Neu auf DVD: Orange is the new Black – Staffel 1

Weiße, blonde Frau kommt ins Frauengefängnis. Hier wird sie nicht nur mit dem Gefängnisalltag konfrontiert, sondern auch mit verschiedenen anderen Problemen…

Der Knast

Die Serie basiert auf einem Buch, das wiederum auf den Erfahrungen einer Frau basiert, die den gleichen Vornamen hat wie die Hauptperson der Serie – man kann also davon ausgehen, dass vieles von dem, was wir zu sehen bekommen, auf der Wirklichkeit beruht… und möglicherweise auch sehr dicht an der Realität ist. Dafür scheinen einige der weiblichen Figuren – und davon hat die Serie eine ganze Menge zu bieten – vielleicht eine klitzekleine Spur zu nett zu sein, aber vielleicht entspricht auch das der Realität?!

Die Figuren

Hier fängt es an, großartig zu werden, denn „Orange is the new Black“ hat ein Ensemble, das so groß wie das von „Game of Thrones“ sein dürfte, eine Unmenge an Figuren, bei denen man zwar, wie bei „Game“, nicht unbedingt den Namen weiß, bei denen man aber genau weiß, wer sie sind. Was wir bisher nur in wenigen Fällen erfahren, ist, warum man sie ins Gefängnis gesteckt hat, aber vielleicht kommt das ja später. In der erste Staffel lernen wir sie erst einmal ein wenig kennen, für ein paar ausgesuchte Charaktere gibt es kleine Rückblicke, für die meisten gibt es die Definition über ihre Handlungen. Es gibt jede Menge Figuren und damit ein unerschöpfliches Potential an Geschichten, das in der ersten Staffel nur grob angerissen werden kann. Alle Figuren haben Kontur und Tiefe, möglicherweise mehr, als man von einer Frauenknastserie erwarten würde.

Die Besetzung

Dass wir immer wissen, mit wem wir es zu tun haben, liegt an der herausragenden Besetzung der Serie. Damit ist nicht ein immenses Staraufgebot gemeint, sondern „echte Typen“, Gesichter, die nicht austauschbar sind und dadurch im Gedächtnis bleiben. Und sie sehen nicht nur alle unverwechselbar aus, sie spielen auch hervorragend und vor allen Dingen echt, was den Realismus der Serie noch unterstützt. Zu den wenigen bekannteren Darstellern gehören Jason Biggs aus „American Pie“ und Kate Mulgrew aus „Star Trek: Voyager“ – nun hat man Captain Janeway also doch endlich für die Brechung der Zeitlinie, das Fratanisieren mit den Borg und was sie sonst noch so für Mist gebaut hat verdientermaßen ins Gefängnis gesteckt. Leider empfinde ich sie in diesem wunderbaren Ensemble eher als den Schwachpunkt, weil ich sie trotz gegenteiliger Beteuerungen ihrer Kollegen im Zusatzmaterial einfach nicht wirklich überzeugend finde und mir ihr russischer Akzent nicht so ganz schmecken will – so wie der Hauptfigur ihr Essen.

Die Serie

Orange“ wurde nicht für einen Fernsehsender geschaffen, sondern für eine Onlineplattform. Das bedeutet, dass sie sich nicht den Regeln des Amerikanischen Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens halten müssen und Gewalt und Nacktheit zeigen können – was sie auch tun. Es ist eine moderne Serie, d.h. sie besteht nicht aus einzelnen, für sich stehenden Folgen, sondern wie bei einem Roman sind die Folgen Kapitel, die aufeinander aufbauen und bis zum Ende des ersten Buches, der ersten Staffel führen. Wer Serien gerne am Stück sieht, diese hier ist perfekt dafür geschaffen!

Das Zusatzmaterial

In den kurzen Dokus und den zwei Audiokommentaren erhält man einen kleinen Einblick in die Produktion, aber auch ein wenig in die wahren Hintergründe der Serie. Schade, dass man nicht mehr der Darstellerinnen als sie selbst erleben kann, um so die Unterschiede zwischen Schauspielerin und Rolle besser zu erkennen.

Das Fazit

Großartige Fernsehserie mit einem wunderbaren Ensemble, sehr gut geschrieben, mal tragisch, mal witzig, mal spannend, immer gut! Schon jetzt eine der besten Serien der letzten Jahre und ein Muss für alle, die sich schon immer gutes Fernsehen gewünscht haben. Ab 25. Juni 2015 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: The Killing – Staffel 2

Der Fall geht weiter, das Finale der letzten Staffel fordert seinen Tribut. Nichts ist mehr so, wie es vorher war, mit einer Ausnahme: Das Mädchen ist nach wie vor tot. Doch nun scheinen sich völlig neue Perspektiven zu eröffnen, als der Mordfall immer weiter aufgerollt wird…

Fortsetzung folgt

Ja, ich habe beim letzten Mal nur durch die Blume angedeutet, dass die erste Staffel eher mit einem Cliffhanger endet als mit einer Auflösung. Der Grund war, dass ich wusste, dass Staffel 2 in Kürze erscheinen würde und man nicht allzu lange auf die Aufklärung des Verbrechens warten müsste. Was ein enormer Vorteil von DVDs ist. Manche Serien lassen sich in meinen Augen schwer auf einer wöchentlichen Basis anschauen – was daran liegt, dass Serien heute oft anders konstruiert sind als früher. Hatte man bei „Raumschiff Enterprise“, „Hart aber herzlich“ und „Starsky & Hutch“ noch Einzelfolgen, bei denen es sogar relativ egal war, in welcher Reihenfolge man sie sah, verfügen Serien heute meist über einen Handlungsbogen, der sich als roter Faden über eine komplette Staffel zieht – oder eben, wie bei „The Killing“, über einen Fall, der sich über eine komplette Staffel zieht. Oder zwei, in dem Fall. Das macht die Serie eher zu einem Roman mit aufeinander aufbauenden Kapiteln als zu einer Anthologie von Geschichten mit den selben Figuren. Und gerade etwas wie „The Killing“, das von seiner Erzählweise sehr langsam und zurückhaltend ist, kommt die Möglichkeit, es „am Stück“ zu gucken, sehr zugute.

