Neu im Kino: Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman

Die Geschichte eines Mannes mit komischem Namen, der mit seinem Sherman-Panzer durch die Nachbarschaft fährt und Abenteuer erlebt… das wäre bestimmt ein ganz anderer Film geworden. Und bestimmt keiner für Kinder! Ganz ehrlich, ich bin hier nicht die Zielgruppe. Denn dieser Animationsfilm aus dem Haus DreamWorks ist

Zeitreise für Kinder

Ein cleveres Hundchen hat nicht nur einen Jungen adoptiert, sondern auch eine Zeitmaschine gebaut. Dass das zu Komplikationen (und Abenteuern) führt, versteht sich von selbst. Und da der „Vater“ ein Hund ist, der Sohn aber kein „Hund“ sein will, gibt es auch da natürlich eine Erkenntnis/Entwicklung, wie sich das in einem solchen Film wohl gehört. Das ganze ist amüsante Unterhaltung, die bei Kindern bestimmt den richtigen Nerv trifft, aber auch die eine oder andere Anspielung beinhaltet, die sich wahrscheinlich eher an die begleitenden Erwachsenen richtet.

Der Film – und das kann man ja heutzutage nicht über jeden Film sagen – weiß, was er tut. Das zeigt sich besonders in der Schlussszene, die uns nicht nur deutlich zeigt, dass sie an „Spartacus“ erinnert, sondern dies dann auch noch auf der Metaebene verdeutlicht – eine sehr schöne Fast-Brechung der Szene. Mein persönlicher Favorit war allerdings da Vincis „Kind“!

Ein bisschen schade ist, dass man prinzipiell viel mehr hätte machen können, was hier nur an der Oberfläche angeschnitten wird. Man könnte durch die Geschichte reisen und das ganze zu einer Art Geschichtsunterricht für die jungen Zuschauer machen, mit der Geschichte spielen – und gleichzeitig historisches vermitteln, ohne dass es der Zuschauer richtig mitbekommt. Wie gesagt, in Ansätzen gibt es das hier, wäre das jedoch das Gesamtkonzept des Films gewesen, hätte er ungleich besser – und ungleich „Prädikat wertvoller“ sein können.

Wenn man schon eine Zeitmaschine hat und Sherman, Mr. Peabodys adoptierter Sohn, ein Findelkind war, das er auf der Straße gefunden hat, dann wäre es doch schon fast nahe liegend, sich mit der Zeitmaschine auf die Suche nach seinen wahren Eltern zu machen… aber vielleicht ist das ja die Handlung für Teil 2?!

Fragen…

Ich gehe davon aus, dass sich die Fragen, die ich mir stelle…

Warum ist die Hauptfigur ein Hund? Warum ist er der einzige Hund der sprechen kann? Oder das einzige Tier? Ist die Tatsache, dass er ein Hund ist, der Grund dafür, warum wir nicht hinterfragen, dass sowohl Franzosen der Französischen Revolution als auch Ägypter zu Zeiten von König Tut alle in der gleichen Sprache sprechen, die unsere Hauptpersonen auch verstehen? Und warum niemand die Frage stellt, warum der Hund sprechen kann, obwohl man uns keinen anderen sprechenden Hund oder ein anderes sprechendes Tier zeigt? Warum man ihn allerorten als kluge Gestalt anerkennt? Und wieso Matze Knop auch die Mona Lisa sprechen muss?

…sich kein Kind stellen wird – und die meisten Erwachsenen wohl auch nicht. Das Problem, wenn man es so nennen möchte, ist nur, dass die Bedeutung für die Handlung, warum Mr. Peabody ein Hund sein muss, nicht so unbedingt groß ist und sich sicher auch anders hätte lösen lassen. So ist das, für den erwachsenen Betrachter, möglicherweise ein wenig unhomogen. Aber was solls?

Die andere Frage wäre die nach dem 3D. Ich bin ja eher der Ansicht, dass 3D nur dann etwas bringt, wenn man auch wirklich etwas damit macht – vor allen Dingen etwas, das den betreffenden Film besonders vorantreibt. Das Gefühl hatte ich hier jetzt nicht.

Promi-Synchro

Bei vielen Freunden von Synchronisationen sind sie verschrien: Die Promi-Synchros. Dabei trifft es meist Animationsfilme, bei denen man dann, um es mal so zu formulieren, lieber Promis statt Profis besetzt, weil man mit Promis auf dem deutschen Plakat werben kann, mit Profis aber nicht. Oder wissen Sie, wer Jürgen Thormann ist? Lothar Blumhagen? Thomas Danneberg? Die wenigsten tun das leider und so will man dann große Namen statt großer Schauspielkunst – oder wie sonst erklären Sie sich die „Synchronarbeit“ von jemandem wie Verona Feldbusch? (Dass die dann auch noch weit mehr Geld für weit schlechtere Arbeit als ihre professionellen Kollegen bekommen, freut dann auch nicht unbedingt.) So passiert es dann also, dass man in vielen Animationsfilmen Promis zu hören bekommt… so auch hier.

Aber, da hätte man es durchaus schlimmer treffen können – und hat man auch, wenn man diversen Forumsbeiträgen glauben darf. Die Beteiligten machen ihre Sache größtenteils recht gut – was eine angenehme Überraschung ist, ist Matze Knops andere mir bekannte Synchronreferenz doch seine „Arbeit“ für Adam Sandler in „Waterboy“. Verglichen damit ist das hier gar nicht so schlecht – die Mona Lisa hätte aber wirklich nicht sein müssen. (Der Pressetext bezeichnet ihn übrigens als „Sprachimitator“, also offenbar als jemanden, der Sprache imitiert… kommt in etwa hin!)

Haupt- und Hundedarsteller Christian Berkel macht seine Sache auch ganz gut, klingt für mich aber eigentlich eher nach seinem Synchronkollegen Oliver Siebeck… hätte man den vielleicht auch direkt besetzen können, wär vielleicht billiger gewesen. Und man hätte mit „die deutsche Stimme von Daniel Craig“ werben können, denn immerhin hat er den (einmal) gesprochen (in „München“, also dem Film, nicht der Stadt). NACHTRAG: Tatsächlich habe ich das Pressematerial offenbar nicht genau genug gelesen, denn Berkel spricht nur den Vater der weiblichen Hauptfigur Penny – der Sprecher des Hauptcharakters und Namensgebers des Films wird offenbar gar nicht genannt… und könnte dann in der Tat Oliver Siebeck sein – was dann widerum ein sehr merkwürdiges Licht auf den Umgang mit den Synchronprofis wirft!

