wir genauso wenig vom Original verstanden haben wie die Menschheit in diesem Film. Denn während sich Klaatu in den 50ern an MEHRERE Menschen wandte, haben hier allein Frau Connelly und Will Smiths Sohn die Botschaft… ach nee, die gab’s ja nicht. Tja, das macht das alles noch eine Spur sinnloser. Hätte Klaatu wenigstens irgendjemand… oder dem Präsidenten auf den Anrufbeantworter… aber den kann er jetzt nicht mehr abhören… So wird also nie jemand erfahren, warum das alles passiert ist und die Ereignisse bleiben für die Menschen genauso sinnlos, wie es der ganze Film war. Insofern ja doch irgendwie konsequent!

Halb_Fiction183

von Martin Cordemann