Der Kreis öffnet sich

Nach dem Ende der letzten Staffel haben sich ein paar Dinge verändert. Die Karten werden nicht völlig neu gemischt, aber schon ein wenig anders verteilt. Dadurch ändert sich auch ein wenig die Richtung der Serie. War es vorher ein Krimi, der sich auch damit beschäftigt, wie es den Opfern geht, wird das ganze hier mehr und mehr zu einem verzwickten Politspiel, bei dem man schnell die Übersicht verlieren kann, wer für wen oder gegen wen für was oder gegen was spielt. Der Punkt ist: Was zunächst wie ein kleiner Mord wirkte, bekommt nun eine weit größere Dimension und scheint sich als etwas zu entpuppen, hinter dem weit mehr steckt, als man zunächst angenommen hat. Während sich die erste Staffel weit stringenter und geschlossene anfühlte, driftet es hier ein wenig auseinander und wird – leider – auch ein wenig konventioneller.

Der Kreis schließt sich

Doch all das lohnt sich, denn wir erhalten am Ende die Auflösung, wer Laura Palmer, äh, Rosie Larsen ermordet hat. Und das ist… möglicherweise nicht unbedingt das, was man erwartet hat.

Nachtrag: Bonus

Der letzte Videoeintrag von Rosie Larsen bringt uns zum Abschluss noch einmal die Person näher, deren Tod alle Ereignisse ausgelöst hat. Außerdem gibt es ein schönes Making of, in dem die ersten beiden Staffeln von den Verantwortlichen noch einmal auf interessante Weise aufgerollt werden.

Fazit Peaks

Wer also von der ersten Staffel „The Killing“ begeistert war und nun wissen möchte, wer wirklich für den Mord verantwortlich ist, der kommt um die 2. Staffel einfach nicht herum. Es bleibt gute Unterhaltung, die nicht ganz an die erste Staffel herankommt, aber doch weit über dem üblichen Fernsehniveau liegt. Ab 9.10.2014 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: The Equalizer

Ein ruhiger Mann ist nicht ganz einverstanden damit, wie die Jungs von der russischen Mafia mit einer ihrer Prostituierten umgehen. Er stattet ihnen einen kleinen Besuch ab und gibt ihnen eine Wahlmöglichkeit. Von da an nehmen die Ereignisse ihren Lauf…

Der Exkursionalizer

Meinen ersten Kontakt mit dem „Equalizer“ hatte ich vor vielen, vielen Jahren bei einer Sprachreise in England. Es muss so um 1987 herum gewesen sein und dort lief die Serie, die es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht nach Deutschland geschafft hatte, jedenfalls nicht in mein Programm. Als ich sie dort sah fand ich sie richtig gut und wollte mehr sehen… aber als es dann irgendwann dazu kam, war die Faszination ein wenig geringer geworden. Heutzutage ist es ein Kinderspiel, sich selbst ein Bild von der Qualität der Serie zu machen, denn diverse Staffeln davon sind bereits auf DVD erschienen. Die Hauptrolle spielte damals Edward Woodward… dessen Platz im neuen Kinofilm nun Denzel Washington einnimmt.

Zwei Oscars, ein Gesichtsausdruck

Ich bin nachweislich kein Fan von Herrn Washington, der aus mir noch immer unerklärlichen Gründen zwei Oscars sein Eigen nennen darf, während weit bessere Kollegen bislang leer ausgegangen sind. Trotzdem muss ich leider gestehen, dass er mich in diesem Film nicht stört. Eigentlich passt seine unmimische Art ganz gut zu der Rolle, die er hier verkörpert. Zwischenzeitlich habe ich mich gefragt, ob der Film mit dem Rache erprobten Mel Gibson vielleicht zu einem meiner Lieblingsfilme hätte werden können, doch möglicherweise ist Washington hier tatsächlich nicht ganz fehlbesetzt… obwohl wir mit Gibson vielleicht um das Gepredige am Anfang herumgekommen wären.

The Taxi Driverliza

Schon an dieser Stelle gebe ich zu: Ich mag den Film. Er ist zwar schweinemäßig brutal an manchen Stellen, er ist hart und hart gesotten, aber er ist wirklich ziemlich gut. Größtenteils. Am Ende hätte man die Szene, die ein wenig so wirkt, als wäre es die Hardcore-Actionversion von „Hör mal, wer da hämmert“ mit einer extrem tödlichen „Tool Time“, schon ein wenig kürzen können… und der Anfang des Films… na ja. Sicher, ich verstehe, was sie da machen wollen, die Figuren einführen, ihn vielleicht als extrem ruhigen Mann zeigen, damit alles, was danach kommt, umso überraschender wirkt… aber so richtig funktioniert das nicht. Washingtons Gepredige über vernünftiges Essen kommt ein wenig von oben herab und ihn als besonderen Gutmenschen zu zeigen, soll vielleicht auch die Fallhöhe bringen, wirkt aber zu sehr wie typische Denzl Rollen.