Einer der altgedienten Synchronprofis in diesem Film ist übrigens Tilo Schmitz. Seine Stimme dürfte den meisten wahrscheinlich bekannt sein als deutscher Sprecher von Ving Rhames, Michael Clarke Duncan, Chi McBride, Tiny Lister… und verschiedenen anderen großen schwarzen Schauspielern. Er spricht hier… einen großen schwarzen Mann. Typecasting macht also selbst vor Animationsfilmsynchros nicht halt!

Fazit

Alles in allem ein netter Film, für Kinder in Begleitung von Erwachsenen wahrscheinlich gut geeignet, mit einer nicht ärgerlichen Promisynchro. Ob man allerdings auch seinen Hund mit ins Kino nehmen darf, weiß ich nicht!

von Martin Cordemann

Rasante Raser

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Kann denn ein Film über Fahrradkuriere wirklich interessant sein? Doch, das geht. Aber sein wir mal ehrlich, wer hier hat denn schon mal was von

„Premium Rush“

gehört? Hm? Und wenn es keiner hat, dann ist das wirklich traurig. Denn der Film hat wirklich was zu bieten. Nämlich rasante Action. Aber nicht so einen Mist, der aussieht wie aus dem Computer berechnet, sondern etwas, das wirklich echt wirkt.

Zugegeben, da sind Computereffekte dran beteiligt, das geben alle Beteiligten zu. Und doch hat man ständig das Gefühl, die Radfahrer könnten von einem der Autos getroffen werden. Was wohl auch während der Dreharbeiten das eine oder andere Mal passiert sein muss. Aber gerade das gibt diesem Film das gewisse Kitzeln, das Kribbeln, das sich einstellt, wenn man über die Kreuzung schießt und sich dann in den Gegenverkehr einordnet. Dinge, die man selbst mit dem Rad tunlichst unterlassen sollte.

Echt sieht eben echter aus

Also warum hat man hier das Gefühl, wirklich mitten drin zu sein? Weil nicht alles aus dem Computer kommt, weil echte Stuntmen daran beteiligt sind, echte Radfahrer, die können, was sie da tun. Echte Stunts können einen Film unglaublich aufwerten. Man kann viel über die alten „Mad Max“ Filme sagen (hey, steht da nicht auch bald ein Remake an?), zum Beispiel… na ja, dass eigentlich das wirklich einzige verbindende Element ein Typ namens „Max“ ist, der von Mel Gibson gespielt wird und immer die gleichen Klamotten anhat. Ich denke, das ist das „durchgehende“, das und: Stunts mit Autos!

Und das ist eben das, was man diesen Filmen zugute halten muss. Mögen sie auch sonst ein wenig krude sein, besonders der erste, mögen sie auch so alberne Namen wie „Papagallo“ mit sich bringen (also ehrlich, Leute!), so bieten sie doch eine Sache, die man heute fast nur noch aus der Retorte zu sehen bekommt: Spaß mit Autos. Also Spaß im Sinne von Verfolgungsjagden und brutalen Crashs. Dinge, denen man deutlich ansieht: Wenn der Stuntman da nicht ordentlich aufgepasst hätte, dann wär er jetzt tot. Das ist eine Kunst, die durch die Computertechnik immer mehr in den Hintergrund zu geraten scheint. Und die der Sache auch ein wenig den Reiz nimmt, das Besondere, das Tolle. Denn im Computer kann man jeden Scheiß zusammenmanschen (was ja auch ständig getan wird), aber für echte Stunts braucht man eben Könner, die wissen, was sie da tun – und man merkt, dass das nicht ganz ohne Risiko war.

Zum Sterben schön

Natürlich will ich nicht, dass irgendwelche Stuntmen für einen bescheuerten Film ihr Leben riskieren – aber man erkennt halt den Unterschied. Zwischen echter Handarbeit und Computerpixeln. Und da sieht die Handarbeit, mag sie auch aus den 70ern stammen, eben in den meisten Fällen einfach besser aus.

Was der Grund ist, warum ich an dieser Stelle meinen Hut vor „Premium Rush“ ziehe und ihn hier empfehle, denn ganz gleich, ob er nun ein adäquates Abbild des Lebens und Arbeitens von New Yorker Fahrradkurieren darstellt oder nicht, er ist streckenweise einfach atemberaubend!

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von Martin Cordemann

Börk – die Fernsehserie, die es niemals gab

Eine Fernsehserie, die es niemals gab? Und dazu gibt es ein Buch? Und dann ist das auch noch die reinste Schleichwerbung? Geht das denn überhaupt? Ja, ja – und ja!

Aber müsste es streng genommen nicht heissen:

„Börk – die Krimiserie, die es niemals gab“

Ja, das müsste es. Aber es gibt ein bis zwei Gründe dafür, warum das nicht so ist. Oder warum das so ist. Eins von beiden. Oder beides. Der Hauptgrund aber ist: Verkaufen! Aber ist er das in der Kunst nicht immer?! Nuuuuun, sollte eigentlich nicht, ist aber wahrscheinlich schon. Zumindest in vielen Fällen.

Klingt das alles verwirrender als sonst? Ja, das tut es. Also versuchen wir doch einfach mal, zur Sache zur kommen. Bei „Börk“ handelt es sich um eine Serie… um ein Buch… um eine Figur. Es ist das Buch zu einer Serie, die niemals produziert wurde. Gut, dieses Schicksal widerfährt vielen Serien, aber in den seltensten Fällen schreiben die Autoren, die ja sonst nix besseres zu tun haben, dann auch noch eine komplette Serie, weil… das Schwachsinn wäre, weil es ihnen ja niemand bezahlt. Bei „Börk“ war das anders. Nein, es ist auch Schwachsinn und es ist auch nicht bezahlt, aber der Autor hat sich leider nicht davon abhalten lassen und trotzdem eine komplette Serie mit 16 Episoden geschrieben. Und zwar als Drehbücher, da es ab einem gewissen Punkt als Fernsehserie gedacht gewesen war. Da aber keine Sau Drehbücher liest, hat er sie für diese Ausgabe in Geschichten umgeschrieben. Die aber fast alle auch einen kleinen Krimifall enthalten. Und da die Leute bei einem unbekannten Buch mit einem nichtssagenden Titel („Börk“) sich wahrscheinlich kaum für eine obskure „Fernsehserie“ interessieren würden, wurde mit dem Begriff „Krimiserie“ der Versuch unternommen, wenigstens das krimiaffine Publikum anzusprechen – soviel also zum Titel.

