Dumme Filmklischees aus der Zukunft

– Denn im Weltraum hört dich niemand schreiben!

Der Weltraum, unendliche Weiten… und unendliche Möglichkeiten für dumme Klischees. Schade, dass so viele davon genutzt werden!

Nicht mein Shakesbeer

Wer ist der bekannteste Autor aller Zeiten? Nein, nicht Markus, Matthäus, Lukas und Johannes. Die haben nur am bekanntesten Buch aller Zeiten mitgeschrieben – ob ihre Erben immer noch Tantiemen dafür bekommen? Oder geht das alles direkt an Gott? Weil es ja gewissermaßen seine Biographie war? Ich weiß es nicht, gehört auch jetzt nicht hierhin.

Worum es eigentlich geht ist der gute Willi. Jeder hat seinen Namen schon mal gehört: William Shakespeare, der bekannteste Autor aller Zeiten. Und das sogar in der Zukunft! Denn sein Werk ist so zeitlos gut, dass es auch die nächsten Jahrhunderte überdauern und den Menschen noch immer im Gedächtnis bleiben wird. Das klingt auf dem Papier alles sehr toll, ist bei näherem Licht betrachtet aber eigentlich völliger Quatsch. Ja, die Leute werden von ihm gehört haben, aber gelesen haben wird ihn kaum einer. Denn er hat keine Romane, Kurzgeschichten oder Drehbuchadaptionen geschrieben, sondern Theaterstücke! Und außer Schauspielern und Schülern liest so was eigentlich kein Mensch – und ich glaube nicht, dass sich das in der Zukunft groß ändern wird.

Ostblocknet

Zukunftsvorhersagen sind eine tolle Sache – nur so fürchterlich unakkurat. Das fängt beim Wetter an und hört bei der Science Fiction auf. Denn betrachtet man sich Filme, die vor den 90ern gedreht wurden, aber nach den 90ern spielen, werden dem geneigten Betrachter zwei Dinge auffallen. Nehmen wir einfach mal die Filme „2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“ und die „Zurück in die Zukunft“ Trilogie als Beispiele, aber ich denke, wenn Sie mal schauen, werden Sie auch noch andere finden. Zwei Dinge hat scheinbar kaum jemand kommen sehen, weshalb diese Filme, na, sagen wir mal ein bisschen unkorrekt daherkommen, jedenfalls vom heutigen Standpunkt. Scheinbar ist man davon ausgegangen, dass der Ostblock eine genauso große Halbwertzeit hat wie der Mist, der damals in Tschernobyl in die Umwelt verbreitet wurde. Oder kurz: Den Niedergang des Ostblocks hat kaum jemand vorausgesehen, zumindest nicht für die Jahre Anfang des neuen Jahrtausends. Und was auch kaum jemand vorausgesehen hat, ist das, was es Ihnen gerade ermöglicht, diesen Text zu lesen: das Internet! Aber fliegende Autos, Raketenrucksäcke und eine Kolonie auf dem Mond… ach Mensch!

Da könnt man durch die Wand gehen

Okay, es heißt eigentlich „die Wände hoch“, aber das wäre am Thema vorbei. Was Leute, besonders in der Science Fiction, gerne tun können, ist durch Wände gehen. Das sieht natürlich super aus… ist aber rein logisch völliger Quatsch. Denn die Erklärung dafür wäre, dass die Person keine feste Substanz mehr hat und deshalb durch die Substanz der Wand hindurch kommt. Problem dabei ist: Wenn man keine Substanz mehr hat, wie viele Hollywoodfilme in letzter Zeit, dann kann man auch nicht mehr laufen, weil man die Substanz der Füße braucht, um sich von der Substanz des Fußbodens abzustoßen. Ergo: Keine Substanz, kein Laufen. In einer Folge von „Star Trek: The Next Generation“ haben sie es auf eine ähnliche Weise gelöst, dass zwei Charaktere in eine andere „Phase“ gebracht wurden, quasi auf eine andere Wellenlänge. Sieht man davon ab, dass auch die nicht laufen könnten, würden sie überdies innerhalb kürzester Zeit erstickt sein, denn warum sollte es in dieser anderen Phase Sauerstoff geben?