Abgesehen davon scheint der komplette Anfang eine Nacherzählung von „Taxi Driver“ zu sein, fehlt nur noch, dass einer der Russen sagt: „Hey Freak, du kannst doch hier keine Kohle rausholen.“ All das ist weder originell noch besonders unvorhersehbar – ja, es ist der Anfang, der alles ins Rollen bringt, aber das hätte man evtl. auch einfacher und kürzer lösen können.

Und es bringt noch einen weiteren Schwachpunkt des Films: Chloe Grace Moretz spielt die Jodie Foster Rolle – und ist furchtbar! Sie war wirklich gut in „Kick-Ass“, in „My Name Is Earl“ und in „30 Rock“, aber hier wirkt sie fast, als hätte sie alles, was sie mal zu einer guten Schauspielerin gemacht hat, vergessen. Was schade ist. Bill Pullman ist übrigens auch im Film… aber am Ende fragt man sich, wieso. Was ebenfalls schade ist. Mit ihm hätte man mehr machen können… oder überhaupt was.

Brutale Abrechnung

Relativ früh wird der Film relativ hart. Ziemlich hart. Ich glaube, die angestrebte 16er Freigabe dürfte ein wenig illusorisch sein. Denn zu Beginn gibt es zumindest zwei Szenen, die dem zarter besaiteten Zuschauer an die Substanz gehen könnten. Aber sie erfüllen einen Zweck: Man weiß, wie Washington arbeitet, d.h. mit welchen „Werkzeugen“ er was erreicht. Was den Vorteil hat, dass man später nur noch Andeutungen machen muss, das eine oder andere Gerät zeigen, und man weiß, was da abgelaufen ist – oder ablaufen wird. Und das ist clever und sehr schön.

So richtig angefangen hat der Film für mich, nachdem der „Taxi Driver“ Einstieg abgearbeitet war und sich Held und Bösewicht das erste Mal Auge in Auge gegenüberstehen. Das ist eine klasse Szene, denn sie zeigt die beiden als ebenbürtige Gegner – was alles, was danach kommt, umso spannender macht. Martin Czokas spielt diesen Bösewicht und er ist hier weit charismatischer als in „XXX“, wo er eher so was wie die Prollvariante von dieser Rolle gibt… so wie der ganze Film ja auch eher so was wie eine Prollvariante von Bond ist.

Der Fazitalizer

Hart, brutal, clever, nicht unbedingt subtil, aber auf keinen Fall ärgerlich. Laut Pressematerial haben die Filmemacher nur die Prämisse und den Namen der Serie übernommen, wer also ein 1:1-Remake seiner Lieblingsserie erwartet, dürfte möglicherweise eher enttäuscht werden. Aber: Auf jeden Fall nix für Kinder! Oder Leute, die mit grober Gewalt Probleme haben, denn das ganze mutiert streckenweise zu einem Slasherfilm an Bösewichten. Wer das jedoch mag, könnte eine Menge Spaß haben. Ab 9. Oktober 2014 im Kino.

Die Vorhersage von morgen…

Eigentlich von heute für morgen, aber wer würde so spitzfindig sein? Ich, okay, da haben Sie natürlich recht. Also werfen wir einen kleinen Blick in die Zukunft – im wahrsten Sinne des Wortes. Und sogar im doppelten Sinne. Denn uns stehen mehrere Science Fiction Filme ins Haus und wenn man über etwas hervorragend spekulieren kann, dann doch wohl darüber!

Star Wars 7

Zum derzeitigen Zeitpunkt kann man noch nicht viel über den Film sagen, aber ich wage eine Prognose, wie die Kritiken ausfallen werden. Etwas frühzeitig, finden Sie? Nun, definitiv. Aber ich würde gerne sehen, ob ich recht habe. Abgesehen davon behaupte ich mal – was zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt gegeben wurde – dass Max von Sydow Obi-Wan Kenobi spielen wird, weil seine Besetzung für diese Rolle durchaus einen gewissen Sinn ergeben würde… aber schauen wir mal, ob ich mich da nicht irre.

Kommen wir zu den Kritiken des Films, die da kommen werden. Ich behaupte, sie werden sagen, dass der Film besser ist als Episode I-III. Das ist keine sehr gewagte Behauptung, denn George Lucas hat mit seinen drei Prequels die Latte so dermaßen tief gehängt, dass der Film fast zwangsläufig nur besser sein kann! (Auch da besteht die Möglichkeit, dass ich mich irre… besonders, seitdem wir „Star Trek Into Darkness“ gesehen haben!) Also werden die Kritiken ihn schon (und vielleicht nur) deswegen loben… ob das nun stimmen mag oder nicht.

Da J.J. Abrams Regie führt, wird der Film wahrscheinlich zum Großteil aus Laufen, Springen, Schreien bestehen, aber so sind Filme heute nun mal. Es ist unwahrscheinlich, dass er so schlecht ist wie die Prequels und es ist unwahrscheinlich, dass er so gut ist wie die ersten beiden alten („Jedi“ lassen wir mal außen vor). Das Schlimmeste, was man möglicherweise über ihn wird sagen können, ist, dass er irgendwie… unbedeutend ist. Und die Gefahr ist durchaus da. Zumal sie durch eine andere Gefahr verstärkt wird: Möglicherweise wird man versuchen, es den Fans der alten Filme recht zu machen… und den Fans der neuen Filme… und den Fans der „Clone Wars“. Wir wissen alle, wenn man versucht, es möglichst vielen recht zu machen, kommt meist Murks dabei raus. Also kann es durchaus so kommen, dass man versucht, es allen recht zu machen und macht es dabei niemandem recht. Ein Kompromiss ist eben, wenn anschließend niemand zufrieden ist. Ich bitte das nicht als Vorverurteilung anzusehen, sondern als reine Möglichkeit, was passieren kann. Also, lassen wir uns überraschen… und schauen hinterher, ob ich mit irgendeiner meiner Prognosen richtig lag.