Das Buch zum Drehbuch zum Hörspiel zum Comic zum Drehbuch zur Kurzgeschichte

Das klingt ebenfalls verwirrend. Und ist es auch. Muss aber nicht. Denn wenn man die Entstehungsgeschichte von „Börk“ verfolgt – und, machen wir uns nichts vor, wir haben hier eh nichts Besseres zu tun – dann muss man feststellen, dass es zunächst eine Kurzgeschichte um zwei Filmdetektive gab (die Filme herausfinden konnten, wenn man sie gefragt hätte), aus der dann ein Drehbuch wurde. Dem Autor gefielen die beiden Figuren „Millhouse und Burns“ ganz gut, doch die englischen Namen (die übrigens von den „Simpsons“ kommen) taugten dann für Deutschland eigentlich eher weniger und so wurden daraus die beiden Polizisten „Börk und Müller“. Sie erlebten ihre erste Geschichte ebenfalls in einem Drehbuch mit dem Titel „Zeugen sind vergänglich“. Doch dann lernte der Autor einen Comiczeichner kennen und so kam die Idee auf, daraus einen Comic zu machen, oder, noch besser, eine Comicserie. Wie man an diesem Blog und seinen Ausmaßen erkennen kann, steigert sich dieser Autor gerne in eine derartige Aufgabe hinein und so entstanden ein paar Manuskripte für Episoden. Zeichner jedoch haben wenig Zeit und so kam es nie zu den Comics. Dieser Autor hatte jedoch genug Zeit (zuviel, um genau zu sein) und wenn man nicht zeichnen kann aber sprechen und einem es der Computer erlaubt, ohne viel Aufwand Hörspiele aufzunehmen, dann entscheidet man sich unter Umständen für diesen Weg. Langer Satz, kurzer Sinn: Die Texte wurden zu Hörspielen umgeschrieben und 8 Episoden in Eigenarbeit in allen Rollen aufgenommen. Aus welchem idiotischen Grund heraus dann irgendwann die Idee entstand, das ganze einmal mehr umzuschreiben und diesmal zu einer Fernsehserie, die es in Manuskriptform dann auf 16 Episoden brachte, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Fakt ist: Es ist passiert! Und da Drehbücher wahrscheinlich weniger Leute lesen als Krimigeschichten oder Kriminalromane, lag es dann nahe, mit der Möglichkeit einer Veröffentlichung des Ganzen als E-Book, alles in eine lesbarere Form umzuschreiben. Das Ergebnis davon liegt nun vor.

Das erste Buch mit Bonusmaterial!!!

Ist es ein Roman, der wie eine Serie aufgebaut ist? Ist es eine Serie, die wie ein Roman geschrieben ist? Ja! Und warum das so ist, habe ich ja schon beschrieben. Wenn man aber schon mal so eine Art Fernsehserie im Buchformat hat, dann darf eines natürlich nicht fehlen: Bonusmaterial!

Gut, nicht jede DVD bietet das, aber da es hier um ein E-Buch geht, bei dem der Umfang ja eigentlich egal ist, weil für den Druck keine unschuldigen Bäume sterben müssen, kann man ja aus einem „gewöhnlichen“ Krimi auch mal etwas mehr machen. Also gibt es in diesem Buch neben dem Romanteil auch eine Menge Zusatzmaterial – und ich hoffe sehr, dass es tatsächlich das erste Buch ist, das so etwas hat! Neben einer Einleitung von Regisseur Frank Fish bietet „Börk“ auch noch ein paar Making-ofs, zum Beispiel über die Entstehungsgeschichte, aber auch Vergleiche verschiedener Fassungen desselben Textes und Teile der „verlorenen Episode“. Es gibt sogar einen Kommentar – keinen Audiokommentar, natürlich, aber einen, der auf eine bestimmte Geschichte eingeht. Angedacht war das als zweispaltige Sache, in der in der einen die Geschichte und in der anderen der Kommentar zu lesen stehen würde, doch das schien sich im E-Book nicht so recht umsetzen zu lassen. So ist es also eher abwechselnd. Natürlich dürfen auch Interviews nicht fehlen, die das Gesamtpakat abrunden.

Ja, das ist schamlose Werbung!

Ich gebe es zu. Aber wann war ich je unehrlich zu Ihnen? Das Medium des E-Books hat es ermöglicht, dass dieses Werk, das insgesamt eine Entstehungszeit von rund 15 Jahren haben dürfte, nicht mehr einsam in der Schublade herumliegen muss, sondern einer kleinen Auswahl von Leuten, die sich für so etwas interessieren, gegen Geld zur Verfügung gestellt werden kann. Ja, gegen Geld, denn eine Arbeit von 15 Jahren möchte man ja auch nicht einfach für lau unters Volk schmeißen – wahrscheinlich noch mit dem Ergebnis, dass irgendwelche Leute das als Aufforderung sehen, all das zu klauen und selbst Kohle damit zu machen.

Somit hat „Börk“ nach vielen, vielen Jahren also das Licht einer kleinen Öffentlichkeit erblickt und ich habe vor, noch weitere meiner Werke als E-Book zur Verfügung zu stellen – aber ich werde nicht jedes Mal hier darüber berichten!

Wer sich also einen Eindruck davon verschaffen möchte, ob „Börk“ eine brauchbare oder vielleicht auch nur eine weitere beschissene Serie geworden wäre, der hat die Möglichkeit, einen Blick ins Buch zu werfen und sich eine eigene Meinung zu bilden: http://www.amazon.de/B%C3%B6rk-Die-Krimiserie-die-niemals-ebook/dp/B00H8I2GDG/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1386748320&sr=1-1&keywords=martin+cordemann

Oder direkt bei neobooks: http://www.neobooks.com/werk/28128-boerk.html

Denn eins kann ich nun wirklich nicht tun: eine Bewertung zu „Börk“ schreiben!

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von Martin Cordemann

Dumme Filmklischees aus der Hölle

– Denn der Horrorfilm schreckt vor nichts zurück…

…außer vor Klischees! Oh ja, aber spätestens seit den „Scream“-Filmen wissen wir das ja alle. Aber, wie das so ist, es gibt nicht nur inhaltliche, sondern auch formale Klischees.