…in einer Galaxis, weit, weit entfernt

Und genau darum geht es beim Weltraum: Alles, wirklich ALLES ist weit, weit, WEIT entfernt! Verdammt weit! Aber auch das kriegen die Autoren von SF-Filmen oft nicht richtig hin (oder es interessiert sie nicht oder sie glauben, dass der Zuschauer es eh nicht besser weiß oder all das zusammen). Alles ist verdammt weit auseinander und wenn man nicht irgendeinen imaginären Antrieb hat, der einen unrealistisch schnell macht, dann ist man für diese Strecken auch verdammt lang unterwegs. „Starship Troopers“ macht den Fehler, uns zu zeigen „Sie sind hier“, was als Gag gedacht war, dem eingeweihten Zuschauer aber etwas verrät. Wenn wir nämlich „hier“ sind und der Planet der Arachnoiden da drüben, ein paar hundert Lichtjahre entfernt, wie wollen die es dann geschafft haben, einen Asteroiden auf die Erde zu schießen? Selbst, wenn sie den auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt kriegen würden (was sie offensichtlich nicht tun), würde er immer noch ein paar hundert Jahre brauchen, um anzukommen! Derlei Schwachsinn findet sich leider immer wieder.

Zum Beispiel bei „Mondbasis Alpha 1“, eine Serie, in der der Mond aus seiner Umlaufbahn geschleudert ist und dann durchs Weltall rast. Auch hier müsste der Mond auf mehrfache Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, damit man was davon hätte, auf ihm zu reisen, denn ansonsten würde es wirklich verdammt lange dauern, bis man das Sonnensystem überhaupt erst verlassen hätte!

Und ich glaube, auch der erste „Superman“ hat ein solches Problem, wo Supi mit einem schnellen Schiff zur Erde geschickt wird, aber nach der Zerstörung von Krypton irgendwann Teile davon auf der Erde landen… aber es weiß ja keiner!

Lange Wege, lange weg

Diese unendliche Weite bietet noch ein Problem, das gerne übersehen wird, wenn auch, aus stylistischen Gründen. Mit einem Raumschiff ist man, das sagen uns selbst die Filme, einfach oft verdammt lange unterwegs. Trotzdem verzichtet man in Filmen gerne auf Dinge, die in so einer Situation wichtig und teilweise unverzichtbar sind.

Nehmen wir die Brücke eines Raumschiffs. Und nehmen wir an, es müssten immer Leute da sein, um die Instrumente im Auge zu behalten. Auf was sollte man in einem solchen Fall möglichst nicht verzichten? Richtig, Stühle! Es mag ja ganz cool wirken, wenn es Stationen gibt, an denen man nur stehen kann, aber wenn man 300 Tage unterwegs ist, ohne dass was passiert, dann ist das verdammt langweilig und man würde sich bestimmt einen Hocker wünschen.

Das andere ist… man kann nicht einfach mal auf den nächsten Rastplatz fahren, wenn mal einer aufs Klo muss. Also sollte selbst das kleinste Shuttle, das nur dafür da ist, jemanden vom Planeten aufs Schiff zu bringen, mit einer Toilette ausgestattet sein, für interplanetare Flüge wären eine Liege und eine Dusche ebenfalls empfehlenswert. Denn so ein Flug dauert dann schon mal mehrere Tage, und wenn man vorher nicht ordentlich aufs Klo gegangen ist, dann wird das eine verdammt harte Zeit!

Kein Multikulti für Außerirdische

So ziemlich alle Außerirdischen sind Monokulturen. Sie tragen alle die gleiche Mode, haben alle die gleichen Frisuren und haben auch nur eine einzige Sprache. Man muss nur durch einen beliebigen Stadtteil von Köln gehen um zu sehen, dass das völlig unrealistisch ist!

Außerirdische Invasoren sind doof!

Damit meine ich nicht die Filme, sondern die Invasoren selbst. Okay, sie reisen durch den Weltraum über zig tausend Lichtjahre, also sollten sie eigentlich intelligent sein, auf jeden Fall intelligenter als wir. Aber vielleicht sind das ja nur die Klassenstreber der Galaxis, die zwar gute Noten haben, aber nur, weil sie ständig aufzeigen, in Wirklichkeit aber keinen Schimmer haben? Sie reisen durch den Weltraum und haben Waffen, die uns haushoch überlegen sind. Und doch müssen sie die Deppen des Weltraums sein, denn jedes Mal schaffen es die Menschen, sie im Kampf zu besiegen, obwohl wir nicht die Spur einer Chance gegen sie haben sollten. Na, wenn das keine amerikanische Überheblichkeit ist…

Halb_Fiction597

von Martin Cordemann

Über das Zeitreisen

Lieber Leser, dies ist eine Einführung, die sich mit den Dingen beschäftigt, die zu beachten sind, falls Sie die Möglichkeit haben sollten, sich auf eine Reise zwischen die Zeiten zu begeben. Sollten Sie einen Zeitreiseanbieter Ihres Vertrauens haben, wird er Ihnen möglicherweise einige weitere Tipps geben können. Wie eine Zeitmaschine funktioniert, möchten wir an dieser Stelle der Wissenschaft überlassen. Falls Sie Probleme mit Ihrer Zeitmaschine haben, konsultieren Sie bitte die Gebrauchsanweisung oder fragen Sie den Hersteller.