Avatar 2 bis 15

Ganz ehrlich, zu „Avatar“ hab ich eigentlich nicht viel zu sagen. Ich bin kein großer Fan des ersten Teils, aber, obwohl ich die Handlung banal und öde finde, muss ich Cameron hier von einem Standpunkt aus in Schutz nehmen: Er hat eine Menge Geld in etwas gesteckt, dass toll aussehen soll. Und das tut es. Tricktechnisch ist der Film großartig. Wenn man aber eine Menge Geld in etwas investiert, dann will man auch gerne was davon zurückbekommen. Und, seien wir ehrlich, das tut man nicht, wenn man eine originelle Geschichte erzählt! Originelle Geschichten sind Kassengift, wenn man erfolgreich sein will, muss man die Handlung so flach und blöd wie möglich halten. Das hat er hier gemacht und das hat – finanziell – super funktioniert.

Was die Fortsetzungen angeht, so gäbe es eine Möglichkeit, in der sich James Cameron als großartiger… Künstler erweisen könnte. Für gewöhnlich, wenn der erste Teil erfolgreich war und man dann eine Trilogie ins Auge fasst, kann der zweite Teil nicht für sich allein stehen, sondern endet so, dass er durch den dritten Teil aufgelöst werden muss (war bei „Star Wars“ und „Herr der Ringe“ so, dürfte aber auch bei „Fluch der Karibik“ so gewesen sein). Cameron würde unglaublich in meiner Achtung steigen, wenn er dieses Korsett durchbrechen würde. Die Fans gucken sich das sowieso an, also braucht er auf diesen Zug nicht aufzuspringen. Wenn er es also tatsächlich wagen würde, dass Teil 2 eine in sich geschlossene Handlung hat und Teil 3 eine weitere, in sich geschlossene, so dass die Filme auch einzeln stehen könnten, das wäre… wirklich cool.

Star Trek…

Ach komm, machen wir uns nichts vor, bei „Star Trek“ werden sie, weil ihnen nix neues einfällt, obwohl sie sich die Basis dafür geschaffen hatten, neue Wege zu beschreiten (welche Ironie, welche Verschwendung) wahrscheinlich in einem der nächsten Filme die Borg als Gegner auftauchen lassen… seufzzzzz!

Die nackte Kanone

Und dann scheint es noch Gerüchte zu geben, dass Ed Helms in einem neuen „nackte Kanone“ Film möglicherweise die Rolle des Frank Drebin übernehmen soll? Nicht, dass man da gegen Leslie Nielsen nicht nur verlieren kann (es sei denn, man geht in eine völlig andere Richtung und macht daraus einen ersten Film… hmmm), aber ich hätte da einen Besetzungsvorschlag für Nordberg: Oscar Pistorius! Immerhin war es in den anderen Filmen Sportler und Frauenmörder O.J. Simpson, also wäre der Südafrikaner doch der perfekte Kandidat für die Rolle… obwohls vielleicht n bisschen Typecasting wäre. Aber lustig wärs schon – und das wird der Film ja wohl wahrscheinlich eher nicht werden. Naja, schauen wir mal, was die Zukunft so bringen wird!

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von Martin Cordemann

Auf dem Weg zum Einheitsbrei

Früher, ganz früher, gab es noch klare Trennungen. Also bei Filmen und Genres. Da versuchte man sich voneinander abzuheben, etwas besonderes, Eigenständiges zu sein. Eben um damit zu punkten, dass man Dinge tat, die einen von den anderen abhoben… bevor sie dann von anderen kopiert wurden, um ebenfalls auf der Erfolgswelle mitzuschwimmen. Doch heute scheint es das nicht mehr zu geben, heute klaut nicht nur der eine ungeniert beim anderen (gut, das gab es auch früher schon), aber aus irgendwelchen Gründen versucht man immer mehr, andere zu immitieren – obwohl man selbst eigentlich eine feststehende Marke ist.

Mein Name ist Bond, Jason Batman

Dass es wohl Parallelen zwischen Jason Bourne und James Bond gab, dürfte man an den Initialen der Figuren relativ klar ablesen können. Aber inzwischen verschwimmen auch hier die Grenzen ziemlich stark und ziehen sogar Nolans Batman mit hinein. Das liegt wohl daran, dass die Bond Macher nicht mehr Wegweiser sind, sondern schlicht und einfach kopieren, was erfolgreich ist. Was bei Jason Bourne gut funmktioniert hat, ist für Bond nun auch gut genug. Action, Kämpfe, Epilepsie verursachende Schnitte, alles. Dann kommt Christopher Nolan mit einem Neustart für Batman daher und auch das wird dann bei Bond einfach mal aufgegriffen (oder sollten wir sagen übernommen?).

All das wäre ja vielleicht noch erträglich, wenn Bond dann nicht auch noch auf das einzige verzichten würde, was ihn einzigartig gemacht und über die Jahre begleitet hat: die Musik. Dass man bei einem vom Kanon (sollte da so was überhaupt existieren) losgelösten Batman auf die Titelmusik der 60er Jahre Fernsehserie verzichtet, ist nachvollziehbar – zumal man Nolans Trilogie als in sich abgeschlossene Geschichte betrachten kann, die für sich steht und keinerlei Kontakt zum „eigentlichen“ Batman Universum hat (ähnlich wie „The Dark Knight Returns“).