Laut huschen

Dass Licht fast immer mit Geräusch ausgeht, hatten wir ja schon früher geklärt. Aber gerade das Horrorgenre scheint sehr stark abhängig von akustischen Effekten zu sein, um den gezeigten Horror zu unterstreichen. So ist es denn auch mit dem Huschen. Wir kennen das, im Hinter- oder Vordergrund huscht schnell eine dunkle Gestalt vorbei, die wahrscheinlich nichts Gutes im Schilde führt. Für den Protagonisten des Films tut sie das natürlich lautlos, denn er bemerkt sie nicht. Damit wir als Zuschauer aber a) wissen, dass die Gestalt wahrscheinlich nicht unser Freund ist und, wahrscheinlich, b) damit wir das schnelle Vorbeihuschen nicht verpassen, ist diese Aktion immer mit einem bedrohlichen Sound unterlegt. (Als Beispiel gäbe es da u.a. die Szene auf dem World Trade Center in „Die Klapperschlange“, aber ich denke, Sie werden noch andere finden.)

Spiegeltüren, Spiegel und Türen

Ich muss gestehen, einer meiner Lieblingshorroreffekte ist der Spiegel, bzw. die Welt, die sich dahinter befindet. Streng genommen schwachsinnig, weil es ja nur die Reflektion der Umwelt ist, aber doch immer wieder schön, wenn sich die Welt im Spiegel von der Außenwelt unterscheidet. Worauf man sich aber fast immer verlassen kann, ist, dass, wenn eine Spiegeltür involviert ist, oder auch nur ein Kameraschwenk, eine Veränderung kommt. Das funktioniert übrigens auch mit Kühlschranktüren. Steht eine Person davor und wir sehen nicht, was dahinter ist, können wir relativ sicher sein, dass, sobald sie die Tür schließt, im nun sichtbaren Raum jemand steht. Das nennt man einen Schockeffekt. Mit einer Spiegeltür verhält es sich ganz ähnlich; steht die Person davor ist alles normal, dann öffnet sie sie, um in den Schrank dahinter zu schauen, doch sobald sie geschlossen ist, sieht man im Spiegel, dass jemand hinter der Person steht – sei es in der Wirklichkeit oder nur im Spiegeluniversum. Diesen Trick kann man natürlich auch mit einem einfachen Schwenk der Kamera erzielen – und, ich muss gestehen, ich halte das noch immer für sehr effektiv!

Vorlage uuuund… Schuss!

Es hat sich inzwischen eingebürgert, und auch das finde ich nicht schlecht, nur eben leider vorhersehbar. Es wird eine unheimliche Situation aufgebaut, es findet eine Hinführung zu einem Schockeffekt statt – doch der wird dann ironisch gebrochen. Das Publikum atmet auf, lacht – und dann kommt der eigentliche Schocker. Wie gesagt, eigentlich sehr schön, aber wenn man damit rechnet, verliert es ein bisschen seine Wirkung.

Monster-Upgrade

Kein Monster tut mehr das, wozu es dereinst konzipiert wurde. Ach, erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Vampire bei Tag Flugverbot hatten, Werwölfe auf den Mondzyklus angewiesen waren und Haie noch aufs Wasser beschränkt waren? All das hat sich inzwischen geändert. Dein Freund der Vampir kann bei wolkigem Himmel auch tagsüber Spaziergänge machen, Werwölfe verwandeln sich, wann immer es ihnen oder den Drehbuchautoren passt und selbst Haie haben inzwischen einen Weg gefunden, die Leute in ihren Wohnzimmern zu behelligen.

Auch Mumien sind nicht mehr kleidsam in Bandagen gewickelt, Frankensteins Monster wird von Oscar-Preisträgern gespielt (Robert de Niro) und selbstverliebten Shakespeare-Mimen inszeniert (Kenneth Brannagh), fehlt nur noch, dass „Godzilla“ nicht mehr ein Typ im Gummianzug ist, der durch eine Miniaturstadt trampelt… Oder, dass Zombies nicht mehr lahmarschig sind… Ach, Mist!

Augenaufschlag

Dann gibt es natürlich immer wieder diesen Shot aufs Gesicht. Aufs Gesicht der Leiche, wohlgemerkt. Denn wir wissen, die Person, die wir da sehen, ist tot. Doch wir wissen noch etwas anderes: Wenn die Kamera lange genug auf dem Gesicht verharrt, dann gibt es eine Überraschung für uns! Nein, es ist kein Lottogewinn. Und auch kein kluges Ende für einen dummen Film. Sondern nur, dass – ganz besonders, wenn wir uns am Ende des Films befinden und man mit einem offenen Ende aufhören will – der Tote plötzlich seine Augen öffnet. Auch das prinzipiell eine schöne Idee, auch das aber inzwischen so oft gemacht, das es der Überraschungseffekt einfach schwer hat. Wann fällt euch endlich mal was Neues ein? Wie zum Beispiel… schnelle Zombies?! Ach nee, den Punkt hatten wir ja schon!

Tür zu!

Auch das ist in Horrorfilmen immer sehr beliebt: Die zuschlagende Tür. Obwohl niemand da ist, der sie zuschlägt. Was uns sagt: Da ist was Unheimliches am Werke! Wie und wo uns das passiert, kann variieren. Sei es in einem Zimmer, um einen der Protagonisten von der Außenwelt abzuschneiden – was von beiden Seiten der Tür aus passieren kann. Oder sei es, wie z.B. bei „The Innkeepers“, um dem Zuschauer selbst noch einmal die Tür vor der Nase zuzuschlagen und damit das Übernatürliche herauszuarbeiten. Unterm Strich heißt das aber, dass Geister (oder andere übernatürliche Wesen) schlicht nicht in der Lage sind, eine Tür mal sanft und leise zu schließen – nervtötende Bastarde!

„So schlecht, dass es schon wieder gut ist“

Zu guter Letzt wollen wir mal mit einem Vorurteil aufräumen. So gut wie nichts ist „so schlecht, dass es schon wieder gut ist“. Es gibt wenige Ausnahmen, aber bei denen ist das Schlechte geplant, gewollt, so konzipiert und umgesetzt. Der Film „Ed Wood“ zeigt die Arbeit des Regisseurs als schlecht, aber wenn man es in diesem gut gemachten Film sieht, wird das Schlecht dadurch gut. Gewissermaßen.