Reisen in die Vergangenheit

Gut, beginnen wir mit Reisen in die Vergangenheit. Da kommen meist die abenteuerlichsten Ideen zustande. Beschränken wir das ganze auf zwei Möglichkeiten:

a) Sie können etwas verändern

und

b) Sie können nichts verändern.

Das ist es im Großen und Ganzen.

Beginnen wir mit a): Die Anwesenheit eines Zeitreisenden, also Ihnen in dem Fall, kann eine Veränderung hervorrufen.

Beispiel 1

Wenn Sie jemanden töten, hat das eine große Wirkung auf den bekannten Handlungsverlauf. Warum? Weil diese getötete Person ohne das Auftauchen des Zeitreisenden weitergelebt hätte, ganz einfach.

Die Folge: Alle Handlungen, an denen diese Person in der bisherigen Zeitlinie beteiligt war, würden sich ändern. Und das gilt auch für viele Handlungen, an denen andere Personen beteiligt waren. Das fängt mit einfachen Begegnungen an und hört mit dem Aussterben oder Überleben ganzer Familien wenn nicht sogar Arten auf.

Beispiel 2

Peter sollte Heidi zum Bahnhof bringen. Am nächsten Bahnhof würde Heidi Klaus durch einen Luftröhrenschnitt das Leben retten. Heidi heiratet den Sohn von Klaus mit dem sie drei Kinder hat. Klaus wird Anwalt und sorgt dafür, dass Hector nicht auf dem elektrischen Stuhl landet.

Und nun kommen Sie ins Spiel: Da Sie Peter umgebracht haben, bringt Peter Heidi nicht zum Bahnhof. Heidi verpasst den Zug. Da am nächsten Bahnhof kein Arzt vor Ort ist, stirbt Klaus. Hector wird nicht angemessen verteidigt und landet auf dem elektrischen Stuhl. Da Heidi Klaus Sohn nie kennen gelernt hat, heiratet sie den Börsenmakler Alfred, der leider unfruchtbar ist und so wird sie niemals Mutter.

Die Folge der Folge: Was Ihnen – und nun passen Sie bitte genau auf, denn jetzt wird es kompliziert – aus der Zukunft als Vergangenheit bekannt ist, würde sich verändern. Nach dem Schneeballprinzip. Radikal. Es beginnt mit einem von Ihnen umgekippten Dominostein und endet mit dem Umkippen aller Klötze in einer Lagerhalle von der Größe New Yorks. Und vergessen Sie nicht: Sie haben ihn umgestoßen.

Fazit

Nehmen wir an, Zeitreise würde so funktionieren, dann könnte schon Ihr Erscheinen in der Vergangenheit selbst eine starke Veränderung auslösen und den ersten Stein umkippen. So oder so gilt: Halten Sie sich aus allem Geschehen raus!

Von nichts kommt nichts

Aber bleiben wir noch ein bisschen bei dieser Theorie. In die Vergangenheit reisen und Dinge verändern. Da findet sich gerne etwas, das ich als „Schöpfung aus dem Nichts“ bezeichnen möchte. Sie kennen das: Der Zeitreisende braucht für seine Rückkehr dringend ein bestimmtes Sonett von Shakespeare, weil er seiner Freundin versprochen hat, dass er es ihr, in der Handschrift des Meisters mitbringen wird. Nun hat Shakespeare es aber noch gar nicht geschrieben.

Ist die Sache damit erledigt? Nein, denn „zum Glück“ hat unser Reisender eine Kopie des Textes dabei und diktiert ihn Shakespeare, der ihn aufschreibt, und das ist… totaler Schwachsinn! Wird uns von Science Fiction Autoren immer wieder gerne verkauft, ist aber absolut idiotisch.

Denn woher, meine lieben Freunde, soll der Text denn bitte gekommen sein? Aus dem Nichts? Ja, mögen Sie jetzt argumentieren, er kommt aus der Vergangenheit. Nein, tut er nicht, denn er ist dort nie geschrieben, nie erdacht worden.

Aber dort kam er hin aus der Zukunft. Nein, weil er nie in die Zukunft gekommen ist, da er ja nie geschrieben wurde. Er entstand also offenbar aus dem Nichts.

Noch mal von vorn

Ich weiß, das ist knifflig, also noch mal ganz in Ruhe zum Mitschreiben:

  • Shakespeare hat den Text nicht geschrieben, er wurde ihm diktiert.
  • Von jemanden, der ihn aus der Zukunft mitgebracht hatte.
  • Der Zeitreisende hat einen Text mitgebracht, den er nicht geschrieben hat.
  • Diesen Text hat er Shakespeare diktiert, der den Text nicht erdacht hat.
  • Niemand hat ihn erdacht, die Phase, in der der Text als solcher geschaffen wurde, fehlt.