Bei Bond ist das jedoch anders, Bond war immer eine irgendwie fortlaufende Reihe – man hätte eine für sich stehende Trilogie im Stile Nolans machen können, aber das hat man eben nicht. Und so sind wir an einem Punkt angekommen, wo Bond agiert wie Jason Bourne und aussieht wie ein Bauarbeiter – untermalt von einer Musik, die auch von Hans Zimmer stammen und aus einem der Batman Filme sein könnte, aber eben mit Bond nichts zu tun hat. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen den Figuren und den Filmen, aus allem wird ein Einheitsbrei, bei dem es auf Dauer schwierig werden wird, zu erkennen, wessen Abenteuer man eigentlich gerade verfolgt. Leider ist das Agentengenre da keine Ausnahme.

Es war einmal vor langer Zeit in einem Weltraum, unendliche Weiten…

Man kann „Krieg der Sterne“ vorwerfen, dass er sich bei vielem bedient (geklaut) hat, z.B. beim „Herrn der Ringe“, aber „Star Trek“ war damals komischerweise noch nicht dabei. Doch das hat sich inzwischen geändert. Denn man kann nun beim neuen „Star Trek“ von J.J. Abrams starke Anleihen bei „Star Wars“ erkennen – die im Audiokommentar sogar frei zugegeben werden. Das kann man für Figuren genauso sehen wie für das Aussehen mancher Szenen – sogar für die „Handlung“, denn aus der Entdeckungsreise der alten Serie ist inzwischen ein fast reines Geballer geworden.

Da sich Trek Wars nun also stark angenähert hat, was darf man dann von einem „Star Wars“ Film erwarten, der ausgerechnet von diesem Regisseur gemacht wird? Wenn Trek inzwischen also größtenteils wie Wars wirkt, wie wird dann das neue Wars wirken? Wahrscheinlich wie bei Bond und Co.: Die Linien verwischen, alles wird zu einem einfarbigen Matsch… jedenfalls ist mit so was wohl zu rechnen. Aber vielleicht geht das ja noch weiter und wir bekommen irgendwann einen „Captain James T. Bond der USS Millenium Enterprise“… aber wenigstens brauchen wir dann nicht mehr so viele Filme zu sehen!

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von Martin Cordemann

Dumme Filmklischees fürs Poesiealbum

– Denn es hört und hört nicht auf…

…mit den dummen Klischees! Aber vielleicht ist das ja vorerst die letzte Episode.

Kein Vorspann

Beim Fernsehen ist es ja zu verstehen, dass die meisten Serien inzwischen auf einen Vorspann verzichten. Wir erinnern uns noch, dass es bei „Raumschiff Enterprise“ nicht nur einen Vorspann gab, sondern auch noch einen Prolog, der vor dem Vorspann gesprochen wurde. Aber das war auch eine Zeit, in der Fernsehepisoden noch 48 Minuten lang waren. Zu Zeiten von „Star Trek: The Next Generation“ war man dann auf etwa 44 Minuten runter und heute sind viele Episoden nur noch um die 40 Minuten lang. Das schafft… mehr Platz für Werbung, richtig! Auf der anderen Seite kürzt das dann natürlich auch die Länge für Handlung. Was wohl der Grund ist, dass einige Fernsehserien heutzutage auf einen ausgedehnten Vorspann verzichten und nur zu einer kurzen Musik den Namen der Serie einspielen, die Namen der Darsteller etc. dann aber über die danach beginnende Handlung legen (z.B. „Lost“). Bei „Two and a half Man“ konnte man übrigens am Vorspann erkennen, wie viel den Machern für die jeweilige Folge eingefallen ist, denn wenn die Episode alles an verfügbaren Platz für die Handlung brauchte, fiel der Vorspann kurz aus, wenn nicht, dann gab es den langen.

Warum es sich inzwischen auch bei Filmen eingebürgert hat, dass man kaum noch einen Vorspann und manchmal nicht mal den Titel des Films erhält, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Könnte aber an der mangelnden Aufmerksamkeitsspanne des Publikums liegen, weil man vielleicht denkt, dass man die verliert, wenn’s nicht andauernd kracht und bumst, also lieber gar nicht erst mit viel Text (Vorspann) ablenken – oder man geht davon aus, dass von der Zielgruppe eh keiner mehr lesen kann und schenkt sich das dann einfach, um sie nicht zu überfordern. Auf der anderen Seite… Nachspänne bei Filmen scheinen inzwischen jeden, wirklich jeden auflisten zu müssen, auch wenn er nur mal Kaffee geholt oder dem Star den Hintern abgewischt hat – was dazu führt, dass 5 bis 10 Minuten Abspann inzwischen keine Seltenheit mehr sind. Unter dem Gesichtspunkt kann ich dann tatsächlich verstehen, dass man auf einen Vorspann verzichtet!

Episodentitellosigkeit

Neben keinem Vorspann gibt’s dann oft auch keinen Episodentitel mehr. Jedenfalls keinen sichtbaren. Bei der Ausstrahlung. Sowohl in der InternetMovieDataBase (imdb.com) als auch im Begleitheft zur DVD kann man zwar oft einen Titel nachlesen, aber die Zeiten, in denen der Titel zu Beginn der Folge eingeblendet wurde, scheint – bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. Serien von Aaron Sorkin – weitgehend vorbei zu sein.