Korrekt müsste es eigentlich heißen: „So schlecht, dass es schon wieder unterhaltsam ist“! Das trifft tatsächlich gut, denn haarsträubende Unfähigkeit und Diletantentum wird nun einmal nicht gut. Jüngstes Beispiel der „Film“ „Sharknado“, der die Werke von Ed Wood wie Filmkunst aussehen lässt. Er bietet eine Mischung von miesen Schauspielern, miesen Spezialeffekten (gehört eigentlich auch in Anführungsstriche) und einem Drehbuch, das so mies ist, dass sich selbst die CGI-Haie des Films damit nicht den Arsch abwischen würden, sofern sie einen haben. Das alles ist wirklich, wirklich schlecht, aber bis zu dem Zeitpunkt, wo man anfängt, sich wirklich, wirklich zu langweilen (oder ärgern), ist das ganze unterhaltsam – weil es so unglaublich schlecht ist. Aber, und ich werde nicht müde, das zu sagen, dadurch wird es wirklich, wirklich nicht gut!

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von Martin Cordemann

Das Buch zum Film

Gibt es das überhaupt noch? „Das Buch zum Film“? Oder ist das ein Relikt aus meiner Jugend?

Sicherlich steht heute noch auf manchen Büchern „Das Buch zum Film“ – fälschlicherweise. Denn bei vielen davon müsste es doch eigentlich eher heißen „Das Buch zum Film zum Buch“, also quasi „Das Buch, auf dem der Film basiert“. Zum Beispiel bei „Der Herr der Ringe“, „Der Hobbit“ oder den ganzen Twilight/Potter/Hunger-Büchern. Da gab es erst die Bücher und dann hat man, dank deren Erfolg, auch noch Filme daraus gemacht. Weshalb man ca. einmal pro Jahr Arthur Conan Doyles „Der Hund von Baskerville“ neu herausbringen könnte, mit dem Vermerk „Das Buch zum Film“, wenn da auch nie ganz klar wäre, zu welchem.

Der Scherz-Verlag (kein Scherz, der heißt oder hieß wirklich so) hat es dann auch gerne gemacht, bei der Neuauflage eines Bond-Buches den aktuellen Filmtitel zu verwenden; so besitze ich das Buch „Sag niemals nie“, obwohl es eigentlich das Buch „Feuerball“ ist. Und ich habe zwei verschiedene Ausgaben des nahezu selben Buches, „Tod im Rückspiegel“ und die Neuauflage „Der Hauch des Todes“.

Lesen oder sehen?

Da es heute lediglich drei Arten von Filmen gibt, Fortsetzungen, Buch-Adaptionen und Remakes (manchmal auch alles in einem), ist die Nachfrage nach Büchern zum Film vielleicht kleiner geworden. Obwohl ich nicht glaube, dass es daran liegt. Das ganze mag ein bis drei andere Gründe haben: Video, DVD, Internet.

Früher, das hören wir immer, war alles besser. Stimmt nicht so ganz; was an dem Satz aber völlig korrekt ist, sind die Worte: „Früher war alles“, und zwar „anders“. Zumindest in meiner Kindheit. Video war für die meisten noch unerschwinglich, DVDs waren bestenfalls ein feuchter Traum irgendwelcher Computergeeks und das Internet kam nichtmal angemessen in der Science Fiction Literatur vor. Es gab noch Betamax, bevor sich das angeblich schlechtere VHS durchsetzte, und, wer es sich leisten konnte, hatte Super8-Filme – mit Ton, aber oft nicht mit dem ganzen Film. Das Fernsehen hatte zunächst drei Kanäle, je nachdem, in welchem Einzugsgebiet man wohnte. Die Ausstrahlung der ersten Bond-Filme im deutschen Fernsehen war eine Sensation, das waren die Zeiten.

Und was tat man, wenn man einen Film gut fand? Was war der einzige Weg, auf dem man noch einmal in seine Welt eintauchen konnte, ja, wie man ihn kennen lernen konnte, wenn er bereits aus dem Kino verschwunden war und man nur von ihm gehört hatte? Genau, man kaufte sich das Buch, das Buch zum Film!

Adaptionen des Drehbuchs

Das war damals ein Markt, nicht unbedingt ein riesiger, weil sich wohl die wenigsten großen Literaturfreunde etwas so banales wie ein Buch zum Film kaufen würden, aber für Freunde des Films war das eine Möglichkeit. Denn es gab noch keine Videotheken und wenn ein Film aus dem Kino raus war, war er raus und eventuell hatte man Glück, dass er im Sommerfestival noch einmal gezeigt wurde, falls man da nicht gerade mit seinen Eltern im Urlaub war. Also kaufte man sich das Buch zum Film.

Das wich immer ein wenig vom Film ab. Die Dialoge waren anders (z.B., weil man nicht die Texte der deutschen Synchronfassung verwendete, sondern natürlich direkt aus der Buchvorlage übersetzte) und die Handlung teilweise auch. Denn, wenn ich das richtig sehe, wurden die Bücher anhand der Drehbücher zu den jeweiligen Filmen gegeben und da sie zeitgleich mit dem Film herauskommen mussten, gab es keine Zeit, Änderungen beim Film auch in das Buch einfließen zu lassen. Außerdem sind sie ein wenig umfangreicher, haben Szenen, die weder im Film auftauchen noch möglicherweise dafür angedacht waren, denn man musste ja auch irgendwie die Seiten auffüllen, anstatt schlicht das Drehbuch abzuschreiben. Das kann bei einem guten Autor zu Verbesserungen führen, kann aber auch das genaue Gegenteil bewirken.

Bücher, die die Welt nicht liest

Es gab da eine ganze Menge. „Der einzige Zeuge“, „Wall Street“, „Mississippi Burning“. Zu gerne hätte ich „Blues Brothers“ gehabt, aber das gab es bei uns nicht. Auch „Das Leben des Brian“ kam erst später heraus, als Drehbuch und unter dem schwachsinnigen Titel „Das Leben Brians“, weil sich da wieder irgendein Redakteur für besonders clever hielt, aber so was macht man mit einem Kultfilm nicht, ihr Trottel!

Ach, damals gab es so einiges, „Zurück in die Zukunft“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, „Die Klapperschlange“, „Alien“… eine ganze Menge. Bei „Star Wars“ und „Star Trek“ gab es auch Bücher, die die Geschichte weiterführten, was im Filmbereich ja mehr als ein Jahrzehnt auf sich warten ließ – und dann mehr als enttäuschend ausfiel. Aber hier hatte man Material und man konnte alles in seiner Phantasie weiterspielen lassen.

Bei „Angel Heart“ gab es nicht nur das Buch, auf dem der Film basierte, sondern separat auch das deutsche Dialogbuch. Das war mal was anderes. Eine besondere Art, an Filme heranzugehen. Damals war das alles noch toll… aber die Zeiten ändern sich – und man selbst ändert sich auch. Erst kürzlich habe ich John Gardners Buchadaption von „Lizenz zum Töten“ gelesen, und die zu „GoldenEye“… die ich nach 40 Seiten abgebrochen habe, weil es wirklich zu schlecht war. Aber das ist der Unterschied zu damals: In jener Zeit kannte man die Filme nicht so gut, wie auch, da war man froh über alles, was damit zu tun hatte.