Schöpfung aus dem Nichts. Völliger Schwachsinn! Ein Kreislauf ohne Substanz.

Würde es helfen, wenn es materieller ist? Ein Kuchen?

  • Sie bekommen von Ihrer Mutter einen Kuchen geschenkt.
  • Sie fahren zurück in die Vergangenheit und bringen Ihrer Mutter denselben Kuchen mit.
  • Später schenkt Ihnen Ihre Mutter den Kuchen…

Wer hat ihn gebacken? Niemand.

Wie ist er entstanden? Gar nicht.

Denn es ist Blödsinn!

Grenzfall

Anders, und ich füge das auch nur der Vollständigkeit halber an, wäre der Fall, in dem jemand aus der Zukunft kommt, aber nichts von Shakespeare kennt. Die beiden reden miteinander, daraus entsteht ein Werk von Shakespeare. Das wäre möglich, aber bislang gibt es keine Hinweise, dass es je dazu gekommen ist.

Parallelwelten

Dann gäbe es noch die Möglichkeit: Sie verändern die Zeit und es entsteht eine neue Zeitlinie, die parallel zur alten existiert. Hier können Sie quasi alles verändern, aber es wirkt sich nicht auf die Zeit aus, aus der Sie kommen. Bleibt die Frage: Falls Sie nach getaner Arbeit in Ihre eigene Zeit zurück reisen, landen Sie dann in Ihrer eigenen Zeitlinie oder in der neuen, die Sie erschaffen haben? Oder ist es möglich, von einer Zeitlinie in die andere zu wechseln, ganz, wie es einem beliebt? Das würde einen völlig neuen Markt eröffnen, der es jedem ermöglicht, sich so viele eigene Zeitlinien zu schaffen, wie es ihm beliebt. Bislang fehlen uns dazu aber leider klare Informationen.

Das ist Vergangenheit

Was wäre allerdings, meine lieben Leser, wenn b) zutrifft und der Zeitreisende fester Bestandteil der Vergangenheit wäre? Nehmen wir an, er ist ein geplantes, im Laufe der Geschichte vorgesehenes und natürliches Mitglied seiner Zielzeit? Dann besteht nicht die Gefahr, dass er etwas verändert, denn alles, was er tun wird, hat er bereits getan und ist Teil der Vergangenheit.

Er kann gerne versuchen, um hier mal das klassische Beispiel aufzugreifen, Hitler zu töten. Aber da er die Vergangenheit kennt, in der Hitler nicht getötet wurde, kann er zwangsläufig nur scheitern. Oder er ist erfolgreich und Hitler wird durch einen Doppelgänger ersetzt, das erfolgreiche Attentat auf ihn vertuscht und alles so weitergeführt, als würde er noch leben. Das Endergebnis, das geschichtliche, ist und bleibt dasselbe. Also muss er sich in diesem Fall nicht überlegen, was er tut und ob seine Handlungen den Lauf der Geschichte verändern könnten, da sie ja, wie bereits erwähnt, schon Teil dieser Geschichte sind.

Auf in die Zukunft

Spannend sind natürlich auch Reisen in die Zukunft… doch darauf gehen wir ein anderes Mal ein. An dieser Stelle möchte ich jedoch eins zu bedenken geben: Falls die erste Theorie zutreffen sollte und Sie sind selbst zum Zeitreisenden geworden, dann ist es möglich, wenn nicht sogar ausgesprochen wahrscheinlich, dass Sie in eine andere Gegenwart zurückkehren als die, aus der Sie gekommen sind. Denn Sie haben Ihre eigene ja verändert. Falls dann eine Rückkehr überhaupt möglich sein sollte. Denn Sie dürfen niemals vergessen, dass Ihre Anwesenheit in der Vergangenheit in einem solchen Fall zu Veränderungen führt. Und die könnten sogar so stark sein, dass durch sie z.B. der Bau einer Zeitmaschine verhindert wird. Oder sogar Ihre eigene Geburt! Und, ganz ehrlich, dann haben Sie Ihre eigene Zeitreise verhindert und damit verhindert, dass Sie Ihre Geburt verhindert haben und damit können Sie in der Zeit zurück reisen, um Ihre Geburt zu verhindern, was dazu führt, dass Sie Ihre eigene Zeitreise verhindern und damit… Sie sehen, das ganze ist ziemlich einfach!

DoubleDSexy08DerAngriff

von Martin Cordemann