CGI vs. Modelle

Durch Computer Generierte Effekte (CGI) wurde, nachdem die halbwegs ausgereift waren, vieles möglich, sogar Dinge, die in der Wirklichkeit völlig unmöglich sind. Für die Realisierung von Phantasien (eine Nacht mit Angelina Jolie) ist das natürlich phantastisch, aber es hat auch einen Nachteil: Manchmal wirkt es einfach völlig unecht! Und zwar auf eine idiotische Art und Weise. Wenn man in einem Bond-Film ein Auto zum U-Boot machen wollte, aus dem auch noch Raketen abgeschossen werden, dann musste man das bauen. Mit Modellen. Selbst mit verschiedenen Modellen (eins für die Umwandlung zum Boot, eins zum Abschießen der Raketen, eins zum Tauchen…), aber diese mussten gebaut werden und den Zweck erfüllen, für den sie da waren, d.h., wenn eine Schiffsschraube aus dem Heck kommen sollte, dann musste man die da auch irgendwie einbauen. Heute löst man so was per Zauberstab mit einem einfachen Computereffekt. Der angesprochene Nachteil ist: In so ein nichtexistierendes Auto kann man viele nichtexistierende Dinge reinpacken, weil die ja keinen Platz wegnehmen. Deshalb sieht man dann gerne in Science Fiction Filmen Dinge, die einfach physikalisch unmöglich sind, weil das, was sich da aus dem Raumschiff herausblättert, dort nie auch nur ansatzweise hineingepasst hätte. Bei einem echten Modell mussten die Spezialisten alles so bauen, dass das auch irgendwie gepasst hat – und das ist heute einfach nicht mehr nötig. So zeigen uns die Stare Trek und Wars Dinge, bei denen sich computeranimierte Segel entblättern, die so phantastisch aussehen, dass sie schlicht so unrealistisch wirken, wie sie sind. Denn man kann’s ja machen. In solchen Fällen wünsch ich mir echt die alten Modelle wieder!

Computervandalismus

Und wo wir schon mal bei Computern sind, wenn jemand in einem Film aber mal so richtig sauer auf seinen Computer ist, dann haut der dem aber ganz feste eine rein. Auch, um die Daten, die man nicht an die andere Seite kommen lassen will, zu zerstören. Das Problem ist: Die meisten Leute hauen kräftig gegen den Bildschirm. Das… bringt dann nicht so irrsinnig viel. Es sei denn, man will die Bildschirmindustrie vorantreiben. Will man aber die Daten vernichten, täte man eigentlich besser daran, den anderen Teil des Computer zu demolieren, in dem sich Prozessoren, Festplatte und das ganze Zeugs befinden. Aaaaber… das sähe wahrscheinlich weit weniger spektakulär aus!

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von Martin Cordemann

Feuerball

Die große James Bond Retrospektive

Größer, lauter, bunter, weiter – das, was heutzutage allen Hollywoodfilmen zugrunde zu liegen scheint, wird schon im vierten Bond Film zelebriert. „Feuerball“ verlässt sich weniger auf seine Figuren als vielmehr auf seine Effekte – Unterwassereffekte, um genau zu sein. Was schade ist, da der Film ansonsten eine durchaus solide Handlung hat. Aber die Filmemacher sind inzwischen aus der Phase des Experimentierens heraus und in der Phase des Angebens angekommen. Sie wollen zeigen, was sie alles können. Und so wird „Feuerball“ streckenweise zu einer selbstverliebten Zurschaustellung dessen, was möglich aber nicht nötig ist. So gesehen ist es teilweise schon fast eine Art Kunstfilm, der uns mit glanzvoll präsentierten Unterwasseraufnahmen von Taucherschlachten… langweilt. Mich zumindest.

Auf der Habenseite

Was der Film hat – und was den Büchern eher fehlt – ist Connery und damit Humor. Connery verleiht der Figur einen Witz und eine gewisse Leichtigkeit, während Bond in den Büchern teilweise eher charakterlos wirkt, besonders bei John Gardner. Doch Connery schafft es, dem Agenten ein wenig Kontur und ein leises Augenzwinkern zu geben. Zwei sehr schöne Details in diesem Film sind das Werfen der Blumen auf den Gegner, den er gerade umgebracht hat und sein kleiner Schlenker hinüber zum Früchtekorb, um sich vor seinem Verschwinden aus dem Zimmer, in das er eingebrochen ist, noch eine kleine Weintraube zu stibitzen. Das ist nett und lockert das ganze ein wenig auf.

John Barry liefert wieder einen hervorragenden Soundtrack ab, der einmal mehr Titel und Bond Thema perfekt miteinander verwebt. In der U-Wasser-Schlacht greift er dann auch noch mal auf sein 007 Thema zurück, aber das kann hier auch weder retten noch helfen. Auch der Titelsong von Tom Jones kann sich hören lassen.

Was die hauseigenen Bond Klischees angeht: die schlechten Rückprojektionen bleiben sich treu, der Hut ist da… aber Bond wirft ihn nicht, obwohl er dazu ansetzt. Doch er überlegt es sich anders und muss dann, statt in Ms Büro, in einen offenbar von Ken Adam gebauten Saal, um sich dort mit allen in Europa befindlichen Doppelnull-Agenten zu treffen. Ich glaube, es gibt dort neun Stühle und er, der er verspätet kommt, nimmt auf dem siebten Stuhl Platz.

Scham statt Charme

Während Bond sonst eigentlich eher seinen Charme einsetzt, um Frauen rum zu bekommen, oder seinen haarigen Oberkörper, ist das hier schon eher sexuelle Nötigung. Erst zwingt er der jungen Dame im Sanatorium einen Kuss auf, dann erpresst er sie zu Sex in der Sauna… schwierig!