Moderne Zeiten

Also gibt es heute noch Bücher zu Filmen? Zu „Transformers“, zu „G.I. Joe“, zu „Fluch der Karibik“? Wie ich höre, gibt es die in Amerika wohl noch, zumindest aber als Bücher für junge Menschen… oder Kinder. Möglicherweise aber nur noch für Blockbuster? Hin und wieder sehe ich auch welche zu „Tatorts“, aber letzten Endes ist das doch eigentlich völlig anachronistisch. Nicht, weil die Leute heute nicht mehr lesen würden; dazu waren wir damals quasi gezwungen. Sondern weil die Filme selbst heute so unglaublich leicht verfügbar sind, zumindest die meisten. Ob als altes Video, als DVD, BluRay oder Download, heutzutage muss man sich nicht mit Lesen herumquälen, sondern kann fast alles sehen, nach dem das Herz begehrt – und das sogar in unterschiedlichen Sprachen.

Einerseits ist das natürlich ganz schön, weil man so seinem Hobby als Filmfreund ungehemmt frönen kann. Andererseits wird den Leuten aber auch etwas genommen. Statt mühsam zu recherchieren, nach Büchern oder Informationen über einen Film zu suchen, gibt einem das Internet in Sekundenschnelle die gewünschten Auskünfte. Das ist einfach und bequem, führt aber auch dazu, dass die Menschen letzten Endes einfach und bequem werden. In den früheren Zeiten musste man sich für manche Dinge noch ein bisschen anstrengen; seinen Verstand nutzen, wo heute ein Knopfdruck reicht. Insofern betrachten wir den Tod des Buchs zum Film als Opfer einer neuen Zeit, in der verschiedene Dinge einfach nicht mehr gebraucht werden. Ob das besser oder schlechter ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Also ändern wir doch einfach den Spruch „Früher war alles besser“ in „Heute ist alles leichter“, ich weiß zwar nicht, ob das wirklich stimmt, aber vielleicht klingt es einfach etwas optimistischer.

In diesem Sinne, ruhe sanft, „Buch zum Film“, du wirst einfach nicht mehr gebraucht!

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von Martin Cordemann

Schlampen-Safari

Dass man in Hollywood ständig Remakes und Reboots von Filmen macht is ja nu nix neues, aber dass inzwischen auch das deutsche Fernsehen nicht davor halt macht… Da war doch gerade die eine „Sendung“ auf RTL vorbei, in der man einen Haufen nerviger Weiber, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen als „Promis“ bezeichnet werden, nach Afrika geschickt hatte, da kam einen Tag später das nahezu selbe Format bei Pro7 – nur halt mit anderen nervigen Weibern. Das wäre ja auch alles nicht so schlimm, wenn diese „Reality“ Formate nicht einen ganz großen Fehler aufweisen würden: Die Teilnehmer dürfen anschließend wieder zurück nach Deutschland!

„Reality“ TV

Erstmal is ja wohl klar, dass der Begriff „Reality“ in diesem Zusammenhang eigentlich nur ironisch gemeint sein kann, denn der Mist, den man da so vorgesetzt bekommt, hat mit der Realität ja meist weniger zu tun. Jeder Wissenschaftler wird Ihnen sagen, dass, sobald ein Beobachter (in dem Fall eine Kamera) sichtbar vorhanden ist, die Ergebnisse eines Experiments eigentlich nicht mehr viel Wert sind, weil es keine objektive Beobachtung mehr ist, sondern der Beobachter durch seine Anwesenheit quasi Teil des Experiments wird, etwas in der Art. Also wer glaubt, Leute, die von Kameras beobachtet werden, von denen sie wissen, dass sie da sind, würden sich absolut realistisch und wirklichkeitsgetreu verhalten, der ist genauso naiv wie die Leute, die sich für solche Sendungen melden. Oh, die reden übrigens nie von Sendungen, sondern von „Projekt“, das „Projekt“ bei dem sie hier mitmachen… auch eine Art, sich diesen Mist schön zu reden.

Dass sich trotz dieser schlechten Versuchsanordnung trotzdem noch einige Leute wahrscheinlich so verhalten, wie sie wirklich sind, liegt wohl eher daran, dass einige dieser Leute einfach Idioten Schrägstrich Arschlöcher sind, die sich ohnehin so verhalten, jedenfalls legen meine vielen Beobachtungen bei „Big Brother“ diesen Schluss nahe. Verzeihung, wenn ich da jetzt jemandem zu nahe trete, aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass viele davon lesen, die Gefahr ist also nicht besonders groß, denke ich.

Tussen in Afrika

Nachdem also die erste Ladung Tussen gerade aus Afrika ausgeflogen wurde, geht eine neue auf anderem Sender an den Start. War es beim einen Sender ein reines Kontingent von Implantatsfehlern, wurde beim anderen Sender noch Doppel-Dig (aber nicht doppeldeutig) aufgerüstet. Neben Z-Klasse-Tussen kamen nun auch Busenwunder, Teppichluder und Ex-Pornostar dazu – wobei die wenigstens eine (un)anständige Filmographie vorweisen kann. Und wie die intelligenteste wirkte. Und sofort rausgewählt wurde. Da bleiben durfte dafür die Frau, bei der es schwierig ist, Bilder zu finden, auf denen sie nicht nackt ist und die uns immer wieder beweist, dass falsche Titten auch einfach mal scheiße aussehen können und ständig nackt sein auch nicht immer erotisch wirken muss. Armes Afrika!

Wobei man sich fragen muss, ob es Afrika nicht eigentlich auch so schon schlecht genug geht, dass man die auch noch mit aufgepumpten Dumpfbacken aus Deutschland behelligen muss; erinnern wir uns daran, dass es angeblich mal einen Stamm gab, der, als er feststellte, dass sie nicht die einzigen Menschen auf der Welt waren, dafür gesorgt hat, dass der Stamm aussterben würden. Wie soll dann also die Reaktion von afrikanischen Völkern sein, wenn man sie mit deutschen Idiotinnen konfrontiert? Die Sprachbarriere schützt da nicht, denn die Afrikaner sind ja nicht doof, die merken schon, wen sie da vor sich haben. Ach, hätte man ihnen doch erlaubt, jeden umzubringen, den sie für richtig hielten… das hätte die Sendung auch weit spannender gemacht.