Dann trifft Bond auf ein Paralleluniversum, so scheint es jedenfalls. Nachdem er das Sanatorium verlassen hat, folgt ihm Graf Lippe, der wiederum von Fiona Volpe verfolgt wird – die jedoch fährt auf einer anderen Straße. Nun gibt es ein reges hin und her, in der das Paralleluniversum mit Fiona irgendwie in das mit Bond eindringt, die beiden überlappen sich, und sie schafft es von ihrer Straße, auf der sich Trennlinien befinden, Graf Lippe abzuschießen, der sich eindeutig auf einer Straße ohne Markierungsstreifen befindet. Der erste Fall von überdimensionalem Attentat in der Bond Reihe. Nächste Station: Zeitreise!

Bond Bullshit

Wir hatten ja schon die Bond Mythen angesprochen, die irgendwelche Leute in die Welt gesetzt haben, die sich bei näherer Betrachtung dann aber als Bullshit erweisen. Also, was haben wir hier davon?

Der Teaser steht in keiner allzu großen Verbindung zum Film, das ist richtig, aber Bond tötet darin einen Agenten von SPECTRE, auf den später im Film von Blofeld kurz eingegangen wird. Hat keine große Bedeutung für den Film, ist aber auch nicht völlig losgelöst.

Martine Beswick, eine der beiden Zigeunerinnen aus „Liebesgrüße“, kehrt als britische Agentin zurück und ist damit das zweite Bondgirl im weiteren Sinne, das in zwei Filmen – und in unterschiedlichen Rollen – auftaucht. (Moneypenny und die spätere M wollen wir in diesem Spiel einfach mal übergehen.)

Bond wird nie verletzt – ich glaube, auch das wird gerne gesagt. Und dass Daniel Craig in „Casino Royale“ der erste Bond war, dem man auch angesehen hat, dass er auf die Fresse gekriegt hat. Nun, das stimmt nur halb. Natürlich sind die Verletzungen im Gesicht neu, aber die sind in gewisser Weise eigentlich „Stirb langsam“ geschuldet, in dem das Actiongenre sich dazu bekannte, dass Helden auch verletzlich sein und das auch zeigen können. Also ohne „Stirb langsam“ keine zerbeulte Fresse bei Craig. Was Verletzungen angeht, so trägt Bond jedoch schon in „Die Welt ist nicht genug“ einen Verband – und hier in „Feuerball“ hinkt und blutet er stark genug, dass das seine Feinde auf seine Fährte lockt. Dass Bond nie vorher sichtbar verletzt war ist also mal wieder Bullshit!

Zukunftsweisende Ideen und neue Traditionen

In seiner Hochphase war Bond nicht nur für schicke Mädels und exotische Orte bekannt (oder waren es schicke Orte und exotische Mädels?), sondern auch für die Gimmicks, die ihm dabei halfen, seine Fälle zu lösen – also Leute umzubringen. Hier haben wir den Raketenrucksack (den wir alle schon seit dem Jahr 2000 im Haus haben und mit dem wir täglich zur Arbeit fliegen… oder nicht?) und das kleine Atemgerät, mit dem man vier Minuten lang unter Wasser atmen kann. Letzteres definitiv eine Erfindung des Films, wie so viele andere Gimmicks, die noch folgen sollten. Natürlich nahm auch das irgendwann überhand und Bond gebrauchte weniger seinen Verstand als vielmehr die kleinen Spielereien, aber doch waren sie eins: Inspirierend! Denn nun kamen die Gemeindienste… Geheimdienste auf die Idee, dass solche Sachen ja vielleicht ganz toll wären und begannen, selbst so etwas zu entwickeln. Damit haben die Bond Filme also zu neuen Entwicklungen geführt – eine Tatsache, der die neuen Filme nur ins Gesicht furzen mit der Bemerkung: „Explodierende Füllfederhalter machen wir nicht mehr.“ Ja, und das ist ein echtes Armutszeugnis, das eher gegen als für euch spricht, ihr uninspirierten Arschlöcher!

Zudem wird hier eine neue Tradition eingeführt: Endkämpfe, die mich zu Tode langweilen! Hier in Exzession betrieben, später vielfach kopiert. Es gibt einige Filme, die ich recht gut finde – bis wir zur Endausscheidung kommen. Und dann muss wieder auf die Explosionsdrüse gedrückt werden, hier und da fliegt was in die Luft, alles muss überdimensioniert sein, weil dumme Leute denken, dass mehr Explosionen mehr Spannung sind – seufz!

Unterm Wasser… Strich!

Tja, nicht unbedingt mein Lieblingsfilm aus der Reihe. Zu lang, zuviel Wasser, das meiste davon unter. Auf 110 Minuten runterkürzen hätte hier möglicherweise helfen können. Auch Largos englischer Synchronsprecher sagt mir nicht so zu, da würde ich dann doch Martin Hirthe in der deutschen Fassung vorziehen.

Am Schluss gibt es dann noch einen schönen – gut von Barrys Score untermalten – Bond Moment, der wirklich gelungen ist… aber leider auch absolut sinnlos!

— Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —

— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

Der Film ist schmissig, ich mag „Feuerball“! Der komplette Film ist straff, effektiv und clever inszeniert. Ohne Fett anzusetzen verfolgt er eine intelligente Dramaturgie und geht gekonnt mit Pointen um.  Bis zur Filmminute 108. Was der Haken an vielen Bondfilmen ist – das große Finale verkommt zum langweiligen Feuerwerk. Dennoch vielleicht der Bond mit den meisten coolen Sprüchen!

Ein toller Vorsetzer mit dem Klasse-Detail der hingeworfenen Schnittblumen auf den endlich erledigten Feindagenten (3. Filmminute)! Wundersamerweise ist der in „Goldfinger“ geschrottete Aston Martin als Fluchtwagen zur Stelle. Tom Jones passt als Titelsänger von „Thunderball“ gut zu Bond, wie ich finde.