Und es wäre durchaus gerechtfertigt gewesen durch die Wahl der Personen, die man nach Afrika geschickt hat. Denn unterm Strich war das doch größtenteils Ausschussware. Abgelegte Güter (um nicht zu sagen: Verliererinnen), die man eigentlich nur dann kennt, wenn man Sendungen wie „Big Brother“, „Bachelor“, „Top Model“ und die Klatschpresse verfolgt. Eine Gruppe von Frauen, denen ich gerne ein kollektives „HALT DOCH EINFACH MAL DIE FRESSE!“ kredenzen würde. Da es aber leider noch kein interaktives Fernsehen gibt…

No minierungen

Dann gibt es natürlich auch die unvermeidlichen Nominierungen – und die unvermeidliche Scheiße, die diese Leute dann erzählen. War bei „Big Brother“ schon so, war bei „Holt mich hier raus, ich bin ein Star“ (herrlich ironischer Titel übrigens) schon so, ist natürlich auch hier: das eklige Herumgeheuchele bei der ersten Nominierung. Was ist denn bitte so schlimm daran, zu sagen: „Mann, die geht mir auf den Sack, deshalb nominiere ich sie!“? Bisschen Ehrlichkeit, Leute, auch am ersten Tag.

Statt dessen hört man immer einen Mist wie „Ich hab die alle so lieb gewonnen“ und „ich möchte mich von keinem von denen trennen, aber“, was, wenn man die Sendung vorher verfolgt hat, völliger Mist ist, da man die alle zu einem anderen Planeten wünschen würde – in einem anderen Sonnensystem in einer anderen Galaxie in einem anderen Universum! Stattdessen aber verlogenes Rumgeseiere und dieser ständige „ich wähle dich raus, weil ich weiß, dass du dich hier nicht wohl fühlst“ Scheiß. Das haben die gefühlt, denn die sind ja alle so sensibel! Na gut, zugegeben, wenn Ehrlichkeit hier eine große Rolle spielen würde, dann hätte man wahrscheinlich andere Leute gewählt – oder eine andere Sendung!

Ja, ich weiß, Sie fragen sich (oder mich), warum ich mir einen solchen Mist überhaupt angucke? Nuuuuuuuun, okay, ich weiß auch nicht. Ich sehe Leuten ganz gerne dabei zu, wenn sie sich wie Arschlöcher verhalten – solange ich sie nicht persönlich kenne und nie was mit ihnen zu tun haben werde. Und man weiß, dass man sie nach dieser Sendung niemals wieder zu sehen bekommt. Aber leider ist das ja auch nicht mehr so. Früher war das noch anders. Aus dem „Big Brother“ (ihr solltet Orwells Erben mal ein bisschen Tantiemen für die Nutzungsrechte zahlen) Haus raus und man war von der Person erlöst, es sei denn, sie wohnte in der Nachbarschaft. Das war okay. Aber heutzutage ist selbst das leider nicht mehr so. Wie genau diese beiden „Titten in Afrika“ Formate beweisen. Der Abschaum wird die Toilette nicht mehr heruntergespült, sondern er kommt immer wieder hoch. Würde also mal Zeit, dass jemand das Fernsehklo repariert.

Eine einfache Lösung

Mein Wunsch für derlei „Reality“ Formate war schon immer, dass die Kandidaten nach den Sendungen einfach nicht mehr auftauchen. Hat doch in Rom bei den Löwen auch gut funktioniert und da wird sich auch keiner beschwert haben. Also warum bedeutet eine Rauswahl in so einem Afrika-Mist nicht einfach, dass die Rausgewählten allein durch die Wüste nach Hause finden müssen – oder dem Stamm, bei dem sie wohnen durften, als Menschenopfer dienen? Würde die Sendung doch gleich viel spannender machen – und endlich würde es auch um etwas gehen.

Ich meine, Dschungelkönig oder African Queen sind doch unterm Strich ziemlich bedeutungslose Titel. (So wie „Sommermädchen“, eine Sendung, die ich gerne gesehen habe, weil sie so unglaublich blöd war und eine Horde idiotischer Zicken um den nichtssagenden und effektiv wertlosen Titel des „Sommermädchens“ gekämpft haben, begleitet von einer langweiligen Moderation… ach, warum haben die das nur eingestellt?) Es sei denn, sie sind mit einem Haufen Kohle verbunden.

Und wie traurig muss es für die Leute sein, frühzeitig nach Hause geschickt zu werden, ohne eine weitere komfortlose Nacht auf einem harten Wüstenboden verbringen zu dürfen. Hmm, da das Idiotinnen sind, wahrscheinlich sehr. Aber eine Aufwertung wäre es, dass man sich nicht nur gegen die anderen aufgepumpten Nervtussis durchgesetzt hat, sondern dass man auch die einzige Überlebende ist?! Das mag jetzt natürlich ein wenig hart klingen – aber es würde diese Art Sendungen so viel befriedigender machen!

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von Martin Cordemann

Endlich: rauchfreie Filme!

Darauf haben wir alle gewartet! Nein, haben wir nicht. Aber irgendwo wäre es doch nur konsequent, dass man, wenn man in der Kneipe nicht mehr rauchen darf, das dann in den Filmen, die dort gezeigt werden, ebenfalls nicht darf, oder? Wär doch auch unfair. Da darf doch John Wayne nicht auf der Leinwand qualmen, aber an der Theke darf man es nicht. Gleiches Recht für alle – und das am besten rückwirkend.

Hollywoods Fähnchen…

…weht ja meist nach dem Wind, eigentlich nach dem, der am meisten Geld bringt, aber ein anderer Wind, der eigentlich stets durch Hollywood wehte, den wir aber nie sooo stark wahrgenommen haben, ist der der Propaganda. Oder der Ideologie. Suchen Sie es sich aus.

In Zeiten des zweiten Weltkriegs gab es jede Menge Propaganda gegen Nazis, und da kann man wohl schlecht was gegen sagen. Was aber vielleicht ein wenig untergeht, ist die Propaganda der letzten Jahre. Die, für den „Krieg gegen Terror“. Die christliche Propaganda. Und jetzt die Anti-Raucher-Propaganda.