Schöner Spannungsmoment in der 10. Minute: Bei Blofelds Gangster-Kaffeekränzchen geht ein Stuhl hoch und erledigt einen untreuen Dunkelmann. Und wieder ein freches Detail in der 13. Minute: Der einbrechende Bond schnappt sich eine Traube vom Obstteller. Gleich wird er noch mehr vernaschen! Die Masseurin im Sanatorium nämlich (nachdem er auf einer elektrischen Streckbank beinahe zu Tode gekommen wäre). Dass muss Bond-Humor sein: Nach der Streckbank läuft das Schäferstündchen umso besser. Übrigens die erste Sexszene meines Lebens. Die Fantasie eines Jugendlichen lief so heiß wie das Dampfbad, in welchem der Akt stattfindet (ganze 2 Sekunden).

Der nächste kesse Moment in Minute 17: Bond zahlt es dem Attentäter genüsslich heim, indem er ihn in einem Saunatopf schmoren lässt. Nächster schöner Überraschungsmoment ist der Auftritt des Doppelgängers in Minute 19. Die sich anschließende Infiltration des falschen Majors wirkt noch heute frisch.

Brüllerzitat in Minute 36, Abschied von der Masseurin: „Wir sehen uns wieder“ – „Wann du willst und wo du willst, James“ – „Ich will eigentlich immer, hab nur so wenig Zeit“. Im Anschluss macht Bond große Augen, als ein Blofeld-Bediensteter auf Motorrad Bonds Verfolger aus dem Weg räumt, ehe Bond selber seinen Aston Martin tricksen lassen kann. Man muss auch mal anderen den Vortritt lassen. Und direkt eine Pointe hinterher: Bei Eintritt in Moneypennys Büro kann Bond seinen Hut nicht an den Garderobenständer segeln lassen, weil dieser neben die Tür verschoben wurde. Enttäuscht hängt er ihn einfach auf.

Die Ankunft in Nassau ist business as usual: Frau angraben, Spielcasino, Dinner mit Angeberchampagner. 53. Minute: Hübsch inszeniert das visuelle Rückverfolgen der Tonbandaufnahme durch eine subjektive Kamera (und das Überraschung eines Gangsters in der Dusche). Dann schaut Q vorbei, immer schön, diesmal trägt er sogar ein Hawaii-Hemd!

Felix-Leiter-Darsteller Rik van Nutter wirkt sehr wie das Vorbild der Parodie im zweiten OSS 117-Film („Er selbst ist sich genug“), stimmt mich spontan heiter. 64. Minute: Bond macht Bekanntschaft mit dem „bad girl“ des Films – wie heißt sie eigentlich? Fiona.

70. Minute: Largo stellt seinen Henchman „Mr. Vargas“ vor: „Unser Freund Vargas trinkt nicht, raucht nicht und er liebt nicht. Was tust du nur, Vargas?“ – ich tät spontan auf Systemadministrator tippen… Ist Vargas der erste Nerd der Bondgeschichte?! Jedenfalls tötet er wenig später eine CIA-Mitarbeiterin (wie, bleibt unklar, wahrscheinlich hat er sie zu Tode gelangweilt).

Atemloser, großer Moment in Minute 77: Die Haie werden zu Bond in den nächtlichen Pool gelassen, schwimmen jedoch lautlos an ihm vorbei, weil er ihnen ein anderes Opfer kredenzen kann.

83. Minute: Bond kann seinen Häschern (zu denen sein Bad-Girl-Hascherl zählt) entkommen, wird aber angeschossen und blutet! Man hat Bond selten bluten sehen, oder? Kurz darauf ein Schock im „Kiss Kiss Club“. Bond entledigt sich Fionas: „Darf ich meine Freundin hierher setzen? Sie belästigt sie nicht. Sie ist nämlich tot.“ Wie blöd sind diese Gangster?! Erschießen die falsche Person auf der Tanzfläche. Schade. Das war eine starke Frau. Zu stark???

93. Minute: Unterwassersex Bond mit Domino. „Hoffentlich haben wir die Fische nicht erschreckt“. Tja, gutes Argument. Für die Herstellung dieses Films wurden keine Fische erschreckt. Aber wenige Minuten zuvor ein Haifisch erschossen! Und in Minute 96 noch Vargas harpuniert. Bleibt noch Largo übrig. Und 27 Minuten Restfilm. Oja, wir wissen, was gleich kommt. Die große große Unterwasserschlacht. Ab Minute 108 geht es los. Das ist schon ein imposantes Gewimmel und durchaus gut gemacht. Die leicht kirmesartige Musik nervt allerdings, wie ich finde. Filmschluss in der 122. Minute: Bösewicht Largo wird nicht von Bond, sondern von Domino gekillt. Aber sie hatte ja auch noch ein Hühnchen zu rupfen…

Feuerball (1965)

Originaltitel: Thunderball

Regie: Terence Young

Musik: John Barry / Titelsong: Tom Jones

James Bond: Sean Connery / G.G. Hoffmann

Domino: Claudine Auger / Rosemarie Kirstein

Largo: Adolfo Celi / Martin Hirthe

Patricia: Molly Peters / Marianne Mosa

Fiona: Luciana Paluzzi / Margot Leonard

Felix Leiter: Rik Van Nutter / Michael Chevalier

Innenminister: Ronald Culver / Curt Ackermann

Graf Lippe: Guy Doleman / Rainer Brandt

(Blofeld: Joseph Wiseman / Wilhelm Borchert)

und

M: Bernard Lee / Konrad Wagner

Q: Desmond Llewellyn / Harald Wolff

Moneypenny: Lois Maxwell / Lola Luigi

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mit

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