Besonders letztere ist ein bisschen widersinnig um nicht zu sagen heuchlerisch, da gerade Hollywood das Rauchen besonders populär gemacht hat. Jetzt zurückzurudern und zu sagen: „Rauchen ist schlecht“ kommt da ein wenig unglaubwürdig daher. Doch der Trend ist seit Jahren zu sehen. Qualmten selbst in den 80ern noch raubeinige Helden wie Bruce Willis bevor, nachdem und während sie Bösewichter umlegten, so ist die Zigarette im Film inzwischen eher zum Erkennungsmerkmal von Bösewichten geworden. Ganz einfache Formel: Die Guten haben Apple-Computer und rauchen nicht, die Bösen haben PCs und rauchen.

Einzige Ausnahme im verlogenen amerikanischen Mediendschungel ist, wenn man seine Serie in die 60er verlegt, wo Rauchen noch möglich und gesellschaftlich angesehen war. Bestes Beispiel dafür ist die Serie „Mad Men“, in der man sich wundert, dass nicht auch die Kinder rauchen… obwohl sie die Frage selbst sehr schön beantworten. Abgesehen davon herrscht auf Leinwand und Schirm jedoch striktes Rauchverbot.

Rückwirkend rückwürgend

Von diesem Punkt an, das zeigt uns die Geschichte, ist es nur noch ein kleiner Schritt dahin, auch rückwirkend das Rauchverhalten in Filmen zu verändern. Leute, die schwarz/weiß Filme kolorieren, schrecken bekanntlich vor nichts zurück. Und ein Präzedenzfall in der Geschichte der Kunst wäre es auch nicht, da der ehemalige Kettenraucher „Lucky Luke“ in den Heften inzwischen statt einer Fluppe einen Grashalm im Mund hat.

Machen wir uns nichts vor, Ideologie hatte schon immer Einfluss auf die Kunst. Lebt man in einem freien, offenen Staat, in dem die Staatsmacht nur die befreundeten ausländischen Staaten bespitzelt… hmmm, zu aktuell. Und doch…

Es ist wahrscheinlich wie mit den Wahlen: Wenn es den Leuten gut geht, geht kaum einer hin. Sind die Verhältnisse aber schlecht, steigt automatisch die Wahlbeteiligung. Lebt man also in einem Land, das einem den Eindruck vermittelt, man wäre frei und alles würde gut laufen, dann sieht die Kunst wahrscheinlich ganz anders aus, als in einem Land, in dem sich der Künstler das Papier, auf dem er schreibt, vom Mund absparen muss, oder in einem Land, in dem er sich jedes Wort dreimal überlegen muss, damit der Staat darin nicht eine Kritik an sich erkennen könnte und den Künstler wegsperrt. Auf diese allgemeine Weise übt also jede Ideologie ihren Einfluss auf die unter ihr entstehende Kunst aus.

Das dritte reicht

Nun wird bestimmt jeder sagen, dass es nicht gut ist, wenn ein Regime wie das Dritte Reich einen Einfluss auf die Kunst ausübt. Und damit meine ich nicht die Bauten von Speer oder die Filme von Knoop. Es dürfte wahrscheinlich, außer vielleicht mit ein paar Nazis oder ein paar missmutigen Islamisten, ein allgemeiner Konsens bestehen, dass antijüdische Literatur eher weniger positiv zu bewerten wäre. Und dass eine solche Literatur in jenen dunklen Jahren in Deutschland durchaus gefördert wurde, darf man wohl voraussetzen. Das kann man dann wohl als negativen Einfluss der Ideologie auf die Kunst auffassen.

Aber gehen wir die Sache mal von einer anderen Seite an. Von unserer heutigen Seite. Dass man antisemitische Werke nicht unterstützen sollte, ist klar. Neu produzieren schon gar nicht. Aber was ist mit Werken, die aus einer anderen Zeit stammen, besonders aus einer Zeit vor dem Dritten Reich, in denen sich trotzdem diese Tendenzen finden, weil sie dem damaligen Zeitgeist entsprachen? Denn es gab eine Zeit, da war Antisemitismus durchaus „politisch korrekt“, wie man es heute ausdrücken würde. Diese Werke sind Dokumente ihrer Zeit, die die Stimmungen ihrer Zeit widerspiegeln, mögen wir die heute auch für noch so falsch halten.

Bei Kinderbüchern scheint sich derzeit etwas Ähnliches zu tun. Begriffe wie „Neger“ sollen ersetzt werden – oder sind bei Astrid Lindgren möglicherweise sogar schon ersetzt worden! Weil sie der heutigen Verlogenheit einer „political correctness“ nicht mehr entsprechen. Also gibt es Bestrebungen, diese Begriffe aus den Werken zu tilgen. Was uns zu der Frage dieser Kolumne bringt:

Darf Ideologie die Kunst verändern?

Aus meiner Wortwahl werden Sie geschlossen haben, dass ich diesen Ansatz für grundsätzlich falsch halte. Denn unterm Strich geht das durchaus in eine Richtung, die man als Geschichtsfälschung bezeichnen könnte – und ist das nicht genau das, was die Nazis versucht haben? Oder das kommunistische Russland? Es ist eine Verfälschung von Texten, eine Verfälschung von Zeitdokumenten, eine Verfälschung von Kunst. Ob dabei das Vorzeichen gut oder böse ist, spielt letztendlich keine Rolle. Was man erreichen will, ist eine Glättung von Wirklichkeit, die zu einem anderen Zeitpunkt eben anders war.

Oh, wieviel mehr würde es bringen, derlei Werke mit Fußnoten zu versehen?! Den Begriff „Neger“ zu erhalten und den Vater oder die Mutter den Kindern beim Vorlesen erklären lassen, dass man das früher gesagt hat, aber dass man den Begriff heute nicht mehr verwendet. Da hätte man ein Gespräch und einen Lerneffekt, was weit mehr wert ist, als die pure Auslöschung eines heute nicht mehr genehmen Begriffs.

Ähnlich verhält es sich mit Antisemitismus. Wenn ein Werk aus einer Zeit stammt, in der die allgemeine Stimmung eben so war, dann hat man kein Recht, dieses Werk zu verändern, denn es vermittelt ein Bild seiner Zeit – und, was sogar fast noch wichtiger ist, auch, was in seiner Zeit falsch war. Einzig, und wirklich EINZIG der Autor selbst könnte ein Werk korrigieren, sollte er meinen, eine unangemessene Sprache verwendet zu haben. Ein Verlag hat dieses Recht in meinen Augen nicht!

Also, liebe Politiker, Geschichtsfälscher und Hollywoodpropagandisten, ihr könnt eure Kunstverfälschungen in der Pfeife rauchen – die Frage ist, ob ihr das dann auch auf der Leinwand zeigt!

Halb_Fiction595

von Martin Cordemann